SpaceX: Viel Fiction, wenig Aktienkultur

Über den Börsengang von SpaceX wurde viel berichtet. IPO und der bisherige Börsenhandel waren von einer gewissen Euphorie geprägt. Wer eine Aktienzuteilung erhielt, kann sich über Kursgewinne freuen. Der Aktienclub Coeln gehört nicht dazu. Denn unsere Analyse von SpaceX zeigt viel Fiction, aber wenig Aktienkultur. Die Investoren werden zu weitgehend rechtelosen Geldgebern gemacht. Elon Musk bleibt uneingeschränkter Gebieter über die Milliarden, die SpaceX einsammelt.
Der Wirrwarr verschiedener SpaceX-Aktienklassen wurde anlässlich des Börsengangs einfacher, aber auch transparenter: An der Börse gehandelt werden nur die Class-A-Aktien mit einfachem Stimmrecht. Die Class-B-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht sichern Musk die absolute Kontrolle, denn diese befinden sich zu über 90 Prozent in seinem Besitz. Im Ergebnis kontrolliert Musk, obwohl er jetzt weniger als die Hälfte des Kapitals hält, über 80 Prozent aller Stimmrechte. Die Stimmenverteilung weicht also drastisch vom Kapitalanteil ab. Musk kann mithin von anderen Aktionären auf Hauptversammlungen niemals überstimmt oder als Chef abgesetzt werden. Für eine solche „Controlled Company“ greifen an der Nasdaq zudem gelockerte Vorschriften bei der unabhängigen Überwachung des Managements. Musk hat diese absolute Kontrolle über SpaceX auch auffällig langfristig und stark abgesichert: Verkaufen andere Insider ihre Class-B-Aktien an Außenstehende, wandeln sich diese automatisch in stimmrechtsarme Class-A-Aktien um. Und neue Class-B-Aktien dürfen, solange Musk das will, nur an ihn selbst ausgegeben werden, beispielsweise im Zuge von Boni. Erreicht SpaceX Unternehmensziele, kann Musk über solche Aktien-Boni seinen Anteil am Unternehmen erhöhen, ohne selbst einen Cent frischen Geldes zahlen zu müssen.
Die Minderheitsaktionäre müssen dann die Verwässerung ihres Anteils gleichsam auch noch selbst finanzieren. Eine Besonderheit im Börsenprospekt von SpaceX ist auch das Verbot von Aktionärs-Sammelklagen. Zu denken geben sollte Anlegern ferner, dass trotz des größten Börsengangs der Geschichte mit rund 86 Milliarden US-Dollar Einnahmen eine Anleiheplatzierung im Volumen von mindestens 20 Milliarden US-Dollar vorbereitet wird. Das alles spricht dafür, dass hier die aktuelle Euphorie genutzt wird, um von Anlegern viel Geld für die persönlichen Visionen von Elon Musk einzusammeln. Das Erreichen der Gewinnschwelle steht für den Konzern aber in den Sternen.

Newsletter vom 24. Juni 2026
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
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Good old Europe?

Wer die Nachrichtenlage der vergangenen Zeit zusammenfassen möchte, kommt nicht umhin festzustellen, dass sich die Globalisierung stark verlangsamt hat, sich teilweise sogar umkehrt. Europa sei der Verlierer dieser Entwicklung, ist häufig zu hören. Unsere Aktienstrategie ist aber weiterhin stark auf europäische Aktien ausgerichtet. Ist das noch grundsätzlich richtig? Wo liegen die Chancen für europäische Unternehmen in dieser sich verändernden Welt?
Noch vor wenigen Jahren haben viele europäische Unternehmen ihr Heil in einer stärkeren Internationalisierung gesucht, vor allem im Wachstumsmarkt China. Aber inzwischen macht sich Europa Gedanken um seine Abhängigkeiten: Militärisch abhängig von den USA, wirtschaftlich von Rohstoffimporten, Lieferketten und Absatzmärkten in Übersee. Gleichzeitig schotten sich die einst attraktiven Absatzmärkte USA und China zunehmend gegen Einfuhren ab. Europa muss sich selbst der offenen Bedrohung durch Russland erwehren, darf nicht mit Rohstoffimporten erpressbar sein und seine Lieferketten weniger angreifbar machen. „Onshoring“, also die strategische Rückverlagerung oder Ansiedlung von Produktions- oder Dienstleistungsaktivitäten aus dem Ausland zurück nach Europa, dürfte ein Trend der kommenden Jahre sein. Europa wird sich in dieser neuen Weltordnung stärker auf sich selbst fokussieren. Der EU-Binnenmarkt ist der größte wirklich funktionierende Binnenmarkt der Welt: Er umfasst rund 450 Millionen Konsumenten in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz und ist damit größer als die USA. Zudem schädigt Trump mit seinen zahlreichen Eingriffen in die Märkte und seiner isolationistischen Politik auf Dauer die US-Volkswirtschaft, statt sie zu stärken. Zwar dürften auch in Europa die Eingriffe in die Märkte eher zu- als abnehmen, häufig aber wohl mit dem Ziel, das „Onshoring“ zu fördern. Bei europäischen Konzernen mit hohen Investitionen in China wie BASF und Volkswagen sehen wir Risiken, zumal China nicht mehr der stark wachsende Absatzmarkt ist, sondern zunehmend ein Konkurrent.
Potenzielle Gewinner sind vielmehr Unternehmen, die auf dem großen europäischen Binnenmarkt erfolgreich sind. Ein Beispiel dafür ist die Finanzbranche: Europäische Banken und Versicherungen sind außerhalb Europas eher wenig aktiv, haben aber umgekehrt in Europa wenig Konkurrenz von außerhalb. Schon seit einigen Jahren sind wir beispielsweise in Société Générale, SCOR, AXA und ASR Nederland investiert und haben es nicht bereut.

Newsletter vom 29. April 2026
Dirk Arning – Geschäftsführer
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Der Untergang des Imperiums

An den Kapitalmärkten könnten wir gerade Zeuge des Anfangs vom Ende der Supermacht USA werden. Das Imperium demontiert sich selbst, ironischerweise mit einem Präsidenten, der genau das Gegenteil behauptet. Bislang war der US-Dollar die unbestrittene Weltreservewährung, galten US-Staatsanleihen als „sichere Häfen“ und Aktienanleger bevorzugten die Weltleitbörsen in New York. Das muss nicht so bleiben.
Der seit vielen Jahren anhaltende Zustrom ausländischen Geldes an den US-Kapitalmarkt erreichte im vierten Quartal vergangenen Jahres seinen Höhepunkt – und mit ihm die US-Aktienindizes. Die an der New York Stock Exchange und an der Nasdaq zusammen gehandelten Aktien von 5.455 Unternehmen hatten im November einen rechnerischen Gesamtwert von 62 Billionen US-Dollar! Zum gleichen Zeitpunkt wurden die knapp 4.000 japanischen Aktiengesellschaften mit 6,4 Billionen Dollar bewertet und die knapp 500 deutschen börsennotierten Unternehmen mit gerade mal 2 Billionen Dollar. Unter Führung der „Magnificent Seven“ stieg der Anteil von US-Konzernen in den globalen Aktienindizes auf Rekordwerte von über 70 Prozent! Japan kommt auf eine Gewichtung von nur 5 bis 6 Prozent. Diese Fokussierung sieht wie eine Bestätigung des amerikanischen Exzeptionalismus aus, der nationalistischen Ideologie, die davon ausgeht, dass die USA eine Sonderstellung gegenüber allen anderen Nationen einnehmen – auch die Weltsicht des jetzigen US-Präsidenten. Aber dieses Wunschdenken kollidiert zunehmend mit der Realität. Spätestens mit dem sogenannten „Tag der Befreiung“ Anfang April, der Erklärung des Handelskrieges der USA gegen den Rest der Welt, musste es an den Börsen zu einem Stimmungsumschwung kommen. Dass US-Aktien, US-Staatsanleihen und der US-Dollar gleichzeitig deutlich nachgaben, zeigt den Vertrauensverlust in die USA. Das simple, aber sehr erfolgreiche Rezept der vergangenen 15 Jahre, einfach möglichst viel Geld in US-Aktien zu investieren, erwies sich im laufenden Jahr als Fehler. Und die „Wette auf die USA“ bleibt riskant. Eine neuerliche Eskalation der Handelskonflikte ist durchaus möglich, wie auch eine selbstverschuldete Rezession in den USA. Die Zweifel an der Bonität der USA und dem US-Dollar als Reservewährung werden zunehmen. Die gute Nachricht: Richtige Risikostreuung funktioniert. Mit europäischen Aktien und Gold-Investments konnte man im laufenden Jahr gute Gewinne machen.

Newsletter vom 30. April 2025
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
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Die Schwäche der Glorreichen

Bis Mitte Dezember vergangenen Jahres war es richtig, auf die „magnificent seven“ zu setzen, die Aktien der großen US-Tech-Konzerne Alphabet, Apple, Amazon, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla. Doch seitdem fiel der Index der „glorreichen Sieben“ um rund 10 Prozent. Das allein wäre vielleicht noch nicht bemerkenswert. Hält man sich aber vor Augen, dass im gleichen Zeitraum Euro-STOXX-50 und DAX rund 10 Prozent steigen konnten, verdient dies Aufmerksamkeit.
Als das chinesische Unternehmen DeepSeek seine KI vorstellte, büßte das zuvor wertvollste Unternehmen der Welt, Nvidia, auf einen Schlag 600 Milliarden Dollar an Wert ein. Ein Verlust, der sich auf Millionen von Aktienanlegern weltweit verteilte, denn es gibt kaum Depots, die nicht direkt oder indirekt über ETFs und Aktienfonds in Nvidia investiert sind. Schon kleine Kratzer im Lack gefeierter Geschäftsmodelle führen zu einer Neubewertung, die Hunderte von Milliarden Dollar tiefer liegen kann. Dabei sollte klar sein: Die DeepSeek-Nachrichten bedeuten nicht, dass der Boom um die Künstliche Intelligenz geringer eingeschätzt werden sollte, ganz im Gegenteil: Wenn KI weniger Ressourcen benötigt als bisher gedacht, wird ihr Einsatz noch schneller und weitreichender erfolgen.
Prognosen über den Bedeutungszuwachs einer neuen Technologie sind oft eher zu konservativ. Die Fehler machen Anleger immer erst, wenn sie glauben, die aktuell führenden Konzerne seien „mit Sicherheit“ auch in fünf oder zehn Jahren noch die größten Gewinner der Entwicklung. 1970 glaubte man, Polaroid stehe als Gewinner fest, wenn immer mehr fotografiert werden würde, und Burroughs werde ein Sieger zunehmenden Computereinsatzes sein; 1989, dass Sony als Weltmarktführer bei Unterhaltungselektronik erfolgreiche Jahrzehnte bevorstünden, 1999, dass Nokia und Ericsson im Mobilfunk Gewinnmaschinen der kommenden Jahre sein müssten und Cisco Systems einer der wertvollsten Konzerne der Welt bleiben würde, weil das Internet weiter an Bedeutung gewinnen würde.
Immer, wenn man sich sicher war, unter den teuersten Konzernen den Hauptprofiteur einer Technologie ausgemacht zu haben, war es besser, dessen Aktien zu verkaufen, statt sie zu kaufen. Warum? Weil zu diesem Zeitpunkt die Überzeugung der meisten Marktteilnehmer in Form einer hohen Bewertungsprämie im Aktienkurs enthalten war. Und wenn das bestmögliche Szenario bereits im Aktienkurs eingepreist ist, ist eine Enttäuschung nur eine Frage der Zeit. Die Zeit sollte aber stets Verbündeter einer Strategie sein, nicht ihr Feind.

Newsletter vom 26. Februar 2025
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
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Die Rückkehr der glorreichen Sieben
Das Aktienjahr 2023 könnte die Überschrift „Die Rückkehr der glorreichen Sieben“ tragen. Denn in diesem Jahr waren es zunächst wieder die als „Magnificent Seven“ bekannten sieben US-amerikanischen Tech-Giganten Apple, Microsoft, Alphabet (Google), Amazon, Meta (Facebook), Nvidia und Tesla, die für den Anstieg großer Aktienindizes sorgten. Das war im Jahr 2021 ähnlich. Dazwischen lag allerdings das Börsenjahr 2022, in dem auch und gerade diese Aktien deutliche Kursverluste erlitten.
Die Kurserholung der „glorreichen Sieben“ in diesem Jahr stützte sich teilweise auf die 2021 günstiger gewordene Bewertung, die Begeisterung für das Thema „Künstliche Intelligenz“, als deren „Erstrundengewinner“ die Konzerne gelten, und auch die vermeintliche Sicherheit, die diese Aktien in unsicheren Zeiten bieten sollen. Mit den jüngsten Quartalszahlen zeigten sich aber Riße im Bild. Tesla beispielsweise verdiente 44 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Vorsprung und Alleinstellungsmerkmale des E-Autobauers schwinden. Alphabet, Meta und Apple enttäuschten mit ihrem Ausblick, was deren Aktienkurse belastet. Viele optimistische Erwartungen bezüglich des zukünftigen Wachstums sind eingepreist. Es wird zunehmend unwahrscheinlicher, den hohen Erwartungen Quartal für Quartal, Jahr für Jahr gerecht zu werden.
Eine Lehre aus der Börsengeschichte ist, dass die wertvollsten Konzerne der Welt alle paar Jahre wechseln. Noch Mitte der Nullerjahre war General Electric der wertvollste US-Konzern, gefolgt vom Ölkonzern Exxon. Auch die Großbank Citigroup und der Einzelhändler Walmart gehörten zu den Schwergewichten. Was sollte da schon schief gehen? Bekanntlich ging vieles schief. Dass es einem Konzern gelingt, sich über viele Jahre, gar Jahrzehnte an der Spitze zu halten, ist die seltene Ausnahme. Microsoft ist in diesem Sinne wohl die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die heutigen „glorreichen Sieben“ werden auch in den nächsten Quartalen Milliarden verdienen. Aber, wie die Helden im gleichnamigen Westernfilm von 1960, müssen sie kämpfen. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der eine oder andere nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen kann. Das heißt nicht, dass diese Unternehmen dem Untergang geweiht sind. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird in zehn Jahren die Mehrheit von ihnen nicht mehr zu den sieben wertvollsten Konzernen der Welt gehören. Den Western „Die Glorreichen Sieben“ überlebten auch nur drei der sieben Helden.

Newsletter vom 08. November 2023
Dirk Arning – Geschäftsführer
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Tech-Aktien: Anlegerlieblinge
Seit Jahresbeginn hatte Nvidia seinen Börsenwert auf stolze 1,16 Billionen Dollar mehr als verdreifacht und sich in den Kreis der „glorreichen Sieben“ katapultiert. Der Mikrochiphersteller hat mit seinen jüngsten Quartalsergebnissen die Erwartungen übertroffen. Hintergrund der Rallye ist der Boom der Künstlichen Intelligenz („KI“). Nvidia gilt als führender Designer von KI-Mikrochips. Kein anderes Thema hat in diesem Jahr Aktien so beflügelt. Wie sollte man es jetzt mit den großen Tech-Aktien halten?
Euphorisch gefeierte Technologien gab es an den Aktienmärkten immer wieder. Es sei an die Internet-Begeisterung des Jahres 1999 erinnert. Bekanntlich folgte auf die Euphorie eine große Ernüchterung. Ein jüngeres Beispiel: Als die erfolgreiche Entwicklung von mRNA-Impfstoffen gegen Corona Schlagzeilen machte, explodierten die Aktienkurse der entsprechenden Unternehmen. Spätestens mit dem Ende der Pandemie schwand aber die Begeisterung der Investoren wieder.
Kein anderer Werttreiber kann solche Kursphantasie auslösen wie neue Technologien. Und das nicht (ganz) zu Unrecht. Denn tatsächlich gelingt es immer wieder innovativen Unternehmen, mit neuen Technologien hohe Gewinne zu erzielen. Die „glorreichen Sieben“ Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Tesla und eben Nvidia sind die besten Beispiele dafür. Allerdings verpassen viele der vermeintlichen Gewinner früher oder später an Anschluss. Mit ein paar Jahren Abstand sind es dann oft andere Unternehmen, die Produkte auf Basis der neuen Technologien etablieren und davon profitieren. Vermeintliche Weltmarktführer wie Yahoo oder Nokia beispielsweise erwiesen sich langfristig als schlechtes Investment. Auch in den Technologie-Sektoren ist eine fortgesetzte Beobachtung der Unternehmen, ihrer Produkte und Märkte für den langfristigen Erfolg entscheidend. Dass der Aktienkurs von Nvidia auf das jüngste Übertreffen der Prognosen mit Gewinnmitnahmen reagierte, mag ein erstes Signal dafür sein, dass sich der rasante Steigflug der KI-Aktien jetzt so nicht mehr fortsetzen kann. Bei der Suche nach attraktiven Tech-Aktien sollte man also nicht nur prozyklisch den aktuellen Boom „spielen“, sondern auch antizyklisch auf Sektoren blicken, die zuletzt mehrheitlich „links liegen gelassen“ wurden. Der Actien Club Coeln ist aktuell in keiner mehr der „glorreichen Sieben“-Aktien investiert und hat sich mit einer gut verzinsten Barreserve von über 20 Prozent und einem Index-Put insgesamt recht defensiv aufgestellt.

Newsletter vom 30. August 2023
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
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2023 wird besser als 2022. Aber …
2023 wird im weiteren Jahresverlauf für Aktienanleger noch schwieriger als es die ersten Wochen erwarten lassen! Wer im vergangenen Jahr mit vermeintlichen Wachstums- und Technologie-Aktien viel Geld verloren hat, neigt dazu, für dieses Jahr eine weitreichende Kurserholung zu erwarten. Aber das Tempo der ersten Wochen des Jahres ist nicht durchhaltbar. Die Geschäftsergebnisse vieler Tech-Konzerne, darunter Apple, Amazon und Alphabet, zeigen, dass die Wachstumserwartungen nicht mehr erfüllt werden.
In den ersten fünf Wochen dieses Jahres verzeichnete der MSCI Growth als globaler Index für Wachstumsaktien ein Plus von 11,8 Prozent, der MSCI Value für Substanzaktien nur einen Anstieg um 4,4 Prozent. Geschäftsergebnisse und Ausblicke der Unternehmen liefern für diesen Unterschied keinen fundamentalen Grund. Dahinter steht vielmehr die Erwartung, dass die US-Notenbank Fed schon in diesem Jahr ihre Politik entschlossener Zinserhöhungen beenden wird. Doch es wäre verfrüht, die restriktivere Geldpolitik der Notenbanken als Belastungsfaktor schon auszublenden. Die Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) werden wohl noch das ganze Jahr damit verbringen müssen, die Inflation wieder in die Richtung des erklärten Ziels von nur zwei Prozent zu drücken. Die EZB wird erst noch beginnen, ihre riesigen Anleihebestände abzubauen. Allein das wird den Kapitalmärkten jeden Monat 15 Milliarden Euro entziehen.
Die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der restriktiveren Geldpolitik waren mit der Erwartung einer ausgeprägten Schwächephase der Konjunktur verbunden. Wenn sich die Wirtschaft jetzt besser entwickelt als vor ein paar Monaten befürchtet wurde, bleibt der Inflationsdruck höher. Ein Zinsanstieg drückt den Wert von sogenannten „long duration assets“, also auch Wachstums- und Technologieaktien. Das war 2022 eindrucksvoll zu sehen. Zu glauben, dies werde sich in diesem Jahr umkehren, erscheint verfrüht.
Bei der Bewertung von Technologie- und vermeintlichen Wachstumsaktien sollte zudem ein zweiter Faktor betrachtet werden: Die Bewertungen stützen sich auf die Annahme eines anhaltend hohen Wachstums von Umsatzerlösen und Gewinnen. Wenn das tatsächliche Wachstum den Erwartungen nicht gerecht werden kann, ist es mit der Kurserholung der Tech- und Growth-Aktien schnell vorbei. Und die jüngsten Quartalszahlen von Apple, Amazon und Alphabet bestärken diesen Eindruck.
Beim Actien Club Coeln wird deshalb jetzt verstärkt in klar unterbewertete Aktien in beginnenden Aufwärtstrends investiert.

Newsletter vom 22. Februar 2023
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
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Es kam, wie es kommen musste
„Die Aktienmärkte dürften die bisherigen Jahrestiefs aus dem Juli zumindest nochmal testen. Gut möglich, dass die endgültigen Jahrestiefs erst im September oder Oktober erreicht werden. Danach dürften sich die Chancen mit Blick auf das nächste Jahr wieder aufhellen“, so mein Fazit an dieser Stelle im August. Ohne die Schwäche der fünf großen US-Tech-Aktien sähe es besser aus. Allein in der ersten Novemberwoche verloren sie nochmal fast eine Billion US-Dollar an Börsenwert. Auch das darf eigentlich keinen überraschen.
Über zwölf Monate haben Alphabet und Microsoft mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren, Amazon fast die Hälfte und Meta drei Viertel. Was war vor einem Jahr falsch daran, auf die Superstars der Aktienmärkte zu setzen? Der Online-Händler Amazon, die Google-Mutter Alphabet, der Facebook-Konzern Meta und der Software-Gigant Microsoft boten angeblich beste Aussichten: Das Wachstum sollte weitergehen. Gerade während der Pandemie liefen die Geschäfte besser denn je. Selbst eine konjunkturelle Schwächephase dürfte diesen Konzernen kaum was anhaben, so die vor einem Jahr vorherrschende Meinung. Entsprechend hatten sich die Kurse entwickelt: Allein gegenüber Anfang 2020 hatten sich die Aktienkurse von Alphabet und Microsoft mehr als verdoppelt. Bei Amazon und Meta fehlte dazu nicht viel.
Aber natürlich ist es fast immer falsch, auf die Superstars der Aktienmärkte zu setzen. Denn die Aktienkurse der erfolgreichsten Konzerne enthalten Prämien, Prämien für die Weltmarktführerschaft, für die herausragenden Perspektiven, Prämien für das vermeintlich geringe Risiko. Wer sich von der guten Stimmung anstecken lässt, bezahlt diese Prämien – und wettet unwissentlich darauf, dass die ohnehin schon hohen Prämien sogar noch weiter steigen. Fast wie bei einem Schneeballsystem. Diese Wette mag eine Zeit lang aufgehen. Aber früher oder später schlägt die Wirklichkeit zu: Dann kommt die Bewertungskorrektur. Seit es Aktienmärkte gibt wiederholt sich dieses Spiel.
Wir sind rechtzeitig bei Microsoft und bei Alphabet mit schönen Gewinnen ausgestiegen und halten seit längerem keine der „Superaktien“. Denn das Chance / Risiko – Verhältnis bleibt schlecht. Sogar bei Apple, die bislang nicht enttäuschten. Pro Aktie macht Apple gut 25 Dollar Umsatz pro Jahr. Davon bleiben beachtliche sechseinhalb Dollar als Gewinn übrig. Was darf so eine Aktie kosten? Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Aber 138 Dollar sind kein Schnäppchen.

Newsletter vom 09. November 2022
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“

Brennpunkt: Energieinfrastruktur
Energieinfrastruktur wurde bis dato von der Politik sowie von Investoren weitgehend vernachlässigt. Seit den Entwicklungen in der Ukraine ist die Aufmerksamkeit jedoch exponentiell gestiegen, denn plötzlich geht es um unsere Versorgungssicherheit mit Strom und Wärme. Dies ermöglicht auch attraktive Chancen für Investoren.
Für uns bei TBF ist das Thema alles andere als neu, denn wir beschäftigen uns damit bereits seit vielen Jahren. Anders bei der Politik. Sie hat das Thema Energiewende lange vor sich hergeschoben und muss nun Versäumnisse der Vergangenheit korrigieren. So wurde in den letzten Jahren ein nennenswerter Ausbau der Stromnetze verpasst – gleichgültig, ob wir Richtung USA blicken oder uns in Deutschland bewegen.
In Deutschland ist die Politik seit dem Krieg in der Ukraine unter ganz besonderem Handlungszwang. Zusätzlich trifft sie Entscheidungen, die immer mehr in Richtung Elektrifizierung des Verkehrs und der Heizsysteme gehen. Der „Druck auf die Steckdose“ ist enorm und wird stetig steigen. Der aktuelle Stromerzeugungs-Mix ist unzureichend. Sein Umbau, hin zu weniger CO2-Ausstoß bei der Energieproduktion, muss beschleunigt werden. Es kann nicht Sinn und Zweck von E-Mobilität sein, dass der Strom für Elektrofahrzeuge aus Kohlekraftwerken stammt. Regenerative Energien werden künftig einen weitaus größeren Anteil haben. Dies wiederum bedingt einen intelligenten Netzausbau – die Stichworte lauten ‚Energiespeicherlösungen‘ und ‚Smart Grids‘.
Die Opportunitäten der Energieinfrastruktur liegen auf der Hand. Viele Unternehmen entlang der Stromwertschöpfungskette werden künftig durch den notwendigen Umbau aufgrund des Krieges und wegen des Klimawandels profitieren. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn man braucht umfassendes Wissen und Verständnis hinsichtlich der jeweiligen Lieferketten und muss diese in Relation zu politischen Ereignissen betrachten.
In unserem, bereits 2009 aufgelegten Aktienfonds TBF SMART POWER, setzen wir insbesondere auf die Themen Energieproduktion und Stromnetze. Hier gibt es sehr interessante Unternehmen, die in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren über deutliches Potenzial verfügen. Dazu kommen Spezialthemen wie beispielsweise im Bereich der Ladeinfrastruktur für E-Autos. In dem mit der Donner & Reuschel AG aufgelegten und an der Börse Hamburg gelisteten Fonds haben wir Zukunftstechnologien übrigens nicht übergewichtet. Für uns stehen Versorgungssicherheit sowie das Erreichen der gesteckten Klimaziele im Vordergrund.
Wichtiger Hinweis
© 2022 TBF Global Asset Management GmbH (für vorstehende Texte und Bilder). Alle Rechte vorbehalten. Diese Unterlage dient ausschließlich Informationszwecken. Historische Wertentwicklungen sind keine Garantie für eine ähnliche Entwicklung in der Zukunft. Diese ist nicht prognostizierbar. Die Abbildungen kurzfristiger Zeiträume (unter 12 Monaten) müssen im Kontext zur langfristigen Entwicklung gesehen werden. Alle Angaben zur Performance verstehen sich netto, das heißt, inklusive aller Fondskosten ohne eventuell bei den Kunden anfallenden Bank-, Verwaltungs- und Transaktionsgebühren sowie Ausgabeaufschlägen. Die Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir jedoch keine Gewähr übernehmen können. Der Fonds weist aufgrund seiner Zusammensetzung und seiner Anlagepolitik ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf, d.h. in kurzen Zeiträumen nach oben oder unten stark schwankender Anteilspreise. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass dies keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen darstellt. Anlageentscheidungen sollten nur auf der Grundlage der Wesentlichen Anlegerinformationen (WAI) und der geltenden Verkaufsprospekte getroffen werden, die auch die allein maßgeblichen Vertragsbedingungen enthalten. Die Verkaufsprospekte werden bei der jeweiligen Verwahrstelle und den Vertriebspartnern zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten. Die Verkaufsprospekte sind zudem erhältlich im Internet unter: www.tbfsam.com oder auf den Internetseiten der jeweiligen Kapitalverwaltungsgesellschaften. Die zur Verfügung gestellten Informationen bedeuten keine Empfehlung oder Beratung. Alle Aussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers/der Verfasser wieder und stellen nicht zwingend die Meinung einer der in dieser Information genannten Gesellschaften dar. Die zum Ausdruck gebrachten Meinungen können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Die hier genannten Gesellschaften übernehmen keine Haftung für die Verwendung dieser Information oder deren Inhalt. Änderungen dieser Information oder deren Inhalt, einschließlich Kopien hiervon, bedürfen der vorherigen ausdrücklichen Erlaubnis des Herausgebers TBF Global Asset Management GmbH.

Newsletter vom 14. September 2022
Peter Dreide – CIO und Gründer
TBF Global Asset Management

Die Sommerrallye ist vorbei! Wie geht es weiter?
Nach den hohen Kursverlusten des ersten Halbjahres war die Risikobereitschaft vieler Anleger im Sommer wieder gestiegen. Die Aktienmärkte waren überverkauft, technisch reif für eine Gegenbewegung. Dass das Management vieler Unternehmen gute Geschäftsergebnisse für das erste Halbjahr verkündete und sich zudem zuversichtlich für das zweite Halbjahr äußerten, hatte eine sogenannte „Sommerrallye“ zur Folge. Mehr aber auch nicht. Wie geht es weiter?
Das Szenario einer Konjunkturschwäche bei gleichzeitig hoher Inflation und steigenden Zinsen wurde während der Sommerrallye ausgeblendet. Die Kurserholung an den Aktienmärkten ging einher mit der Hoffnung auf weniger Zinserhöhungen. Dass die Inflationszahlen nicht durchweg Monat für Monat weiter gestiegen sind, reichte bereits, um diesen Wunsch in steigende Aktienkurse umzusetzen. Allerdings liegt die Inflation noch weit über dem für die Notenbanken akzeptablen Niveau von rund zwei Prozent. Deshalb haben wir beim Actien Club Coeln (ACC) die Vorfreude auf eine entspanntere Geldpolitik nicht geteilt. Auch dass die Unternehmensergebnisse im ersten Halbjahr von der Erholung gegenüber dem schwachen ersten Halbjahr 2021 geprägt sind, heißt nicht, dass das im laufenden zweiten Halbjahr so weitergeht. Mit Blick auf das Szenario einer konjunkturellen Abkühlung bei gleichzeitig deutlich steigenden Zinsen, bleibt Vorsicht angesagt. Konkret heißt das, eine hohe Barreserve zu halten und nur äußerst selektiv Aktien zu kaufen.
Die Börsen fieberten der Notenbankkonferenz von Jackson Hole entgegen. Die dortigen Äußerungen von Fed-Präsident Jerome Powell müssen als Fortsetzung der entschlossen restriktiven Geldpolitik verstanden werden. Auch von der EZB wird mehrheitlich wieder eine große Leitzinserhöhung erwartet. Die Hoffnungen auf eine bevorstehende Änderung der Geldpolitik erweisen sich inzwischen, wie erwartet, als überzogen. Die Nachrichten bezüglich Inflation und Konjunktur dürften in den kommenden Wochen schlecht bleiben. Die bislang guten Unternehmensergebnisse werden in diesem Umfeld nicht besser werden – von Einzelfällen abgesehen. Deshalb dürften die Aktienmärkte die bisherigen Jahrestiefs aus dem Juli zumindest nochmal testen. Gut möglich, dass die endgültigen Jahrestiefs erst im September oder Oktober erreicht werden. Danach dürften sich die Chancen mit Blick auf das nächste Jahr wieder aufhellen.

Newsletter vom 31. August 2022
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
