Die Rückkehr der Rendite

Dr. Martin Moryson

In den vergangenen Monaten sind die Renditen weltweit kräftig gestiegen. US-Anleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren rentieren mit circa 5 Prozent, deutsche Staatsanleihen mit rund 3 ½ Prozent und französische Staatsanleihen mit knapp 4 ½ Prozent.

Ein Teil dieses Zinsanstiegs lässt sich mit der Sorge vor steigenden Inflationsraten erklären. Der Krieg im Iran, das Vorrücken der Huthi im Jemen, die zunehmende Zerstörung von Raffinerien in Russland – all das treibt den Preis für Ölprodukte und damit die Inflation kräftig an.

Bemerkenswert ist aber, dass die Realrenditen – also nach Abzug der erwarteten Inflationsraten – ebenfalls deutlich angezogen haben. Für diesen Anstieg kann man im Wesentlichen drei Gründe anführen. Das emittierte Anleihevolumen hat in den zurückliegenden Jahren kräftig zugelegt. Die Staatsverschuldung steigt global immer weiter und zunehmend drängen große KI-Firmen auf den Anleihemarkt, um ihren Kapitalhunger zu stillen.

Zudem wird vielfach angeführt, dass die Märkte höhere Ausfallrisiken einpreisen. Schaut man jedoch auf Kreditausfallversicherungen, so kann man dies zwar für Frankreich konstatieren, kaum jedoch für Deutschland, Japan oder die USA.

Ein oft unterschätzter Faktor ist jedoch, dass steigende Realrenditen auch ein Zeichen dafür sind, dass die Märkte einer Volkswirtschaft wieder stärkeres Realwachstum zutrauen. Und tatsächlich revidieren immer mehr Institute ihre Wachstumsprognosen nach oben. So erwartet die US-Notenbank ein Wachstum von mehr als 2 Prozent für die USA. Die EZB prognostiziert für den Euroraum im kommenden Jahr ein Wachstum von fast 1 ½ Prozent und für Deutschland wird gemeinhin ein Wachstum in ähnlicher Größenordnung erwartet. Das ist durchaus solide und das trotz des hohen Ölpreises.

Was bedeutet das für den Anleger?
Nach dem Renditeanstieg bieten Staatsanleihen wieder attraktive laufende Erträge. Wir bevorzugen derzeit mittlere Laufzeiten und solide Unternehmensanleihen. Die höheren Renditen machen Anleihen wieder zu einer attraktiven Ertragsquelle und zugleich zu einem wichtigen Risikopuffer in einem ausgewogenen Portfolio.

Newsletter vom 23. September 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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Automotive bremst – Bitcoin gibt Gas

Hiobsbotschaften der Autobauer aus Wolfsburg und Stuttgart dominierten mit Margen-Verfall, Milliarden-Abschreibungen sowie drohenden Entlassungen und Werksschließungen die nationalen Wirtschaftsnachrichten. Die mit dem Stern liegen beim Aktienkurs seit Jahresbeginn rund 30 Prozent im Minus. Beim Konzern mit dem Golf, der gerade seinen angestammten Platz im Euro Stoxx 50 verloren hat, ist es ähnlich. Hier prägt der Absturz im Juni von 90 auf 70 Euro den Chart. Zwischenzeitliche Erholungen nähren immer wieder die Hoffnung, um anschließend doch zu enttäuschen. Die tiefgreifenden Strukturprobleme, der zähe Umstieg auf die Elektromobilität und der Druck aus China machen der deutschen Schlüsselindustrie spürbar zu schaffen. Die deutschen PKW-Exporte sinken 2026 bisher um 4 Prozent, während die Importe um 16 Prozent zulegen.

Zum Glück lässt sich der DAX davon nicht mehr so leicht nach unten ziehen. Die historische Abhängigkeit von den Automobil-Aktien hat sich in den letzten 10 Jahren vom zweistelligen in den einstelligen Prozentbereich halbiert. Nach einem schwachen Wochenabschluss, und von politischen Wahlen erneut unbeeindruckt, legte der DAX am Montag satte 1,3 Prozent zu. Doch heute wackelt wieder die Marke von 25.500 Punkten. Derweil konnte an den US-Märkten der Dow Jones am Dienstag sein 37. Rekordhoch des laufenden Jahres verzeichnen und die Technologiebörse Nasdaq stand gestern so hoch wie noch nie. Autoaktien spielen da keine große Rolle, der auf unter 100 USD gefallene Ölpreis vielleicht schon eher.

Als energiehungrig galt immer der Bitcoin, wo seit dem Peak vom Oktober zuletzt Kurseinbrüche um 50 Prozent das Bild prägten. Statt unter 60.000 USD notiert die bekannteste und wertvollste Digitalwährung aktuell über 86.000 USD und hat damit seit dem Jahrestief Anfang Juli in kurzer Zeit knapp 50 Prozent zugelegt. Das starke Momentum vertreibt die Gerüchte um einen Krypto-Winter, aber die Strecke bis zum alten Rekordhoch von fast 126.000 USD ist nochmal genauso lang. Hoffentlich reicht der Sprit dafür.

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Newsletter vom 23. September 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

US-Staatsschulden: Märkte werden skeptischer

Dr. Klaus Bauknecht

Die hohe staatliche Staatsverschuldung der USA rückt zunehmend in den Fokus der Kapitalmärkte. Zwar wird die Schuldendynamik aktuell noch durch ein nominales Wirtschaftswachstum gestützt, das über den durchschnittlichen Finanzierungskosten des Staates liegt. Doch mit ansteigenden Renditen steigt der Druck auf die US-Regierung, ihre Ausgaben unter Kontrolle zu bekommen. Dies gilt vor allem, weil jüngste Anstiege der US-Renditen auf eine mögliche Neubewertung von US-Staatsanleihen hindeuten.

Die hohe Schuldenquote von 123 Prozent des BIP gerät zunehmend in den Fokus von Investoren und Ratingagenturen. Gleichzeitig sind die US-Renditen deutlich gestiegen, wodurch sich die Finanzierungskosten des Staates spürbar erhöht haben.
Grundsätzlich ist die Schuldenquote eines Staates dann stabil, wenn das nominale Wirtschaftswachstum über dem effektiven Zinssatz der Staatsschulden liegt. Andernfalls muss der Staat durch einen Primärüberschuss gegensteuern und Staatsausgaben ohne Zinszahlungen müssen geringer ausfallen als die Einnahmen. Ansonsten wird sich der Anstieg der Schuldenquote verselbstständigen. Historisch haben sich die USA jedoch schwergetan, solch einen Überschuss zu erzielen.

Stattdessen konnte eine robuste US-Wachstumsdynamik den Anstieg der Schuldenquote dämpfen. Seit 2021 hat sich allerdings die effektive Zinsbelastung des US-Staates nahezu verdoppelt. Gleichzeitig ist das langfristige Potenzialwachstum der USA gesunken. Damit schrumpft der Puffer zwischen Wachstum und Zinsen und es erhöht sich die Gefahr einer weiter ansteigenden Schuldenquote.

Die aktuell steigenden US-Renditen werfen die Frage auf, ob die Märkte inzwischen eine Risikoprämie auf US-Staatsanleihen fordern. Nach Schätzungen der IKB liegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries inzwischen deutlich über ihrem fundamental erklärbaren Niveau. Die Abweichungen haben seit Beginn der zweiten Trump-Präsidentschaft und den Kommentaren über die Fed-Unabhängigkeit zugenommen und sich am aktuellen Rand nochmals verschärft. Neben Inflationssorgen könnte nun auch die langfristige fiskalische Stabilität der USA eine Rolle spielen.

2027 dürfte eine rückläufige Inflation sowie erwartete Zinssenkungen der Fed für Entlastung sorgen. Mittel- bis langfristig bleibt jedoch entscheidend, den Wachstumsausblick zu verbessern und das Haushaltsdefizit einzudämmen. Andernfalls dürfte die Diskussion über die Bonität der USA an Intensität gewinnen. Der Kapitalmarkt scheint bereits jetzt eine klare Botschaft zu senden.

Newsletter vom 16. September 2026

Dr. Klaus Bauknecht – Chefvolkswirt
IKB Deutsche Industriebank AG

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Das KI-Dilemma: Sicherheit oder Tempo?

Wenn sich die Erfinder einer Supertechnologie selbst erschrecken, horcht das Parkett auf. Führende KI-Pioniere und Chefs von Entwicklerschmieden wie OpenAI oder Anthropic schlagen in seltener Einigkeit überraschend leise Töne an. Aus Sorge vor Sicherheitsrisiken und Kontrollverlust plädieren sie offen für eine Verlangsamung der Entwicklung. Dass die Architekten des Booms freiwillig auf die Bremse treten wollen, passt so gar nicht zum harten Wettbewerb im Tech-Sektor.

Das angedachte Durchatmen in den immer schneller werdenden Entwicklungszyklen ruft sofort Kritiker auf den Plan. Der US-Präsident und Nvidia-Chef Jensen Huang machen klar: Im globalen Wettbewerb gibt es keine Pause-Taste! Nvidia liefert weiterhin die hochbegehrten Schaufeln für den KI-Goldrausch und denkt nicht daran, das Tempo zu drosseln. Für Trump geht es darum, die Vorherrschaft gegen China unbedingt zu verteidigen. Börsianer stellt sich damit die Frage: Baut die Tech-Branche hier gerade nachhaltige Leitplanken für die Zukunft – oder bremst sie am Ende ihren erarbeiteten Vorsprung aus?

Apropos Bremsen: Auf eine ganz andere Art der Drosselung blicken die Märkte am Mittwochabend, wenn die Zinsentscheidung der Federal Reserve ansteht. Die Erwartung einer erneuten Zinkanhebung ist unter dem Druck steigender Energiepreise binnen nur einer Woche von 60 auf über 90 Prozent gestiegen. Höhere Zinsen verteuern aber das Kapital, was besonders wachstumsstarke, aber vornehmlich fremdfinanzierte Tech-Titel einbremsen könnte.

Diese Unsicherheit spiegelt sich auch im heimischen Markt wider. Anders als Ende August spricht gerade niemand mehr von neuen Rekorden. Der DAX hat in den letzten Wochen den Rückwärtsgang eingelegt und ist gestern zeitweise unter 25.200 Punkte gefallen. Kein völlig überraschendes Bremsmanöver im schwierigen Börsenmonat September.

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Newsletter vom 16. September 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Wie viel Potenzial steckt in Stablecoins ?

Thomas Scholz

Stablecoins sind digitale Wertdarstellungen („Token“), die über eine Blockchain übertragen werden und ihren Wert möglichst stabil halten sollen. Meist sind sie an eine klassische Währung wie den US-Dollar gekoppelt. Wo ihr Potenzial, aber auch Risiken liegen könnten, erklärt Union Investment, der Fondspartner der Hannoverschen Volksbank eG.

Einen wichtigen Anwendungsbereich von Stablecoins sieht Union Investment im internationalen Zahlungsverkehr. Bei grenzüberschreitenden Zahlungen, etwa durch Auslandsüberweisungen, sei das klassische Bankensystem häufig teuer und ineffizient. Stablecoins hingegen hätten das Potenzial, diese Transfers schneller und günstiger zu machen. Interessant könnten Stablecoins etwa für Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern sein, die nur eingeschränkten Zugang zu internationalen Zahlungswegen oder stabilen Fremdwährungen haben.

Stablecoins können ihre Wertstabilität nur wahren, wenn die Nutzerinnen und Nutzer davon ausgehen, dass sie sie jederzeit wieder zum vereinbarten Referenzwert eintauschen können, erklärt Union Investment. Gerate dieses Vertrauen ins Wanken, könnten viele Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig versuchen, ihre Token zurückzugeben. Durch die digitale Abwicklung könne sich eine solche Entwicklung sehr schnell ausbreiten. Müssten Anbieter dafür Teile des Reservevermögens wie Staatsanleihen in großem Umfang verkaufen, könne dies auch andere Finanzmärkte belasten.

Werden Bankeinlagen zudem dauerhaft in Stablecoins umgeschichtet, stehen sie den Banken nicht mehr für das klassische Geschäft zur Verfügung. Das könne ihre Refinanzierung verteuern und die Kreditvergabe erschweren. Wenn diese Umschichtung ein erhebliches Ausmaß erreiche, könne sie letztlich sogar die geldpolitische Transmission beeinträchtigen – also den Prozess, über den beispielsweise Leitzinsänderungen die Finanzierungsbedingungen, die Kreditvergabe und die wirtschaftliche Aktivität beeinflussen.

Die größten Chancen sieht Union Investment daher im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr und in Märkten mit schwacher Finanzinfrastruktur. In entwickelten Volkswirtschaften sei es dagegen unwahrscheinlich, dass Wallets – digitale Geldbörsen, in denen Stablecoins verwaltet, empfangen und versendet werden – das Bankkonto flächendeckend verdrängten. Die Hannoversche Volksbank informiert gerne über Chancen und Risiken entsprechender Geldanlagen mit Bezug zu Kryptowerten.

Newsletter vom 09. September 2026

Thomas Scholz – Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

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Stimmung und Zahlen passen nicht

Positiv korrigierte Herbstprognosen lassen den DAX derzeit kalt: Fürs 2026er BIP erwartet ifo nun 1,4 und RWI 1,3 Prozent, nachdem sich beide Institute zuvor bei schwachen 0,8 Prozent einig waren. Als Begründung dient ein überraschend guter Außenhandel und mehr Staatsausgaben – jedoch ohne spürbare Erholung beim Konsum. Stimmung und Zahlen fallen also mal wieder auseinander, was der deutsche Leitindex mit Werten unter den 26.000 Punkten zeigt.

Mit dem Beschuss iranischer Tanker durch die US-Armee eskaliert nicht nur wieder die Lage am Golf, sondern auch der Ölpreis. Die Nordsee-Sorte Brent hat heute die Schwelle von 100 USD je Barrel überschritten. Dieser Wert wurde im Juli bereits für einen Tag erreicht, lag zwei Wochen davor und danach jedoch bei nur rund 80. Das Jahreshoch von 118 USD ist zwar noch ein Stück entfernt, aber im Frühjahr hielt sich der Preis mehrere Wochen über der 100er Marke. Typischerweise eine Bremse für die Wirtschaft, zumal sich der Spritpreis an den Tankstellen losgelöst vom Rohölpreis auf neue Rekorde hochgeschraubt und nun den Höchststand vom März 2022 überschritten hat.

Die Ergebnisse der 2025er PISA-Studie sind nicht nur für Deutschland ernüchternd und werden emotional diskutiert. Der Stand zur Finanzbildung wird hierzulande leider nicht gemessen, auch wenn die Petition zur Teilnahme am Finanz-PISA der OECD – auf die wir hier letzten Oktober auch hingewiesen hatten – mehr als 100.000 Unterschriften sammeln konnte. Vielleicht bringt das neue Altersvorsorgedepot wieder Schwung in das Thema, wo sich schon vor dem Start eine Preisschlacht der Anbieter abzeichnet.

Eine Leitzins-Erhöhung der EZB auf 2,5 Prozent am Donnerstag gilt unter Marktbeobachtern als sicher, bei der US-Notenbank sieht das Fed-Watch-Tool nach zuletzt guten Arbeitsmarktdaten die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung am nächsten Mittwoch lediglich bei 60 Prozent. Also vielleicht doch keine Stimmungskiller im schwierigen Börsenmonat September?

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Newsletter vom 9. September 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Aktienmärkte schwächer, steigende Zinsen und Ölpreis belasten

Bei seinem Auftritt in Jackson Hole hat US-Notenbankchef Kevin Warsh klare Worte zur Zinspolitik der US-Notenbank gefunden und ist damit Kritikern entgegengetreten, die die Unabhängigkeit der Fed in Zweifel gezogen hatten. Das Erreichen des Inflationsziels von maximal 2 Prozent bleibe das wichtigste Ziel, der Arbeitsmarkt stünde erst an zweiter Stelle. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine US-Zinserhöhung Mitte September auf rund 60 Prozent.
Dank Trumps‘ Dauerfehde gegen den Iran ist auch bei uns die Inflationsrate im August auf 2,9 Prozent gestiegen, im Euroraum sogar auf 3,3 Prozent und das könnte noch nicht das Ende für dieses Jahr gewesen sein. Eine Zinserhöhung der EZB am 10. September gilt als sicher.
Der Anleihenmarkt hat mögliche Zinsschritte von Fed und EZB bereits vorweggenommen, Verkäufe vor allem bei Langläufern haben die Renditen bereits nach oben getrieben. Die 30-jährigen US-Treasuries rentieren aktuell bei 5,28 Prozent, vergleichbare Bundesanleihen bei 3,85 Prozent.
Die Aktienmärkte zeigen sich vor dem Hintergrund des neu befeuerten Iran-Konfliktes, steigender Zinsen und Rohölpreise schwächer. Der DAX liegt aktuell wieder unter 26.000. Höhere Zinsen bedeuten Mehrkosten bei zahlreichen Unternehmen, vor allem auch im Technologiesektor. Die explodierenden Investitionen in künstliche Intelligenz müssen aber zunehmend über Kredite finanziert werden, weil die Alternativen Eigenkapital und Cashflow an Grenzen stoßen.
NVIDIA konnte jüngst brillante Quartalszahlen vorlegen. Die spannende Frage bleibt jedoch, wie lange diese und die Wachstumsstorys bei weiteren Hyperscalern (Meta, Amazon, Microsoft & Co.) intakt bleiben?
Bleiben Sie sehr wachsam in diesen Tagen, wir nähern uns dem Herbst und damit der Sturm- und Crashzeit!

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Newsletter vom 02. September 2026

Martin Braun, Börse Hannover

Das Mensch-Maschine-Duell

Joachim Brandmaier

Die Börse schlägt mittlerweile Kurskapriolen, dass es dem Privatanleger eigentlich schwindelig werden muss – und er oft genug zu Fehlern verleitet wird. Wer ist schuld daran? Etwa wir selbst? Und wie kann man diesem Wahnsinn entkommen?

Falls Sie schon etwas länger an der Börse aktiv sind, erinnern Sie sich vielleicht noch an Friedhelm Busch. Der legendäre und inzwischen 87-jährige Moderator der Telebörse war der erste Fernsehjournalist, der sozusagen mit Aktien berühmt wurde. Noch heute habe ich Worte im Ohr wie: „Veba Tagesgewinner mit 0,7 Prozent plus.“ Oder: „Nixdorf rauscht um 1,4 Prozent in die Tiefe!“

Ich will aber jetzt weder ein Loblied auf Busch trällern noch wie die „alten Leute“ von früher schwelgen, als angeblich alles besser war. Mir geht es um eine massive Veränderung der Kursausschläge, selbst bei großen Standardwerten. 0,7 Prozent Plus sind heute keine Nachricht mehr wert. Und wenn Aktien „in die Tiefe rauschen“, dann niemals nur um 1,4 Prozent. Zweistellige Kurskapriolen rauf und runter – das ist unsere heutige Welt!

Was ist los mit der Börse und uns Anlegern? Sind wir durchgedreht, dass wir Unternehmen massenhaft an einem Tag zehn Prozent mehr oder weniger wert sein lassen als am Tag davor? Ich kann Sie beruhigen: Nicht wir sind so extrem geworden. Es sind vor allem die Algorithmen und künstliche Intelligenz, die diese Kurs-Achterbahn auslösen. „Algo-Trading“ steht heute für 70 Prozent des gesamten Börsenhandels.

KI kann blitzschnell komplette Geschäftsberichte auswerten und reagiert prompt. Selbst wenn sie nur bei der Wortwahl oder beim Tonfall eine minimale positive Abweichung zum vorherigen Quartal erkennt, wird sich sofort auf die Aktie gestürzt, als gäbe es morgen keine mehr. Oder aber sämtliche Algorithmen wollen mit aller Macht zur gleichen Millisekunde raus. Dann muss der Kurs ja abstürzen.

Ändern können wir daran nichts – wohl aber unseren Umgang damit regeln. Sprich: den Wahnsinn einfach nicht mitmachen! Wenn Sie ständig den Geschehnissen hinterherhetzen, kostet es Sie nicht nur viele Nerven, sondern auch Geld. Erstens sind Sie sowieso langsamer als die Maschinen – müssen also höher kaufen oder tiefer verkaufen – und zweitens wissen auch die Algorithmen nicht, was die Kurse morgen oder kommendes Jahr machen. Oft sind sogar genau sie es, die beim nächsten anders gesetzten Komma die Aktien wieder in die gegenteilige Richtung peitschen …

Entscheidend ist jedoch ganz allein, ob ein Unternehmen in zehn Jahren mehr verdient als heute. Wenn, dann wird auch der Kurs höher stehen – unabhängig von den Schwankungen zwischendurch!

Newsletter vom 02.September 2026

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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Lebenslanger Ausbau qualitativen Wissens

Im Bereich der quantitativen Fundamentalanalyse wird ein engagierter Investor nach einigen Jahrzehnten feststellen, dass es kaum noch wesentliche neue Erkenntnisse zu gewinnen gibt. Das Gesamtkonstrukt einschließlich der wichtigsten Key Performance Indicators (KPIs) steht und hat sich bewährt.

Oder, wie es mir einmal ein Mathematiklehrer aus seiner beruflichen Perspektive erklärte: „Weißt du, was das Tolle am Beruf des Mathelehrers ist? Wenn man einmal alle Klassenstufen unterrichtet hat, muss man sich nie wieder grundlegend auf den Unterricht vorbereiten, weil es in der Mathematik keine umfassend neuen Entwicklungen gibt.“
Für den ebenso wichtigen Bereich der qualitativen Analyse gilt diese Erkenntnis jedoch nicht. Bereits der Aufbau eines soliden qualitativen Grundwissens ist deutlich zeitaufwendiger als das Erlernen von Kennzahlen. Die Zahl der an den Aktienmärkten vertretenen Branchen ist groß, und jede Branche besitzt ihre eigenen Besonderheiten, Chancen und Risiken. Dieses Verständnis aufzubauen, ist eine anspruchsvolle und langfristige Aufgabe.

Um sich möglichst viel qualitatives Wissen anzueignen, empfehle ich drei Ansätze, die idealerweise parallel verfolgt werden:

  1. Sprechen Sie mit Selbstständigen, Führungskräften und Angestellten aus möglichst vielen Branchen. Dabei geht es nicht darum, Insiderwissen zu erlangen, sondern sich aus erster Hand ein Bild von den Geschäftsmodellen, den Herausforderungen und den Erfolgsfaktoren eines Unternehmens zu machen.
  2. Lesen Sie Bücher. Besonders empfehlenswert sind Autobiografien von Unternehmensgründern sowie Sachbücher über einzelne Branchen oder Geschäftsmodelle.
  3. Studieren Sie Geschäftsberichte. Lesen Sie insbesondere die Ausführungen zu den Chancen und Risiken einer Branche. Gerade die Risikoberichte liefern häufig wertvolle Einblicke in die tatsächlichen Herausforderungen eines Unternehmens.

Wenn Ihnen der qualitative Wissensausbau Freude bereitet, dann habe ich eine gute Nachricht für Sie: Vor Ihnen liegt lebenslanges Lernen.
Auch künftig wird der technologische Fortschritt neue Branchen und Geschäftsmodelle hervorbringen, die wir uns heute möglicherweise noch gar nicht vorstellen können. Wer sich jedoch intensiv mit den heutigen Branchenstrukturen und Geschäftsmodellen beschäftigt, wird neue Entwicklungen leichter einordnen können. Denn selbst die innovativsten Technologien weisen häufig Parallelen zu bekannten oder inzwischen verschwundenen Geschäftsmodellen der Wirtschaftsgeschichte auf.

Ein abschließender Hinweis ist mir besonders wichtig: Investitionsentscheidungen sollten niemals ausschließlich auf qualitativen Einschätzungen beruhen. Die Grundlage jeder fundierten Investition müssen stets die Unternehmenszahlen und Finanzdaten aus den Geschäftsberichten sein. Die qualitative Analyse ergänzt diese Zahlen – sie ersetzt sie jedoch nicht.

Newsletter vom 26. August 2026

Gerhard Michel –
Finanzcoach Düsseldorf

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Comeback bei Gold und Bitcoin

An den Märkten zeigten sich zuletzt zwei Vorboten für unsichere Zeiten: Die US-Staatsschulden wachsen unter Trump rasant mit neuem Rekordstand von jetzt über 40 Billionen Dollar und die Renditen 30-jähriger amerikanischer Staatsanleihen stiegen auf über 5,3 Prozent, also den höchsten Stand seit 2007. Am Aktienmarkt war jedoch keine echte Schwäche zu erkennen. Die Indizes notieren weiterhin am oberen Ende ihrer Kurshistorie, auch wenn der DAX kurzzeitig mal unter die 26.000er Marke abgetaucht war. Die offensichtlichen Profiteure sind zwei zuletzt schwächelnde Assetklassen: Gold und Bitcoin.

Der Goldpreis ist seit Anfang August rund 15 Prozent gestiegen und notiert aktuell über 4.600 USD. Ein Chart-technischer Widerstand liegt bei 4.850 – erst danach wäre der Weg frei für Kurse oberhalb von 5.000 USD. Bis zum Rekordhoch von Ende Januar fehlen dem Edelmetall derzeit aber noch gut 17 Prozent. Beim Bitcoin gab es nach einer rund 11-wöchigen Seitwärtsphase zwischen 60.000 und 65.000 USD einen dynamischen Ausbruch. Allein seit letzter Woche Montag ist BTC um rund 25 Prozent auf aktuell knapp 79.000 USD gestiegen – auch das Krypto-Handelsvolumen erhöhte sich insgesamt deutlich. Hier lässt sich also doch die oben angedeutete Krisenstimmung in steigenden Kursen ablesen.

Die börsennotierten Unternehmen schauen aber wohl überwiegend positiv in die Zukunft. Die Künstliche Intelligenz gilt gerade bei den Tech-Aktien, aber auch zunehmend bei Industriewerten weiter als große Chance und auch der volatil-hohe Ölpreis wird nicht wirklich als Belastung gesehen. Im ifo-Geschäftsklimaindex schätzt die deutsche Wirtschaft mit 88,8 Punkten die Lage so optimistisch ein, wie zuletzt vor einem Jahr und auch die Zukunftserwartungen korrigierten deutlich nach oben. Ob der KI-Hype weiter läuft, lässt sich heute Abend an der Reaktion auf die Nvidia-Quartalszahlen ablesen und bei Tagung der US-Notenbank in Jackson Hole könnte es am Freitag neue Impulse für den Anleihenmarkt geben.

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Newsletter vom 26. August 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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