Der kommende Aufschwung braucht emotionale Unterstützung
Das Konsumentenvertrauen in Deutschland bleibt gemäß GfK-Konsumklimaindex eingetrübt, obwohl der Arbeitsmarkt gut ausgelastet ist und die Realeinkommen steigen. Verbraucher halten aufgrund diverser Unsicherheitsfaktoren an ihrer hohen Sparneigung fest und verzichten weiterhin auf größere Anschaffungen. Damit der private Konsum wie erhofft zu einer maßgeblichen Stütze des kommenden Aufschwungs werden kann, braucht es ein zuversichtlicheres Bild der ökonomischen Perspektiven Deutschlands.
Der notwendige Impuls sollte von der Politik in Form eines klaren Zielbildes für einen zukunftsfähigen Standort angestoßen und von Unternehmen, der Wissenschaft, den Medien und den ohnehin optimistischen Menschen weitergetragen werden, um größere Teile der Gesellschaft zu erreichen. Ein Baustein des Zukunftsbildes könnte der vor Ostern in Schleswig-Holstein erfolgte Spatenstich zur Eröffnung einer Batteriefabrik sein. Die Ansiedlung erfolgte aufgrund eindeutiger Standortvorteile, die vor wenigen Jahren noch nicht vorhanden waren, vor allem einer ausreichenden Versorgung mit grüner Energie inmitten einer der größten Windparklandschaften Europas. Sie zeigt, wie schnell sich Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg verändern können, selbst in einer eher strukturschwachen Region. Die neue Fabrik sollte zudem helfen, Abhängigkeiten von China, dem weltweit größten Hersteller von Batterien für die Automobilindustrie, zu verringern.
Auch wenn damit nicht automatisch alle Probleme gelöst sind, man die Höhe der gezahlten Subventionen infrage stellen kann und weitere dringend notwendige wirtschaftspolitische Weichenstellungen erfolgen müssen, wird doch zumindest neue, auf Zukunftstechnologien basierende Industrie gefördert. In der Wahrnehmung ist dieser Fortschritt für das Geschäftsmodell Deutschlands jedoch unterrepräsentiert angesichts allgegenwärtiger, vor allem geopolitischer Problemfelder. Diese bedürfen zweifellos einer hohen Aufmerksamkeit, jedoch darf dabei nicht der dringend notwendige Umbau der Volkswirtschaft zu sehr in den Hintergrund rücken. Nur wenn deutsche und europäische Unternehmen auch zukünftig ausreichend innovativ und damit wirtschaftlich erfolgreich sind, wird Europa im Rahmen der geopolitischen Neuordnung der Welt eine maßgebliche Rolle spielen. Dafür braucht es nicht zuletzt positive Emotionen im Sinne eines Glaubens an die Zukunftsfähigkeit des Standortes und seiner wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Newsletter vom 03. April 2024
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
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Frankreich lockert Corona-Beschränkungen – wirtschaftlicher Aufschwung voraus
In Frankreich hat die wirtschaftliche Dynamik nach einem im europäischen Vergleich relativ heftigen Einbruch im Jahr 2020 um 8,3 Prozent zuletzt deutlich zugelegt. Anders als für die gesamte Eurozone und Deutschland konnte im ersten Quartal ein positives Wirtschaftswachstum in Höhe von 0,4 Prozent (im Vergleich zum Vorquartal) vermeldet werden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für das gesamte Jahr 2021 ein Wachstum in Höhe von 5,8 Prozent und für das kommende Jahr 4,2 Prozent und damit ebenfalls mehr als für die gesamte Eurozone (4,4 bzw. 3,8 Prozent).
Dabei profitiert auch die französische Industrie bereits seit Monaten von einer starken Exportnachfrage aus China. Perspektivisch wird zudem die Nachfrage der wichtigsten Exportabnehmer Frankreichs, Deutschland (14 Prozent der französischen Exporte in 2019), der USA (8,5 Prozent) und Italien (7,6 Prozent) aufgrund der in den jeweiligen Volkswirtschaften absehbar ebenfalls sehr dynamischen Erholung zunehmen.
Die Ende April von Staatspräsident Macron angekündigten sukzessiven Öffnungsschritte (u.a. erfolgte per 19. Mai eine weitgehende Aufhebung von Einschränkungen für den Einzelhandel und die Gastronomie im Außenbereich) sehen bis Ende Juni auch die Beendigung von Ausgangsbeschränkungen vor. Damit stehen die für etwa 15 Prozent der gesamten französischen Wertschöpfung stehenden, besonders von den Corona-Restriktionen betroffenen Dienstleistungssegmente des sozialen Konsums, u.a. Beherbergung, Gaststätten und Einzelhandel, vor einer deutlichen Erholung.
Das größte Risiko für die Wirtschaft bleibt kurzfristig ein erneuter Rückschlag bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, etwa durch das Auftreten von durch Virus-Mutationen entstehenden Corona-Varianten, gegen die vorhandene Impfstoffe weniger wirksam sind.
Mittelfristig werden zudem politische Entwicklungen in Frankreich wieder mehr Beachtung finden. Zunächst stehen im Juni 2021 Regionalwahlen an, die als Stimmungstest für den Präsidenten und seine Partei gelten. Im Frühjahr 2022 finden dann Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Aus heutiger Sicht ist erneut Marine Le Pen die wichtigste Herausforderin Macrons mit guten Chancen auf den Sieg. Sollte sich ein Machtwechsel abzeichnen, wäre an den Kapitalmärten zumindest mit zwischenzeitlichen Verunsicherungen zu rechnen.
Bis dahin aber bleiben die Perspektiven für französische Aktien analog der Situation in der gesamten Eurozone positiv. Wirtschaftlicher Aufschwung und anhaltend niedrige Zinsen unterstützen generell reale Anlageklassen. Besonders die Schwergewichte des französischen Standardwerteindex CAC 40 aus den Branchen Konsum dürften weiter vom globalen wirtschaftlichen Aufschwung profitieren.

Newsletter vom 26. Mai 2021
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

