Gewöhnungseffekt trotz Krisen – kommt jetzt ein Crash?

Wenn ein Ereignis die Börse überrascht, werden zuweilen vorschnelle Handlungen in die eine oder andere Richtung vorgenommen. Besonders negative Überraschungen finden so Einzug in die Kursfindung und lassen die Börsen auch immer mal wieder in einem Crash enden. Solche besonderen Phasen finden sich meist in den Herbstmonaten, was in der Gesamtstatistik bei den Saisonalitäten entsprechende Spuren hinterlässt.
Dabei ist der September oft ein Monat in dem die Marktteilnehmer von einer solchen Bewegung überrascht werden. Natürlich entstehen Crashs immer aus dem viel zitierten „heiteren Himmel“ heraus. Daher kann man auf keinen Fall einen Crash vorhersagen, auch wenn es gewisse Ansätze gibt, die zumindest für Unsicherheit bei den Marktteilnehmern sorgen.
Die aktuelle Lage lässt viel Spielraum für Aussagen in alle Richtungen zu. Die eine Seite hält es mit den Bullen, die auf jeden Fall weitere Anstiege prognostizieren, sobald sich die Lage im Nahen Osten entspannt. Die andere Seite, die es mit den Bären hält, sieht die Gefahren und Eskalationsmöglichkeiten, auch in der Ukraine, als Vorboten für einen Börsencrash.
Die Marktteilnehmer haben sich aber derzeit offenbar an die Krisen und immer wieder wechselnden Aussagen der handelnden Parteien gewöhnt und so zuletzt den DAX auf neue Rekordhochs getrieben. Sicher ist es kein Geheimnis, dass bei solchen, doch recht steilen Anstiegsbewegungen auch immer wieder Korrekturen stattfinden müssen. Dies ist nicht nur Technischen Analysen bekannt, sondern jedem, der an der Börse tätig ist.
Muss es deshalb aber gleich ein Crash sein? In solchen Phasen haben natürlich die Crash-Propheten wieder Hochkonjunktur. Selbstverständlich können auch diese einen Crash nicht vorhersagen. Es erzeugt aber Aufmerksamkeit, wenn man möglichst laut und möglichst extrem seine Meinung in die Welt setzt.
Fakt ist aber auch, dass der DAX seit März dieses Jahres bereits über 4.500 Punkte oder gut 20 Prozent gewonnen hat. Auch wenn zwischenzeitlich immer wieder Korrekturen stattgefunden haben, die für den Trend gut waren, wäre es nicht verwunderlich, wenn nun wieder eine solche anstehen würde.
Wenn der DAX also nun eine normale technische Korrektur an die Ausbruchszone vollziehen würde (diese stellt übrigens eine zuvor generierte Widerstandszone dar) und diese recht schnell erfolgen würde, dürften sicher wieder einige von Crash sprechen.
Die seriösere Variante wäre aber sicher die Aussage über eine normale technische Reaktion. Wenn sich die Krisen plötzlich erledigen würden, was wünschenswert aber nicht zu erwarten ist, und der Markt noch einen kurzfristigen steilen Aufwärtsschub erfährt, nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur schnell zu.
Bleiben wir realistisch: Schon Isaac Newton sagte „Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunde berechnen, aber nicht wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treiben kann.“ So dürfte es sich auch mit den Crash-Propheten verhalten.

Newsletter vom 12. August 2026
Christoph Geyer – stellv. Regionalmanager
VTAD Frankfurt
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Quelle: ProRealTime.com
Zitat der Woche: Volker Schilling

„Aus Angst vor einem Crash alle Aktien zu verkaufen wäre, als würde man aus Angst vor dem Tod Selbstmord begehen.“
Volker Schiller
Greiff Capital Management
Zitat der Woche: Ken Fisher

„Historisch gesehen entwickeln sich Aktien in 62 Prozent der Kalendermonate positiv. Anleger sollten also mehr Angst haben, dass sie die Anstiege des Marktes verpassen, als dass sie einen Crash erleben.“
Ken Fisher
Investor & Autor
Börsen im Höhenflug: Folgt dem Rausch der Kater?

Die Aktienkurse eilen von Rekord zu Rekord, doch gleichzeitig nehmen geopolitische Spannungen und Handelshemmnisse spürbar zu. Insbesondere China sorgt mit neuen Exportkontrollen für Unruhe: Der Zugang zu Seltenen Erden wird ebenso erschwert wie der zu Chips. Wie geht es an den Börsen weiter?
Anlegerinnen und Anleger wundern sich, wenn sie auf die Börsenentwicklung der vergangenen Wochen schauen. Anfang April schien nach der Verkündung deutlich erhöhter US-Zölle aus Sicht der Börse die Welt unterzugehen, heute jedoch ist von der damaligen Panik nichts mehr zu spüren. Die weltweiten Aktienmärkte sind seit dem Rückschlag von Anfang April spürbar angestiegen, und das ohne nennenswerte zwischenzeitliche Kursrücksetzer. Bei vielen Investoren schrillen mittlerweile sogar die Alarmglocken: Aktienmarktbewertungen auf oder in der Nähe von historischen Höchstständen und dazu mysteriöse und undurchsichtige Geldkreisläufe im KI-Sektor schüren die Sorge vor einem großen Crash. Doch eines sollte man dabei nicht vergessen: Bewertungskennzahlen sind schlechte Markttiming-Indikatoren. Denn was teuer ist, kann noch teurer werden, was günstig ist, kann noch billiger werden.
Die entscheidende Frage lautet: Basieren die hohen Bewertungen auf Fantasie oder auf Fakten? Die bisherigen Quartalszahlen für Q3 2025 liefern eine klare Antwort. 84 Prozent der S&P 500-Unternehmen übertrafen bisher die Gewinnerwartungen, bei den Umsätzen schlugen 79 Prozent die Prognosen. Trotz der Sorgen um die negativen Auswirkungen höherer Zölle auf das Wirtschaftswachstum und die Inflationsraten liegt die Gewinnmarge der Unternehmen mit 12,8 Prozent höher als im Vorjahr und höher als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Solange die Unternehmen in der Lage sind, die in sie gesetzten Erwartungen zu übertreffen, dürften die hohen Bewertungen weiteren Kursgewinnen an der Börse nicht entgegenstehen.
US-Präsident Trump und der chinesische Präsident Xi sind einer nachhaltigen Lösung des Handelskonflikts zwischen beiden Ländern mittlerweile einen wichtigen Schritt nähergekommen. Dies bedeutet zwar nicht die Rückkehr zum Freihandel, aber zumindest wurde eine weitere Verschärfung der Konflikte vermieden. Damit dürften die handelspolitischen Unsicherheiten nachlassen, was eine positive Kapitalmarktentwicklung in der nächsten Zeit unterstützen sollte. Als weiterer positiver Aspekt für die Aktienmärkte ist die US-Geldpolitik zu nennen. Zinssenkungen werden normalerweise in wirtschaftlich schwierigen Zeiten beschlossen, vor allem dann, wenn sich die Wirtschaft in einer Rezession befindet und/oder in einer Finanzkrise steckt. Beides ist derzeit nicht der Fall. Dieser positive Mix aus Geld- und Geopolitik und sehr starken Unternehmensergebnissen führt dazu, dass die Börsenstimmung in den kommenden Wochen weiterhin freundlich bleiben sollte. Den Lackmustest für die Aktienmärkte und die hohen Bewertungen dürfte es voraussichtlich erst geben, wenn die Notenbanken von Zinssenkungen auf Zinserhöhungen umschwenken. Dieser Zeitpunkt liegt nach aktueller Datenlage aber noch weit in der Zukunft.

Newsletter vom 19. November 2025
Martin Schilling – Leiter Geschäftsstelle Private Banking Hannover
M.M. Warburg & CO
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Zitat der Woche: Beate Sander

„Ein Crash ist gut – für Leute mit Mut.“
Beate Sander
„Börsen-Oma“
Schwarzer Schwan oder nur ein schwarzer Montag am Aktienmarkt?
Nein, das ist noch kein Crash, was wir in diesen Tagen erlebt haben, sondern eine überfällige Korrektur. Pünktlich zum Monatswechsel kippte bereits Mitte vergangener Woche die Stimmung in den USA. Eine drohende Rezession in der größten Volkswirtschaft der Welt und die ersehnten Zinssenkungen noch in gefühlt „weiter Ferne“. Hinzu kommen Zweifel an den Wachstumsperspektiven führender Technologie-Aktien wie NVIDIA & Co. Das hält kein Börsianer aus und nimmt vorsichtshalber einfach mal Gewinne mit.
Nachdem die US-Aktienmärkte bereits ab Donnerstag deutlich nachgaben, schloss der Nikkei am Montagmorgen mit einem Minus von 12,4 Prozent auf 31.458 Punkte den Vogel ab. Größter Tagesverlust seit 1987 und ein Minus von 25 Prozent zum Jahreshöchststand vom 11. Juli bei 42.224 Punkten. Am nächsten Handelstag kam es in Tokio aber bereits wieder zum Rebound von 10,2 Prozent, nachdem die US-Börsen sich am Montag weniger panisch zeigten und deutlich über ihren Tagestiefs schlossen. Seit gestern sind alle wieder im Plus, aber der Schock sitzt tief. Mit fairer Unternehmensbewertung hat das alles natürlich nichts mehr zu tun, das sind Emotionen, die hier die Kurse rauf und runter treiben.
Vorläufiges Fazit: Lage einstweilig entspannt, Gefahr noch nicht gebannt, aber keine schwarzen Schwäne im Landeanflug. Schauen Sie auf das große Ganze und bleiben Sie sehr wachsam in diesen Tagen, das Sommerloch ist zumindest an den Börsen vorbei.


Newsletter vom 07. August 2024
Martin Braun, Börse Hannover

Zitat der Woche: Andy (@evfcfaddict)

„Jeder vergangene Crash fühlt sich an wie eine verpasste Gelegenheit, jeder aktuelle aber wie der Weltuntergang.“
Andy (@evfcfaddict)
am 26.09.2022 auf Twitter
Als der Montag schwarz wurde
Erinnern Sie sich, was heute vor 35 Jahren an den Börsen los war? Am 19. Oktober 1987 verlor der Kurs des Dow Jones an der New Yorker Börse 22,6 Prozent an Wert – an einem einzigen Handelstag! Es ist bis heute der größte Tagesverlust an den US-Märkten und hat die Börsenwelt nachhaltig verändert. Dieser Crash war auf kein besonderes Einzelereignis zurückzuführen, sondern zeigte sich selbst verstärkende Kräfte bis hin zur blanken Panik. Es war die frühe Zeit der ersten automatisierten Computerhandelsprogramme und die Börsenregeln sahen noch keine Volatilitätsunterbrechungen bei starken Kurseinbrüchen vor. Als „schwarzer Montag“ ging dieser Handelstag in die Geschichte ein und auch Jahrzehnte später lohnt sich der Blick zurück – heute Abend übrigens live bei BörsenBunchTV.
Nicht so dramatische, aber doch heftige Kursbewegungen sind wir inzwischen beim DAX gewohnt: Vor drei Wochen notierte der deutsche Leitindex noch unter 12.000 Punkten, während es gestern bis kurz vor die 13.000er-Marke ging. Heute werden die Karten neu gemischt. Erste Stimmen wünschen sich eine Jahresendrally herbei. Bei der Bilanz des bisherigen Kursverlaufs währen das aber wohl nur kosmetische Korrekturen.


Newsletter vom 19. Oktober 2022
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Zitat der Woche: Matthias Schmitt

„Crash-Gurus sind die Windelhersteller unserer Zeit: Sie leben davon, dass andere sich in die Hose machen.“
Matthias Schmitt, finanzgeschichten.com
(13.10.2022 @matschmitt2009 auf Twitter)
Was hat es eigentlich mit den Herbststürmen auf sich?
Es ist ja allgemein bekannt, dass in der Jahreszeit, in der sich der Sommer verabschiedet und der Winter ankündigt, meist zu heftigen Stürmen mit vernichtender Wirkung kommt. Der erste Herbststurm ist ja bereits über Deutschland gefegt und hat auch die ersten Schäden verursacht. Diese Stürme haben mit der Börse unmittelbar nichts zu tun. Allerdings haben auch die Börsen ihre Phasen in denen es zuweilen turbulent zugeht. Manchmal kommt es auch zu einem Crash und die Kurse brechen kräftig ein. Solche Crashs werden von den Börseninteressierten meist ebenfalls im Herbst, also im September und Oktober verortet. Dabei handelt es sich aber um eine subjektive Wahrnehmung. Diese ist sicher entstanden, weil einige kräftige Kurseinbrüche genau in diesen Monaten stattgefunden hatten. Wenn man aber die objektive Statistik betrachtet, ergibt sich ein ganz anderes Bild.
Der September ist statistisch betrachtet ein eher schwacher, zumindest aber uneinheitlicher Monat. Ganz anders sieht es ab Oktober aus. Mit Beginn dieses Monats beginnt nämlich auch die beste Phase des Jahres für den DAX. In den letzten 33 Jahren konnte der deutsche Leitindex in der Zeit von Anfang Oktober bis Anfang Dezember nämlich in 28 Jahren eine positive Bilanz aufweisen. Nur in fünf Jahren wurde in diesem Zeitraum ein negatives Ergebnis erzielt. Da die Technische Analyse mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet, besteht nun also eine sehr gute Chance auf eine freundliche Phase. Auch was die technische Lage betrifft, hat sich einiges verbessert. Nach dem Test der Tiefs vom Mai konnte Anfang Oktober eine Hammer-Umkehrformation generiert werden. Seit dieser Trendwende ist der DAX im Aufwärtstrend. Die Indikatoren erreichen gerade erst die Überkauft-Zone. Somit besteht auch hier eine gute Chance auf einen Ausbruch aus der alten Seitwärtsrange. Dieses Gesamtbild eröffnet daher die Möglichkeit, in die alten Topregionen vom August wieder vorzudringen. Somit sollte keiner behaupten, keine Chance auf Gewinne gehabt zu haben.

Newsletter vom 27. Oktober 2021
Christoph Geyer – stellv. Regionalmanager
VTAD Frankfurt


