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Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Zu den tagesaktuellen Entwicklungen im geostrategischen Monopoly können wir in einem monatlichen Standpunkt kaum noch seriös Stellung nehmen. Ebenso wenig zu den erratischen Reaktionen der Kapitalmärkte. Manches davon riecht inzwischen verdächtig nach gezielter politischer und wirtschaftlicher Manipulation, wenn man sich die Meldungen über Transaktionen im Vorfeld entscheidender Verlautbarungen aus dem Weißen Haus ansieht.

Uns interessiert deshalb etwas anderes. Etwas, das sich seit Jahren aufbaut und durch die aktuellen Ereignisse nur noch beschleunigt wird: Chinas wachsendes Gewicht. Der Economist brachte dazu jüngst ein bemerkenswertes Titelbild: ein lächelnder Xi Jinping, daneben ein unscharfer, offenbar schreiender POTUS. Darüber der Satz: „Never interrupt your enemy when he’s making a mistake.“ Der dazugehörige Text trug den Titel: „Donald Trump is the war’s biggest loser“.

Mit dem amerikanischen Fehlerkatalog wollen wir uns hier nicht weiter aufhalten, sondern den Blick Richtung Sonnenaufgang werfen. Nach China.

Es ist übrigens auch für uns das erste Mal, dass wir uns näher mit Fünfjahresplänen beschäftigen. Wir sind keine Asienexperten und sicher auch keine Anhänger chinesischer Governance oder Staatsform. Doch es geht um Strategie.

China steht gerade zwischen zwei Planungsperioden. Der 14. Fünfjahresplan läuft aus, der 15. für die Jahre 2026 bis 2030 wurde im März offiziell verabschiedet. Und ja: Es lohnt sich, da genauer hinzusehen.

Der neue Plan steht für eine Neuausrichtung. Weg vom bloßen Mengenwachstum, hin zu einer „qualitativ hochwertigen Entwicklung“. Das klingt zunächst technokratisch. Ist aber machtpolitisch gemeint.

• Technologische Autarkie: China will in Schlüsseltechnologien wie Halbleitern und KI unabhängiger werden und die eigene Innovationskraft ausbauen.
• Grüne Transformation: Der Aufbau eines neuen Energiesystems soll sauberer, kohlenstoffärmer und zugleich belastbarer werden.
• Wirtschaftliche Sicherheit: Resilienz von Lieferketten und nationale Sicherheit stehen höher im Kurs als kurzfristige Wachstumsraten.
• Demografischer Wandel: Die alternde Bevölkerung wird nicht länger verdrängt, sondern mit Reformen beantwortet, etwa über eine schrittweise Anhebung des Rentenalters bis 2030.

(Quelle: International Institute for Strategic Studies, IISS)

Herausgreifen wollen wir den Punkt grüne Transformation, weil hier der eigentliche industrielle Kern liegt. Für China ist das kein Öko-Projekt, kein moralischer Überbau und kein PR-Baustein. Es ist knallharte Industriestrategie. Vier Punkte sind entscheidend:

Der „Doppel-Kohlenstoff“-Pfad (Dual Carbon Goals)
China arbeitet mit zwei festen Daten: Emissionshöhepunkt vor 2030, Klimaneutralität bis 2060. Entscheidend ist aber das Wie. Der Kohleanteil soll sinken, aber nicht um den Preis von Blackouts. Kohlekraft bleibt deshalb Reserve, die hochgefahren wird, wenn Wind und Sonne nicht reichen oder das Netz unter Druck gerät. Die Logik lautet: keine Abschaltung ohne Ersatz. Deshalb baut China weiterhin Kohlekapazitäten aus – über 200 GW sind derzeit im Bau. Nicht schön, aber systemisch gedacht.

Dominanz bei den „New Three“
China will die Marktführerschaft bei Elektrofahrzeugen, Lithium-Ionen-Batterien und Photovoltaik. Und zwar nicht nur im eigenen Markt. Ziel ist Dominanz entlang globaler Lieferketten. Wer dort vorne ist, liefert nicht nur Produkte. Er setzt Standards, diktiert Preise und verschiebt Macht.

Umbau des Energiesystems
China baut Wind- und Solarparks in einem Tempo aus, von dem Europa allenfalls Pressemitteilungen kennt. Vor allem in der Gobi und im Westen des Landes entstehen enorme Kapazitäten. Parallel dazu fließen Milliarden in Speicher, Pumpspeicher und Netze. Das Ziel ist klar: Erneuerbare nicht nur zubauen, sondern systemfähig machen. China installiert inzwischen mehr Wind- und Solarkapazität als der Rest der Welt zusammen. Das ist keine grüne Folklore mehr, das ist industrielle Realität.

Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft
Auch das gehört zur Strategie. „Grün“ heißt in China eben nicht nur weniger CO2, sondern auch weniger Rohstoffabhängigkeit. Batterierecycling, Rückgewinnung von Industriemetallen, Effizienzstandards für Stahl, Zement und Chemie: Das ist Rohstoffpolitik unter grünem Etikett. Oder anders gesagt: Wer die Kreisläufe kontrolliert, kontrolliert morgen die Kosten.

Wer nach Shanghai fährt, sieht schnell, wohin die Reise geht. Dort sind inzwischen rund 75 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch. Natürlich bleibt die chinesische Wirtschaft in weiten Teilen eine Drecksschleuder. Niemand muss sich da Illusionen machen. Aber das Land bewegt sich in eine Richtung, die wirtschaftlich zukunftsfähig ist.

Und dann reicht ein Blick nach Berlin. Schauen Sie sich die Ziele der amtierenden Bundesregierung und dieser Ministerin Reiche an. Merken Sie selbst. Hierzulande steckt man weiter fest in Lobbyismus, Besitzstandswahrung und den Dogmen vergangener Jahrzehnte. „Lang lebe der Verbrenner“ – so klingt das politische Unterbewusstsein.

Besonders deutlich wird der Unterschied beim Netzausbau. China baut Ultra-Hochspannungsleitungen. Strom wird über Tausende Kilometer von den Solar- und Windregionen im Westen zu den Industriezentren an der Ostküste transportiert. Parallel entstehen gigantische Speichersysteme, damit die berüchtigten Dunkelflauten nicht dauerhaft durch Kohle abgefedert werden müssen. Dort denkt man das Energiesystem als Ganzes. Bei uns denkt jeder erst einmal an seinen Zuständigkeitsbereich.

Klar ist auch: China wird von den aktuellen Blockaden rund um die Straße von Hormus nicht unberührt bleiben. Als wichtigster Abnehmer iranischen Öls trifft jede Störung dort auch Peking. Die Chinesen nahmen zuletzt gut 80 Prozent der iranischen Förderung ab. Wenn Washington die Meerenge nun selbst blockieren will, dann trifft das Iran und China zugleich.

Nur: So schnell geht das alles nicht auf. China hat vorgesorgt. Nach Schätzungen des Oxford Institute for Energy Studies liegen die chinesischen Lagerbestände bei etwa 1,1 bis 1,5 Milliarden Barrel. Das dürfte für 110 bis 140 Tage reichen. Europa liegt bei den Reserven in ähnlichen Größenordnungen.

Heißt übersetzt: Diese Blockade braucht Zeit, um überhaupt Wirkung zu entfalten – falls sie das je im gewünschten Maß tut. Bis dahin dürften die Iraner weiter ihre Nachbarn attackieren, während die USA im Nahen Osten immer weniger als Ordnungsmacht wahrgenommen werden. Mikko Huotari von Merics bringt es auf den Punkt: „Trump zieht die Länder am Golf in einen unabgesprochenen Krieg hinein, der ihr eigenes Geschäftsmodell gefährdet.“ Genau daraus entsteht die Machtverschiebung. Wo das amerikanische Schutzversprechen verblasst, wächst Chinas Raum. Und Peking denkt längst weiter. Taiwans Opposition wird bereits mit wirtschaftlichen Angeboten umworben – politisches Wohlverhalten natürlich vorausgesetzt. Auch in Taipeh wird man sich inzwischen fragen, wie belastbar die Schutzversprechen aus Washington wirklich noch sind.

Das Ganze läuft zudem auf einen verschärften Kampf um Rohstoffe hinaus.
https://www.bondguide.de/topnews/mwb-kapitalmarkt-standpunkt-commodities-energy-loading-willkommen-in-der-neuen-weltordnung/
So will China im Mai den Export von Schwefelsäure stoppen. Ein Detail? Keineswegs. Schwefelsäure wird für Dünger, Kupferproduktion, Elektrofahrzeuge, Halbleiter und die Pharmaproduktion gebraucht. Wer an so einer Stelle dreht, bewegt Preise weltweit.

Europa ist in dieser Krise nicht deshalb besonders verwundbar, weil plötzlich physisch nichts mehr aus Hormus käme. Das greift zu kurz. Die eigentliche Schwachstelle liegt bei Preisen, Importabhängigkeiten, LNG-Kosten, Transportketten und Versicherungsprämien. Anders gesagt: Nicht der Tank ist das erste Problem, sondern die Rechnung. Europas Verwundbarkeit ist damit vor allem markt-, wohlstands- und wettbewerbsbezogen.

Deutschland steht dafür exemplarisch. Beim Stromsystem wurde sichtbar aufgeholt; Erneuerbare deckten 2025 bereits gut 55 Prozent des Strombedarfs. Das ist realer Fortschritt, aber eben nur ein Teil der Wahrheit. Stromfortschritt ist noch keine Gesamtenergiesouveränität. Deutschland bleibt bei Öl, Gas, Industrieprozessen und Preisweitergabe verletzlich. Ein globaler Energieschock trifft das Land daher weniger als Versorgungskollaps, sondern als Wachstums-, Wohlstands- und Vertrauensproblem.

Genau deshalb lohnt ein nüchterner Blick auf Habeck. Der strategische Kern seiner Linie war nicht falsch: Mehr heimische erneuerbare Energie senkt geopolitische Abhängigkeit. Nur zeigt 2026 eben auch, wie weit der Weg noch ist. Wer beim Strom vorankommt, ist als Volkswirtschaft noch lange nicht frei.

Und dann kommt Berlin im Jahr 2026. Während China technokratisch puffert und die USA den Schock politisch an der Zapfsäule bezahlen, wirkt Deutschlands Regierung wie eine Fusion aus Kabarett und Trauerspiel. Klingbeil will entlasten und eingreifen, Reiche blockt ab und erklärt zentrale Vorschläge für teuer oder ineffektiv. Herausgekommen ist ein fauler Kompromiss: eine zweimonatige Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter, Volumen etwa 1,6 Milliarden Euro. Gegenfinanziert werden soll das nicht klassisch aus dem Haushalt, sondern über Maßnahmen gegen Ölkonzerne beziehungsweise das Abschöpfen überhöhter Gewinne. Hinzu kommen die Möglichkeit eines steuer- und abgabenfreien Einmalbonus von 1.000 Euro, finanziert über eine höhere Tabaksteuer, sowie die Aussicht auf eine Einkommensteuerreform ab Januar 2027. Das alles ist nicht nichts. Aber stellen Sie sich das Geheule vor, hätte die Ampel das zu verantworten gehabt.

Fast bezeichnender noch ist, was parallel passiert. Statt die Krise als Moment der Verdichtung zu begreifen, verliert sich Berlin im Takt von Boulevard, Empörungsreflex und täglicher Geräuschproduktion. Walgesänge im Boulevard scheinen wichtiger zu sein als die schlichte Frage, wie Deutschland Energie, Industrie und Wachstum wieder belastbar organisiert. So entsteht das Bild einer Regierung, die dauernd sendet, aber nur selten steuert.

Die bittere Pointe: Deutschland hat energiewirtschaftlich Fortschritte gemacht, politisch aber noch keine Antwort gefunden, die dazu passt. Das Land ist nicht mehr so abhängig wie früher, aber noch lange nicht robust. Und die große Koalition wirkt schon vor der eigentlichen Bewährungsprobe genauso gestrandet wie Timmy. Und der tut uns leid.

Zu mwb:

Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 46.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.

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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt

vom 15. April 2026
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Kontakt und weitere Informationen:
mwb Wertpapierhandelsbank AG         
Kai Jordan                 
Kleine Johannisstraße 4        
20457 Hamburg                     
Tel: +49 40-360995-20                    
E-Mail: kjordan@mwbfairtrade.com

Zuckerbrot und Peitsche

Carsten Brömstrup

US- und japanische Aktien kletterten zuletzt auf neue Rekordstände, auch in Euro umgerechnet, was für uns nicht ganz unerheblich ist! Sie profitieren aktuell von der optimistischen Einschätzung potenzieller Handelsabkommen zwischen den USA, Japan und China. Es gibt schöne Bilder und wie eigentlich immer haben sich alle Hauptdarsteller dieser Schautreffen lieb und dem ein oder anderen wird sogar „warm ums Herz“ wie zuletzt Chinas Anführer Xi, als er Donald Trump sah. Es wird gegenseitig Zuckerbrot verteilt, nachdem zuvor Peitschenhiebe verteilt wurden. Seltene Erden und Soja-Käufe für im Gegenzug geringere Zölle. Und es funktioniert: Die Börse feiert diesen Schmusekurs, fühlt sich erleichtert und zufrieden. Seit rund sechs Monaten nach Trumps Zollankündigungen am „Tag der Befreiung“ können wir dieses Muster verfolgen: Buy the Dip und Risk on!
 
Nicht unwichtig ist, dass der eingeleitete geldpolitische Lockerungskurs der Fed weiter auf ein günstiges Börsenumfeld hinweist. Auch die EZB und die japanische Notenbank fühlen sich mit der derzeitigen Zinssituation wohl, auch wenn die Inflation ein bisschen über dem Ziel liegt. Aber wir müssen uns eh in Zukunft auf höhere Inflationsraten einstellen. Die Verschuldungslage der Staaten lässt den Notenbanken keine andere Wahl (Stichwort: „Finanzielle Repression“). Dieses auskömmliche Zins- und Inflationsumfeld unterstreicht, weshalb wir von einem insgesamt positiven, gesamtwirtschaftlichen Umfeld ausgehen sollten, wobei wir die offensichtlichen Risiken wie globale Lieferketten bei Rohstoffen oder Chips nicht kleinreden dürfen. Nicht umsonst hinkt der DAX seit rund drei Monaten deutlich selbst hinter anderen Euro-Börsen (Spanien, Italien) hinterher. Die von globalen Lieferketten abhängigen Branchen Industrie und IT machen recht genau 50 Prozent des DAX aus.
 
Zurück in die USA: Nach Berechnungen der UBS lehrt uns die US-Börsenhistorie seit 1970, dass die durchschnittliche annualisierte Rendite des S&P 500 bei knapp 10 Prozent liegt. Befand sich die US-Wirtschaft nicht in einer Rezession, steigt dieser Wert auf 12 Prozent. Anleger erzielten jedoch die besten Renditen (+15 Prozent), wenn sich die US-Wirtschaft nicht in einer Rezession befand und die Fed gleichzeitig die Zinsen senkte. Da es Anzeichen gibt, dass sich der US-Arbeitsmarkt abschwächt, gehen wir von mindestens drei zusätzlichen Zinssenkungen von 0,25 Prozent bis Mitte des nächsten Jahres aus. Dass Fed-Chef Powell nach der letzten Zinssitzung auf die Zinseuphoriebremse trat, ist nachvollziehbar. Aufgrund des Shutdowns und mangelnder Arbeitsmarktdaten wolle er nicht zu forsch „im Nebel“ fahren und sicherlich auch die derzeitige Aktieneuphorie abkühlen. Zuckerbrot und Peitsche halt. Gut so! Zudem dokumentierte er damit die Unabhängigkeit der Fed gegenüber Trump und Stephen Miran, dem Trumpschen-Maulwurf innerhalb der Fed. Dieser forderte unlängst eine Zinssenkung um 0,5 Prozent. Doch selbst wenn die Fed ihre Zinssenkungen beenden sollte, wird die US-Wirtschaft wohl fortgesetzt wachsen. Die vom Ausland erpressten Investitionen laufen in den USA bereits an. Zudem kann sich Trump vor den Zwischenwahlen Anfang November 2026 keine schwache Wirtschaft leisten. Die Entwicklung von US-Aktien dürfte also gut unterstützt bleiben.  
 
Getragen wird der Aufschwung in den USA und Asien eindeutig von den Investitionen in KI und Dateninfrastruktur. Der Trend ist ungebrochen und legte im letzten Quartal sogar noch zu. Die sogenannten „Hyperscaler“ Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta legten unglaubliche Wachstums- und Investitionszahlen (rund 375 Mrd. USD in 2025) vor. Energiezulieferer profierten ebenso. Es scheint sich in den USA ein Ökosystem zwischen den KI-Playern zu entwickeln, getragen durch gegenseitige Investitionen und Beteiligungen. Ein Schneeballsystem? Die Verschuldungssituationen von z. B. Meta oder Oracle steigen sprunghaft an. Anleihen in vielfacher Milliardenhöhe werden demnächst emittiert. Meta legte letzte Woche 30 Mrd. USD langlaufende Anleihen auf. Dies könnte auch dem Aktienmarkt Liquidität entziehen und wie eine Peitsche wirken. Wir müssen aufmerksam bleiben. Oracle kommt am 09.12. mit Zahlen, Nvidia am 19.11.
 
Bislang untermauert aber die starke Nachfrage nach Rechenkapazität die robusten KI-Investitionen. Die zuletzt von OpenAI angekündigten KI-Investitionen von rund 1,4 Bill. USD (Quelle Bloomberg) unterstreichen, wie die Branche den höheren Verbrauch von KI-Token unterschätzt hat. Beispielsweise sind die wöchentlich aktiven Nutzer von ChatGPT stark auf 800 Millionen gestiegen. Dies entspricht fast 10 Prozent der Weltbevölkerung, während es noch zu Beginn des Jahres nur 300 Millionen waren. Gleichzeitig ist das durchschnittliche Mitteilungsvolumen pro Nutzer zusätzlich gestiegen, auch durch KI-Videos, die wiederum viel Rechenkapazität benötigen. Diese Entwicklung ist disruptives Zuckerbrot für den Aktienmarkt.
 
Alles in allem bekräftigen wir unsere konstruktive Beurteilung für Aktien und prognostizieren für den S&P 500 bis Mitte 2026 einen Stand von über 7.000 Punkten. Auch asiatische Aktienindizes dürften dem Trend folgen. In Europa und vor allem Deutschland liegt der Schwerpunkt auf staatlichen Investitionen in Infrastruktur (Energie und Straßen) und Rüstung. An einer Hightech-Agenda wird gebastelt. Man erhofft sich einen Sprung aus der Rezession heraus. Allein die Sondervermögen können einen Wachstumsimpuls von +0,7 Prozent im BIP im Jahr 2026 liefern. Ein Einmaleffekt? Was bleibt ist das Warten auf spürbare Reformen. Wir bleiben gespannt und optimistisch. Der deutsche Aktienmarkt hat u. E. somit die Chance, sich auch weiterhin von der (geo)politisch zerstrittenen Szenerie abzukoppeln und Mitte 2026 bei nahe 26.000 Punkte zu notieren. Zuckerbrot und Peitsche halt.

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Glossar
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Newsletter vom 05. November 2025

Carsten Brömstrup – Chefanalyst
Oldenburgische Landesbank AG

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Donald Trumps zweite Amtszeit: Was ist zu erwarten?

Dr. Martin Moryson

Was ist von Donald Trumps zweiter Amtszeit wirtschaftlich zu erwarten? Was bedeutet sie für die US-Wirtschaft, für den Rest der Welt und vor allem für die Kapitalmärkte?
Die US-Wirtschaft befindet sich derzeit in einer sehr guten Verfassung: Das Wachstum ist kräftig, es herrscht Vollbeschäftigung und die Inflationsrate hat ihre Höchststände weit hinter sich gelassen. Seit der Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten hat sich auch die Stimmung deutlich verbessert, insbesondere jene der kleinen und mittleren Unternehmen. Die Aussicht, dass Donald Trump die Regulierung zurückführen, die Unternehmen von „Fesseln“ befreien und die Steuern senken wird, hat nicht nur die Geschäftsaussichten kleiner Unternehmen gefördert, sondern auch die vieler Tech-Milliardäre.

Auch wir gehen davon aus, dass die US-Wirtschaft kurzfristig von der Wirtschaftspolitik Trumps profitieren kann. Mittelfristig allerdings ist die von Donald Trump angestrebte Politik nicht wachstumsfördernd. Das Wachstum der letzten Jahre basierte in weiten Teilen auf einer kräftigen Zuwanderung. Mit einer deutlich reduzierten Migration dürfte das Produktionspotenzial der kommenden Jahre geringer ausfallen. Zölle sind wettbewerbsverzerrend und senken damit das Produktivitätswachstum. Vor allem aber dürfte die Unsicherheit, die von seiner Politik ausgeht, die Wirtschaft bremsen – vielleicht weniger in Amerika, aber umso mehr im Rest der Welt. Während China möglicherweise unter hohen Zöllen leiden könnte, dürfte Europa vermutlich unter der Ungewissheit hinsichtlich der Zölle mehr leiden. Standortentscheidungen werden vor dem Hintergrund drohender Zölle verschoben und bremsen so das Wachstum, selbst wenn die Zölle letztlich nicht oder nur in homöopathischen Dosen kommen.

Was heißt das für die Märkte?
Kurzfristig sind dies gute Aussichten für risikobehaftete Anlagen. Langfristig dürften jedoch ein schwächeres Potenzialwachstum und höhere Zinsen aufgrund mangelnder fiskalischer Disziplin die Kurse belasten. Allerdings gibt es hier eine wichtige Feedback-Schleife. Kaum ein Präsident hat seinen Erfolg so sehr am Kapitalmarkt gemessen wie Donald Trump. Sollte es also zu massiven Kursrückgängen bei den Aktien aufgrund steigender Renditen kommen, werden die Staatsfinanzen in den Fokus rücken – auch bei Donald Trump. Das könnte man als beruhigend empfinden. Ob es jedoch gelingt, steht auf einem anderen Blatt.

Newsletter vom 22. Januar 2025

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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Kann Deutschland von dem Rettungspaket in China profitieren?

Dr. Martin Moryson

Seit einiger Zeit schwächelt die chinesische Wirtschaft. Diese Schwäche setzt auch der deutschen Wirtschaft zu. Angesichts der miesen Stimmung im eigenen Land hat die chinesische Führung rechtzeitig vor den Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik zahlreiche Stützungsmaßnahmen angekündigt. Da stellt sich die Frage, inwieweit auch die europäische, und insbesondere die deutsche Wirtschaft von diesen Maßnahmen profitiert.

Deutschland leidet – unter anderem – auch an der wirtschaftlichen Flaute Chinas. Allerdings kommt zu dieser konjunkturellen Schwäche noch ein strukturelles Problem hinzu. Wuchsen früher die deutschen Exporte nach China eins zu eins mit der chinesischen Wirtschaft, stagnieren sie mittlerweile seit einigen Jahren und folgen somit dem dortigen Wachstum nicht mehr. Neben dem von China angestrebten Decoupling, also dem Entkoppeln von der restlichen und vor allem von der westlichen Welt, ist noch ein anderer Treiber dafür verantwortlich: der wirtschaftliche Aufstieg Chinas. Die Produktionskosten liegen in China deutlich unter dem deutschen Niveau. Das war früher ein Vorteil. Deutsche Unternehmen konnten billige Vorprodukte aus China importieren, sie in ihre Produkte, z. B. Autos, einbauen und diese dann teuer in der Welt verkaufen. Inzwischen aber produziert China keine billigen Vorprodukte mehr, sondern preiswerte Konkurrenzprodukte. Der einstige Vorteil hat sich also aus deutscher Sicht in einen Nachteil verkehrt. Der Anstieg der Energiekosten in Europa und die Subventionen chinesischer Produktion haben dieses Problem in letzter Zeit deutlich verschärft.

Etwas Hoffnung gibt es allerdings für die europäische Wirtschaft. Das Entscheidende bei vielen der Maßnahmen Chinas ist, dass sie auf der Nachfrageseite ansetzen, das heißt, dass sie den Konsum stützen sollen. Davon dürften europäische Firmen zwar zunächst nur sehr begrenzt profitieren, schließlich kaufen die Bezieher der Unterstützungsmaßnahmen vermutlich wenige europäische Produkte. Aber mittelbar könnte die europäische – und vor allem auch die deutsche – Wirtschaft dann doch profitieren. Denn wenn der Konsum in China wieder stärker wird, dann werden früher oder später auch wieder die Maschinen gebraucht, mit denen diese Produkte hergestellt werden. Maschinen und Anlagen machen nämlich einen immer größeren Anteil der deutschen Exporte nach China aus, Autos hingegen einen immer kleineren.

Newsletter vom 30. Oktober 2024

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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Deutsche Konjunktur weiter schwach – Hoffnungen ruhen auf China

Carsten Mumm

Nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes schrumpfte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2023 preisbereinigt um 0,3 Prozent. Im laufenden Winterhalbjahr ist noch keine Besserung erkennbar. So stieg der preisbereinigte Auftragseingang für das Verarbeitende Gewerbe im November nur leicht um 0,3 Prozent, nachdem im Oktober mit 3,8 Prozent ein herber Einbruch zu verzeichnen war. Im Vergleich zum Vorjahr wurden jedoch 4,4 Prozent weniger Aufträge verbucht. Zwar stiegen die Exporte Deutschlands im November im Vormonatsvergleich um 3,7 Prozent, liegen damit aber mit 5 Prozent ebenfalls deutlich unter dem Niveau des Vorjahres.

Umfragen unter Unternehmen lassen bisher keine Belebung der Auftragseingänge erkennen, so dass eine steigende Industriedynamik nicht vor dem Frühjahr zu erwarten ist. Dabei wäre eine stärkere Exportnachfrage besonders wirksam. Der wichtigste Abnehmer deutscher Exporte ist die US-Volkswirtschaft, die jedoch in den kommenden Monaten eine Abkühlung erfahren wird. Zwar fiel der Dezember-Arbeitsmarktbericht mit einem Anstieg der privaten Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft um 164.000 Stellen und einer stabil niedrigen Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent erneut überraschend robust aus. Der Absturz der Beschäftigungskomponente des ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor auf den tiefsten Stand seit August 2020 signalisierte jedoch eine künftig schwächere Entwicklung am US-Arbeitsmarkt und damit einen voraussichtlich nachlassenden privaten Konsum.

Unter der Annahme einer leichten Rezession in den USA und einer anhaltend schwachen Konjunktur in Europa, müsste eine steigende Exportnachfrage somit vonseiten Chinas, dem zweitwichtigsten Exportabnehmer erfolgen. Immerhin deuteten die Dezember-Außenhandelsdaten mit einem Anstieg der chinesischen Exporte um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf eine leichte Belebung der Konjunktur hin. Allerdings fiel die Inflationsrate für Dezember mit -0,3 Prozent erneut negativ aus. Eine anhaltend schwache Preisniveausteigerung würde jedoch die Gefahr einer deflationären Spirale mit längerfristig nur moderaten Wachstumsraten untermauern. Das wäre aus Sicht der Regierung in Peking kaum wünschenswert, weshalb ein stärkerer fiskalischer Stimulus im Laufe des Jahres zu erwarten ist. Dieser könnte das chinesische Wachstum und damit auch die globale Exportnachfrage sowie die Absatzchancen der deutschen Industrie im Vergleich zu den bisherigen Erwartungen deutlich verbessern.

Newsletter vom 17. Januar 2024

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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Aktienmärkte schauen zurzeit nach China

Sie kennen den Spruch: „Sell in may and go away … but remember to come back in september!“ Ob der aktuelle Monat tatsächlich der beste Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg nach der Sommerpause ist, wage ich zu bezweifeln. Die Statistik spricht da eher eine andere Sprache, zählt der September seit Jahrzehnten doch eher zu den Underperformern. Der Oktober hat aber auch keinen besseren Ruf, Sie kennen den Buchtitel „Sonntags nie, am liebsten im Oktober“. Die Aktienmärkte treten aktuell eher auf der Stelle mit leicht negativer Tendenz. Trotz sinkender Inflationsraten hüben wie drüben sind die Konjunkturaussichten eher verhalten. Und das betrifft insbesondere Deutschland – die Exporte fielen allein im Juli um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Alle Blicke richten sich deshalb Richtung China, galt das Land der Drachen doch lange Zeit als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft. Davon kann zurzeit jedoch keine Rede sein. Der gelbe Riese schwächelt und Besserung ist nicht in Sicht. Hinzu kommt ein zunehmender Protektionismus. Der Westen versucht, sich unabhängiger von China zu machen und riskiert dadurch Wachstumschancen.

Der am kommenden Wochenende in Neu-Delhi stattfindende G20-Gipfel sollte für ausreichend Gesprächsstoff sorgen. Allerdings eher hinter den Kulissen, denn wichtige Akteure wie der chinesische Staatschef Xi Jinping reisen erst gar nicht an.

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Newsletter vom 6. September 2023

Martin Braun, Börse Hannover

September 2023: Lyxor MSCI Emerging Markets Ex China UCITS ETF

Schwellenländer-Investment ohne China-Anteil

Der Lyxor MSCI Emerging Markets Ex China UCITS ETF ermöglicht eine gestreute Investition in die sogenannten Schwellenländer, ohne die Berücksichtigung von China. Der in dem ETF synthetisch in der Wertentwicklung abgebildete MSCI Emerging Markets ex China Net Return USD Index umfasst 23 der aktuell 24 von MSCI definierten Emerging Markets. Der Index deckt rund 85% der nach Streubesitz gemessenen Marktkapitalisierung in jedem Land ab. Knapp 60% des Index entfallen auf die drei Länder Taiwan, Indien und Süd-Korea.

Im Aktionsmonat wird der ETF an der Börse Düsseldorf vom Skontroführer ICF BANK zu nochmals engeren Geld- und Brief-Kursen gehandelt. Ziel ist es, den niedrigsten Spread unter den deutschen Handelsplätzen bieten zu können. In der Zeit zwischen 09:00 und 17:30 Uhr ist die Geld-Brief-Spanne in diesem Papier niedriger (oder maximal gleich) wie am Handelsplatz Xetra. 
Die hier vorgestellten Produkte sind in keinem Fall als Anlageberatung oder Kaufempfehlung zu verstehen.

Name ISIN Briefkurs Stand Diff % Diff +/-
MUL Amundi Emerg ex-China LU2009202107 0 25.09.2026 0,88% 0,3700

ETF des Monats – 09/2023

Kurzsteckbrief LYX99G:

Indexabbildung: Synthetisch
Ertragsverwendung: Thesaurierend
Fondsgröße: 379 Mio. EUR
Fondswährung: USD
Total Expense Ratio: 0,15 % 
Anzahl Positionen: 666
(Datenquelle: extraETF.com vom 21.08.2023)

Mehr Informationen bei extraETF:

(inkl. Factsheet und Anlegerinformationsblatt)

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Mehr Informationen

Die Courtage für ETF-Geschäfte an der Börse Düsseldorf beträgt 0,08%. In Verbindung mit einem niedrigen Spread und abhängig von der Ordergröße kann dies für das einzelne Geschäft zu einem günstigeren Kauf- oder Verkaufspreis führen, als an einem Handelsplatz ohne explizite Nebenkosten. Vergleichen lohnt sich! (Ausschlaggebend für die Gebühren ist das Preisverzeichnis der depotführenden Banken bzw. Broker.)

Aktienmärkte ohne klaren Trend

Es ist wie ein Wechselbad der Gefühle, die aktuelle Situation an den Aktienmärkten. Jede neue Information zur wirtschaftlichen Entwicklung wird von den Marktteilnehmern begierig aufgenommen und kurstechnisch in die Tat umgesetzt. Mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Und ein Phänomen ist wohl doch nicht tot zu kriegen: Die europäischen Börsen hängen sklavisch am US-Markt. Was die Realität betrifft, zeigt sich jedoch ein geteiltes Bild zwischen den USA und Westeuropa, insbesondere zu Deutschland. In den USA ist der Gesamtindex für die Einschätzung der Konjunktur im August auf 5,1 Punkte gestiegen, im Juli lag er noch bei minus 3,7 Punkten. Im Vergleich dazu liegt der Gesamtindex in der Eurozone im August bei minus 18,9 Punkten. Der für Deutschland vergleichbare GFK-Konsumklima-Index lag im Juli 2023 bei einem Indexwert von minus 25,2 Punkten, für August prognostiziert die GfK einen Wert von minus 24,4 Punkten. Damit ist Deutschland als wichtigste europäische Wirtschaftsnation aktuell nicht das Zugpferd, sondern trägt eher die rote Laterne in Europa.
Und ein Blick auf China sollte erst recht als Weckruf verstanden werden. Gerne wird über die Probleme Chinas berichtet, z. B. im Immobiliensektor. Dabei wird aber leicht übersehen, dass der gelbe Riese seit Jahren sehr erfolgreich Deutschland als wichtigsten Handelspartner der übrigen EU-Staaten bei ihren Importen ablöst. Zur Jahrtausendwende machten deutsche Produkte rund 14 Prozent an den gesamten EU-Importen aus, 2022 waren es nur noch 12,5 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Anteil chinesischer Waren von 2,6 Prozent auf 8,8 Prozent an. Besonders deutlich wird diese Entwicklung beim Blick auf Produkte, die als deutsche Exportschlager gelten: Maschinen, chemische Produkte, Metallerzeugnisse und Autos. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren zeigt sich der deutsche Aktienmarkt erstaunlich stabil.

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Newsletter vom 23. August 2023

Martin Braun, Börse Hannover

„De-Dollarization“ – gibt es bald eine echte Alternative zum US-Dollar?

Prof. Dr. Stefan May


Um sich von einer zu starken USA- und Dollar-Dominanz zu befreien, gibt es – initiiert von den sogenannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) – Bestrebungen, eine eigenständige und durch Gold gedeckte BRICS-Währung als echte Alternative zum US-Dollar einzuführen.  

Vergleicht man die Wirtschaftsleistungen der BRICS-Staaten und der USA sowie der anderen großen Industrieländer, dann ist die Vorstellung einer eigenen Währung, zumindest was die Größenordnung anbelangt, durchaus nachvollziehbar, da die BRICS-Staaten in etwa den gleichen Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt (Welt-BIP) haben wie die USA (vgl. nachfolgende Grafik).

Obwohl eine definitive Einschätzung der Erfolgschancen dieses Währungsprojektes aufgrund fehlender Detailinformationen derzeit (noch) nicht möglich ist, gibt es doch strategische Überlegungen, die erhebliche Zweifel begründen.

Heterogenität der Teilnehmer
Begriffe wie „BRICS“ oder „globaler Süden“ suggerieren eine Gemeinsamkeit und Einheitlichkeit, die tatsächlich nicht vorliegt. Betrachtet man die entsprechenden Staaten etwas genauer, stellt man fest, dass sie sowohl gesellschaftspolitisch als auch rein ökonomisch sehr unterschiedlich sind. Eine weitgehende Übereinstimmung besteht lediglich hinsichtlich des „Feindbildes“ USA (oder „des Westens“), deren Dollar-Dominanz man unbedingt brechen müsse. Ansonsten ist es mit den Gemeinsamkeiten nicht allzu weit her. Russland führt derzeit einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, was vielen potenziellen Währungsteilnehmerländern nicht gefallen dürfte, auch wenn sie sich deshalb vom Westen nicht zu einer eindeutigen Positionierung gegen Russland zwingen lassen wollen. China und Indien wiederum – die zwei wirtschaftsstärksten BRICS-Staaten – stehen in der Kaschmir-Region sogar immer wieder kurz vor militärischen Zusammenstößen; Einheitlichkeit und Interessengleichklang sieht anders aus.

Aufgabe der eigenen Währung?
Ohne die Details der geplanten Währung zu kennen, glauben wir ausschließen zu können, dass die Teilnehmerländer ihre eigenen lokalen Währungen aufgeben werden, wie dies z. B. beim Euro der Fall war. Viel wahrscheinlicher ist eine Konstruktion, die dem Vorläufer des Euro gleicht, einer „künstlichen“ Korbwährung, dem sogenannten ECU („European Currency Unit“). Diesen hat man im Jahr 1999 zugunsten eines „echten“ Euros aufgegeben. Eine ähnliche Weiterentwicklung einer möglichen Korbwährung des globalen Südens hin zu einer „echten“ Gemeinschaftswährung halten wir aber aufgrund der erwähnten Heterogenität der Teilnehmerländer für höchst unwahrscheinlich. Nach unserer Überzeugung wäre aber genau das ein entscheidender Faktor für den Erfolg einer BRICS-Währung. 

Dominanz Chinas in der BRICS-Runde
Der wichtigste Grund, warum die BRICS-Staaten den Plan einer eigenen Alternativwährung zum Dollar verfolgen, sind die USA. In den Augen vieler Länder ist Amerika die treibende Kraft des Westens. Einzelne europäische Länder, aber auch die sonstigen Länder der G7, werden mehr oder weniger als Vasallen der USA betrachtet. Es geht also vor allem darum, sich von der Dominanz der USA zu befreien. Tatsächlich haben die USA innerhalb der G7-Staaten aufgrund ihrer enormen Wirtschaftsleistung eine überragende Bedeutung, wie die folgende Grafik zeigt. 

Das Problem einer BRICS-Währung als Instrument der Emanzipation von den USA besteht aber darin, dass die wirtschaftliche Dominanz Chinas innerhalb der BRICS-Staaten sogar noch stärker ist, als die Vormachtstellung der USA innerhalb der G7-Staaten, was durch folgende Grafik belegt wird.

Jedes Mitglied einer BRICS-Währung würde also die US-Dominanz gegen eine China-Dominanz tauschen. Nach Abwägung aller Pros und Contras wird sich mancher Staat sehr gut überlegen, ob das wirklich eine so gute Idee ist.  

Auswirkungen auf die Kapitalmärkte
Was nun die möglichen Auswirkungen der skizzierten Bestrebungen auf den US-Dollar oder den Goldpreis (geplante Golddeckung!) anbelangt, so besteht nach unserer Überzeugung kein akuter Handlungsbedarf. Die US-Währung wurde in ihrer bisherigen Geschichte schon häufiger für tot erklärt und hat sich bis dato immer wieder als die stärkste globale Währung erwiesen. Ähnliche Szenarien gab es schon bei Einführung des Euros – der ja auch als alternative Reservewährung gepriesen wurde – und man kann nun nicht behaupten, dass der US-Dollar vom Euro verdrängt wurde oder schwächer geworden wäre (vgl. nachfolgender Chart seit Einführung des Euros als Buchgeld). Eine BRICS-Währung wird also – wenn sie denn überhaupt kommt – noch länger auf sich warten lassen.

Newsletter vom 17. August 2023

Prof. Dr. Stefan May – Leiter Anlagemanagement
Quirin Privatbank AG

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Zitat der Woche: Mark Schieritz

„Es ist schwer, in einer schmutzigen Welt sauber zu bleiben.“

Mark Schieritz
DIE ZEIT
in „Zwischen Wohlstand und Moral“ vom 04.11.2022

Schieritz hält die Moral im internationalen Geschäft für so eine Sache: „Denn wer käme eigentlich als Handelspartner noch infrage, wenn Geschäfte nur mit liberalen Demokratien erlaubt wären?“ Der Wirtschaftskorrespondent hält es für schwierig, in einer schmutzigen Welt sauber zu bleiben. „Jedenfalls wenn man nicht bereit ist, auf Wohlstand zu verzichten.“

Quelle: https://buzzard.org/perspektive/es-ist-schwer-in-einer-schmutzigen-welt-sauber-zu-bleiben/