Automotive bremst – Bitcoin gibt Gas
Hiobsbotschaften der Autobauer aus Wolfsburg und Stuttgart dominierten mit Margen-Verfall, Milliarden-Abschreibungen sowie drohenden Entlassungen und Werksschließungen die nationalen Wirtschaftsnachrichten. Die mit dem Stern liegen beim Aktienkurs seit Jahresbeginn rund 30 Prozent im Minus. Beim Konzern mit dem Golf, der gerade seinen angestammten Platz im Euro Stoxx 50 verloren hat, ist es ähnlich. Hier prägt der Absturz im Juni von 90 auf 70 Euro den Chart. Zwischenzeitliche Erholungen nähren immer wieder die Hoffnung, um anschließend doch zu enttäuschen. Die tiefgreifenden Strukturprobleme, der zähe Umstieg auf die Elektromobilität und der Druck aus China machen der deutschen Schlüsselindustrie spürbar zu schaffen. Die deutschen PKW-Exporte sinken 2026 bisher um 4 Prozent, während die Importe um 16 Prozent zulegen.
Zum Glück lässt sich der DAX davon nicht mehr so leicht nach unten ziehen. Die historische Abhängigkeit von den Automobil-Aktien hat sich in den letzten 10 Jahren vom zweistelligen in den einstelligen Prozentbereich halbiert. Nach einem schwachen Wochenabschluss, und von politischen Wahlen erneut unbeeindruckt, legte der DAX am Montag satte 1,3 Prozent zu. Doch heute wackelt wieder die Marke von 25.500 Punkten. Derweil konnte an den US-Märkten der Dow Jones am Dienstag sein 37. Rekordhoch des laufenden Jahres verzeichnen und die Technologiebörse Nasdaq stand gestern so hoch wie noch nie. Autoaktien spielen da keine große Rolle, der auf unter 100 USD gefallene Ölpreis vielleicht schon eher.
Als energiehungrig galt immer der Bitcoin, wo seit dem Peak vom Oktober zuletzt Kurseinbrüche um 50 Prozent das Bild prägten. Statt unter 60.000 USD notiert die bekannteste und wertvollste Digitalwährung aktuell über 86.000 USD und hat damit seit dem Jahrestief Anfang Juli in kurzer Zeit knapp 50 Prozent zugelegt. Das starke Momentum vertreibt die Gerüchte um einen Krypto-Winter, aber die Strecke bis zum alten Rekordhoch von fast 126.000 USD ist nochmal genauso lang. Hoffentlich reicht der Sprit dafür.


Newsletter vom 23. September 2026
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

DAX knackt die Marke von 23.000 Punkten und fährt Achterbahn
Während der US-Aktienmarkt seit Mitte Februar schwächelt, konnten EuroStoxx und DAX deutlich zulegen. Das haben die wenigsten Akteure so erwartet, die meisten Marktteilnehmer sind davon ausgegangen, dass sich der europäische Aktienmarkt wie gewohnt im Schlepptau der US-Börsen bewegt. Am Montag legte der DAX in der Spitze bis auf 23.308 Punkte zu, getrieben u. a. vom Rüstungswert Rheinmetall, der allein ein Plus von 14 Prozent verbuchen konnte.
Aber auch Automobilaktien trugen zum Kursfeuerwerk bei, befeuert durch Äußerungen der EU-Kommission, den Autobauern mehr Zeit einzuräumen, um EU-Vorgaben beim CO2 einzuhalten.
Per Montagabend erzielte der DAX ein Plus von 15 Prozent in diesem Jahr. Nach der Rosenmontags-Hausse kam aber bereits am Dienstag und nicht erst am Aschermittwoch die Ernüchterung. Trump macht ernst im Handelskrieg gegen Kanada, Mexiko und China – folgt die EU als nächstes? Die Automobile brachen auf breiter Front wieder ein, mit Abschlägen zwischen 3,6 Prozent bei Porsche SE Vorzüge und 8 Prozent bei Daimler Truck. Schlusslicht war die Aktie von Autozulieferer Continental mit einem Minus von fast 12 Prozent bis Handelsschluss (Xetra). Wie gewonnen, so zerronnen lautet das vorläufige Fazit. Der weitere Verlauf bleibt ungewiss, am heutigen Mittwoch zeigt sich der Aktienmarkt erst einmal freundlich, dem von SPD und CDU beschlossenen Milliarden-Finanzpaket sei Dank.
Vielleicht erleben wir aber auch gerade eine überfällige Korrektur an den Börsen, passend zur Fastenzeit nach Ende des Karnevals. Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei, das Leben an der Börse geht auf jeden Fall weiter, auch wenn der Kater oder die Zukunftssorgen mal im Nacken sitzen.


Newsletter vom 05. März 2025
Martin Braun, Börse Hannover

Tanz in den Mai

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Ende April ist die kalte Jahreszeit vorbei. Das Frieren und Bibbern hat ein Ende. Hoffnungsfroh tanzen alle in den Mai. Die Tage werden länger und automatisch sind wir an sonnigen Tagen optimistischer. Dafür haben wir auch allen Grund. Es ist alles nicht so schlecht, wie es uns durch die Medien oder neudeutsch „Mouth to Mouth“ vermittelt wird.
Wenn wir den Kapitalmarkt ab Sommer 2022 betrachten, dann sehen wir, politische Börsen haben lange Beine und die Märkte sind auf „Zins-turkey“. Alle schauen auf die Schlange Kaa: Die Zinsen; die Inflation – alle sind hypnotisiert und trauen sich nicht, sich zu bewegen. – Oder; Beamtenmikado: Wer zuerst zuckt, der verliert.
Der Aktienmarkt erholt sich. Aber wird wirklich viel gehandelt? Eher nicht. Der gesamte Kapitalmarkt scheint „frozen“. Der DAX liegt fast bei seinem 52 Wochen-Hoch. Irgendwie löst es noch keine positive Stimmung aus. Die Quartalszahlen der im DAX-notierten Unternehmen überzeugen. Auch die internationalen Unternehmens-Zahlen überzeugen. Der DAX versucht, zu alten Höchstmarken von über 16.000 Punkten zurückzukehren. Ein kleiner Einschub, vor 21 Jahren am 30.12.2002 notierte der DAX bei 2.893 Punkten. Man wagt es kaum zu sagen, das sind fast 13.000 Punkte niedriger als heute, mehr als 300 Prozent.
Aber jetzt kommt erst der Hammer. Der effektive Hypotheken-Zinssatz lag Ende 2002 durchschnittlich bei 5,2 %. Momentan bei rund 3,7 %. Anfang des Jahrtausends vertraute kaum jemand den Aktienmärkten und trotz eines Zinssatzes von 5,2 % wollte jedermann Bau-Gold oder sichere Anleihen.
Am besten sogar Bundesanleihen – erinnern Sie sich noch an die Fernsehwerbung mit der Schildkröte? Oder an den fast schon verzweifelten Versuch der Deutschen Telekom oder der Deutschen Post, Aktien mithilfe des damals beliebten Tatort-Kommissars Manfred Krug an den Mann oder die Frau zu bringen?
Ist die Vergangenheit interessant? Ja, wir denken schon, denn wir sind wie viele andere Kapitalmarktteilnehmer verblüfft. Wir sehen eine Inflation, die von der EZB mit steigenden Zinsen bekämpft wird. Wir sehen gleichzeitig bei Bürgern ein Realvermögen, was nicht mehr „auf“ der Bank angelegt wird, weil es sich nicht lohnt. Dennoch ist die Psyche nicht nur der Privat- sondern auch der institutionellen Anleger nicht mehr zu verstehen.
Verunsicherung ist als Wort noch zu harmlos – Angst macht sich breit. Immer wenn ein bisschen Optimismus aufkommt, wird von der deutschen Bundesregierung oder auch durch die EU das zarte Pflänzchen gerupft.
Thema Autoindustrie: Klimapolitisch ist es selbstverständlich nötig, dass man handelt. Die gewollt umgesetzte Radikalität ist aber offensichtlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland Gift. Auch für den Kapitalmarkt. Die großen Automobilfirmen mögen auf den ersten Blick den Switch schaffen und sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Was ist aber mit den mittelständischen Zulieferbetrieben, die für ihre Liquidität Anleihen begeben haben?
Der Immobiliensektor ist zurzeit extrem schwierig. Da verraten wir nichts Neues. Zinsen, die zwar realiter gar nicht so hoch sind, verunsichern. Die Welt wird durch Boulevardblätter, Massenmedien, auch schlechter gemacht, als sie wirklich ist. Dann kommt die Politik. Neue Heizungen und Umbauten werden anscheinend am Bürger vorbei verordnet. Die Kommunikation ist ein Debakel. Koalitionsparteien beharken sich gegenseitig – eine Moderation ist nicht zu erkennen. Konsequenzen: Kein Mensch kauft verunsichert eine Immobilie. Direkte Auswirkung auf den Kapitalmarkt. Niemand möchte etwas mit Aktien oder Anleihen von Immobilienunternehmen zu tun haben. Wir sehen einen zum größten Teil selbstverschuldeten Wahnsinn, der Deutschland lähmt.
Dennoch gehen wir davon aus, dass der sonnige Mai die trüben Gedanken vertreiben wird. Die Vernunft hat immer und wird auch dieses Mal siegen. Egal ob Privatanleger oder institutionelle Investoren: Beide werden wieder auf den Markt zurückkehren. Es muss Vertrauen geschaffen werden. Insbesondere von den Medien aber auch von den am Kapitalmarkt vertretenen Unternehmen. Durch Corona hat die kommunikative Transparenz gelitten. Standards, die errungen worden sind, müssen wieder hergestellt werden. Nach dem Motto: Alles ist Kommunikation.
Zu mwb:
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE0006656101, WKN 6656101) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 38.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 20. April 2023
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
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