Unruhige Märkte – investiert bleiben

Dr. Martin Moryson

Die Sorgen der Anleger haben viele Gesichter: Frankreichs Staatsfinanzen stehen unter Druck, bei KI-Aktien wachsen Zweifel an den hohen Erwartungen und der teure Ölpreis schürt die Inflation. Diese Mischung sorgt für kräftige Kursschwankungen. Doch Unsicherheit gehört zur Börse. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte deshalb nicht aussteigen, sondern breit gestreut und diszipliniert investiert bleiben.

Die Auslöser für die Turbulenzen sind zahlreich. In Frankreich haben politische Spannungen und Zweifel an der Nachhaltigkeit der Haushaltskonsolidierung die Renditen kräftig steigen lassen. Steigende Renditen und höhere Risikoaufschläge verteuern die Finanzierung und belasten so den europäischen Aktienmarkt. Gleichzeitig ist bei den großen KI-Aktien Ernüchterung eingekehrt. Die Unternehmen investieren enorme Summen in Rechenzentren und Chips. Noch ist offen, wie schnell daraus höhere Gewinne entstehen. Steigende Zinsen erhöhen den Druck auf hoch bewertete Wachstumsunternehmen. Das spricht für eine differenzierte Betrachtung, nicht jedoch für das Ende des KI-Themas.

Hinzu kommt der hohe Ölpreis. Er lastet auf der Kaufkraft der Konsumenten und hält die Inflation hoch. Damit sind fürs Erste Zinssenkungen der Zentralbanken in weite Ferne gerückt. Die Mischung ist unangenehm – aber auch nicht neu.

Die Geschichte zeigt: Krisen gibt es immer wieder und ihr Verlauf lässt sich kaum vorhersagen. Aber wer jetzt verkauft, muss zweimal richtig liegen – beim Ausstieg und beim Wiedereinstieg. Starke Erholungstage folgen häufig auf schwache Börsentage. Wer dann nicht investiert ist, verpasst einen wesentlichen Teil der langfristigen Rendite.

Auch unsere aktuelle Positionierung spricht nicht für einen pauschalen Rückzug. Die Gewinndynamik verbreitert sich über Sektoren und Regionen, robuste Konjunktursignale und der KI-Investitionszyklus stützen grundsätzlich Aktien. Zugleich mahnen hohe Bewertungen, der Ölpreisschock und Frankreichs Staatsfinanzen zu Ausgewogenheit.

Was bedeutet das für Anleger? Kurzfristige Rückschläge sind kein guter Grund, eine langfristige Strategie aufzugeben. Investiert zu bleiben bedeutet dabei allerdings nicht, vorhandene Risiken zu ignorieren. Ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien verschiedener Regionen und Sektoren, ergänzt um Anleihen mit attraktiven laufenden Erträgen, bleibt aus unserer Sicht der überzeugendste Ansatz. Klumpenrisiken bei einzelnen KI-Titeln sollten Anleger vermeiden. Wer ausreichend diversifiziert ist und Schwankungen aushalten kann, sollte investiert bleiben.

Newsletter vom 28. Oktober 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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