Wie könnte es an den Kapitalmärkten weitergehen?

Thomas Scholz

Union Investment, der Fondspartner der Hannoverschen Volksbank eG, ist für die zweite Jahreshälfte 2026 insgesamt konstruktiv gestimmt. Als Grundlage für diese Einschätzung stehen fünf Thesen.
 
Die Märkte bleiben trotz des Irankonflikts resilient: Die wechselnde Situation um die Straße von Hormus belasteten die Energiemärkte, doch die fehlenden Lieferungen konnten durch höhere Produktion in Amerika und Freigabe strategischer Lagerbestände teilweise ausgeglichen werden. Unser Fondspartner erwartet, dass der Nahostkonflikt gelöst werden dürfte, bevor das Angebot kritisch knapp wird. Das derzeit ausgehandelte Rahmenabkommen könnte das geopolitische Risiko deutlich senken.
 
Notenbanken agieren vorsichtiger – EZB hebt moderat die Zinsen: Kurzfristige Inflationserwartungen steigen durch den Energiepreisanstieg, langfristig werden sie aus heutiger Sicht als stabil eingeschätzt. Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte im Juni vorsorglich den Leitzins, ein weiterer Schritt ist möglich. Die US-Notenbank Fed bleibt vorerst zurückhaltend und könnte im Winter 2026/2027 Leitzinsen senken. Für Anlegerinnen und Anleger besteht bei langlaufenden Staatsanleihen ein erhöhtes Risiko von Kursverlusten. Aus heutiger Sicht erscheinen mittlere Laufzeiten häufig attraktiver, abhängig von Risikoprofil und Anlagezielen des jeweiligen Anlegers oder der jeweiligen Anlegerin.
 
Wachsende Relevanz von Unternehmensanleihen: Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Investment Grade) gewinnen laut Union Investment wegen der steigenden Staatsverschuldung weltweit an Bedeutung und könnten derzeit eine interessante Komponente in verzinslichen Depots sein. Sie unterliegen jedoch wie alle Anleihen Kurs- und Bonitätsrisiken. Die Fondsgesellschaft bevorzugt sie gegenüber Staatsanleihen. Besonders interessant seien Papiere aus der Euro-Peripherie gegenüber deutschen Staatsanleihen, diese Papiere gehen jedoch mit höheren Ausfall- und Schwankungsrisiken einher. Neben einer angemessenen Streuung der Laufzeiten ist es bei Anleihen aus Sicht von Union Investment besonders wichtig, gezielt passende Emittenten und Wertpapiere auszuwählen.
 
KI als zentraler Treiber – Auswahl entscheidet: Künstliche Intelligenz (KI) prägt weiterhin die globalen Aktienmärkte, so Union Investment. Die Investitionen in Datencenter seien in der ersten Jahreshälfte 2026 stärker als erwartet gestiegen. Unternehmensgewinne wuchsen vielerorts, allerdings auf einem hohen Bewertungsniveau. US-Aktien dürften auch im zweiten Halbjahr attraktiv bleiben. In Europa sollten Unternehmen mit starker Marktstellung und Preissetzungsmacht interessant bleiben, so auch ausgewählte asiatische Schwellenländertitel im KI-Bereich.
 
In Szenarien denken, diversifizieren, selektiv agieren: Das zweite Halbjahr 2026 könnte aus heutiger Sicht interessante Chancen bieten, ist aber zugleich mit Markt- und geopolitischen Risiken verbunden. Aber es verlangt auch Disziplin von den Anlegerinnen und Anlegern. Daher ist es für Union Investment umso wichtiger, geopolitische Faktoren genau zu beobachten und in Szenarien zu denken. Eine gezielte Auswahl und eine breite Streuung über unterschiedliche Anlageklassen und Regionen sind keine Selbstverständlichkeit, sondern eine bewusste, aktive Entscheidung.
 
Wer diese Prinzipien konsequent beachtet, etwa über breit aufgestellte Investmentfonds, dürfte mit seinen Investitionen für die zweite Jahreshälfte 2026 gut positioniert sein. Gleichwohl sollten Anlegerinnen und Anleger das Risiko marktbedingter Kursschwankungen sowie das Ertragsrisiko beachten. Die Hannoversche Volksbank eG berät Sie gerne zu entsprechenden Geldanlagen.

Newsletter vom 08. Juli 2026

Thomas Scholz – Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

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Irankrieg belastet Wachstum 2026

Europa spürt derzeit die Folgen geopolitischer Krisen und erhöhter Energiepreise. Union Investment erwartet jedoch keine Rezession in der Eurozone wegen der Energiepreise. Die deutsche Wirtschaft dürfte 2026 um 0,8 Prozent wachsen, die der Eurozone um 0,7 Prozent. In den USA wird wegen der Energieautonomie und dem Trend zur künstlichen Intelligenz ein Wachstum von 2,3 Prozent prognostiziert.

Trotz höherer Energiepreise: Notenbanken bleiben ruhig

Thomas Scholz

Die Energiepreise ziehen die Inflationsraten beidseits des Atlantiks nach oben. Doch noch besteht für die Notenbanken kein Handlungsbedarf, ihre Geldpolitik anzupassen, lautet die Einschätzung von Union Investment, dem Fondspartner der Hannoverschen Volksbank eG.

Am Mittwoch und Donnerstag in der ersten Maiwoche tagten die Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB). Die beiden großen Notenbanken ließen die Zinsen unverändert. Sie schauen durch den Inflationsanstieg, verursacht durch den Energiepreisschock, noch hindurch.

Solange die erhöhten Preise für Energie keine Zweitrundeneffekte auslösten, sehe die EZB keinen Grund, die Zinsen anzuheben, erklärt Union Investment. Unter Zweitrundeneffekten versteht man Preiserhöhungen als unmittelbare Reaktion auf vorangegangene Kostensteigerungen. So fordern Gewerkschaften beispielsweise von Arbeitgebern höhere Löhne für die Arbeiterschaft, um den entstandenen Kaufkraftverlust zu kompensieren, der durch die Inflation entstanden ist. Werden in der Folge tatsächlich die Löhne erhöht, sind Unternehmen wiederum geneigt, diese Kostensteigerungen in Form von Preiserhöhungen an Verbraucherinnen und Verbraucher oder an Geschäftskunden weiterzugeben, um damit ihre Gewinnmargen zu schützen.

Die Inflation im Euroraum habe vor dem Irankonflikt im Zielbereich von zwei Prozent gelegen. Die geldpolitische Ausrichtung sei neutral, und bei einem reinen Angebotsschock könne die Geldpolitik kurzfristig wenig Wirkung entfalten. Sollte die Straße von Hormus bald wieder freigegeben werden und eine langsame Normalisierung einsetzen, bestehe für die EZB voraussichtlich kein Handlungsbedarf. Ziehe sich der Konflikt wider Erwarten länger hin, seien moderate Zinsanhebungen im Jahresverlauf zu erwarten, um Zweitrundeneffekten vorzubeugen.

Die Situation bei der Fed stehe unter anderen Vorzeichen. Sollte der Trump-Vertraute Kevin Warsh im Mai die Führung der US-Notenbank übernehmen, sei mit einer lockereren Geldpolitik zu rechnen, was fundamental gerechtfertigt wäre. Konkret würde das zwei Zinssenkungen im zweiten Halbjahr bedeuten. Bleibe die Lage in der Golfregion angespannt, könnten sie später kommen. Mit Zinserhöhungen sei in den USA nicht zu rechnen, denn die Fed verfolge neben der Inflationsbekämpfung auch das Ziel der Vollbeschäftigung.

Die Hannoversche Volksbank eG berät Sie gerne bei Fragen rund um Ihre Geldanlage.

Newsletter vom 13. Mai 2026

Thomas Scholz – Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

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Energiepreise treiben die Inflation

Die Grafik beschreibt die Inflationsentwicklung in den USA und im Euroraum – und zeigt die Einschätzungen von Union Investment bis Ende 2026.

Donald the Dealmaker

Mitte letzter Woche schien der gelöste Knoten im USA-EU-Handelsdeal die Börse fast kalt zu lassen. „Alles eingepreist“, war eine beliebte Erklärung. Doch am Freitag dominierte die Farbe rot: Nach schmalen 0,7 Prozent Kursplus über den gesamten Monat Juli rutschte der DAX am ersten Handelstag im August bis auf 23.380 Punkte und am Ende satte 2,7 Prozent ins Minus – befeuert von Zweifeln an der Verbindlichkeit des Abkommens, aber auch von den schwachen US-Börsen.

Dort galten die schlechten Arbeitsmarktdaten als negativer Treiber, wobei zusätzlich die Zahl der zwischen Mai und Juni neu geschaffenen Stellen nach unten revidiert werden musste. US-Präsident Trump witterte hier Manipulation und feuerte im Autokraten-Stil die Chefin des Amtes für Arbeitsmarktstatistik. Vollbeschäftigung zählt neben Geldwertstabilität zu den dualen Zielen der US-Notenbank. Nachdem diese letzten Mittwoch erneut keine Zinssenkung beschlossen hatte (erstmals seit 1993 fielt die Entscheidung mit zwei Gegenstimmen), wurde die Ablösung beziehungsweise Nachfolge von Jerome Powell wieder zum politischen Top-Thema erklärt. Ob die Kostenüberschreitung für den Umbau der Notenbank als Entlassungsgrund ausreicht wird bezweifelt. Aber für das im Mai 2026 auslaufende Mandat sucht Trump schon jetzt aktiv und laut nach für ihn geeigneten Kandidaten – Ende dieser Woche soll die Entscheidung stehen und könnte Powell zur „Lame Duck“ machen.

Was klar wird: Die Entscheidungen des US-Präsidenten sind persönlich. Im wortwörtlichen Sinne. 39 Prozent Handelszölle für die Schweiz oder 50 Prozent für Brasilien? Investitionszusagen aus der EU oder aus Südkorea als Geschenke und zur freien Verfügung? Die Selbstinszenierung als Dealmaker läuft. Und alle scheinen sich damit zu arrangieren. Auch der DAX: Die 24.000 Punkte waren gestern und heute früh wieder fast erreicht. Gute Unternehmenszahlen oder erwartete Zinssenkungen im September – die Börse sucht sich ihre Gründe. Auch hier werden jeden Tag Deals gemacht.

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Newsletter vom 6. August 2025

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

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Zwischen Angst und Hoffnung

Die aktuelle Frist zum 1. August für neue Import-Zölle in die USA rückt immer näher und sorgt zunehmend für Nervosität in der EU. Hingegen ist der Zoll-Knoten für Japan inzwischen gelöst, nachdem Trump in der Nacht den Handels-Deal als „vielleicht das größte Abkommen, das je gemacht wurde“ auf seinem Social-Media-Account öffentlich machte. Gegenseitige Zölle von 15 Prozent und massive Investitionszusagen der japanischen Industrie ließen den Nikkei-Index um 3,5 Prozent und insbesondere die Auto-Aktien (Toyota Motor +12%) steigen. Dieses Hoffnungszeichen lässt gerade auch die Kurse der deutschen Autobauer anziehen, wo auf eine ähnliche Kompromisslösung spekuliert wird: Porsche, Daimler-Truck, Mercedes Benz, Volkswagen und BMW notieren heute zwischen 5 und 7 Prozent im Plus und hieven den DAX von den knapp verteidigten 24.000 Punkten gestern um mehr als 1 Prozent nach oben.

In den USA liefern die großen Indizes wie der S&P 500 oder der Nasdaq aktuell neue Rekordhochs am laufenden Band. In kleinen Schritten, fast Tag für Tag sind neue Höchststände zu vermelden. Der Optimismus wird von absehbaren Lösungen in Zoll-Themen sowie Unternehmensmeldungen der aktuellen Berichtssaison getrieben. Als Absicherung gegen aufkommende Angstgefühle steigt gleichzeitig das Gold wieder auf über 3.400 US-Dollar und bleibt in Schlagweite zu neuen Rekorden.

Für die morgige Sitzung des Rats der Europäischen Zentralbank wird nach zuletzt acht Zinssenkungen um insgesamt zwei Prozentpunkte nun eine Zinspause erwartet. Die Auswirkungen der erratischen US-Zollpolitik auf die Inflation könnte dann in der nächsten EZB-Sitzung im September besser beurteilt werden, heißt es. Für Sparer war die „Rückkehr der Zinsen“ auch nur ein vorübergehendes Phänomen: Beim Tagesgeld haben die Banken längst den Rückwärtsgang eingelegt, zeigt die aktuelle Auswertung eines Vergleichsportals. So bleibt trotz aller Unsicherheit der Kapitalmarkt für den Vermögenserhalt und -aufbau unverzichtlich.

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Newsletter vom 23. Juli 2025

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

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Fiskalpakete und US-Außenpolitik: Welche Richtung für die EZB?

Dr. Klaus Bauknecht

Die US-Außenpolitik und insbesondere die Zollpolitik belasten zwar den Exportausblick für die Euro-Zone, doch eine deutliche fiskalische Stimulierung in Europa könnte ab 2026 die Nachfrage stärken. Gleichzeitig deutet die Geldmenge bereits auf ein erhöhtes Inflationsrisiko im Jahr 2026 hin. Die EZB dürfte den Einlagenleitzins bis Mitte 2025 auf 2 Prozent senken. Wie lange er da verweilen wird, bleibt angesichts der aktuellen Unsicherheiten abzuwarten. Es gibt jedoch auch Argumente, die für höhere Zinsen 2026 und 2027 sprechen.
 
Die Inflationsraten in der Euro-Zone und Deutschland sind im März 2025 auf 2,2 Prozent bzw. 2,4 Prozent gesunken, was nahe dem Inflationsziel von 2 Prozent liegt. Ohne Zweifel ist für 2025 von einer Inflationsrate auszugehen, die konsistent zum 2 Prozent-Inflationsziel ausfällt.
 
Eine Notenbank muss jedoch vorausschauend handeln – insbesondere wegen des langen Transmissionsmechanismus, der nach Schätzungen zwei, vier oder noch mehr Quartale andauern kann. Die Frage für die Geldpolitik ist also weniger, wo die aktuelle Inflation liegt. Entscheidend ist vor allem die zukünftige Entwicklung. Ab Mitte 2025 wird es für die EZB wichtig sein, wie sich die Inflationsdynamik vor allem im Verlauf von 2026 entwickeln könnte.
 
Hier gibt es viele Unsicherheiten: Einerseits wird die Zollpolitik der USA die Konjunktur weltweit und damit auch in Europa belasten. Andererseits dürften die enormen Fiskalpakete der EU-Länder die Wirtschaft beleben, auch wenn viele der Verteidigungsausgaben importiert werden. Höhere Staatsausgaben sorgen in erster Linie nicht für höhere Produktivität, sondern vor allem für eine höhere Nachfrage. Damit erhöht sich das Inflationsrisiko in Europa, vor allem, wenn die Notenbank durch Zinssenkungen noch zusätzlich Raum schaffen würde. Auch könnte der aktuell positive Verlauf der Geldmenge und der Kreditvergabe im Euro-Raum bereits auf einen erhöhten Inflationsdruck 2026 hindeuten.
 
Noch ist die Zinspolitik der EZB restriktiv. Denn der neutrale Zinssatz liegt laut aktuellen Schätzungen bei um die 2 Prozent. Daher dürfte sie zügig zwei weitere Zinssenkungen um 25 bp vornehmen. Die Motivation ist, die Geldpolitik neutral auszurichten. Damit würde die EZB auch den erheblichen Unsicherheiten und Risiken für den Ausblick 2026 und 2027 gerecht werden. Denn eine Notenbank sollte in unsicheren Zeiten eher eine neutrale Ausrichtung verfolgen, um das Risiko einer Destabilisierung durch abrupte geldpolitische Veränderungen zu minimieren. Angesichts der vielfältigen Unsicherheiten dürfte die EZB bei einem Zinssatz von 2 Prozent erst einmal pausieren. Bewahrheiten sich allerdings die Inflationsrisiken aufgrund der expansiven Fiskalpolitik, besteht sogar Auftriebspotenzial für die EZB, die Zinsen ab der zweiten Hälfte 2026 zu erhöhen.

Newsletter vom 9. April 2025

Dr. Klaus Bauknecht – Chefvolkswirt
IKB Deutsche Industriebank AG

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10.12.2024 – Forum Bundesbank: Das deutsche Finanzsystem hat den Zinsanstieg gut verarbeitet – Welche Risiken sollten wir dennoch im Blick behalten?

Die Veranstaltungsreihe „Forum Bundesbank“ der Hauptverwaltung in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt richtet sich an ein interessiertes allgemeines Publikum. Vertreter der Bundesbank und/oder externe Fachleute referieren im Rahmen der Reihe allgemein verständlich zu Grundlagen und aktuellen Fragen des Geldwesens und der Notenbankpolitik.

Thema: Das deutsche Finanzsystem hat den Zinsanstieg gut verarbeitet – Welche Risiken
sollten wir dennoch im Blick behalten? Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts 2024
Referent: Herr Dr. Felix Thierfelder, Zentralbereich Finanzstabilität, Deutsche Bundesbank
Termin: Dienstag, 10.12.2024, 17:00 bis ca. 18:30 Uhr

Inhalt: Das deutsche Finanzsystem hat die Zinsanstiegsphase insgesamt gut verkraftet. Trotz der Leitzinssenkungen der EZB seit Juni 2024 bestehen weiterhin substanzielle Verwundbarkeiten. Diese resultieren unter anderem aus der schwierigen konjunkturellen Lage, der Preisentwicklung am Gewerbeimmobilienmarkt und den geopolitischen Spannungen. Darüber hinaus zeigen sich neue strukturelle Entwicklungen im Finanzsystem, beispielsweise werden Nichtbank-Finanzintermediäre immer relevanter.

Was bedeutet all dies für die Stabilität des deutschen Finanzsystems? Ist es widerstandsfähig genug, um mit den Herausforderungen umgehen und seine gesamtwirtschaftlich zentrale Rolle zu erfüllen?

Diesen und weiteren Fragen geht Herr Dr. Thierfelder bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts 2024 der Bundesbank nach.

Die Teilnahme ist unentgeltlich.



Eine Veranstaltung der Deutschen Bundesbank – Hauptverwaltung Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt

Bei Interesse melden Sie sich bitte an unter: veranstaltungen.hv-bns@bundesbank.de

Zinsen runter = Märkte rauf?

Letzten Mittwoch war es soweit: Die US-Notenbank Fed senkte erstmals seit März 2020 ihren Leitzins. Die von der Europäischen Zentralbank bereits vorgelegte und auch in den USA erwartete Zinswende vollzog sich mit einem „großer Zinsschritt“ von 50 Basispunkten, was einige Markteilnehmer dann wohl doch überraschte. Anders als die auf Geldwertstabilität verpflichtete EZB hat die Fed ein duales Mandat, das auch Vollbeschäftigung zum Ziel hat, also neben der Inflation auch genau auf die Wirtschaftsdaten schaut. Hier sehen die amerikanischen Notenbanker eine positive Entwicklung, sodass ein Soft Landing gelingen könnte.

Die erste Einordnung innerhalb des Handelstags war noch zurückhaltend; die US-Indizes schlossen sogar im Minus. Doch am Donnerstag feierten die Börsianer rund um den Globus den Richtungswechsel zum „billigen Geld“: Der DAX markierte ein neues Rekordhoch bei knapp 19.045 Punkten und machte ein Plus von 1,46 Prozent. Dumm nur, dass am Freitag „Triple Witching Day“ war und bei solch einem großen Verfallstag die Kurse – bei dreifachen üblichen Tagesumsatz – verrückt spielen können. Für den DAX ging es um 1,49 Prozent abwärts, was aber nur als temporäre Schwäche gelten darf, denn schon am Dienstag sah man wieder die 19.000 auf der Kurstafel.

Neue Rekordstände gab es gestern beim S&P 500 (5.734) und Dow Jones (42.281), wo derzeit vor allem die zuletzt schwächeren Non-IT-Branchen und Nebenwerte zulegten. In Großbritannien blieb der Leitzins unverändert, was den FTSE 100 in seiner nun fünfmonatigen Seitwärtsbewegung gefangen hält. Für Überraschungen sorgte die chinesische Notenbank mit dem umfangreichsten Wirtschaftspaket seit der Corona-Pandemie. Hiermit sollen sich Verbrauchervertrauen und Konsumlaune verbessern, was sich in positiven Kursreaktionen bei westlichen Luxusmarken bemerkbar machte. Ob die Zinspolitik allein die Märkte dauerhaft oben halten kann, bleibt abzuwarten.

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Newsletter vom 25. September 2024

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

Saisonalität im September

Historisch gesehen ist der September der schlechteste Monat für den Aktienmarkt – und das gilt für beide Seiten des Atlantiks. In den USA verlieren der S&P 500 und der Russell 2000 durchschnittlich 0,7 Prozent; beim Nasdaq sind es 0,9 und im Dow Jones 0,8 Prozent weniger. Für den DAX ging es im September in 22 von 36 Jahren abwärts und die durchschnittliche Performance liegt bei minus 2,2 Prozent. Also ein Monat, wo man der Börse lieber fern bleibt? So einfach ist es leider nicht.

Auch wenn sich im Backtesting ein optimales Verhalten errechnen lässt, zeigt uns die Praxis, warum Börse immer spannend ist. Extreme Einbrüche in einzelnen Jahren belasten den negativen Durchschnittswert besonders stark – im September 2008 verloren S&P 500 und DAX mehr als 30 Prozent! Zudem ist das Rückschlagspotenzial nach vorherigen Rekordständen natürlich besonders hoch. Und in den USA sind die September-Verluste in Präsidentschaftswahljahren übrigens regelmäßig geringer und die Indizes liegen „nur noch“ zwischen 0,4 und 0,5 Prozent im Minus.

Nur auf einen Monat zu schauen (und dort auf besonders schlechte KW 39) ist kurzsichtig und riskant. Denn für das letzte Jahresdrittel (inklusive September!) verspricht die Saisonalität die beste Phase: In zwei von drei Jahren entwickeln sich die US-Indizes hier positiv und auch die Durchschnittsperformance liegt zwischen 2,7 und 3,4 Prozent im Plus. Wer will das schon verpassen?

Der DAX kam nach seinem neuen Rekordhöhenflug der letzte Woche etwas in Turbulenzen und senkt die Reisehöhe um 700 Punkte oder 3,7 Prozent. Keine schlechte Position vor den Zinsentscheiden der EZB (Donnerstag) und Fed (Mittwoch). Und mit Blick auf die ersten Lebkuchen in den Supermärkten auch eine vielversprechende Ausgangsbasis für die Jahresendrally.

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Newsletter vom 11. September 2024

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

National Buh, international Boom

Nein, für das Deutschland-Ego ist es keine Freude, wenn die neuesten Daten zur Wirtschaftslage veröffentlicht werden: Am Montag wartete der ifo-Geschäftsklimaindex mit einem Wert von 86,6 und der Aussage „Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in die Krise“ auf. Erwähnenswert dabei ist, dass die Beurteilung von Erwartungen und Lage seit dem Frühjahr sehr eng beieinander liegen und doch eine leicht fallende Tendenz aufzeigen. Beim Lagebild ist es der schlechteste Wert seit vier Jahren, damals tief in der Corona-Depression. Seit dem Spätsommer 2022 befindet sich Deutschland nach der ifo-Konjunkturuhr nun in der Krise.

Einen Tag später vermeldete auch die GfK „Deutlicher Rückschlag für das Konsumklima“, weil die Prognose für September im Vergleich zum Vormonat um 3,4 Zähler auf -22,0 Punkte gesunken sei. Ein Rückschlag nach besseren Werten in den drei Monaten zuvor, aber weniger dramatisch beim Blick auf die mittelfristige Zahlenreihe, wo der Wert im Oktober 2022 – damals zum Inflations-Peak von 8,8 Prozent – noch bei dramatischen -42,8 Punkten lag. Interessant erscheint die Begründung des jüngsten Rückgangs, wonach die gefallende Anschaffungsneigung auf sinkende Einkommenserwartungen in Kombination mit einer gestiegenen Sparquote zurückzuführen sei.

Was macht das Ganze mit den Börsen? Erstaunlich wenig! Deutschland ist nur ein Absatzmarkt von vielen und alle großen Konzerne sind international aufgestellt. Der DAX weist im turbulenten August bisher eine Handelsspanne von satten 1.700 Punkten aus und notiert inzwischen wieder nur knapp 1 Prozent unter seinem Rekord von Mitte Mai. Wenn – wonach es gerade aussieht – das letzte Schlusskurs-Hoch vom 12. Juli bei 18.750 Punkten jetzt noch überschritten wird, ist charttechnisch der Weg nach ganz oben wieder frei. Beim Dow Jones war es bereits gestern soweit, als das Industrie-lastige US-Börsen-Barometer zeitweise mit 41.420 Punkten so hoch wie noch nie notierte. Der marktbreitere S&P 500 liegt noch 1,7 Prozent unter seinem Top und beim Technologie-Index Nasdaq beträgt der aktuelle Abstand zum bisherigen Spitzenwert mehr als 5 Prozent. Eine Erholung außerhalb der Tech-Giganten tut dem Markt gut und trotzdem wird heute Abend wieder gespannt auf die neuen Quartalszahlen vom Überflieger NVIDIA (+160 Prozent seit Jahresbeginn) gewartet, die bisher immer für eine Überraschung gut waren.

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Newsletter vom 28. August 2024

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

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If in doubt, zoom out

Unsere Wahrnehmung ist oftmals kurzfristig sehr detailliert und fokussiert – gerade wenn wir etwas konkret zählen, messen oder wiegen können. Dafür bieten gerade die Börsen eine gigantische Menge von Daten und Indikatoren, in denen man sich schnell verlieren kann. Jeder Tag, jede Stunde bringt neue Nachrichten und Messpunkte, die unser Gehirn in ein stimmiges Bild einsortieren möchte, was aber nicht immer gelingt. Und so hilft es, sich bei aufkommendem Zweifel einen besseren Überblick zu verschaffen, um das Große und Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.

Anfang letzter Woche herrschte in Folge des „Japan Crash“ Alarmstimmung an den Börsen weltweit. Die Panikwelle rollte von Asien am Morgen nach Europa und erreichte am Nachmittag die USA, wo lautstarke Stimmen eine sofortige Zinssenkung der Notenbank als Notmaßnahme forderten. Doch noch innerhalb der Handelssession drehten die Kurse von ihren Tagestiefs und der Nikkei 225 verzeichnete am nächsten Tag den prozentual drittgrößten Zuwachs seiner fast 40-jährigen Geschichte. Auch die anderen Märkte relativierten die teils massiven Einbrüche schnell.

Beim DAX, dem ich vor zwei Wochen noch ein 1.000 Punkte komfortables Sicherheitsnetz attestiert hatte, ging es zeitweise beängstigend in Richtung der Marke von 17.000, doch bei den Schlusskursen fand sich ein Boden nahezu exakt auf der 200-Tage-Linie. Vom bisherigen Rekordhoch aus Mitte Mai ging es bis zu 10 Prozent abwärts, was aber auch erst die halbe Strecke eines „echten“ Crashs wäre. Heute notieren wir weniger als 5% unter dem Top von vor drei Monaten und knapp 7 Prozent über dem Jahresschluss 2023.

Wer die bisherige langfristige Rendite der Aktienmärkte von ca. 8 Prozent pro Jahr vor Augen hat weiß, dass diese Werte nur durch phasenweise Über- und Untertreibung der Märkte zustande kommen. Der angenehme Weg zu diesem Durchschnitt erfolgt über kurze Sprints, moderate Korrekturen und Seitwärtsphasen. An hektischen Tagen werden bei vorsichtigen Anlegern die Stopp-Loss-Limits ausgelöst und es stellt sich die schwierige Frage nach dem Wiedereinstieg. Optimistische Anleger erkennen seltene Gelegenheiten und junge Menschen mit langem Zeithorizont nutzen per Sparplan den Cost-Average-Effekt für den Vermögensaufbau. Seien Sie sich gewiss: In 20 Jahren interessiert sich niemand mehr für Tages-, Wochen- oder Monatscharts!

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Newsletter vom 14. August 2024

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

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