Neue US-Strafzölle belasten die Aktienmärkte
Es vergeht fast keine Woche, in der nicht neues Ungemach aus den USA die Märkte irritiert und verunsichert. Nach Venezuela nun Trumps‘ Blick nach Grönland. Nach dem Motto „und seid ihr nicht willig, dann brauch ich Gewalt“ erpresst der US-Präsident europäische Staaten mit Strafzöllen, um eine Übernahme von Grönland zu erzwingen. Das ist nicht mehr wilder Westen, sondern grenzt bereits an Mafia-Methoden und ist für die (noch) größte Wirtschaftsnation der Welt absolut unwürdig. Derweil berät die EU bereits über ein Maßnahmenpaket zur Gegenwehr, setzt aber weiter auf Diplomatie.
Die europäischen Aktienmärkte reagierten am Montag mit Kursverlusten auf die neue Krise. Der DAX verlor rund 1,5 Prozent und tauchte unter die Marke von 25.000 ab. Aufgrund eines Feiertages in den USA (Martin Luther King Day) startete die Börsenwoche so richtig erst am Dienstag und da ging es auch am US-Aktienmarkt abwärts. Die Märkte sind stark verunsichert, denn kommt es zum offenen Handelskonflikt zwischen den USA und der EU, dann wird das massive Auswirkungen auf die Wirtschaft diesseits und jenseits des Atlantiks haben. Dann könnten die Höchststände bei den großen Indizes von Mitte Januar schnell die Jahreshöchststände gewesen sein. Gold und Silber reagieren mit neuen Rekordhochs auf die aktuellen Ereignisse, nicht jedoch der Bitcoin, er schwächelt wie die Aktien und liegt aktuell bei rund 89.150 Dollar. Beim Gold erscheint die Marke von 5.000 US-Dollar nicht mehr fern.
Und was gibt es an erfreulichen Ereignissen in diesen Tagen zu berichten? Am Sonntag wurde nach jahrzehntelangen Verhandlungen endlich das Handelsabkommen zwischen der EU und den im Wirtschaftsverbund Mercosur zusammengeschlossenen, wichtigsten südamerikanischen Staaten unterzeichnet.
Der IWF hat in einer aktuellen Prognose das deutsche Wirtschaftswachstum für 2026 auf 1,1 Prozent angehoben und liegt damit 0,2 Prozentpunkte höher als im Oktober. Die IWF-Experten positionieren sich damit optimistischer als das Ifo-Institut und die Bundesbank, allerdings leicht negativer als die Bundesregierung mit 1,3 Prozent. Fakt bleibt jedoch, Deutschland bleibt vorerst der Bremsklotz der Weltwirtschaft.
Bleiben Sie sehr wachsam in diesen Tagen und denken Sie an ausreichende Liquidität.


Newsletter vom 21. Januar 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Zitat der Woche: Pierre-Olivier Gourincha

„Die Weltwirtschaft humpelt vor sich hin, sie sprintet nicht.“
Pierre-Olivier Gourincha
IWF-Chefvolkswirt
(Spiegel Online vom 10.10.2023)
Mehr Infografiken finden Sie bei Statista
Angst essen Seele auf

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Wir alle lesen, hören und sehen in den letzten Wochen ausschließlich Hiobs-Botschaften in den Medien. Verschiedene Virologen erklären uns, dass wir auf die böse Corona-Mutante doch zu warten haben, die uns alle dahinrafft. Diese Variante wird auch zum Zusammenbruch des Gesundheitssystems führen. Dann sollten wir nicht vergessen: Die Grippewelle (!), die in dieser Saison schon zwei Monate früher beginnt. Der Kollaps des Gesundheitssystems ist vorprogrammiert. Medial werden Hoffnungen auf Besserungen zerstört und durch Ängste ersetzt. Cui Bono?
Der Ukrainekrieg fördert – neben den wirklich relevanten Themen – auch makabre Stilblüten. Wenn mittlerweile Bürgermeister von kleinen Verbandsgemeinden sich bemüßigt fühlen, Listen herauszugeben, was die Bürger im Ernstfall alles im Rucksack bei sich führen sollten und wo bei einem atomaren Zwischenfall Jodtabletten ausgegeben werden, dann werden unnötige Ängste geschürt.
Wenn die Regierung in der größten Energiekrise nicht wirklich handlungsfähig erscheint – ein Problem. Der Bürger weiß nicht, was auf ihn zukommt. Energiekosten steigen, aber scheinbare Lösungen der Ampelkoalition sind nicht umsetzbar oder realistisch. Faktisch fühlen sich alle im Stich gelassen. Auch der Wirtschaft geht es nicht anders. Nichts ist größeres Gift für ein BIP als Nicht-Planbarkeit. Bei Nicht-Planbarkeit gibt es keinen Konsum. Ohne Konsum keine soliden aufgestellten Unternehmen. Jegliche Planrechnungen sind innerhalb weniger Monate obsolet. Was ist der Ursprung? Angst.
Die Inflation ist auf dem Höchststand in Deutschland seit 1951. Weitere Zinserhöhungen der EZB und der Geschäftsbanken stehen vor der Tür. Es gab zwischenzeitlich nur noch Baukredite mit einem Zinssatz von um die vier Prozent. Obwohl die Sätze im ersten Rang schon wieder in Richtung 3,5 gefallen sind, regiert die Angst, dass die Bauzinsen noch steigen. Das mediale Zähneklappern geht in Deutschland um. Das am Anfang des Jahrtausends der Bauzinssatz noch um die sieben Prozent geschwankt ist, wird ausgeblendet. 2008 lag er mit guten Verhandlungen bei knapp über fünf Prozent. Im Japanischen werden wir alle nach dem Wort „Krise“ umsonst suchen – es gibt stattdessen nur das Wort „Chance“. Wir sehen doch jetzt schon in den USA ein Sinken der Inflationsrate, aber es ist kaum bestreitbar, dass wir eine null Prozent Inflation in absehbarer Zeit nicht wieder sehen werden. Was läge also näher, als Inflationsschutz zum jetzigen Zeitpunkt Wohneigentum zu erwerben. Ist es also klug, Ängste bei Menschen zu schüren? Zumal weiterhin zu wenig gebaut wird und mit den zu erwartenden Basiseffekten bei den Inflationsraten bekommen auch Immobilienkäufer wieder eine solidere Kalkulationsbasis. Das Jahr 2022 ist schon länger vorbei, da passiert nun nichts mehr. Aber in 2023 werden die Karten neu gemischt. Die Engpässe bei den Bauunternehmen mit den preissteigernden Auswirkungen sollten 2023 auch erstmal der Geschichte angehören, sodass der Wettbewerb wieder Gewicht bekommen sollte.
KMU schüttelt es gerade durch. Aber die meisten schlagen sich tapfer, obwohl ihre Planungen in den letzten sechs Monaten kräftig durchgerüttelt worden. Bisher sehen wir am Anleihemarkt nur Unternehmen unter Wasser, die schon vor dieser kumulierten Krise das Wasser bis zur Unterlippe stehen hatten. Wenn 2023 die Konjunktur – spätestens mit dem Ende des Winters – einen Schub bekommen wird, werden diese gut aufgestellten Unternehmen wieder prosperieren. Sicherlich werden auch solche KMUs höhere Kupons bei Ihren IBOs zahlen müssen. Dennoch sind die Ängste, die in der Öffentlichkeit geschürt werden, nicht angebracht.
„Um 5,5% legte der S&P 500 zu – stärker sogar als im September 2008 (+5,4%). Historisch kündigten solche Kursanstiege das Ende eines Bärenmarktes an. Wohlgemerkt: mit Ausnahme von 2001 und 2008. Derzeit preist der Markt also klar ein, dass die Fed das Tempo der Zinserhöhungen drosseln wird. Zusätzliche Unterstützung kommt aus China, wo die strikten Null-Covid-Regeln etwas gelockert wurden. Könnte es sich also nach August/September um die nächste Bärenfalle in diesem Jahr handeln oder ist ein Boden gefunden?“ (Platow-Brief) Wir finden, dass das Mitte November die falsche Frage ist. Handelsvolumina gehen normalerweise im November und Dezember immer zurück. Wichtig ist der Start 2023. In der letzten Woche hat der DAX um rund sechs Prozent zulegen können. Gut informierte Personen aus dem Umfeld der EZB streuen, dass die nächste Zinserhöhung wohl niedriger als 75 Basispunkte ausfallen wird. Dies wäre ein Fünkchen Hoffnung, ein Signal für die Märkte und Menschen.
Immobilien, Aktien und ein Stück weit auch gute Anleihen haben eines gemeinsam: Es stehen regelmäßig gewisse Werte gegenüber, die zwar vielleicht zu hoch in den Büchern bilanziert sind, die aber real sind. Sehen wir mal kurz auf die Bahamas zu FTX und auf die Zocker-Special-Ausgabe, wo leider zu viele Menschen, die sonst vor jeglicher Investition Angst haben, nun kräftig eins auf die Nase bekommen werden. „Nach der Pleite für die Kryptobörse FTX sollen nun nach Angaben von zwei Insidern mindestens eine Milliarde Dollar an Kundengeldern verschwunden sein. Der Gründer der Börse, Sam Bankman-Fried, habe heimlich zehn Milliarden Dollar an Kundengeldern von FTX zu seinem eigenen Handelsunternehmen Alameda Research transferiert, sagten die zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen am Samstag gegenüber Reuters. Ein Teil dieser Summe sei seither verschwunden.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Da kann der Investor doch ein paar temporäre Kursverluste bei guten Assets eher mal verwinden.
Angst essen Seele auf. Die Welt muss sich momentan beweisen. Aber den Optimisten und nicht den Pessimisten gehört die Welt. Die Politik muss einheitliche Richtungen vorgeben, dass sich Wirtschaft und Bürger darauf einstellen können. Das (wirtschaftliche) Leben muss planbar sein. Nur dann heißt es nicht: Angst essen Wirtschaft auf.
Zu mwb:
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE0006656101, WKN 6656101) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 38.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 16. November 2022
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
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Kai Jordan
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Da steppt der Bär

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Der IWF (Internationaler Währungsfonds) schreibt in seinem jüngsten Finanzstabilitätsbericht von einer hartnäckigen Herausforderung durch die weltweite Inflation und von Unsicherheit zur Zukunft. Um den kreierten Begriff des Bundeskanzlers Olaf Scholz aufzunehmen: Wir haben es 2022 und wahrscheinlich 2023 mit einem wirtschaftlichen Vierfach-Wumms zu tun. Corona, Ukrainekrieg inklusive der damit verbundenen Energiekrise, hohe Inflation und eine angekündigte Rezession. Für die Kapitalmärkte ein Cocktail zum Vergessen. Dazu kommt noch, dass Deutschland prognostiziert beim Wirtschaftswachstum 2023, im vorletzten Wagon aller Industrienation in den Bahnhof einfährt – Schlusslicht ist Italien.
Eine Inflation von rund 10 Prozent hatte Deutschland das letzte Mal Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Selbst zu Zeiten der Ölkrise in den 70er Jahren ist die Inflationsrate nicht so hoch gewesen. Die EZB musste reagieren und hat dies auch, ob zu spät oder nicht, dazu gibt es verschiedene unterschiedliche Meinungen. Was sind aber die daraus resultierenden Konsequenzen?
Die Bären haben die Märkte fest im Griff. Und das zerrt an den Nerven der Marktteilnehmer. Unter hohen Schwankungen fällt nahezu alles bis auf den US-Dollar, der von der Zinsdifferenz, der geostrategischen Lage und vor allem den hier oft diskutierten Statikfehlern der Eurozone profitiert. Und über das aktuelle Spannungsfeld der Zentralbanken zwischen Inflation und Verschuldung haben wir in den vorherigen Standpunkten bereits hingewiesen und dies erklärt – auch die späte Wende der EZB in der Geldpolitik. Die EZB konnte nicht mehr anders. Das Problem verschärft sich nur.
Die Börsenzeitung kommentiert gestern:
„Analysten haben bereits vorgerechnet, dass sich in diesem Jahr der größte Bondcrash aller Zeiten bereits ereignet hat. Und aufgrund von möglichen Schieflagen großer Investoren kann dies zu massiven Turbulenzen führen. So bereits geschehen im Fall der britischen Pensionsfonds, die die Bank of England durch Gilts-Ankäufe stabilisieren musste.“
Wir sehen das auch im Kleinen. So sind auch im Bereich der Mittelstandsanleihen viele Bonds ordentlich unter die Räder gekommen. Dies dürfte nicht nur bedingt durch das Sentiment sondern auch durch Probleme bei manchen schwächeren Emittenten, Mittelrückflüsse und hierdurch ausgelöste Abgaben zur Liquiditätsbeschaffung ausgelöst sein. Gleichzeitig beobachten wir beherzte Anleger, die hier bei Renditen zwischen 10 und 20 % auf der ermäßigten Basis zugreifen. Jetzt das alte Bonmot beherzigen und „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“? Wir wissen es auch nicht. Die steppenden Bären zerren ob der nun erstmal aufgelaufenen Verluste und den Problemen bei der Umsetzung der Geschäftsmodelle an den Nerven vieler Marktteilnehmer.
In dieser Wettbewerbssituation stehen natürlich auch neue Emittenten. Sie konkurrieren mit den hohen Renditen der im Kurs gefallenen Anleihen. Ein weiterer Schwerpunkt dürfte die Solidität des Finanzierungsmix sein. Hinreichende Liquidität und Eigenkapital waren schon immer wichtige Kriterien und werden in Zukunft an Gewicht gewinnen. Wo das nicht beherzigt wurde, treten nun die Probleme auf. Zum Beispiel bei manchen Immobilienunternehmen.
Das dieses Umfeld mit unsicheren Energiepreisen, Einkommenssituationen und rapide steigenden Baukosten sowie Zinsen auch das einstige Bollwerk Immobilienmarkt nicht unberührt lässt, ist nicht verwunderlich. Bei Wohnimmobilien halten sich die Käufer nun erstmal zurück und die Banken berichten von einem Einbruch bei der Nachfrage nach Finanzierungen. Die Finanzpresse stürzt sich auf den neuerlichen Immobilienblasen-Index einer großen Schweizer Bank, die das Platzen der Blase insbesondere in Frankfurt und München prognostiziert. Das diese Bank mindestens seit dem Jahr 2018 vom Platzen der Blase „bubbelt“ und 4 Jahre Aufwärtsbewegung verpennt hat, gerät dabei in den Hintergrund. Irgendwann ist eben jeder mal dran. Doch Google vergisst nie. Der Immobilienmarkt erlebt einen Rücksetzer. Ob hier „eine Blase platzt“ stellen wir jedoch in Frage. Der Markt bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Unsicherheit, Finanzierungen, die auf Kante genäht waren und der Inflation, die Sachwerte eigentlich stabilisieren sollte. Die Signale die wir aus zahlreichen Gesprächen von der gerade zu Ende gegangenen „Expo-Real“ in München erhalten, klingen jedenfalls nicht nach einer suizidalen Stimmung.
Und auch in der besonneneren Börsenzeitung kommentierte Claus Döring gestern:
„Müssen sich jetzt Wohnungseigentümer und Hypothekengläubiger in der deutschen Finanzmetropole (Frankfurt sic!) und in der bayerischen Landeshauptstadt Sorgen machen? Eher nein. Jedenfalls nicht mehr Sorgen als in anderen deutschen Städten. Zwar stehen die beiden Städte seit Jahren in Deutschland auf den Hitlisten der jährlichen Preiszuwächse wie auch der absoluten Preise bei Wohnimmobilien ganz oben. Doch in Relation gesetzt zum jeweiligen Mietpreisniveau in diesen Städten handelt es sich keineswegs um Ausreißer.“
Zum Thema Energie: Sind unsere Gasspeicher wirklich so voll wie es uns erzählt wird? Haben wir Zugriff auf die Kavernen oder wird an den Höchstbietenden verkauft? Welcher Preis kommt auf die Unternehmer und Verbraucher wirklich zu? Solange das Management (unsere Politiker) diese Fragen nicht eindeutig beantwortet, werden Unternehmen Schwierigkeiten bekommen, institutionelle Investoren und Privatanleger am Kapitalmarkt für sich zu gewinnen. Wir haben schon 2020 und 2021von Zombieunternehmen gesprochen, die gedeckt durch die ausgesetzte Verpflichtung von massiven Zahlungs- und Finanzierungsschwierigkeiten Insolvenz anmelden zu müssen, überlebt haben. Nicht Wenige gehen nun davon aus, dass der Schierlingsbecher des Vierfach-Wumms in vielen Branchen eine künstliche Konsolidierung herbeiführen wird.
Schauen wir mal ganz kurz über den Tellerrand in die USA und ganz aktuell nach Großbritannien. Die Anleger drängen momentan auf den amerikanischen Kapitalmarkt. Die Gründe liegen auf der Hand. Die USA sind im Gegensatz zu Europa einfach viel weniger in den Ukrainekrieg involviert. Sie haben ein deutlich geringeres Energieproblem, denn sie holen sich das notwendige Gas mit Fracking aus dem eigenen Boden. Sie können sogar noch Teile des Flüssiggases nach Europa exportieren. Im Gegensatz zu Europa und Afrika sind die USA auch nicht von Getreidelieferungen aus der Ukraine abhängig. Dann ist der Dollar seit Anfang des Jahres wieder verstärkt seiner Rolle als Leitwährung nach gekommen. Alles drängt in den Dollar und hat damit u.a. den Eurokurs nach unten gedrückt.
Richten wir unseren Blickauf das Vereinigte Königreich, das sich mit dem Austritt aus der EU sowieso schon keinen Gefallen getan hat, denn in diesen Krisenzeiten ist es fraglich, für was das Land eigentlich steht. Der stolze Albion ist schon vor dem Abtritt des Premierministers Boris Johnson, der am stärksten durch seine wirre Haarpracht aufgefallen ist, stark von den Finanzmärkten gerupft worden. Aber dann kam Liz Trust, die ein gewaltiges schuldenfinanziertes Steuersenkungsprogramm verkündete. Das Pfund schlitterte regelrecht wie Eddy the Eagle auf der Skisprungschanze nach unten. Investoren haben ihre britischen Staatsanleihen verkauft. Ein Desaster kündigte sich, dass bis jetzt in der Rücknahme der umstrittensten Maßnahmen und dem Rücktritt des Finanzministers endete. Wir haben in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass politische Börsen mittlerweile in diesem Jahrhundert lange Beine bekommen haben.
Was sind die Konsequenzen für KMU, die sich aufgrund von umgangssprachlich benannten Basel IV -Richtlinien, nicht mehr oder weniger durch Bankkredite finanzieren können. Der Blick auf ein IBO erscheint momentan für diese Unternehmen nicht rosig. Sie werden zumindest 2022 und 2023 hohe Kupons ausloben müssen, um Investoren für ihr Papier zu begeistern und abzuhalten im scheinbar sicheren Dollarraum zu investieren. Wir gehen davon aus, dass kleine und mittelständische Unternehmen zunächst wieder stärker auf den Aktienmarkt setzen sollten und müssen, weil Anleger eine Finanzierung über Eigenkapitalaufnahme mit einem hohen Gewinnpotential bei entsprechenden Geschäftsmodell goutieren.
Zu mwb:
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE0006656101, WKN 6656101) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 38.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 19. Oktober 2022
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
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Kai Jordan
Kleine Johannisstraße 4
20457 Hamburg
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Zitat der Woche: Kristalina Georgiewa

„In seiner jüngsten Prognose rechnet der IWF 2022 nur noch mit einem globalen Wachstum von 3,6 Prozent, 0,8 Prozentpunkte weniger, als er im Januar noch angenommen hatte. Auch für die Eurozone senkt der IWF die Prognose, erwartet ein Wachstum von 2,8 Prozent (1,1 Prozentpunkte weniger). Für Deutschland halbierte der Währungsfonds die Wachstumsaussichten nahezu, von 3,8 auf 2,1 Prozent, die höchste Herabstufung unter den großen Volkswirtschaften. Der Einmarsch Russlands in der Ukraine „sendet Schockwellen über den ganzen Globus“, sagte die Direktorin des IWF, Kristalina Georgiewa. Man erlebe eine doppelte Krise. „We are facing a crisis on top of a crisis.““
Kommentar von von Horst von Buttlar, Capital, 22.04.2022
https://www.capital.de/wirtschaft-politik/die-diffuse-duesterkeit-der-weltwirtschaft–31798676.html
