Fragile Lage am Golf: Ölpreise und Anleihezinsen steigen
Rund zwei Monate nach der Unterzeichnung des Bürgenstock-Memorandums ist ein Ende des Irankriegs weiter nicht in Sicht. Die 60-Tage-Frist für ein Schlussabkommen zwischen Washington und Teheran ist am Wochenende abgelaufen und der Iran hat eine Verlängerung bereits abgelehnt und mit Angriffen seinerseits gedroht.
Der US-Präsident gibt sich gelassen, seine Nerven scheinen aber blank zu liegen. Jüngst drohte er sogar dem vermittelnden, neutralen Sultanat Oman mit einem vernichtenden Militärschlag für den Fall, dass es nicht die von den USA verfolgten Interessen berücksichtigt – ohne Worte, unterirdisch, Caligula lässt grüßen, der regierte Rom vor rund 2.000 Jahren.
Kein Wunder also, dass die Ölpreise wieder anspringen, die Nordseesorte Brent hat bereits am Montag die Marke von 90 Dollar erneut überschritten.
Und das dürfte dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh langsam, aber sicher Schweißperlen auf die Stirn treiben, denn er steht im September vor einem echten Dilemma. Steigende Energiepreise heizen die Inflation (aktuell bei 3,4 Prozent) weiter an und machen eine Zinserhöhung fast unvermeidlich. Dumm nur, dass ausgerechnet die US-Arbeitsmarktdaten für Juli 2026 ein überraschend schwaches Bild zeigten: Die Wirtschaft baute außerhalb der Landwirtschaft unerwartet 23.000 Stellen ab (erwartet war ein Plus), während die Arbeitslosenquote leicht von 4,2 Prozent auf 4,1 Prozent sank. Das spricht für Zinssenkung, mindestens aber für keine Zinsänderung. Und der Kapitalmarkt hat eine Zinserhöhung bereits vorweggenommen, die langlaufenden, 30-jährigen US-Treasuries rentieren aktuell bei 5,3 Prozent, der höchste Stand seit 2007. Dabei spielt auch die ausufernde Staatsverschuldung der USA zunehmend eine Rolle. Last but not least sitzt dem Fed-Chef sein Protegé Donald Trump im Nacken und der fordert notorisch Zinssenkungen.
Fazit: Nach den Höhenflügen bei Dax, Dow, S&P & Co. werden die Marktteilnehmer vorsichtiger. Das Marktumfeld ist schwer einzuschätzen, es fehlen positive Impulse, dafür überwiegt die Ungewissheit.


Newsletter vom 19. August 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Der Irankrieg und seine Auswirkungen

Die unmittelbaren Folgen der Eskalation des Irankonflikts seit Anfang März waren steigende Rohöl- und damit Spritpreise, nachgebende Aktienkurse und höhere Renditen von Staatsanleihen. Mittlerweile sind jedoch auch weitergehende Auswirkungen erkennbar. So signalisierte das aktuelle ifo-Geschäftsklima abnehmende künftige Geschäftserwartungen bei vielen Unternehmen angesichts massiv gestiegener Energiekosten und Zinsbelastungen bei gleichzeitig höherer Unsicherheit für private Konsumenten und Investitionen. In Deutschland sind vor allem energieintensive Industrien, die Tourismusbranche sowie Logistik und die Bauwirtschaft betroffen. Die global ermittelten Einkaufsmanagerindizes von S&P Global hingegen ließen kurzfristig einen Anstieg der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erkennen. Dieser dürfte allerdings wesentlich auf vorgezogene Orders aufgrund der Befürchtung anhaltender Lieferkettenunterbrechungen im Zuge der Sperrung der Straße von Hormus zurückzuführen sein. Je länger die Schiffspassage gestört bleibt, umso stärker werden Einschränkungen bei Öl und Gas, aber auch bei anderen Produkten spürbar. So könnten fehlende Düngemittel in den kommenden Monaten zu steigenden Nahrungsmittelpreisen führen.
Die schon heute absehbaren Wachstumseinbußen würden sich bei anhaltenden Lieferkettenproblemen ausweiten, vor allem in energieimportabhängigen Regionen wie Europa und Teilen Asiens. Parallel steigen die Verbraucherpreise stärker an. Spanien vermeldete für März eine Inflation in Höhe von 3,3 Prozent nach 2,3 Prozent im Februar. Auch in Deutschland und der Eurozone legten die März-Teuerungsraten deutlich zu. Ob die bisher zurückhaltenden Notenbanken darauf mit Leitzinsanhebungen reagieren werden, hängt von der Dauer des Angebotsschocks ab. Insbesondere wenn sich Zweitrundeneffekte andeuten, also infolge des energiepreisinduzierten Kostenanstiegs auch höhere Lohnforderungen und stärker steigende Absatzpreise für Endprodukte von Unternehmen verlangt werden, müsste die Geldpolitik restriktiver ausgestaltet werden.
Aber es gibt auch positive Nachrichten: Das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und den südamerikanischen Mercosur-Staaten tritt ab dem 1. Mai vorläufig in Kraft, obwohl die Zustimmung des Europäischen Parlaments noch aussteht. Offensichtlich erhöht der zunehmende geo- und handelspolitische Druck die Handlungsfähigkeit Europas, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr europäischer Eigenständigkeit.

Newsletter vom 01. April 2026
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
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