Die Rückkehr der Rendite

Dr. Martin Moryson

In den vergangenen Monaten sind die Renditen weltweit kräftig gestiegen. US-Anleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren rentieren mit circa 5 Prozent, deutsche Staatsanleihen mit rund 3 ½ Prozent und französische Staatsanleihen mit knapp 4 ½ Prozent.

Ein Teil dieses Zinsanstiegs lässt sich mit der Sorge vor steigenden Inflationsraten erklären. Der Krieg im Iran, das Vorrücken der Huthi im Jemen, die zunehmende Zerstörung von Raffinerien in Russland – all das treibt den Preis für Ölprodukte und damit die Inflation kräftig an.

Bemerkenswert ist aber, dass die Realrenditen – also nach Abzug der erwarteten Inflationsraten – ebenfalls deutlich angezogen haben. Für diesen Anstieg kann man im Wesentlichen drei Gründe anführen. Das emittierte Anleihevolumen hat in den zurückliegenden Jahren kräftig zugelegt. Die Staatsverschuldung steigt global immer weiter und zunehmend drängen große KI-Firmen auf den Anleihemarkt, um ihren Kapitalhunger zu stillen.

Zudem wird vielfach angeführt, dass die Märkte höhere Ausfallrisiken einpreisen. Schaut man jedoch auf Kreditausfallversicherungen, so kann man dies zwar für Frankreich konstatieren, kaum jedoch für Deutschland, Japan oder die USA.

Ein oft unterschätzter Faktor ist jedoch, dass steigende Realrenditen auch ein Zeichen dafür sind, dass die Märkte einer Volkswirtschaft wieder stärkeres Realwachstum zutrauen. Und tatsächlich revidieren immer mehr Institute ihre Wachstumsprognosen nach oben. So erwartet die US-Notenbank ein Wachstum von mehr als 2 Prozent für die USA. Die EZB prognostiziert für den Euroraum im kommenden Jahr ein Wachstum von fast 1 ½ Prozent und für Deutschland wird gemeinhin ein Wachstum in ähnlicher Größenordnung erwartet. Das ist durchaus solide und das trotz des hohen Ölpreises.

Was bedeutet das für den Anleger?
Nach dem Renditeanstieg bieten Staatsanleihen wieder attraktive laufende Erträge. Wir bevorzugen derzeit mittlere Laufzeiten und solide Unternehmensanleihen. Die höheren Renditen machen Anleihen wieder zu einer attraktiven Ertragsquelle und zugleich zu einem wichtigen Risikopuffer in einem ausgewogenen Portfolio.

Newsletter vom 23. September 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

Zum Newsletter anmelden