Börsen-Unwort 2016: „Anlagenotstand“
- Die Börse Düsseldorf und deren Makler haben „Anlagenotstand“ als Börsen-Unwort des Jahres 2016 gewählt.
10.01.2017 – Das Team der Düsseldorfer Börse mit seiner Geschäftsführung, Maklern und Händlern hat zum sechzehnten Mal das „Börsen-Unwort des Jahres“ ermittelt. Für 2016 wurde einstimmig „Anlagenotstand“ als Unwort gewählt.
Notstände kennt man üblicherweise bei Naturkatastrophen, Krieg und Aufruhr oder auch im Strafrecht, wenn bestimmte, eigentlich strafbare Handlungen durch das Vorliegen einer solchen Lage gerechtfertigt und z.B. Gefahren für Leib und Leben abgewendet werden.
Gefahren bestehen für die Anleger unzweifelhaft – und das schon länger. Die Zinsen sind in weiten Bereichen in den homöopathischen Bereich abgetaucht oder gar schon negativ, Gebühren für Guthaben stehen vor der Tür und sichere, Ertrag bringende Anlagen scheint es nicht mehr zu geben. Selbst das geliebte Betongold wirft kaum noch effektive Renditen ab und die Blasenbildung ist in diesem Marktbereich kaum noch zu übersehen. Und dann kommt zum Jahreswechsel noch die Inflation zurück.
Dies ist ein echter Notstand. Allerdings ist Notstand negativ konnotiert, wird schnell generalisiert, führt schon einmal zur Schockstarre und verstellt den Blick für das Ganze – hier das ganze Anlageuniversum. Wie anders ist es zu erklären, dass die Anlage in Aktien immer noch nicht als Ausweg aus der Misere von breiten Kreisen der Anleger erkannt wird. Die Aktienmärkte laufen seit gut 5 Jahren ordentlich nach oben, trotz aller Krisen, Brexit und Trump. Gerade bei längerfristigen Anlagen und mit dem Fokus auf ertragsstarke Unternehmen in einem diversifizierten Portfolio kann im Grunde kaum etwas schiefgehen.
Not sollte eigentlich erfinderisch machen – vielleicht ist die Not der Anleger noch nicht groß genug, um das Verhalten zu ändern. Aber die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben und „aussitzen“ oder den Kopf in den Sand stecken und sogar noch die Sparquote erhöhen, sind keine gute Strategie. Anleger sollten den Notstand nutzen und sich endlich für Aktien interessieren, Wissen aufbauen und risikobewusst in die Aktienmärkte einsteigen. Auch für Anfänger und kleinere Anlagebeträge gibt es z.B. mit ETF gut geeignete Produkte und gute und günstige Handelsplätze sowieso.
Das „Börsen-Unwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser seit 2001 ermittelt.

Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2015: „Zinswende“
- 2014: „Guthabengebühr“
- 2013: „Billiges Geld“
- 2012: „Freiwilliger Schuldenschnitt“
- 2011: „Euro-Gipfel“
- 2010: „Euro-Rettungsschirm“
- 2009: „Bad Bank“
- 2008: „Leerverkauf“
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
Börsen-Unwort 2015: „Zinswende“
- Die Börse Düsseldorf und deren Makler sowie Market Maker haben „Zinswende“ zum Börsen-Unwort des Jahres 2015 gewählt.
12.01.2016 – Es hat für viele Börsianer ein wenig etwas von Samuel Becketts „Warten auf Godot“. Seit Jahren warten Investoren auf die Zinswende und sie wird regelmäßig angekündigt. Vollzogen wurde dieses Manöver bisher allerdings nicht. Zumindest nicht im Euroraum, wo mittlerweile Bundesanleihen bis zur Laufzeit sechs Jahre mit Minuszinsen ausgestattet sind und sogar italienische Staatsanleihen negativ rentieren.
Für das Gelingen einer Wende ist genügend Schwung notwendig. Das weiß jeder Segler, der mit einer Drehung gegen den Wind die Fahrtrichtung zu wechseln versucht. Die Niedrigzinsphase scheint in diesem Sinn keinen erkennbaren Schwung zu haben. Im Gegenteil. Der Kurs wird vom Steuermann EZB beibehalten und der Investor steht als Vorschoter quasi im Dauerstress, sich auf ein angekündigtes aber lange nicht stattfindendes Manöver vorzubereiten.
Dirk Elberskirch, Vorsitzender des Vorstands der Börse Düsseldorf, kommentiert die Entscheidung: „Selbst, wenn nach Minuszinsen mal wieder ein moderater Guthabenzins erzielbar sein sollte, so sind wirklich hohe Zinsen auf lange Zeit nicht in Sicht. Wie auch? Ohne Wende entfernt sich das Boot immer weiter in dieselbe Richtung und Wenden ohne Schwung funktionieren nicht.“
Grund genug, für das Team der Düsseldorfer Börse mit seiner Geschäftsführung, Maklern, Market Makern und Kommunikatoren „Zinswende“ zum Börsen-Unwort des Jahres 2015 zu wählen. In diesem Jahr hat die Börse mit ihren Partnern das Börsen-Unwort zum fünfzehnten Mal gewählt.
Das Börsen-Unwort des Jahres wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser seit 2001 ermittelt.
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2014: „Guthabengebühr“
- 2013: „Billiges Geld“
- 2012: „Freiwilliger Schuldenschnitt“
- 2011: „Euro-Gipfel“
- 2010: „Euro-Rettungsschirm“
- 2009: „Bad Bank“
- 2008: „Leerverkauf“
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
Börsen-Unwort 2014: „Guthabengebühr“
- Die Börse Düsseldorf und deren Makler haben „Guthabengebühr“ zum Börsen-Unwort des Jahres 2014 gewählt.
8.01.2015 -Marketingchefs und Textprofis kreieren gerne Wörter, die selbst negative Entwicklungen in ein positives Licht rücken sollen. Mit der zunehmenden Beachtung durch die breite Öffentlichkeit entstehen so „Unworte“. Das Team der Düsseldorfer Börse mit seiner Geschäftsführung, Maklern, Händlern und Kommunikatoren hat zum vierzehnten Mal das „Börsen-Unwort des Jahres“ ermittelt. 2014 wurde einstimmig „Guthabengebühr“ zum Unwort gewählt.
Mit „Guthabengebühr“ haben die Werbeprofis einer großen Bank ein Unwort geschaffen, welches Kunden etwas Positives suggeriert, auch wenn der Wortteil „Gebühr“ grundsätzlich negativ behaftet ist. Tatsächlich bedeutet der Begriff nichts anderes als Strafzins, denn diese und auch andere Banken berechnen gewerblichen Kunden eine Gebühr für größere Einlagen und geben damit die jüngst eingeführten Negativzinsen der Europäischen Zentralbank an Kunden weiter. Für Privatanleger gibt es den Strafzins – oder eben die Guthabengebühr – einstweilen noch nicht. Oder doch? Zumindest für deutsche Staatsanleihen bis 10 Jahre Laufzeit ergibt sich nach Inflation und sowieso nach Steuern ebenfalls ein Strafzins und die einzigartige Situation, dass der Anleger einem Kreditnehmer netto sogar noch etwas zahlt, damit dieser sich bei ihm verschuldet. O tempora o mores!
Dirk Elberskirch, Vorstandschef der Börse Düsseldorf AG, hebt hervor: „Es ist schon ein Unding, dass man für Einlagen eine Gebühr an sein Kreditinstitut bezahlen soll. Als ‚Guthabengebühr‘ bezeichnet, klingt dies zwar weniger schlimm, deutlich wird aber auch, dass die Maßnahme der EZB nicht wie geplant positiv auf die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen wirkt, sondern schlicht an die Kunden weitergereicht wird und damit verpufft. Ich kann nur hoffen, dass Privatanleger von Guthabengebühren verschont bleiben.“
Thomas Dierkes, Vorstandsmitglied der Börse Düsseldorf, führt aus: „Wenn wir die Realverzinsung betrachten – also Zinsen abzüglich Steuern und Inflation – haben wir schon auf sehr breiter Front in Deutschland einen Negativzins. So bringen Anlagen wie etwa Sparbücher, Tagesgeldkonten und auch deutsche Bundesanleihen nur noch garantierte Verluste.“
Das „Börsen-Unwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser seit 2001 ermittelt.
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2013: „Billiges Geld“
- 2012: „Freiwilliger Schuldenschnitt“
- 2011: „Euro-Gipfel“
- 2010: „Euro-Rettungsschirm“
- 2009: „Bad Bank“
- 2008: „Leerverkauf“
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
Börsen-Unwort 2013: „billiges Geld“
- Düsseldorfer Börse, Makler, Wertpapierhändler und Analysten haben das Börsen-Unwort des Jahres gewählt; an zweiter Stelle rangiert „Höchststand“
13.01.2014 – Gerne übernehmen Politiker und Medien Wortkreationen der Finanzmärkte und mit der zunehmenden Beachtung durch die breite Öffentlichkeit entstehen so auch „Unworte“. Das Team der Düsseldorfer Börse mit seiner Geschäftsführung, Maklern, Händlern, Analysten und Kommunikatoren hat zum dreizehnten Mal das „Börsen-Unwort des Jahres“ gewählt. 2013 wurde „billiges Geld“ auserkoren, gefolgt von
„Höchststand“.
„Politik des billigen Geldes“ wird oft beschrieben als geldpolitisches Konzept für eine expansive Konjunkturpolitik. Die Notenbanken senken die Leitzinsen und erhöhen die Geldmenge. Kreditinstituten werden liquide Mittel zugeführt, um die Bereitschaft zur Kreditvergabe zu erhöhen. Das „billige Geld“ wird aber nicht nur zur Vergabe von Krediten genutzt, sondern auch, um am Aktienmarkt Gewinne zu erzielen. Die Gefahr von liquiditätsgetriebenen Blasen steigt.
Das „billige Geld“ war für Viele also ein Segen, die Wortkombination selbst ist aber eher ein Fluch. Börsen-Lenker Dirk Elberskirch: „Wir waren uns schnell einig, dass man ein werthaltiges Substantiv wie Geld nicht mit einem Adjektiv wie billig kombinieren sollte, das abwertend für mindere Qualität steht. Wer trinkt etwa schon gerne billigen Wein oder macht einen billigen Scherz. Stattdessen sollte auch in Niedrigzinsphasen Geld eine angemessene Wertschätzung zukommen.“
„Höchststand“ erreichte den zweiten Platz. 2013 verzeichnete der DAX eine ganze Reihe von Höchstständen. Der Superlativ hinterlässt gerade bei weniger erfahrenen Anlegern den Eindruck: Der Gipfel ist erreicht, es geht nicht weiter. Stattdessen ging es weiter – höher und höher. Wie irreführend der Begriff wirken kann, zeigte ein Radiobeitrag im Herbst, in dem der Reporter meinte, man kaufe im Supermarkt ja auch nicht, wenn es am teuersten sei, warum also an der Börse?“ Ein extrem hinkender Vergleich, denn auch in Zeiten hoher Kurse gibt es Käufer, sonst gäbe es keine Umsätze. Und andererseits kommt es auch auf die Betrachtungsweise an. So sind der Kursindex des DAX wie auch die Kurs/Gewinnverhältnisse der Unternehmen noch ein gutes Stück von ihren Höchstständen entfernt. Der Blick auf gute Argumente für einen Einstieg wurde verstellt mit der Folge, dass private Anleger
wieder einmal eine positive Börsenzeit verpasst haben.
Das „Börsen-Unwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser seit 2001 ermittelt. Seit 2011 ist die Linguistin Prof. Dr. Nina Janich (TU Darmstadt) Vorsitzende und Sprecherin der Jury.
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2012: „Freiwilliger Schuldenschnitt“
- 2011: „Euro-Gipfel“
- 2010: „Euro-Rettungsschirm“
- 2009: „Bad Bank“
- 2008: „Leerverkauf“
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
Börsen-Unwort 2012: „Freiwilliger Schuldenschnitt“
- Düsseldorfer Makler, Wertpapierhändler und Analysten haben das zwölfte Börsen-Unwort gewählt.
15.01.2013 – „Freiwilliger Schuldenschnitt“ wurde mit großer Mehrheit zum Börsen-Unwort 2012 gewählt.
Schon lange zerren die Staatsschuldenkrise sowie die anscheinend wirkungslosen Rettungsaktionen im Fall Griechenland an den Nerven der Börsianer. Das Vertrauen der Anleger und Investoren wurde Anfang 2012 final durch den als „freiwillig“ deklarierten Schuldenschnitt Griechenlands erschüttert, handelt es sich für alle Privatanleger doch eher um eine Enteignung.
Die griechische Regierung hatte nach Verhandlungen mit Banken und institutionellen Investoren kurzerhand per Gesetz rückwirkend in die Anleihebedingungen Zwangsumschuldungsklauseln (Collective Action Clauses) eingeführt, die private Anleihegläubiger zum Forderungsverzicht zwangen.
Der Schuldenschnitt traf damit auch die Privatanleger, die bei den Verhandlungen zum Schuldenschnitt vollständig ausgeschlossen waren. Durch diese faktische Enteignung haben viele das Vertrauen in Staaten und das hohe Gut der Rechtsstaatlichkeit verloren. Ob das wieder gewonnen werden kann, ist sehr fraglich. Ein weiterer Schuldenschnitt Griechenlands wird dazu nichts beitragen. Höchstens der griechische Wein bietet den Anlegern die Chance, über die ärgsten Enttäuschungen hinweg zu kommen – das wusste schon Udo Jürgens 1974.
Das „Börsen-Unwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser seit 2001 ermittelt. Seit 2011 ist die Linguistin Prof. Dr. Nina Janich (TU Darmstadt) Vorsitzende und Sprecherin der Jury. Zum „Unwort des Jahres 2012“ wurde die Formulierung „Opfer-Abo“ gewählt. Weitere Unwörter 2012 sind: „Pleite-Griechen“ und „Lebensleistungsrente“.
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2011: „Euro-Gipfel“
- 2010: „Euro-Rettungsschirm“
- 2009: „Bad Bank“
- 2008: „Leerverkauf“
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
Börsen-Unwort 2011: „Euro-Gipfel“
- Düsseldorfer Makler, Wertpapierhändler und Analysten haben das Börsen-Unwort gewählt.
17.01.2012 – Der Begriff „Euro-Gipfel“ wurde mit großer Mehrheit zum Börsen-Unwort 2011 gewählt. Nicht nur Bergsteiger wissen, dass vor einem Gipfel die Anstrengung des Aufstiegs steht, oben angekommen die Freude über das Erreichte groß ist und der Blick frei und weit schweifen kann. Danach geht es allerdings in der Regel auch wieder bergab. Genau dies scheint das Problem der im Börsenjahr 2011 häufigen politischen Treffen auf höchster europäischer Ebene gewesen zu sein.
Hatten doch fast alle Gipfel mit der Staatsschuldenkrise und der Rettung des Euros genauer der des Euroraumes – zu tun und waren die erhofften Lösungen oder zumindest die erwünschten positiven Wirkungen auf die Märkte jedoch entweder nur kurz oder gar nicht vorhanden.
Die relative Vielzahl der Euro-Gipfel birgt ein weiteres Problem, denn wenn jede Menge Gipfel eng genug nebeneinander liegen, ergeben sie eine Ebene. Je nach Beobachtungsstandpunkt kann dies auch den Eindruck einer Tiefebene vermitteln. Und die Beobachter, die von einer inflationären Gipfel-Flut sprechen, geben vielleicht unbewusst den Hinweis auf die langfristig wahrscheinliche „Lösung“ des Staatsschuldenproblems.
Nicht nur Börsianer hoffen, dass Euro-Gipfel wieder das werden, was sie sein sollen: Treffen mit Maximum-Ergebnissen.
Das „Börsen-Unwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser seit 2001 ermittelt. Seit 2011 ist die Linguistin Prof. Dr. Nina Janich (TU Darmstadt) Vorsitzende und Sprecherin der Jury. Zum „Unwort des Jahres 2011“ wurde die Formulierung „Döner-Morde“ gewählt.
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2010: „Euro-Rettungsschirm“
- 2009: „Bad Bank“
- 2008: „Leerverkauf“
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
Börsen-Unwort 2010: „Euro-Rettungsschirm“
- Bereits zum zehnten Mal wählten Makler, Wertpapierhändler und Analysten an der Börse Düsseldorf das Börsen-Unwort des Jahres.
18.01.2011 – Der Begriff „Euro-Rettungsschirm“ wurde mit großer Mehrheit zum Börsen-Unwort 2010 gewählt. Geschaffen Anfang des Jahres 2010 steht der „Euro-Rettungsschirm“ bereit Staaten in finanzieller Not zu helfen. Märkte, Investoren, Bevölkerung sollen beruhigt und Spekulanten abgeschreckt werden. Spätestens seit der Rettungsaktion für Irland Ende November 2010 ist der Euro-Rettungsschirm in aller Munde. Leider steht zu befürchten, dass dieser Rettungsschirm noch eine ganze Weile benötigt wird und das dicke Ende erst noch kommt.
Rettungsschirm scheint dabei als Begriff in doppeltem Sinne ungeeignet zu sein.
Zunächst bezeichnet Rettung die Beendigung einer Notlage oder das Entkommen aus einer gefährlichen Situation. Ist die Rettung erfolgt, geht das Leben glücklich weiter wie zuvor. Davon kann beim Euro-Rettungsschirm keine Rede sein. Die Hilfestellung ist zeitlich begrenzt und muss vom Empfänger zurückgezahlt werden, wobei teilweise unklar ist, ob und wie dies gelingen kann. Ohne Rückzahlung würde es sich schon eher um eine Rettung handeln, da dann die Verpflichtungen des Geretteten tatsächlich erledigt wären.
Außerdem ist nicht klar, um welche Art Schirm es sich handeln soll. Ist es eine Art Regenschirm, so ist die Kombination mit Rettung zumindest ungewöhnlich. Regen kommt meist in Schauern oder seltener als andauernder Wasserfall von oben. Der Regen hört früher oder später auf und die Sonne scheint wieder. Beim Euro-Rettungsschirm bleiben die Schulden übrig. Oder handelt es sich um einen Rettungsschirm für Fallschirmspringer? Unter diesen kann man nicht einmal schlüpfen, denn im Fall der Fälle hängt man daran. Definitorisch eng ist er sogar gar kein Notschirm, da die Nichtöffnung des normalen Schirmes nur als Störung und nicht als Notfall bewertet wird. Auch das passt in keiner Weise auf die vertrackte Situation der Euro-Rettungsschirmnutzer.
Einfacher und näher an der Sache wäre es, den „Euro-Rettungsschirm“ als Notkreditlinie auf Zeit für bis über die Ohren verschuldete Staaten zu bezeichnen. Das „Börsen-Unwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser ermittelt. Zum „Unwort des Jahres“ wählte dessen Jury in diesem Jahr die Formulierung „Alternativlos“.
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2009: „Bad Bank“
- 2008: „Leerverkauf“
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
Börsen-Unwort 2009: „Bad Bank“
- Makler, Wertpapierhändler und Analysten an der Börse Düsseldorf haben das 9. Börsen-Unwort des Jahres gewählt.
19.01.2010 – Der Begriff „Bad Bank“ wurde mit großer Mehrheit zum Börsen-Unwort 2009 gewählt. Unwort deshalb, weil es für das breitere Publikum schwer nachvollziehbar ist, dass eine offenbar schlechte Bank eine weitere „Bad Bank“ gründet und dies eine gute Lösung für Probleme der Finanzkrise sein soll. Schließlich handelt es sich bei einer Bad Bank nicht um eine Bank im herkömmlichen Sinne. Es ist vielmehr eine Deponie für toxische Wertpapiere und Assets, bei denen es bereits zu erheblichen Wertabschlägen gekommen ist. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass die Verluste je nach
Verlauf der Märkte noch gewaltiger ausfallen können. Sollten sich die Märkte dagegen nachhaltig positiv entwickeln, sind sogar Gewinne bei der Bad Bank möglich. Dies dann, wenn die Werte der dort geparkten Assets über die von der schlechten Bank bereits realisierten Abschreibungen ansteigen. In diesem Fall wäre die Bad Bank am Ende sogar eine Good Bank.
Die Auslagerung der Risiken ermöglicht angeschlagenen Banken tatsächlich einen Neustart. Langfristig helfen „Bad Banks“ dem Bankensystem (hoffentlich) aus der Krise und tragen dazu bei, das verloren gegangene Vertrauen zwischen den Banken wieder zurückzubringen.
Das „Börsen-Unwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser ermittelt. Zum „Unwort des Jahres“ wählte dessen Jury in diesem Jahr die Formulierung „betriebsratsverseucht“.
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2008: „Leerverkauf“
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
Börsen-Unwort 2008: „Leerverkauf“
- Die Makler, Wertpapierhändler und Analysten an der Börse Düsseldorf haben zum 8. Mal das Börsen-Unwort des Jahres gewählt.
20.01.2009 – Der Begriff „Leerverkauf“ wurde mit großer Mehrheit ausgewählt, weil er irreführend ist und ihn die öffentliche Diskussion
zu unrecht negativ gebrandmarkt hat.
Unter einem Leerverkauf versteht man landläufig den Verkauf einer Ware, eines Währungsbetrages oder eines Wertpapiers, das der Verkäufer zum Verkaufszeitpunkt noch nicht besitzt. Das geht natürlich nicht, der Finanzmarkt ist schließlich nicht dümmer als der Wochenmarkt. Jeder Verkäufer
muss das Wertpapier im Depot haben, denn er muss am Kassamarkt binnen zweier Tage seiner Lieferverpflichtung gegenüber dem Käufer nachkommen. Dazu kann sich der Spekulant die Wertpapiere vor dem Verkauf anderswo ausleihen. Er verpflichtet sich dann dazu, ein Leiheentgelt
zu zahlen, die Wertpapiere wieder zurückzugeben und er stellt dem Verleiher Sicherheiten für dieses Geschäft. Der Verkäufer profitiert dann von seinem (Leer)Verkauf, wenn der Preis sinkt und er vor der vereinbarten Rückgabe die geliehenen Wertpapiere billiger am Markt zurück kaufen kann.
Das sind zunächst einmal ganz normale Geschäfte, wie sie in vielfältigster Form am Finanzmarkt schon immer durchgeführt werden. Sie ermöglichen es z.B. Risikopositionen abzusichern oder erwartete Ereignisse zu antizipieren, mithin sorgen sie für mehr Liquidität im Markt. Erfahrene Privatanleger nutzen die Wette auf fallende Kurse mit Put- Optionsscheinen oder Turbo Bear-Scheinen, um ihre Wertpapierpositionen abzusichern. Folglich waren Leerverkäufe bis vor kurzem noch eine ganz normale Finanztransaktion.
Leerverkäufe haben es 2008 (leider) in zwei Bereichen zu echtem Börsenruhm gebracht.
Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat im Spätsommer 2008 zur Eindämmung der Finanzkrise Leerverkäufe in Finanztiteln verboten. Weltweit folgten 20 Staaten diesem Vorbild und in Deutschland sind Leerverkäufe in 11 Finanzwerte von der BaFin sogar heute noch bis Ende März verboten. Es ist fraglich, ob SEC und BaFin den dramatischen Kursverfall der Finanzwerte damit abgebremst haben und ob diese Maßnahme ein wirkungsvolles Mittel gegen die befürchteten Kollaps-Spekulationen sein kann, zumal die konkrete Überwachung der Einhaltung des Verbotes weitestgehend ungeklärt war und immer noch ist.
In die Börsengeschichte eingehen wird der VW-Fall: Spekulanten haben mit Leerverkäufen auf sinkende VW-Kurse gesetzt und waren wegen ihrer Rückgabeverpflichtung gezwungen, quasi zu jedem Preis VW-Aktien am Markt zu kaufen, um sie ihrem Verleiher zurückzugeben. Hätten sie dies nicht getan, wäre der Verleiher selbst an den Markt gegangen und hätte ihnen die Rechnung präsentiert. In der Folge gab es viel mehr Käufer als Verkäufer, was den Preis der Aktie am 28.10.2008 auf über 1000 Euro schoss und Kapriolen des DAX auslöste. Volkswagen war kurzzeitig der wertvollste Konzern der Welt. Hieran zeigt sich, dass Leerverkäufe ein heißes Spiel sein können – gerade dann, wenn man gegen Marktteilnehmer spielt, die wie im Fall VW möglicherweise einen Informationsvorsprung besitzen. Viele dieser Finanzjongleure haben für ihre Leerverkäufe kräftig „Lehrgeld“ bezahlt und werden in Zukunft vorsichtiger mit diesem Finanzinstrument umgehen.
Für eine grundsätzliche „Verteufelung“ eignen sich Leerverkäufe aber nicht.
Das „Börsenunwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die sprachkritische Aktion des Frankfurte Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser ermittelt. Zum „Unwort des Jahres“ wählte dessen Jury in diesem Jahr die Formulierung „notleidende Banken“.
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
Börsen-Unwort 2007: „Subprime“
- Die Makler, Wertpapierhändler und Analysten an der Börse Düsseldorf haben zum 7. Mal das Börsen-Unwort des Jahres gewählt: Mit großer Mehrheit wurde für das Jahr 2007 „Subprime“ bestimmt.
15.01.2008 – Der Begriff „Subprime“ erscheint zunächst unverfänglich. Denn wörtlich übersetzt sagt „Subprime“ nur aus, dass sich etwas unterhalb („sub“) der Spitzenqualität („prime“) befindet. Er erinnert zudem leicht an ein leckeres amerikanisches Prime Rib Steak. Leider hat sich der weltweite Finanzmarkt 2007 heftig an Subprime verschluckt: Denn das Börsenunwort 2007 ist ein massiv irreführender Begriff bezogen auf die mindere Qualität der verkauften Anlageprodukte.
Harmlos erschienen Anfang des Jahres 2007 die Ausfälle einzelner US-Immobilienfinanzierer. Allerdings hätte schon da ein genauerer Blick eröffnen können, dass die Finanzhäuser rund um den Globus offenbar völlig unbedarft mit „Subprime“ tatsächlich Ramsch aus dem untersten Regal turmhoch beladen mit Risiken eingekauft hatten. Das Ergebnis dieser erstaunlichen Sorglosigkeit ist bekannt: Gewaltige Abschreibungen und eine der größten Vertrauenskrisen an den internationalen Finanzmärkten.
Tatsächlich sind die Kreditnehmer jener „Subprime“-Hypothekendarlehen vor allem Hauseigentümer mit geringem Einkommen, die in einer Phase niedriger Zinsen Geld aufgenommen haben. Wie in den USA üblich, vereinbarte man variable Zinssätze. Soweit so gut. Zur Refinanzierung wurden die Kredite schön verpackt, von Rating-Agenturen teilweise mit der Bestnote „Triple A“ begutachtet und weltweit verkauft. Der schwunghafte Handel mit diesen US-Schuldtiteln funktionierte, denn es gab keinen Mangel an Investoren, die nach höheren Renditen suchten, als sie der übliche Markt hergab. Mit steigenden Zinsen und gleichzeitig fallenden Immobilienpreisen wurden aber nach und nach immer mehr dieser Kredite notleidend.
Zu lange warteten Banken mit der Neubewertung der Risiken in ihren Büchern. In der Folge wurden reihenweise Risikomanager und Vorstände gefeuert, mussten Wertberichtigungen in Milliardenhöhe verkraftet werden. Die Wirkung auf die Kursbewegungen an den Börsen blieb natürlich nicht aus. Leider ist zu erwarten, dass die Subprime-Krise noch weitere Spuren in den Jahresabschlüssen der Finanzhäuser hinterlässt und insofern noch längst nicht beendet ist.
Das „Börsenunwort des Jahres“ wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser ermittelt. Zum „Unwort des Jahres“ wählte deren Jury in diesem Jahr den Begriff „Herdprämie“, denn das Wort diffamiere Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen.
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“