Wieso, weshalb, warum – steigen die Aktien?

Joachim Brandmaier

Neulich habe ich eine interessante Überschrift im Wall Street Journal gelesen: „Warum steigen die Aktien? Niemand weiß es.“ Im Text ging es um die aktuelle Börsensituation, aber es wurde auch ein Szenario von vor 30 Jahren erwähnt, als die Kurse genau wie heute anzogen, ohne dass man so richtig erklären konnte, warum. Das nutzten damals ulkige Schreiber und behaupteten in dem Artikel einfach, Analysten hätten angeblich die Geldmenge im Senegal und die Zahl der gefangenen Thunfische vor der Küste Perus als Ursache ausgemacht …
 
Sie bemerken, worauf ich hinauswill: Für Kursentwicklungen müssen Erklärungen her – und seien sie noch so an den Haaren herbeigezogen! Auch gerade jetzt tut sich so mancher Analyst mal wieder enorm schwer damit, die steigenden Kurse zu erklären. Kriege und Konflikte nehmen zu, Naturkatastrophen treten gefühlt immer häufiger auf. Und dann haben wir ja noch Donald Trump, der mit seinen Zöllen die ganze Weltwirtschaft verunsichert. Es wimmelt nur so vor Risiken. Wie können die Kurse da einfach steigen?
 
Nun, zuallererst gibt es für Aktien ja keine Verpflichtung, genau das zu tun, was die Fachleute gerade für richtig halten. Und dadurch taugen deren Voraussagen meist eher zur Unterhaltung denn als guter Tipp. Ich glaube, wenn man an der Börse wirklich clever sein will, dann fragt man sich gar nicht, warum die Kurse steigen. Erst recht nicht, warum sie gerade jetzt steigen. Am besten akzeptiert man einfach, dass man ohnehin nie alle Einflüsse auf die Kurse berechnen oder gar vorhersehen kann. 
 
Gut, ganz so leicht will ich es mir dann aber doch nicht machen. Ich kann Ihnen nämlich verraten, warum die Kurse wirklich steigen. Und damit meine ich jetzt nicht steigende Firmengewinne, KI-Boom, Einigung bei Zöllen, Steuersenkungen in den USA …, sondern: Trommelwirbel!!! Weil unter dem Strich mehr Menschen ihr Geld an der Börse investieren.
 
Zack, das sitzt hoffentlich! Solange der Kapitalismus lebt, der Mensch nach Fortschritt strebt und Unternehmen Geld verdienen, so lange werden die Kurse auf Dauer steigen. Aktien sind und bleiben deshalb einfach eine attraktive Kapitalanlage. Aber diese Erklärung macht natürlich zu wenig her, als dass hochdekorierte Börsenexperten damit ihre Schlagzeilen füllen könnten …

Newsletter vom 3. September 2025

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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Gut Ding will (W)Eile haben

Joachim Brandmaier

Stellen Sie sich einmal vor, Sie stehen vor der Entscheidung, ein Haus als Geldanlage zu kaufen: 6 Sekunden denken Sie über die möglichen Risiken der Immobilie nach: Überflutungsgefahr? Erdbebengebiet? Schlimme Nachbarn? So was eben. 54 Sekunden schauen Sie sich dann die reinen Fakten an: Baujahr? Quadratmeter? Heizung? Auch nicht ganz unwichtig. Den Großteil Ihrer Zeit aber – nämlich 3 Minuten und 24 Sekunden – analysieren Sie, wie sich der Hauspreis in den letzten Tagen entwickelt hat. Und dann schlagen Sie zu!

Klingt alles ziemlich absurd, oder? Niemand würde so jemals ein Haus kaufen! Eine Studie der New Yorker Universität hat aber kürzlich festgestellt, dass der durchschnittliche Privatanleger exakt so beim Aktienkauf vorgeht! 6 Sekunden schaut er auf mögliche Risiken, 54 Sekunden auf Fundamentaldaten und etwa dreieinhalb Minuten auf die Kursschwankungen der letzten Tage.

Zugegeben: Mein Vergleich mit dem Haus hinkt ein bisschen. Schließlich geht es da in der Regel um weit größere Summen. Erschreckend ist die Statistik trotzdem. Denn hier wird einmal mehr klar, dass viel zu viele Menschen das Thema Börse nicht als Chance begreifen, ihr Geld langfristig und solide anzulegen, sondern schlicht als Zockerei – und das dürfte hierzulande kaum anders sein. Dass man heutzutage per Fingertipp auf dem Smartphone fast gebührenfrei in Sekundenschnelle Aktien kaufen und verkaufen kann, ist da auch nicht unbedingt förderlich.

Verstehen Sie mich richtig: Man muss nicht zwingend wochenlang Bilanzen wälzen, Quartalszahlen aufdröseln und Branchenprognosen studieren, bevor man eine Aktie kauft. Aber am Ende sollte sich trotzdem jeder Anleger stets noch seine eigenen Gedanken machen und verstehen, in was er sein hart verdientes Geld überhaupt steckt. Denn: Je besser man „seine“ Unternehmen kennt und je überzeugter man von den Perspektiven ist, desto eher steht man auch hinter dem Investment in Phasen, in denen es an der Börse mal drunter und drüber geht. Phasen wie im April. Wohl dem, der da nicht vor lauter Panik auf den Verkaufsknopf der Broker-App gedrückt hat – denn die Erholung kam mal wieder schneller als gedacht.

Ich bin überzeugt: Wer sich mit seinen Unternehmen wohlfühlt, der hält solch turbulente Zeiten einfach leichter aus. Genau wie ein zufriedener Hausbesitzer, der nicht gleich beim ersten Hagelschaden zum Hörer greift und den Makler bestellt.

Newsletter vom 23. Juli 2025

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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Chance verpasst?

Joachim Brandmaier

Da war sie also: die große Chance, mal wieder deutlich günstiger an Aktien zu kommen. Aber haben Sie im Zollcrash auch wirklich zu den Ausverkaufspreisen zugeschlagen? Manch einer würde sich jedenfalls am liebsten in den Hintern beißen, weil er zu lange gezögert hat.
 
Wie dem auch sei, jetzt haben die Kurse wieder kräftig angezogen und „die Straßenbahn“ scheint abgefahren. Der soll man laut einem Börsensprichwort auch nicht hinterherlaufen – denn die nächste kommt ja bestimmt. Gemeint ist damit, dass bald wieder mal ein günstiger Einstiegszeitpunkt winkt. Aber kommt der wirklich? Und wenn ja, wann?
 
Genau da liegt der Hase im Pfeffer: Wir wissen es einfach nicht. Ganz bestimmt läuft irgendwann mal wieder eine Rabattaktion an der Börse. Aber ob sich die Kurse schon morgen die nächste Auszeit gönnen oder erst wieder einen Marathon laufen, wer will das wissen? Es lohnt sich deshalb meiner Meinung nach auch nicht, darauf zu warten (selbst wenn manch einer sicher ist, dass US-Präsident Trump noch für jede Menge Sonderangebote sorgen wird …).
 
Stattdessen nehmen wir das Sprichwort wörtlich: Wir nutzen tatsächlich die nächste Straßenbahn – unabhängig vom Preis „des Tickets“! Wir steigen einfach in den Börsenzug ein, schließlich wollen wir ans Ziel kommen. Wer also kaufen wollte, kann das meiner Meinung nach jetzt genauso tun. Es spielt langfristig wirklich keine so große Rolle, ob Sie zehn Prozent höher oder tiefer zugreifen – Hauptsache, Sie tun es!
 
Wenn eine Aktie in 20 Jahren vielleicht bei 1.000 Euro notiert, dann ist ihr Kauf richtig, ganz gleich, ob sie vielleicht im April noch 90 Euro gekostet hat und jetzt womöglich 100 oder 110 Euro. Schmerzhaft wird es jedoch für diejenigen, die zum Beispiel auf einen neuen US-Präsidenten warten und womöglich erst in vier Jahren zuschlagen. Die Gefahr ist dann groß, dass für das Straßenbahnticket wesentlich mehr hingeblättert werden muss.
 
In diesem Sinne: Nur wer einsteigt, kommt ans Ziel! Und ich glaube, viele erfahrene Anleger sitzen schon längst unbeirrt im Zug …

Newsletter vom 11. Juni 2025

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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Jeder Tag ist Kauftag!

Joachim Brandmaier

Von seinem Hoch hat der Dow Jones fast 7.000 Punkte verloren, zeitweise kam an den Börsen sogar Panik auf. In solch turbulenten Zeiten ist es hilfreich, mal darüber nachzudenken, wieso die Kurse auch wieder steigen könnten … und werden: Fallen die Kurse so wie in den letzten Wochen, ist es gerade für Börsenanfänger sehr schwer, einen klaren Kopf zu behalten. In der Wirtschaftspresse lesen sie dann, dass die Kurse extrem eingebrochen sind und die Anleger sich scharenweise von Aktien trennen. Das ist aber so nicht ganz richtig.
 
Die überwältigende Mehrzahl der Anleger hält an ihren Aktien fest!
Wenn Aktien auf Tauchstation gehen, steht in keiner Pressemeldung, dass nur eine sehr geringe Stückzahl von Papieren verkauft wird – im Verhältnis zur gesamten Marktkapitalisierung aller Aktien weltweit. Nur diejenigen, die in Krisenzeiten ihre Aktien in Panik verkaufen, sind es, die letztendlich den Kurs nach unten prügeln. Diese Verkäufer haben dann die herben Rückschläge tatsächlich auch in der Tasche. Die anderen, die breite Masse der Anleger, die wacker an den Aktien festhalten, verkaufen ja nicht und haben somit eben „nur“ einen rechnerischen Verlust, den sogenannten Buchverlust! Das ist ein großer Unterschied.
 
Die Aktien fliegen … in ein anderes Depot!
Ebenso berichtet die Wirtschaftspresse jetzt wieder einmal nur über zahlreiche Verkäufe an den Börsen. So stand es dieser Tage in einer Zeitung, dass die Aktien „geradezu aus den Depots der Anleger fliegen“. Fragen Sie sich bitte bei solchen Schlagzeilen: „Ja, wo bitte fliegen die Aktien denn hin?” Ganz einfach – in ein anderes Depot. Denn jede Aktie, die an der Börse verkauft wird, kann nur dann verkauft werden, wenn ein anderer Börsianer diese dem Verkäufer auch abkauft! Sonst würde es an der Börse erst gar nicht zu einem Handel kommen!
 
Es bleiben am Abend keine Aktien übrig
Letztendlich wechseln mit jedem schwachen Börsentag die Aktien von den zittrigen in die festen Hände. Wenn Sie von massenhaften „Verkäufen” lesen, ist das nur die halbe Wahrheit, der Wirtschaftsredakteur könnte in einem Crash ebenso formulieren: massenhafte „Käufe” – nur eben zu einem niedrigeren Kurs. Das Zukunftsvertrauen und das Durchhaltevermögen derjenigen, die an solchen Tagen ihren Aktien weiter treu bleiben, taucht leider in keiner einzigen Schlagzeile auf. Dort zählt nur eines: der gefallene Tageskurs, den im Grunde mathematisch immer nur eine kleinere Gruppe von Anlegern an düsteren Börsentagen unter sich aushandelt.
 
Es gibt natürlich keine Garantie dafür, dass die Kurse schon bald wieder nach oben drehen …
… aber oft geht es dann doch viel schneller, als man denkt. Die besten Börsentage mit den höchsten Kurszuwächsen finden meist während großer Krisen statt! Nämlich dann, wenn die Stimmung von tiefster Angst in Hoffnung umschlägt. Ein eindrucksvolles Beispiel durften wir vor wenigen Tagen erleben: Als nämlich Donald Trump überraschend verkündete, die meisten Zölle erst einmal auszusetzen, kannten die Märkte kein Halten mehr. Oder denken Sie an den Corona-Crash – wie schnell die Kurse nicht nur wieder auf die alten Hochs gestiegen sind, sondern sogar auf neue Rekordstände. Nicht umsonst lautet mein Motto: „Jeder Tag ist Kauftag!“ Ich empfehle Langfristanlegern, gute Qualitätsaktien zu jeder Zeit zu kaufen, mal ganz oben, mal in der Mitte – aber zu tiefen Kursen erst recht!

Newsletter vom 23. April 2025

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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Zeit für den Frühjahrsputz

Joachim Brandmaier

Ab und an empfiehlt es sich, das eigene Depot unter die Lupe zu nehmen und die gewählte Aufstellung zu überprüfen. Die wieder längeren Tage und wärmeren Temperaturen sind ein guter Anlass, um auch im Depot mal „sauber“ zu machen.
Mit dem kalendarischen Frühlingsanfang in diesen Tagen ist der Winter zumindest auf dem Papier endgültig vorbei. Nicht nur in der Natur sprießen die Pflänzchen, auch viele Menschen packt eine neue Energie – und sie machen sich daran, zu Hause groß aufzuräumen. Ein solcher Frühjahrsputz eignet sich im übertragenen Sinn auch anderswo: Denn nicht nur in den eigenen vier Wänden, auch im Aktiendepot sollte von Zeit zu Zeit „durchgekehrt“ werden.

Drei Schritte halte ich dabei für sinnvoll: Zunächst einmal gilt es, alle Aktien im Depot auf ihre Qualität hin abzuklopfen. Das bedeutet nicht, dass sich ein Anleger nur die bisherige Entwicklung seit seinem Kauf anschaut, sondern ganz grundlegend die Qualität des Unternehmens unter die Lupe nimmt. Beim Stuttgarter Aktienbrief bewerten wir die Titel in Form von Diamanten: Aktien mit vier oder fünf Diamanten sind es unserer Meinung nach wert, gehalten zu werden; alle anderen hingegen tendenziell Verkaufskandidaten.

Als Zweites bietet es sich an, nach der Branchen- und Ländermischung zu schauen.  Ist das Depot möglicherweise zu einseitig ausgerichtet? Oder ist man in allen wichtigen und zukunftsträchtigen Bereichen investiert? Eine ausgewogene Mischung über die verschiedenen Branchen und Länder hinweg streut das Risiko und lässt uns Langfristanleger unabhängig von aktuellen Trends oder politischen Entwicklungen am weltweiten Wirtschaftswachstum teilhaben.

Zu guter Letzt geht es um die Gewichtung innerhalb des Depots. Auch die ursprünglich noch so perfekte Zusammenstellung weicht im Laufe der Zeit vom Optimum ab – zum Beispiel, wenn einzelne Wachstumswerte schwächeln oder Überflieger wie Trane, Essilor oder Amazon durch die Kursgewinne sehr groß werden. Ziel sollte es dann sein, die kleineren Positionen aufzustocken, sobald frisches Geld verfügbar ist. Schließlich reduziert ein gutes Gleichgewicht die Abhängigkeit von einer oder wenigen Positionen und bietet damit eine größere Sicherheit.

Allzu oft muss eine solche Überprüfung übrigens gar nicht passieren, einmal im Jahr – vielleicht ja gerade zum aktuellen Anlass – empfiehlt es sich dann aber doch. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim Frühjahrsputz in Ihrem Depot!

Newsletter vom 19. März 2025

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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Darauf kommt es 2025 an!

Joachim Brandmaier

Ein hervorragendes Börsenjahr 2024 ist beendet, die Aktienmärkte stehen nahe ihrem Allzeithoch. Geht es weiter aufwärts? Oder folgt eine Korrektur? Ein Blick darauf, was uns 2025 erwartet.

Mal wieder prangt auf der Frontseite des Kalenders eine neue Zahl, mal wieder sind die Uhren auf null gestellt. In zahlreichen Gesprächen rund um den Jahreswechsel habe ich zuletzt wieder diesen Optimismus zu spüren bekommen, den viele Menschen gerade in den ersten Januartagen mit sich herumtragen. Natürlich haben da in Bezug auf die Börse vor allem die Rekordhochs an den Märkten eine Rolle gespielt, aber auch für schwierige Zeiten sollten wir uns ein klein bisschen dieser Zuversicht aufheben.

Denn wer weiß schon, was 2025 so alles passiert? In den USA übernimmt in wenigen Tagen Donald Trump das Weiße Haus. Hierzulande erwartet uns womöglich eine schwierige Regierungsbildung nach einer Wahl voller Unsicherheiten. Vom Ukrainekrieg oder der unklaren Nahost-Situation möchte ich gar nicht erst anfangen … Ob sich daran in diesem Jahr etwas ändert?

Wie Sie vielleicht wissen, halte ich von Prognosen wenig – die sind nämlich bekanntlich immer dann besonders schwierig, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Darum werden Sie von mir weder eine politische Vorhersage bekommen, noch einen Zielwert für DAX oder Dow Jones lesen. Solche Einschätzungen sind reine Glückssache. Daher von mir nur so viel: Nach den Rekorden im Vorjahr ist es möglich, dass 2025 auch mal ein ruhigeres Börsenjahr wird, vielleicht kommt es gar zum Rückschlag. Ebenso kann es aber sein, dass die Börsen einfach weitersteigen …

Auch für 2025 gilt also: Nur weil der Kalender auf Januar umgesprungen ist, sollten Sie nicht plötzlich Ihre ganze Anlagestrategie über den Haufen werfen. Investieren Sie weiter grundsätzlich nur in Qualitätsaktien. Seien Sie sich dabei stets darüber im Klaren, dass die Kurse kurzfristig auch fallen können. Wie die letzten Handelstage 2024 gezeigt haben, gehört diese latente Gefahr zur Börse wie das Salz in die Suppe. Aber: Bleiben Sie auch 2025 Aktien treu – nicht, weil ich garantieren kann, dass es ein Spitzenjahr wird, sondern weil Aktien langfristig einfach die beste Anlage sind.

Newsletter vom 8. Januar 2025

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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„Amerika, Du hast es besser …“

Joachim Brandmaier

Ob bei künstlicher Intelligenz, günstiger Energie oder der Wirtschaftskraft: Die USA hängen Europa immer mehr ab. Welche Schlüsse sollte man daraus für das eigene Aktiendepot ziehen?

Die Worte aus einem fast 200 Jahre alten Goethe-Gedicht beschreiben die aktuelle Stimmung in Europa ziemlich treffend. Viele schauen dieser Tage neidisch über den großen Teich.

Die USA hängen Europa mehr und mehr ab: In der Technologiebranche – vor allem beim verheißungsvollen KI- Thema – haben die Vereinigten Staaten meilenweit die Nase vorn. Punkten können die Amerikaner zudem mit niedrigen Energiepreisen und mit einer wirtschaftsfreundlichen Regierung, die unter Trump wohl erst so richtig aufdreht. Wir in Europa haben: viel EU-Bürokratie, teuren Strom und in Deutschland aktuell nicht mal mehr eine handlungsfähige Regierung – bei unseren französischen Nachbarn sieht es ähnlich aus.

Genug Miesepetrigkeit, ich halte nichts von Schwarzmalerei. Zumal gerade wir Deutschen wahre Meister darin sind, Dinge schlechtzureden. Ich frage mich vielmehr: Was bedeutet das nun für uns Börsianer? Ab sofort alles Geld in US-Aktien stecken? Finger weg von europäischen Titeln? So einfach ist die Börse nicht. Denn alles hat seinen Preis – höheres Wachstum und bessere Perspektiven spiegeln sich natürlich in den Kursen wider. Sprich: US-Aktien sind im Schnitt teurer als europäische.

Während amerikanische Papiere aktuell fast mit dem 25-fachen Jahresgewinn bewertet werden, liegt das durchschnittliche KGV in Europa nur bei 15. Genau andersrum ist es entsprechend bei der Dividende: US-Aktien bringen im Schnitt nur 1,5 Prozent, europäische über 3 Prozent. Man könnte also auch genau entgegengesetzt argumentieren: Stecken Sie alles Geld in europäische Titel – denn die sind billiger und bieten doppelt so hohe Dividenden!

Wer mich kennt, weiß, dass ich solche Extremmeinungen so gut leiden kann wie Linsen und Spätzle ohne Saitenwürstle. Niemand kann vorhersehen, ob US-Aktien künftig weiter das Rennen machen oder ob europäische Titel eine fulminante Aufholjagd starten. Niemand! Und vielleicht laufen die Aktien sogar gleich gut, wer weiß? Viel wichtiger als solche Länderspekulationen ist der Blick auf die einzelnen Firmen.

Und sucht man nach den besten Unternehmen der Welt, wird man nun mal vor allem in den USA fündig. Deshalb setzen wir schon seit Jahrzehnten großteils auf amerikanische Aktien. Andererseits gibt es auch in Europa exzellente Konzerne zur Langfristanlage. Und hüben wie drüben gilt: Gerade die Topfirmen verkaufen ihre Produkte doch ohnehin meist rund um den Globus. Ich sage deshalb nicht: „Amerika, Du hast es besser …“, sondern: „Börsianer, die auf internationale Topunternehmen setzen, haben es am besten!“

Newsletter vom 4. Dezember 2024

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
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Die ewige Angst vor dem nächsten Rückschlag

Joachim Brandmaier

Heute fällt in Berlin der Startschuss für unsere Jubiläums-Börsen-Tour durch ganz Deutschland! Dass so etwas im Vorfeld mit viel Stress und jeder Menge Arbeit verbunden ist, können Sie sich sicher vorstellen – trotzdem habe ich mich jeden Tag auf den Tourstart gefreut wie ein Schulkind auf sechs Wochen Sommerferien! Nie hätte ich anno 1984 (als 22-Jähriger!) zu träumen gewagt, dass aus einem lockeren Börsenstammtisch in Esslingen mal meine Lebensaufgabe wird.

Was mich und mein Team seit mittlerweile vier Jahrzehnten antreibt? Den sparbuchhörigen Deutschen das vermeintlich trockene Thema Börse und die langfristigen Möglichkeiten der Aktienanlage näherzubringen. Gewiss: Vieles rund um die Börse hat sich in all den Jahrzehnten geändert, aber manches ist eben heute noch genau wie damals. Zum Beispiel die allgegenwärtige Sorge der Anleger vor dem nächsten Rückschlag! Spätestens an Tagen wie im August läuft es auch hartgesottenen Börsianern kalt den Rücken hinunter. Wenn an einem einzigen Tag der japanische Aktienmarkt plötzlich um zwölf Prozent abschmiert und an den weltweiten Börsen eine Kettenreaktion droht, dann bekomme sogar ich mal kurz Puls. Auch noch nach 40 Jahren.

Die allgemeine Panik an den Märkten währte bekanntlich nur kurz. Trotzdem bleibt die Angst vor dem nächsten Rückschlag greifbarer denn je. Und soll ich Ihnen etwas sagen? Der nächste Rückschlag kommt garantiert! Das ist so sicher wie die nächste Kehrwoche bei uns im Ländle. Aber im Gegensatz zum wöchentlichen Gehwegfegen schwäbischer Hausfrauen und -männer weiß an der Börse leider niemand, wann es wieder so weit ist, wie lange es dauert und wie „schmutzig“ es wird!

Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als mit der (Allerwelts-)Erkenntnis zu leben: Aktien können auch fallen! Das ist eben der Preis, den wir bezahlen müssen, um langfristig schöne Gewinne einzufahren. Denn trotz unzähliger kleiner und großer Korrekturen ist der US- Leitindex Dow Jones in den letzten 40 Jahren von 1.000 auf über 42.000 Punkte gestiegen! Und die Dividenden kommen noch dazu!

Newsletter vom 9. Oktober 2024

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
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Zocken Sie noch oder investieren Sie schon?

Joachim Brandmaier

Entweder gar keine Aktien oder Zockertitel – mit dem unaufgeregten Kauf grundsolider Aktien tun sich viele Deutsche nach wie vor schwer. Dabei sollten sie von den Erfahrungen lernen, für die andere längst bezahlt haben …

Wenn ich mir die Depotaufstellungen so ansehe, die mir als Herausgeber des Stuttgarter Aktienbriefs jeden Tag zur Begutachtung geschickt werden, komme ich aus dem Staunen oft kaum mehr heraus. Vor allem die vielen spekulativen Aktien bei den weniger erfahrenen Börsianern tun mir in meiner Investorenseele weh.

Ich gebe zu: Vor über 30 Jahren habe auch ich den Anlegern die ein oder andere Spekulation empfohlen. Und welch riskante Aktien ich mir in meinen allerersten Tagen manchmal selbst gekauft habe, darüber breite ich lieber den Mantel des Schweigens. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Eine der wichtigsten Lektionen, die ich in meinem Anlegerleben am eigenen Geldbeutel zu spüren bekam: Besonders große Chancen werden an der Börse fast immer mit unverhältnismäßig hohem Risiko erkauft! An der Börse zocken ist fast wie Lottospielen: Die Chance auf den Jackpot ist minimal – die große Masse verliert ihren Einsatz. Aber anders als beim Lotto geht es an der Börse nicht nur um die paar Euro für einen Schein …

Wer sein Depot mit spekulativen Aktien vollpackt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er auf Dauer schreckliche Verluste erleidet. Aber: Auch schon kleinere Beimischungen drücken meist die Performance. Und ich weiß, dass auch viele eigentlich solide Anleger doch den ein oder anderen Wert zum Spaß kaufen. Natürlich kann jeder mit seinem Geld tun, was er will. Manchmal machen die (scheinbaren) Zukunftswerte mit ihren angeblich „bahnbrechenden“ Innovationen, „disruptiven“ Technologien und „pionierhaften“ Geschäftsmodellen ja auch tatsächlich die schönste Musik im Depot. Allerdings nur selten auf Dauer!

Bitte verstehen Sie mich richtig: Ich gönne jedem seinen Spaß! Aber ich merke auch nach 40 Jahren, dass mir die Arbeit so schnell nicht ausgehen wird und ich weiterhin für die grundsolide Aktienanlage förmlich trommeln muss! Gerade Neubörsianer wissen oft noch gar nicht, welche Aktien auf Dauer die sichersten Gewinne versprechen, und selbst viele langjährige Anleger ergreift hin und wieder das Spekulationsfieber. Doch es bleibt ohne Wenn und Aber bei meinem Motto: lieber Investor statt Spekulant! Teilhaber statt Glücksspieler!

Wenn auch Sie das beherzigen, ist Ihr Börsenerfolg kein Glück, sondern nur eine Frage der Zeit! Meine Empfehlung für den Anteil spekulativer Aktien in Ihrem Depot: 0 Prozent.

Newsletter vom 04. September 2023

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
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Zitat der Woche: Stanley Druckenmiller

„Denke nie in der Gegenwart, das ist ein guter Weg, um Geld zu verlieren. Wenn man Aktien kauft, die beliebt sind und derzeit hohe Gewinne abwerfen, wird man tendenziell Geld verlieren, wenn sich die Dinge ändern, weil alle anderen sie auch gekauft haben.“

Stanley Druckenmiller
Investor & ehemaliger Hedgefonds-Manager