Geisterstunde im Portemonnaie?

Joachim Brandmaier

Sie haben es bestimmt längst gemerkt: Das Inflations­­gespenst ist zurück! Nachdem es die geldhungrige Spukgestalt eine Zeit lang hat ruhiger angehen lassen, treibt sie dieses Jahr wieder verstärkt ihr Unwesen.

Es sind vor allem die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise, die die Inflation schüren. Sie bedeuten höhere Rohstoff- und Transportkosten und fressen sich für gewöhnlich nach und nach durch die Lieferketten und damit am Ende oft in die Supermarktregale hinein. Die Hoffnung ist natürlich, dass das Ganze nur eine vorübergehende Erscheinung bleibt und der Druck nachlässt, sobald sich die Lage in Nahost bessert.

Unabhängig davon ist die Inflation ein Thema, das Anleger immer (!) auf dem Schirm haben sollten. Denn das Gespenst nagt unentwegt und weitgehend unsichtbar an Ihren Ersparnissen: Allein von 2020 bis 2025 lag die offizielle Inflation hierzulande zusammengerechnet bei rund 23 Prozent. Von dem Geld, das in der Zeit zinslos herumlag, kann man sich heute also fast ein Viertel weniger leisten als 2020. Sprich: 10.000 Euro schrumpften gewissermaßen auf 7.700 Euro zusammen.

Hätte man das Kapital dagegen an der Börse arbeiten lassen, könnte man sich heute nicht weniger, sondern deutlich mehr leisten – und das wohlgemerkt trotz Corona, Ukrainekrieg, Zoll-Chaos und anderer Krisen: Der Dow Jones zum Beispiel hat seit 2020 um 80 Prozent zugelegt. Da verliert das Inflationsgespenst durchaus an Schrecken. Vor allem aber spielen Aktien langfristig ihre Stärken aus. In den USA lag die Inflationsrate seit dem Jahr 1900 im Schnitt bei jährlich 2,9 Prozent. Selbst wenn man diese Geldentwertung von den Aktienrenditen abzieht, blieben dem Anleger unterm Strich 6,6 Prozent Plus pro Jahr! Und diese 6,6 Prozent machen zum Beispiel in 20 Jahren aus 10.000 Euro fast 36.000 Euro.

Eine Garantie für die Zukunft ist das selbstverständlich nicht. Aber dass das Inflationsgespenst weiter herumspukt und heimlich an Ihrem Geld nagt, ist ganz sicher kein Hokuspokus. Und dass Qualitätsaktien auf Dauer die beste Möglichkeit sind, seine Kaufkraft zu erhalten und die Ersparnisse sogar zu vermehren, auch nicht!

Newsletter vom 07. Oktober 2026

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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