Vorstände mit Faktor 38
Die DSW-Vergütungsstudie 2023 wurde diese Woche vorgestellt und erhebt auch in der 23. Durchführung eine Menge Detailinformationen zur Vergütung der DAX-Vorstände. Eine interessante Kennzahl daraus ist der Abstand zwischen dem durchschnittlichen Arbeitseinkommen der Beschäftigten und der Unternehmensspitze: „Die Vorstände verdienten durchschnittlich das 38-Fache ihrer Mitarbeitenden – im Jahr zuvor war es noch das 52-Fache.“
Schließt sich hier also plötzlich die Gehaltsschere? Das wohl nicht, aber 2022 waren gestiegene Personalaufwände pro Mitarbeitenden und gesunkene Vorstandsvergütungen sichtbar. Die einen haben von Inflation-getriebenen Lohnrunden profitiert, die anderen spüren den Anteil der vom wirtschaftlichen Unternehmenserfolg abhängigen Komponenten in die andere Richtung. Der DAX schloss das zurückliegende Jahr mit einem Kursrückgang von 12,3 Prozent und das spiegelt sich in den aktienbasierten Teilen der Vergütung.
In absoluten Zahlen rangieren DAX-Vorstände übrigens hinter der Vergleichsgruppe in Frankreich oder der Schweiz. Die durchschnittliche Vorstandsvergütung im EuroStoxx 50 liegt um 45 Prozent höher. Die internationale Spitze findet sich aber in den USA, wo die Vorstände im Dow Jones fast das 5-fache bekommen. Ob das Geld verdient ist, wäre eine andere Diskussion.
Für das aktuelle Jahr gibt es jedenfalls wieder Hoffnung in den Chefetagen, denn der DAX liegt bisher rund 13 Prozent im Plus. Die Seitwärtsbewegung im August könnte langfristig das erreichte Niveau stabilisieren, aber bei Rückschlägen unter den Bereich von 15.700 Punkten dürfte es kritisch werden.


Newsletter vom 16. August 2023
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf
