Märkte funktionieren als Seismograph

Die Aktivitäten unter der Erdkruste werden von Geologen laufend beobachtet. Bereits kleinste Erschütterungen lassen die Nadeln der empfindlichen Geräte ausschlagen und können mögliche Katastrophen ankündigen. Ähnlich sensibel reagieren die Märkte auf die geo-strategischen Spannungen an der Ostgrenze der Ukraine. Dabei werden die militärischen und diplomatischen Aktivitäten genauestens beobachtet und lassen sich in den Chartlinien nachvollziehen. Am Freitagnachmittag verabschiedete sich der offizielle DAX mit 15.425 Punkten ins Wochenende und verpasste damit die fallenden Kurse an den 6 Stunden später laufenden US-Märkten. Entsprechend eröffnete der deutsche Markt am Montag mit einer ordentlichen Notierungslücke und fiel im Tagesverlauf weiter bis auf 14.844 Punkte, wie zuletzt an einzelnen Tagen im Oktober und Mai 2021. Doch dann drehte der Index wieder ins Plus und setzte die Erholung am Dienstag fort. Aktuell ist das Kursniveau unverändert zum Stand von vor einer Woche. War was? Ja, die Dynamik ist hoch und nahezu unberechenbar. Interessant für Tarder, doch mittelfristig nur Bestätigung der mehr als 10-monatigen Seitwärtsbewegung -aber mit mehr Rückschlags- als Ausbruchspotenzial! Zwei andere Krisenindikatoren zum Vergleich, die natürlich auch der Inflation geschuldet sind: Gold legt seit Jahresbeginn zu, notiert aber noch klar unter dem Hoch von Mitte 2020. Ein Barrel Öl hingegen kostet so viel wie zuletzt 2014. Auch beim Seismographen gibt es Fehlausschläge. Dafür könnte man in der aktuellen Situation dankbar sein.

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Newsletter vom 16. Februar 2022

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow