Das KI-Dilemma: Sicherheit oder Tempo?
Wenn sich die Erfinder einer Supertechnologie selbst erschrecken, horcht das Parkett auf. Führende KI-Pioniere und Chefs von Entwicklerschmieden wie OpenAI oder Anthropic schlagen in seltener Einigkeit überraschend leise Töne an. Aus Sorge vor Sicherheitsrisiken und Kontrollverlust plädieren sie offen für eine Verlangsamung der Entwicklung. Dass die Architekten des Booms freiwillig auf die Bremse treten wollen, passt so gar nicht zum harten Wettbewerb im Tech-Sektor.
Das angedachte Durchatmen in den immer schneller werdenden Entwicklungszyklen ruft sofort Kritiker auf den Plan. Der US-Präsident und Nvidia-Chef Jensen Huang machen klar: Im globalen Wettbewerb gibt es keine Pause-Taste! Nvidia liefert weiterhin die hochbegehrten Schaufeln für den KI-Goldrausch und denkt nicht daran, das Tempo zu drosseln. Für Trump geht es darum, die Vorherrschaft gegen China unbedingt zu verteidigen. Börsianer stellt sich damit die Frage: Baut die Tech-Branche hier gerade nachhaltige Leitplanken für die Zukunft – oder bremst sie am Ende ihren erarbeiteten Vorsprung aus?
Apropos Bremsen: Auf eine ganz andere Art der Drosselung blicken die Märkte am Mittwochabend, wenn die Zinsentscheidung der Federal Reserve ansteht. Die Erwartung einer erneuten Zinkanhebung ist unter dem Druck steigender Energiepreise binnen nur einer Woche von 60 auf über 90 Prozent gestiegen. Höhere Zinsen verteuern aber das Kapital, was besonders wachstumsstarke, aber vornehmlich fremdfinanzierte Tech-Titel einbremsen könnte.
Diese Unsicherheit spiegelt sich auch im heimischen Markt wider. Anders als Ende August spricht gerade niemand mehr von neuen Rekorden. Der DAX hat in den letzten Wochen den Rückwärtsgang eingelegt und ist gestern zeitweise unter 25.200 Punkte gefallen. Kein völlig überraschendes Bremsmanöver im schwierigen Börsenmonat September.


Newsletter vom 16. September 2026
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Aktienmärkte im Wechselbad der Ereignisse
Die Börsenrally hat am Freitag einen heftigen Dämpfer bekommen. Auslöser war der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht, der die Erwartungen verstärkte, dass die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank eher eine Anhebung als eine Senkung sein könnte. Steigende Anleiherenditen und wachsende Sorgen über die Bewertungen im Technologiesektor führten zu Abverkäufen in diesem Bereich, vorzugsweise bei Aktien rund um das Thema KI. Der Nasdaq100 gab am Freitag um fast 5 Prozent nach, der stärkste Rückgang seit April 2025, der S&P500 ging mit einem Minus von 2,6 Prozent ins Wochenende.
Die Korrektur am US-Aktienmarkt hat der DAX mit einem Verlust von gut 500 Punkten nachvollzogen, nach kurzer Erholung am Dienstag ging es dann analog zum US-Markt erneut abwärts, aktuell liegt er bei rund 24.270 Punkten und behauptet sich damit knapp über dem 50- und 200 Tage-Durchschnitt, die beide als wichtige technische Unterstützung dienen.
Die Irankrise ist trotz laufender Verhandlungen noch lange nicht beendet. In den zurückliegenden Tagen und Stunden gab es einen erneuten Schlagabtausch zwischen dem Iran und den USA.
Die Märkte reagieren aktuell auf ein komplexes Zusammenspiel aus geopolitischen Unsicherheiten und makroökonomischen Signalen. Schwach zeigen sich auch die Edelmetalle und die wichtigste Kryptowährung Bitcoin, der am 5. Juni sogar die Marke von 60.000 Dollar unterschritt, das sind mehr als 50 Prozent Verlust seit dem Allzeithoch im Oktober 2025. Trotz vieler kritischer Stimmen geht es am Aktienmarkt nach kurzen Rückschlägen immer wieder aufwärts. Der als Stimmungsbarometer beachtete Volatilitätsindex VIX bewegt sich trotzdem im Normalbereich.
Der Countdown für den Börsengang von SpaceX läuft: Die Kombination von Raumfahrt und Künstlicher Intelligenz weckt Zukunftsfantasien. Dieser Mega-IPO wird nicht der einzige bleiben. Warten wir es ab – am Freitag wissen wir mehr. Übrigens, nach dem ersten Börsenkurs an der Nasdaq ist der Wert auch an unseren Börsenplätzen handelbar. Bei diesem IPO haben auch Privatanleger die Möglichkeit, über ausgewählte Broker bereits bei der Zeichnung dabei zu sein. Ob die zugeteilten Stücke auch sofort handelbar sein werden, ist jedoch unklar.
Aber Vorsicht an der Bahnsteigkante – schnelle Kursgewinne sind hier keinesfalls sicher!
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 10. Juni 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Zitat der Woche: Warren Buffett (Launisch)

„Unser Aktienkurs wird sich launisch entwickeln und gelegentlich um etwa 50 Prozent fallen – so, wie es in den letzten 60 Jahren bereits dreimal vorgekommen ist. Verzweifeln Sie nicht. Amerika wird sich erholen, genauso wie die Berkshire-Aktien.“
Warren Buffett
Investorenlegende
Zitat der Woche: Warren Buffett (IPOs)

„Du brauchst dich nicht wirklich darum zu kümmern was bei IPOs eigentlich los ist. Leute gewinnen jeden Tag im Lotto.“
Warren Buffett
Investorenlegende
Interview zum Börsengang sdm SE mit Vorstand Oliver Reisinger
„Sicherheit ist ein Wachstumsmarkt, dafür reicht ein Blick in die Medien.“
Mit der sdm SE (ISIN: DE000A3CM708) geht das erste deutsche Sicherheitsunternehmen an die Börse. Die Aktien können noch bis zum 25.10. (vorzeitige Schließung möglich) in einer Preisspanne von 3,30 bis 3,60 Euro an der Börse Düsseldorf gekauft werden. Die Analysten von GBC empfehlen die Aktie mit einem fairen Wert von 4,09 Euro zum Kauf. Im Interview stellt Vorstand Oliver Reisinger das Unternehmen vor und erläutert, wie er den Umsatz in wenigen Jahren verdoppeln will.
Herr Reisinger, stellen Sie sdm bitte kurz vor.
Reisinger: Die sdm Gruppe wurde 1999 gegründet und ist heute einer der führenden Sicherheitsdienstleister in der Metropolregion München mit 300 Mitarbeitern. Wir bieten ein breites Leistungsspektrum vom Werk- und Objektschutz, über Revier- und Streifendienste bis hin zur Organisation von Veranstaltungen und effektivem Personenschutz.
Wer zählt zu ihren Kunden?
Reisinger: Das Thema Sicherheit betrifft unsere gesamte Gesellschaft. Entsprechend zählen Behörden und öffentliche Einrichtungen wie beispielsweise Ämter, Konsulate und Krankenhäuser genauso zu unseren Kunden wie Einzelhandelsunternehmen und Privatpersonen. Bis einschließlich 2019 haben wir auch für Sicherheit auf dem Münchner Oktoberfest gesorgt und werden dies hoffentlich im kommenden Jahr wieder dürfen.
Ist Sicherheit ein Wachstumsmarkt?
Reisinger: Absolut. Um dies zu erkennen, reicht ein Blick in die Medien. Das Sicherheitsgefühl hierzulande nimmt seit Jahren ab und die Gewaltbereitschaft nimmt zu. Heute gibt es Sicherheitspersonal in Supermärkten, Jobcentern und Krankenhäusern – Corona hat diesen Trend noch verstärkt. Unsere Branche ist seit dem Jahr 2010 durchschnittlich um über 6 % jährlich gewachsen und hat in 2020 9,2 Mrd. Euro umgesetzt.
Wo sehen Sie in den kommenden Jahren das größte Wachstumspotenzial?
Reisinger: Praktisch in jedem Kundenkreis – Unternehmen, Behörden, privates Umfeld – haben wir Potenzial. Die Metropolregion München bietet eine bundesweit wohl einzigartige Kombination aus Wirtschafts- und Lebensraum: Rund 13 Mio. Einwohner mit einem hohen durchschnittlichen Einkommen, DAX-Konzerne und starker Mittelstand, zwei internationale Messestandorte und über 100 Konsulate.
Wie hat sich sdm im vergangenen Jahr entwickelt?
Reisinger: Auch ohne Schutz des Oktoberfests ist sdm in 2020 schneller gewachsen als die Branche. Den Umsatz haben wir um 16,8 % auf 10,4 Mio. Euro gesteigert. Das operative Ergebnis (EBITDA) wurde auf 0,88 Mio. Euro verdoppelt. Der Jahresüberschuss legte von 0,30 Mio. Euro auf 0,69 Mio. Euro zu.
Wie ist Ihr Ausblick?
Reisinger: Im ersten Halbjahr 2021 liegen wir beim Umsatz erneut 20 % über Vorjahr. Das zweistellige organische Wachstum wollen wir weiter fortsetzen. Auch durch die Erweiterung unseres Leistungsspektrums. Beispielsweise werden wir für Privatimmobilien datenschutzkonforme Videoüberwachung anbieten. Bei einem Monatspreis von 80 Euro müssen wir nur 600 Kunden gewinnen, um unseren Umsatz um 5 % zu steigern. Dies sollte im Münchner Süden sehr gut möglich sein.
Deshalb jetzt der Börsengang?
Reisinger: Richtig. Um neue Leistungen wie Videoüberwachungen anbieten zu können, brauchen wir eine zusätzliche Sicherheits-Alarmzentrale. Dabei handelt es sich um kritische Infrastruktur mit hohen Anforderungen. Daher wollen wir eine Immobilie kaufen und entsprechend ausbauen. Außerdem wollen wir unser organisches Wachstum durch Übernahmen ergänzen. Unter anderem aufgrund fehlender Nachfolgemöglichkeiten und Schieflagen wegen Corona bieten sich dafür derzeit attraktive Möglichkeiten.
Mit welcher Bewertung gehen Sie an die Börse?
Reisinger: Bewusst mit einer konservativen. Am oberen Ende der Preisspanne wird sdm – vor der Kapitalerhöhung – mit 11,2 Mio. Euro bewertet und damit nur mit dem einfachen Umsatz.
Dürfen Anleger mit einer Dividende rechnen?
Reisinger: Wir werden eine Dividendenaktie werden. Das laufende Jahr wollen wir natürlich zunächst zum Wachstum nutzen und investieren. Doch ab dem Jahr 2022 ist eine Dividende sehr wahrscheinlich.
Abschließend, warum sollte Anleger die sdm-Aktie zeichnen?
Reisinger: Mit sdm investieren Anleger in den Wachstumsmarkt Sicherheit. Dabei ist unser Geschäftsmodell genauso konservativ wie unsere Bewertung. Wir sind ein ambitionierter Mittelständler, verfügen über eine moderne interne Organisation, ein diversifiziertes Leistungsportfolio und eine solide Kundenstruktur. Lieferkettenprobleme beschäftigen uns genauso wenig wie hohe Rohstoffpreise. Wir können uns voll auf Wachstum konzentrieren und mit dem Börsengang können wir dieses beschleunigen.
| Emissionsdetails | |
|---|---|
| ISIN: | DE000A3CM708 |
| Zeichnungsfrist: | bis voraus. 25.10.2021 |
| Bookbuilding-Spanne: | 3,30 Euro bis 3,60 Euro |
| Zeichnungsmöglichkeit: | Kauf-Order an der Börse Düsseldorf |
HAFTUNGSAUSSCHLUSS
Das Angebot erfolgt allein auf Basis eine Wertpapierprospekts, der nach Billigung durch die BaFin unter sdm-se.de erhältlich ist. Die BaFin billigt den Wertpapierprospekt nur bezüglich der Standards der Vollständigkeit, Verständlichkeit und Kohärenz gemäß der Prospektverordnung. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Befürwortung der Emittentin oder der angebotenen Aktien zu verstehen. Interessierte Anleger sind allein dafür verantwortlich, die potenziellen Chancen und Risiken einer Investition in Aktien der sdm SE zu analysieren, abzuwägen und zu bewerten.

Newsletter vom 13. Oktober 2021
Interview mit Oliver Reisinger,
Vorstand sdm SE


