Die Rückkehr der Rendite

Dr. Martin Moryson

In den vergangenen Monaten sind die Renditen weltweit kräftig gestiegen. US-Anleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren rentieren mit circa 5 Prozent, deutsche Staatsanleihen mit rund 3 ½ Prozent und französische Staatsanleihen mit knapp 4 ½ Prozent.

Ein Teil dieses Zinsanstiegs lässt sich mit der Sorge vor steigenden Inflationsraten erklären. Der Krieg im Iran, das Vorrücken der Huthi im Jemen, die zunehmende Zerstörung von Raffinerien in Russland – all das treibt den Preis für Ölprodukte und damit die Inflation kräftig an.

Bemerkenswert ist aber, dass die Realrenditen – also nach Abzug der erwarteten Inflationsraten – ebenfalls deutlich angezogen haben. Für diesen Anstieg kann man im Wesentlichen drei Gründe anführen. Das emittierte Anleihevolumen hat in den zurückliegenden Jahren kräftig zugelegt. Die Staatsverschuldung steigt global immer weiter und zunehmend drängen große KI-Firmen auf den Anleihemarkt, um ihren Kapitalhunger zu stillen.

Zudem wird vielfach angeführt, dass die Märkte höhere Ausfallrisiken einpreisen. Schaut man jedoch auf Kreditausfallversicherungen, so kann man dies zwar für Frankreich konstatieren, kaum jedoch für Deutschland, Japan oder die USA.

Ein oft unterschätzter Faktor ist jedoch, dass steigende Realrenditen auch ein Zeichen dafür sind, dass die Märkte einer Volkswirtschaft wieder stärkeres Realwachstum zutrauen. Und tatsächlich revidieren immer mehr Institute ihre Wachstumsprognosen nach oben. So erwartet die US-Notenbank ein Wachstum von mehr als 2 Prozent für die USA. Die EZB prognostiziert für den Euroraum im kommenden Jahr ein Wachstum von fast 1 ½ Prozent und für Deutschland wird gemeinhin ein Wachstum in ähnlicher Größenordnung erwartet. Das ist durchaus solide und das trotz des hohen Ölpreises.

Was bedeutet das für den Anleger?
Nach dem Renditeanstieg bieten Staatsanleihen wieder attraktive laufende Erträge. Wir bevorzugen derzeit mittlere Laufzeiten und solide Unternehmensanleihen. Die höheren Renditen machen Anleihen wieder zu einer attraktiven Ertragsquelle und zugleich zu einem wichtigen Risikopuffer in einem ausgewogenen Portfolio.

Newsletter vom 23. September 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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US-Staatsschulden: Märkte werden skeptischer

Dr. Klaus Bauknecht

Die hohe staatliche Staatsverschuldung der USA rückt zunehmend in den Fokus der Kapitalmärkte. Zwar wird die Schuldendynamik aktuell noch durch ein nominales Wirtschaftswachstum gestützt, das über den durchschnittlichen Finanzierungskosten des Staates liegt. Doch mit ansteigenden Renditen steigt der Druck auf die US-Regierung, ihre Ausgaben unter Kontrolle zu bekommen. Dies gilt vor allem, weil jüngste Anstiege der US-Renditen auf eine mögliche Neubewertung von US-Staatsanleihen hindeuten.

Die hohe Schuldenquote von 123 Prozent des BIP gerät zunehmend in den Fokus von Investoren und Ratingagenturen. Gleichzeitig sind die US-Renditen deutlich gestiegen, wodurch sich die Finanzierungskosten des Staates spürbar erhöht haben.
Grundsätzlich ist die Schuldenquote eines Staates dann stabil, wenn das nominale Wirtschaftswachstum über dem effektiven Zinssatz der Staatsschulden liegt. Andernfalls muss der Staat durch einen Primärüberschuss gegensteuern und Staatsausgaben ohne Zinszahlungen müssen geringer ausfallen als die Einnahmen. Ansonsten wird sich der Anstieg der Schuldenquote verselbstständigen. Historisch haben sich die USA jedoch schwergetan, solch einen Überschuss zu erzielen.

Stattdessen konnte eine robuste US-Wachstumsdynamik den Anstieg der Schuldenquote dämpfen. Seit 2021 hat sich allerdings die effektive Zinsbelastung des US-Staates nahezu verdoppelt. Gleichzeitig ist das langfristige Potenzialwachstum der USA gesunken. Damit schrumpft der Puffer zwischen Wachstum und Zinsen und es erhöht sich die Gefahr einer weiter ansteigenden Schuldenquote.

Die aktuell steigenden US-Renditen werfen die Frage auf, ob die Märkte inzwischen eine Risikoprämie auf US-Staatsanleihen fordern. Nach Schätzungen der IKB liegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries inzwischen deutlich über ihrem fundamental erklärbaren Niveau. Die Abweichungen haben seit Beginn der zweiten Trump-Präsidentschaft und den Kommentaren über die Fed-Unabhängigkeit zugenommen und sich am aktuellen Rand nochmals verschärft. Neben Inflationssorgen könnte nun auch die langfristige fiskalische Stabilität der USA eine Rolle spielen.

2027 dürfte eine rückläufige Inflation sowie erwartete Zinssenkungen der Fed für Entlastung sorgen. Mittel- bis langfristig bleibt jedoch entscheidend, den Wachstumsausblick zu verbessern und das Haushaltsdefizit einzudämmen. Andernfalls dürfte die Diskussion über die Bonität der USA an Intensität gewinnen. Der Kapitalmarkt scheint bereits jetzt eine klare Botschaft zu senden.

Newsletter vom 16. September 2026

Dr. Klaus Bauknecht – Chefvolkswirt
IKB Deutsche Industriebank AG

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Wie viel Potenzial steckt in Stablecoins ?

Thomas Scholz

Stablecoins sind digitale Wertdarstellungen („Token“), die über eine Blockchain übertragen werden und ihren Wert möglichst stabil halten sollen. Meist sind sie an eine klassische Währung wie den US-Dollar gekoppelt. Wo ihr Potenzial, aber auch Risiken liegen könnten, erklärt Union Investment, der Fondspartner der Hannoverschen Volksbank eG.

Einen wichtigen Anwendungsbereich von Stablecoins sieht Union Investment im internationalen Zahlungsverkehr. Bei grenzüberschreitenden Zahlungen, etwa durch Auslandsüberweisungen, sei das klassische Bankensystem häufig teuer und ineffizient. Stablecoins hingegen hätten das Potenzial, diese Transfers schneller und günstiger zu machen. Interessant könnten Stablecoins etwa für Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern sein, die nur eingeschränkten Zugang zu internationalen Zahlungswegen oder stabilen Fremdwährungen haben.

Stablecoins können ihre Wertstabilität nur wahren, wenn die Nutzerinnen und Nutzer davon ausgehen, dass sie sie jederzeit wieder zum vereinbarten Referenzwert eintauschen können, erklärt Union Investment. Gerate dieses Vertrauen ins Wanken, könnten viele Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig versuchen, ihre Token zurückzugeben. Durch die digitale Abwicklung könne sich eine solche Entwicklung sehr schnell ausbreiten. Müssten Anbieter dafür Teile des Reservevermögens wie Staatsanleihen in großem Umfang verkaufen, könne dies auch andere Finanzmärkte belasten.

Werden Bankeinlagen zudem dauerhaft in Stablecoins umgeschichtet, stehen sie den Banken nicht mehr für das klassische Geschäft zur Verfügung. Das könne ihre Refinanzierung verteuern und die Kreditvergabe erschweren. Wenn diese Umschichtung ein erhebliches Ausmaß erreiche, könne sie letztlich sogar die geldpolitische Transmission beeinträchtigen – also den Prozess, über den beispielsweise Leitzinsänderungen die Finanzierungsbedingungen, die Kreditvergabe und die wirtschaftliche Aktivität beeinflussen.

Die größten Chancen sieht Union Investment daher im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr und in Märkten mit schwacher Finanzinfrastruktur. In entwickelten Volkswirtschaften sei es dagegen unwahrscheinlich, dass Wallets – digitale Geldbörsen, in denen Stablecoins verwaltet, empfangen und versendet werden – das Bankkonto flächendeckend verdrängten. Die Hannoversche Volksbank informiert gerne über Chancen und Risiken entsprechender Geldanlagen mit Bezug zu Kryptowerten.

Newsletter vom 09. September 2026

Thomas Scholz – Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

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Das Mensch-Maschine-Duell

Joachim Brandmaier

Die Börse schlägt mittlerweile Kurskapriolen, dass es dem Privatanleger eigentlich schwindelig werden muss – und er oft genug zu Fehlern verleitet wird. Wer ist schuld daran? Etwa wir selbst? Und wie kann man diesem Wahnsinn entkommen?

Falls Sie schon etwas länger an der Börse aktiv sind, erinnern Sie sich vielleicht noch an Friedhelm Busch. Der legendäre und inzwischen 87-jährige Moderator der Telebörse war der erste Fernsehjournalist, der sozusagen mit Aktien berühmt wurde. Noch heute habe ich Worte im Ohr wie: „Veba Tagesgewinner mit 0,7 Prozent plus.“ Oder: „Nixdorf rauscht um 1,4 Prozent in die Tiefe!“

Ich will aber jetzt weder ein Loblied auf Busch trällern noch wie die „alten Leute“ von früher schwelgen, als angeblich alles besser war. Mir geht es um eine massive Veränderung der Kursausschläge, selbst bei großen Standardwerten. 0,7 Prozent Plus sind heute keine Nachricht mehr wert. Und wenn Aktien „in die Tiefe rauschen“, dann niemals nur um 1,4 Prozent. Zweistellige Kurskapriolen rauf und runter – das ist unsere heutige Welt!

Was ist los mit der Börse und uns Anlegern? Sind wir durchgedreht, dass wir Unternehmen massenhaft an einem Tag zehn Prozent mehr oder weniger wert sein lassen als am Tag davor? Ich kann Sie beruhigen: Nicht wir sind so extrem geworden. Es sind vor allem die Algorithmen und künstliche Intelligenz, die diese Kurs-Achterbahn auslösen. „Algo-Trading“ steht heute für 70 Prozent des gesamten Börsenhandels.

KI kann blitzschnell komplette Geschäftsberichte auswerten und reagiert prompt. Selbst wenn sie nur bei der Wortwahl oder beim Tonfall eine minimale positive Abweichung zum vorherigen Quartal erkennt, wird sich sofort auf die Aktie gestürzt, als gäbe es morgen keine mehr. Oder aber sämtliche Algorithmen wollen mit aller Macht zur gleichen Millisekunde raus. Dann muss der Kurs ja abstürzen.

Ändern können wir daran nichts – wohl aber unseren Umgang damit regeln. Sprich: den Wahnsinn einfach nicht mitmachen! Wenn Sie ständig den Geschehnissen hinterherhetzen, kostet es Sie nicht nur viele Nerven, sondern auch Geld. Erstens sind Sie sowieso langsamer als die Maschinen – müssen also höher kaufen oder tiefer verkaufen – und zweitens wissen auch die Algorithmen nicht, was die Kurse morgen oder kommendes Jahr machen. Oft sind sogar genau sie es, die beim nächsten anders gesetzten Komma die Aktien wieder in die gegenteilige Richtung peitschen …

Entscheidend ist jedoch ganz allein, ob ein Unternehmen in zehn Jahren mehr verdient als heute. Wenn, dann wird auch der Kurs höher stehen – unabhängig von den Schwankungen zwischendurch!

Newsletter vom 02.September 2026

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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Lebenslanger Ausbau qualitativen Wissens

Im Bereich der quantitativen Fundamentalanalyse wird ein engagierter Investor nach einigen Jahrzehnten feststellen, dass es kaum noch wesentliche neue Erkenntnisse zu gewinnen gibt. Das Gesamtkonstrukt einschließlich der wichtigsten Key Performance Indicators (KPIs) steht und hat sich bewährt.

Oder, wie es mir einmal ein Mathematiklehrer aus seiner beruflichen Perspektive erklärte: „Weißt du, was das Tolle am Beruf des Mathelehrers ist? Wenn man einmal alle Klassenstufen unterrichtet hat, muss man sich nie wieder grundlegend auf den Unterricht vorbereiten, weil es in der Mathematik keine umfassend neuen Entwicklungen gibt.“
Für den ebenso wichtigen Bereich der qualitativen Analyse gilt diese Erkenntnis jedoch nicht. Bereits der Aufbau eines soliden qualitativen Grundwissens ist deutlich zeitaufwendiger als das Erlernen von Kennzahlen. Die Zahl der an den Aktienmärkten vertretenen Branchen ist groß, und jede Branche besitzt ihre eigenen Besonderheiten, Chancen und Risiken. Dieses Verständnis aufzubauen, ist eine anspruchsvolle und langfristige Aufgabe.

Um sich möglichst viel qualitatives Wissen anzueignen, empfehle ich drei Ansätze, die idealerweise parallel verfolgt werden:

  1. Sprechen Sie mit Selbstständigen, Führungskräften und Angestellten aus möglichst vielen Branchen. Dabei geht es nicht darum, Insiderwissen zu erlangen, sondern sich aus erster Hand ein Bild von den Geschäftsmodellen, den Herausforderungen und den Erfolgsfaktoren eines Unternehmens zu machen.
  2. Lesen Sie Bücher. Besonders empfehlenswert sind Autobiografien von Unternehmensgründern sowie Sachbücher über einzelne Branchen oder Geschäftsmodelle.
  3. Studieren Sie Geschäftsberichte. Lesen Sie insbesondere die Ausführungen zu den Chancen und Risiken einer Branche. Gerade die Risikoberichte liefern häufig wertvolle Einblicke in die tatsächlichen Herausforderungen eines Unternehmens.

Wenn Ihnen der qualitative Wissensausbau Freude bereitet, dann habe ich eine gute Nachricht für Sie: Vor Ihnen liegt lebenslanges Lernen.
Auch künftig wird der technologische Fortschritt neue Branchen und Geschäftsmodelle hervorbringen, die wir uns heute möglicherweise noch gar nicht vorstellen können. Wer sich jedoch intensiv mit den heutigen Branchenstrukturen und Geschäftsmodellen beschäftigt, wird neue Entwicklungen leichter einordnen können. Denn selbst die innovativsten Technologien weisen häufig Parallelen zu bekannten oder inzwischen verschwundenen Geschäftsmodellen der Wirtschaftsgeschichte auf.

Ein abschließender Hinweis ist mir besonders wichtig: Investitionsentscheidungen sollten niemals ausschließlich auf qualitativen Einschätzungen beruhen. Die Grundlage jeder fundierten Investition müssen stets die Unternehmenszahlen und Finanzdaten aus den Geschäftsberichten sein. Die qualitative Analyse ergänzt diese Zahlen – sie ersetzt sie jedoch nicht.

Newsletter vom 26. August 2026

Gerhard Michel –
Finanzcoach Düsseldorf

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Zerstören zu viele ETF den Aktienmarkt?

Prof. Dr. Stefan May

Aufgrund der Tatsache, dass passive Investmentfonds, insbesondere ETF, ihre aktiven Geschwister in den USA mittlerweile überrundet haben (Kuchengrafik) wird zunehmend vor den Risiken des ETF-Booms gewarnt.

In einem aktuellen Arbeitspapier¹ wird sogar die These aufgestellt, dass passive Indexfonds ab einem bestimmten Marktanteil für heftige Marktturbulenzen und im Extremfall sogar für den Zusammenbruch der Aktienmärkte sorgen könnten. Die vermeintliche Logik dahinter: Aktienmärkte werden in regelmäßigen Abständen von Übertreibungen und irrationalen Ausschlägen heimgesucht. Passive ETF-Anleger und -Anlegerinnen verstärken diese Übertreibungen, wohingegen die Manager aktiver Fonds erkennen, dass es sich um irrationale Übertreibungen handelt, sich entsprechend dagegen positionieren und auf diese Weise eine Rückkehr der Kurse zu ihren fundamental gerechtfertigten Niveaus bewirken. Genau dieser marktstabilisierende Korrekturmechanismus werde aber ausgehebelt, wenn passive Anlagen überhandnehmen und aktive Fonds immer mehr ins Abseits gedrängt werden.

Nun ist ein solches Szenario zwar theoretisch durchaus vorstellbar, die entscheidende Frage aber ist, ob es in seinen entscheidenden Punkten etwas mit der Realität der Aktienmärkte zu tun hat.  

Und genau hier liegt das Problem: Ein zentraler Bestandteil dieser Logik besteht nämlich darin, dass es die Gruppe der aktiven Manager ist, die dafür sorgt, dass die Aktienkurse immer wieder zu ihren fundamental gerechtfertigten Niveaus zurückkehren. Das bedeutet aber, dass genau diese Gruppe erfolgreicher agieren müsste als der Gesamtmarkt, denn sie ist es ja schließlich, die den „wahren“ Wert der Aktien kennt und sich entsprechend positioniert. Genau das ist aber in der Praxis nicht der Fall: Einschlägige und immer wieder aufs Neue durchgeführte empirische Studien belegen, dass es der Gruppe der aktiven Fondsmanager eben nicht gelingt, den Markt systematisch zu schlagen (Balkengrafik). Genau das müsste aber passieren, wenn das besprochene Modell die Realität tatsächlich zutreffend abbilden würde.

Zudem macht die Gruppe aller Aktienfonds (aktive und passive) nur einen kleinen Teil am gesamten Börsenwert der Unternehmen aus. Selbst in den USA lag dieser Anteil im Jahre 2025 lediglich bei 26 Prozent (Anteilsgrafik). Der Löwenanteil von 75 Prozent (Hinweis: rundungsbedingt ergibt sich in der Grafik eine Summe von 101 Prozent) dagegen entfiel vor allem auf die von den ETF-Kritikern völlig vernachlässigte Gruppe individueller Investoren (40 Prozent), Pensionsfonds (9 Prozent) und Auslandsinvestoren (18 Prozent)².

Interessanterweise hat sich das Gewicht dieser drei Gruppen für den US-Aktienmarkt in gut zwei Jahrzehnten kaum verändert: Nach wie vor beträgt es rund zwei Drittel der gesamten Marktkapitalisierung. Die Preisdynamik eines Marktes – und damit auch der entsprechende Korrekturmechanismus – wird aber durch alle Marktteilnehmer bestimmt und nicht nur durch das Zusammenspiel aktiver und passiver Investmentfonds.

Fazit 
Die sich beschleunigende Gewichtsverschiebung innerhalb des Fondssegments liefert keinen Grund, weshalb man sich mit Blick auf den ETF-Boom um die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte Sorgen machen müsste. Die Befürchtung, dass der Erfolg von ETFs im Extremfall sogar zum Zusammenbruch der Märkte führt, ist eine These, die einem Realitätscheck nicht standhält.


¹ Michael Green, Hari P. Krishnan und Stephan Sturm, 2026, “A Model for Passive That Breaks the Market”, Working Paper.
² Dieser hohe Anteil an Auslandsinvestoren ist eine direkte Folge des seit Jahrzehnten bestehenden amerikanischen Leistungsbilanzdefizits und von daher US-spezifisch.

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Newsletter vom 19. August 2026

Prof. Dr. Stefan May – Leiter Anlagemanagement
Quirin Privatbank AG

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Gewöhnungseffekt trotz Krisen – kommt jetzt ein Crash?

Christoph Geyer

Wenn ein Ereignis die Börse überrascht, werden zuweilen vorschnelle Handlungen in die eine oder andere Richtung vorgenommen. Besonders negative Überraschungen finden so Einzug in die Kursfindung und lassen die Börsen auch immer mal wieder in einem Crash enden. Solche besonderen Phasen finden sich meist in den Herbstmonaten, was in der Gesamtstatistik bei den Saisonalitäten entsprechende Spuren hinterlässt.

Dabei ist der September oft ein Monat in dem die Marktteilnehmer von einer solchen Bewegung überrascht werden. Natürlich entstehen Crashs immer aus dem viel zitierten „heiteren Himmel“ heraus. Daher kann man auf keinen Fall einen Crash vorhersagen, auch wenn es gewisse Ansätze gibt, die zumindest für Unsicherheit bei den Marktteilnehmern sorgen.

Die aktuelle Lage lässt viel Spielraum für Aussagen in alle Richtungen zu. Die eine Seite hält es mit den Bullen, die auf jeden Fall weitere Anstiege prognostizieren, sobald sich die Lage im Nahen Osten entspannt. Die andere Seite, die es mit den Bären hält, sieht die Gefahren und Eskalationsmöglichkeiten, auch in der Ukraine, als Vorboten für einen Börsencrash.

Die Marktteilnehmer haben sich aber derzeit offenbar an die Krisen und immer wieder wechselnden Aussagen der handelnden Parteien gewöhnt und so zuletzt den DAX auf neue Rekordhochs getrieben. Sicher ist es kein Geheimnis, dass bei solchen, doch recht steilen Anstiegsbewegungen auch immer wieder Korrekturen stattfinden müssen. Dies ist nicht nur Technischen Analysen bekannt, sondern jedem, der an der Börse tätig ist.

Muss es deshalb aber gleich ein Crash sein? In solchen Phasen haben natürlich die Crash-Propheten wieder Hochkonjunktur. Selbstverständlich können auch diese einen Crash nicht vorhersagen. Es erzeugt aber Aufmerksamkeit, wenn man möglichst laut und möglichst extrem seine Meinung in die Welt setzt.
Fakt ist aber auch, dass der DAX seit März dieses Jahres bereits über 4.500 Punkte oder gut 20 Prozent gewonnen hat. Auch wenn zwischenzeitlich immer wieder Korrekturen stattgefunden haben, die für den Trend gut waren, wäre es nicht verwunderlich, wenn nun wieder eine solche anstehen würde.
Wenn der DAX also nun eine normale technische Korrektur an die Ausbruchszone vollziehen würde (diese stellt übrigens eine zuvor generierte Widerstandszone dar) und diese recht schnell erfolgen würde, dürften sicher wieder einige von Crash sprechen.

Die seriösere Variante wäre aber sicher die Aussage über eine normale technische Reaktion. Wenn sich die Krisen plötzlich erledigen würden, was wünschenswert aber nicht zu erwarten ist, und der Markt noch einen kurzfristigen steilen Aufwärtsschub erfährt, nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur schnell zu.
Bleiben wir realistisch: Schon Isaac Newton sagte „Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunde berechnen, aber nicht wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treiben kann.“ So dürfte es sich auch mit den Crash-Propheten verhalten.

Newsletter vom 12. August 2026

Christoph Geyer – stellv. Regionalmanager
VTAD Frankfurt

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Quelle: ProRealTime.com

KI-Aktien im Korrekturmodus

Carsten Mumm

Die Eskalation des Irankonflikts hat seit März für sinkende Wachstumserwartungen, steigende Inflation und höhere Zinsen gesorgt. Trotzdem haben sich viele Aktienindizes sehr positiv entwickelt, bis vor kurzem maßgeblich angetrieben durch das Investmentthema Künstliche Intelligenz (KI).

Einerseits sorgen die milliardenschweren Investitionen, der sogenannten „Hyperscaler“, also der US-Tech-Unternehmen, die ihre KI-Infrastruktur mit hohem Tempo ausbauen, um im Rennen um die leistungsfähigsten KI-Dienstleistungen ganz vorn dabei zu sein, für eine nennenswerte gesamtwirtschaftliche Nachfrage. In diesem Jahr werden allein von Microsoft, der Google-Mutter Alphabet, dem Facebook-Konzern Meta, Amazon und Oracle Investitionsausgaben von rund 750 Mrd. US-Dollar erwartet. Profiteure sind neben Produzenten von Halbleitern wie Nvidia auch klassische Industrien, wie Versorger, Anbieter von Technologie-Equipment, Rohstoffunternehmen oder Baudienstleister, die am Bau von Datencentern beteiligt sind. Um die hohen Investitionssummen zu finanzieren, mussten die Tech-Unternehmen ihre Finanzen neu strukturieren. Anstatt wie bisher Liquidität zu horten, hohe Dividenden auszuschütten und Aktien zurückzukaufen, wurden sowohl Aktien als auch Anleihen emittiert. Besonders aufsehenerregend war im Juni der Börsengang von SpaceX, dem auch in punkto KI ambitionierten Raumfahrtunternehmen von Elon Musk.

Zudem wird versucht, schon heute die Auswirkungen der Implementierung von KI in bestehende Geschäftsprozesse auch außerhalb des Tech-Sektors einzupreisen. Idealerweise entstehen dadurch Produktivitätsgewinne und damit höhere Outputs bei gleichem oder geringerem Einsatz von Kapital und Arbeit. Andererseits könnten heute erfolgreiche Geschäftsmodelle obsolet werden, ein Szenario, das schon seit 2025 für heftige Kursverluste im Segment der Softwareaktien gesorgt hat. Besondere Komplexität bei der Bewertung der KI-Potenziale liegt jedoch in der Natur dieser Technologie. Denn generative KI zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich selbst fortentwickelt. Man kann also heute kaum taxieren, wie stark deren Einfluss künftig sein wird. Entsprechend groß ist die Unsicherheit an den Börsen und hat neben rasanten Kursgewinnen auch immer wieder zu empfindlichen Kursverlusten bei einzelnen Aktien geführt.

KI dürfte auch in den kommenden Monaten ein wesentlicher Faktor für die Aktienkursentwicklungen bleiben. Dabei werden jedoch nicht alle hoch gesteckten Erwartungen erfüllt werden. Anleger müssen entsprechend differenzieren.

Newsletter vom 05. August 2026

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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Blick in die Zukunft: Was bringt das zweite Halbjahr 2026?

Martin Schilling

Die Weltwirtschaft befindet sich derzeit in einem Spannungsfeld, das von zwei gegenläufigen Impulsen geprägt wird: einem negativen Angebotsschock durch den Krieg im Nahen Osten und einem positiven Nachfrageschub durch mehr Investitionen, der vor allem durch Fortschritte und breite Anwendung Künstlicher Intelligenz getragen wird. Trotz der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten und der in diesem Jahr deutlich gestiegenen Energiepreise hat sich die globale Wirtschaft bislang als widerstandsfähig erwiesen. Allerdings fallen die konjunkturellen Auswirkungen dieser Einflussfaktoren von Land zu Land unterschiedlich aus, je nach Energieabhängigkeit und Einbindung in die technologiegetriebene Wertschöpfung.

Der Internationale Währungsfonds geht von einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent im Jahr 2026 und 3,4 Prozent im Jahr 2027 aus. Diese Prognosen liegen nur etwas unter dem Durchschnitt der Jahre 2024/25. Hinter dieser scheinbaren Stabilität verbirgt sich jedoch eine stärkere Spreizung: Zu den potenziellen Gewinnern gehören einerseits Energieexporteure außerhalb des Nahen Ostens sowie Volkswirtschaften, die eng in den globalen Technologiezyklus eingebunden sind. Demgegenüber geraten Energieimporteure, die nicht gut in die Technologie-Wertschöpfungskette eingebunden sind unter Druck; dazu zählen nach Einschätzung des IWF vor allem Länder mit niedrigem Einkommen, für die höhere Energie und Nahrungsmittelpreise besonders belastend wirken.

In der Gesamtbetrachtung sieht der IWF die Risiken weiterhin tendenziell nach unten gerichtet. Die größte unmittelbare Gefahr bleibt eine erneute Eskalation im Nahen Osten mit anhaltender Rohstoffpreisvolatilität und potenziellen Versorgungsengpässen. Hinzu kommen Risiken durch eine zunehmende Handelsfragmentierung sowie durch erodierte fiskalische Puffer in hochverschuldeten Ländern, die bei neuen Schocks schnell zu einer Neubewertung von Tragfähigkeiten und zu strafferen globalen Finanzierungsbedingungen führen könnten. Auf der positiven Seite könnten eine schnellere Normalisierung der Energiepreise sowie anhaltend hohe Unternehmensinvestitionen in neue Technologien zu einem stärkeren Wachstum führen.

Was bedeutet dieses Umfeld nun für Unternehmer und Anleger? Während die USA dank ihrer führenden Rolle im globalen KI-Infrastrukturzyklus und einer vorteilhaften Energieautarkie ein robustes Wachstum verzeichnen, verharrt Europa in einer Phase der Stagflation. Unternehmen und Investoren sollten in ihren Planungen eine geografische Übergewichtung von US-Engagements und technologieintegrierten Märkten in Erwägung ziehen, während für den deutschen bzw. europäischen Markt so lange eine defensive Positionierung ratsam bleibt, bis fundamentale Strukturreformen bei Steuern, Energiepreisen und Arbeitsanreizen realisiert werden.

Newsletter vom 29. Juli 2026

Martin Schilling – Leiter Geschäftsstelle Private Banking Hannover
M.M. Warburg & CO

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Schlägt jetzt die Stunde der Old Economy?

Joachim Brandmaier

Bringt das zweite Halbjahr einen Stimmungsumschwung an der Börse? Weg von den KI- und Chip-Überfliegern hin zu vernachlässigten Branchen wie Konsum und Gesundheit? Ein paar Anzeichen gab es zuletzt – und ich hätte ehrlich gesagt nichts dagegen, wenn die sogenannte „Old Economy“ endlich eine (verdiente) Aufholjagd starten würde.

Die meisten konservativ ausgerichteten Langfristanleger vermutlich auch nicht. Denn die überschwängliche Stimmung rund um das Thema künstliche Intelligenz hat in den letzten Monaten zwar vielen Titeln weiter Rückenwind beschert – man denke nur an Namen wie Samsung, ASML, Cisco oder Amphenol –, auf der anderen Seite wurden aber auch reihenweise Aktien aus traditionellen Wachstumsbranchen wie Konsum und Gesundheit links liegen gelassen oder sogar regelrecht abgestraft. Aktionäre von Nestlé, Starbucks, General Mills oder Novo Nordisk können ein Lied davon singen.

Der Frust bei ihnen sitzt entsprechend tief. Ringsum hört und liest man von phänomenalen Gewinnen mit KI-Aktien und im Vergleich dazu hinkt das eigene Depot trotz lehrbuchmäßiger Branchenmischung hinterher. Ich fühle mich da in letzter Zeit immer mehr an die Internet- und Neuer-Markt-Euphorie um das Jahr 2000 erinnert. Damals bekamen wir ständig zu hören: „Ihr mit euren langweiligen Old-Economy-Aktien! Warum soll ich mir Procter & Gamble oder Coca-Cola ins Depot legen? Mit Aktien wie AOL, Mobilcom und EM.TV wird das große Geld verdient!“ Dass diese Denke nicht gut ausging, wissen zumindest all jene, die damals schon dabei waren. Wohl dem, der seinerzeit den vermeintlich altmodischen und langweiligen Konsum- und Gesundheitsaktien treu geblieben ist!

Ich bin überzeugt davon, dass sich eine ausgeglichene Branchenmischung auch dieses Mal auszahlen wird. Wann der Stimmungswandel an der Börse einsetzt, kann niemand exakt vorhersagen. Manches deutet im KI-Sektor auf Übertreibungen hin, manches nicht. Aber je mehr Anleger auf eine einzelne Technologie wetten, desto größer wird die Absturzgefahr – auch weil inzwischen sogar wieder massiv auf Kredit spekuliert wird.

Am Ende geht es so lange gut, bis es eben nicht mehr gut geht. Und dann ist man heilfroh, wenn man nicht nur auf eine Branche gesetzt hat!

Newsletter vom 22. Juli 2026

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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