Märkte im Aufwind trotz Krieg – wie kann das sein?

Dr. Martin Moryson

Die Aktienmärkte haben in diesem Jahr kräftig zugelegt: der S&P 500 um über zehn Prozent, der europäische Stoxx 600 um immerhin rund fünf Prozent und der japanische Nikkei um über 30 Prozent. Ein wesentlicher Treiber sind die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz. Gleichwohl stellt sich die Frage, warum der Krieg im Iran die globale Wirtschaft nicht in eine Rezession und damit die Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt hat.

Offensichtlich kommt die Wirtschaft deutlich besser mit der Situation zurecht, als man das vor Beginn des Kriegs vermutet hätte. Wie immer gilt, dass man die Anpassungsfähigkeit der Menschen, der Unternehmen und damit der Wirtschaft nicht unterschätzen sollte. Es gibt verschiedene Berechnungen, wieviel Öl nun tatsächlich „fehlt“, also wegen der Sperrung der Straße von Hormus nicht seinen Weg zum Verbraucher findet. Ursprünglich gingen mal rund 20 Prozent des globalen Verbrauchs von rund 100 Millionen Barrel pro Tag durch die Meerenge.

Ein nicht unerheblicher Teil dieser Menge kommt nun über andere Routen auf die Weltmärkte, beispielsweise über die East-West-Pipeline in Saudi-Arabien, die rund sieben Millionen Barrel pro Tag transportieren kann oder über die irakische Pipeline Richtung Türkei, mit rund einer Million Barrel pro Tag. Alle Produzenten fahren ihre Produktion so weit wie möglich hoch, selbst Venezuela produziert wieder über eine Million Barrel pro Tag.

Wie viele es genau sind, weiß man nicht, aber interessanterweise verlassen seit Beginn des Kriegs rund vier Tanker pro Tag die Straße Richtung offenes Meer. Bedenkt man, dass große Tanker bis zu zwei Millionen Barrel transportieren können, bekommt man langsam ein Gefühl dafür, warum die Weltwirtschaft sich als so resilient erweist. Die Freigabe der strategischen Ölreserven durch die OECD-Länder in der Größenordnung von rund vier Millionen Barrel pro Tag tun ihr Übriges.

Was bedeutet das für den Anleger? Zugegeben, es sind vor allem die Tech-Werte, die die Kurse treiben. Aber dass sich der Rest der Wirtschaft nicht in einer Rezession befindet, ist eine notwendige Voraussetzung für den Aufschwung gewesen. Soll sich die positive Entwicklung an den Aktienmärkten fortsetzen, müssen zwei Dinge weiterhin gelten: Die Tech-Konzerne müssen weiterhin ihre Gewinne liefern und die restliche Wirtschaft muss ihre Resilienz erhalten. Fällt eine der beiden Voraussetzungen weg, könnte es schwer werden für die Aktienmärkte.

Newsletter vom 03. Juni 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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Zitat der Woche: Donald J. Trump – Krieg

„Ich denke, der Krieg ist so gut wie abgeschlossen.
[…]
Wir haben in vielerlei Hinsicht schon gewonnen, aber wir haben noch nicht genug gewonnen.“

Donald J. Trump
US-Präsident
(am 09.03.2026 gegenüber CBS zum Iran-Konflikt)

Krieg im Iran – was bedeutet dies für die Märkte?

Dr. Martin Moryson

Die Entwicklungen im Iran und in der umliegenden Region sind äußerst dramatisch. Wir hoffen auf eine baldige Verbesserung der Situation – vor allem für die Menschen vor Ort. Gleichzeitig bleibt es unsere Aufgabe, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts sowie die Konsequenzen für Anleger einzuschätzen.

Die Bedeutung des Irans für die Weltwirtschaft ist – abgesehen vom Ölpreis – gering. Nach Jahren der Sanktionen und Misswirtschaft ist das Land abgewirtschaftet. Zwar ist der Iran ein großer Ölproduzent, der für rund drei Prozent der globalen Ölproduktion steht, aber das Land ist zugleich ein großer Ölverbraucher und von den Exporten landet der Großteil derzeit in China. Aufgrund des aktuellen strukturellen Öl-Überangebots dürften die Folgen einer Produktionsbeeinträchtigung im Iran allerdings überschaubar bleiben.

Der dominante Transmissionskanal des Nahostkonflikts auf die globale Wirtschaft sind die Energiepreise. Durch die Straße von Hormus geht rund ein Fünftel des globalen Ölangebots und etwa der gleiche Anteil der globalen Flüssigerdgas-Produktion. Genau hier stecken die Probleme. Während der Ölpreis seit Jahresanfang um rund 33 Prozent gestiegen ist, haben sich die Gaspreise mehr als verdoppelt. Nach unabhängigen Berechnungen könnte sich der Flüssigerdgas-Preis nochmals verdoppeln, wenn die Straße von Hormus über Monate gesperrt bliebe.

Welche Überlegungen Donald Trump zu diesem Angriff bewogen haben, bleibt schwer abzuschätzen. Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass er die militärischen Aktivitäten beendet, sobald ihm die politischen Kosten zu hoch erscheinen. Zu diesen politischen Kosten zählen auch sinkende Aktienkurse und steigende Ölpreise – nicht jedoch ein steigender Flüssigerdgas-Preis. Der schmerzt Europa und freut die USA. Da überdies Europa Nettoimporteur und die USA Nettoexporteur von Erdöl sind, dürften zumindest in der kurzen Frist europäische Aktien stärker von dem Krieg betroffen sein als US-amerikanische. Für die sich anschließende Erholung ist allerdings ebenfalls zu erwarten, dass sie in Europa stärker ausfällt.

Vor diesem Hintergrund ist man mit einem breit diversifizierten Portfolio weiterhin gut aufgestellt. Die Anleiherenditen sind auf einem auskömmlichen Niveau. Mit der Erwartung einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung sind die Aussichten für Aktien weiterhin gut – in den USA und in Europa. So gesehen könnten die aktuellen Kursrückgänge sich durchaus als Kaufgelegenheiten erweisen.

Newsletter vom 04. März 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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Die Auferstehung der Fossilien

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Nun ist es rum, das Osterfest mit den Feierlichkeiten zur Auferstehung. Gleichzeitig entwickelt sich die Situation rund um den Angriffskrieg der russischen Föderation zu einer innereuropäischen und vor allem in Deutschland heftigen Diskussion rund um die Lieferung schwerer Waffen oder die Ausweitung der Boykottmaßnahmen bei den Energieträgern. Wir haben in unserem Sonderstandpunkt „er muss ihn haben“ dazu bereits Position bezogen und die kontroverse Diskussion mit stichhaltigen Argumenten auf beiden Seiten weiter verfolgt.

Wenngleich wir der Meinung sind, dass an der Entwicklung der Situation um die Ukraine auch Zauberlehrlinge aus dem Westen mitgemischt haben, so ist die jetzige Eskalation auf dem Schlachtfeld ein furchtbarer Rückfall in längst vergessene Zeiten und mancher der hofft, dass sich diese Situation – nach einem hoffentlich raschen Ende des Konflikts wieder normalisieren sollte – wird sich noch die Augen reiben. Das wird nicht der Fall sein. Dieser Rückfall bringt die Wiederauferstehung einiger ebenfalls längst totgesagter Fossilien. So schlagzeilte die Welt Anfang April zu Putin „Als Kriegsherr ein Stalin, ökonomisch Ceausescu“.

Die Situation rund um die europäische und globale Sicherheit und Versorgungslage führt zu einer massiven Diskussion über Dinge, die aus unserer Sicht bereits versteinert waren oder auf dem Weg dahin. Der lange nicht für möglich gehaltene Rückfall Europas in einen Kriegszustand sorgt jetzt auch auf EU -Ebene für eine Rolle rückwärts bei der Beurteilung dessen, was als ESG-konform angesehen wird. So verdichten sich derzeit die Zeichen, dass in Brüssel nach Wegen gesucht wird, Waffenhersteller aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit wieder als investierbar einzuordnen. Öl und Gas stehen auf dem Prüfstand.

Putin war bereits vor dem Beginn des Krieges der aus seiner ökonomischen Perspektive nachvollziehbaren Auffassung, dass der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen nicht bis 2035 oder 2050, sondern nur bis 2070 möglich sei. Auch die Europäer erkennen nun faktisch, wie stark sie in ihrer Gesamtheit von diesen Lieferungen abhängig sind. Egal ob Fracking oder Katar – es gibt keine Idee, die ökologisch und gleichzeitig den Energiehunger der Industrie gleichzeitig befriedigen kann. Viele Staaten insbesondere aus Osteuropa halten nun Ausschau nach fossilem Ersatz, der oft sogar noch klimaschädlicher ist als russisches Öl und Gas. Kohle und Flüssiggas sind 2021 zu Recht geächtet worden. Nun wird über eine Kohleverstromung in Deutschland diskutiert.
In Teilen Europas schielen Regierungen wieder auf Gas- und Ölfelder, deren Erschließung dem Klima zuliebe bis vor Kurzem noch tabu war. Auch in den USA werden Bidens Bemühungen zum Klimaschutz immer mehr ausgebremst.
Die Agrarlobby versucht mit Hinblick auf die Lebensmittelversorgung die Uhr zurückzudrehen. Die EU-Kommission hat ein Aktionsprogramm vorgestellt, in dem auf Flächen, die eigentlich aus Naturschutzgründen brach gelassen werden sollen, kurzfristig wieder angebaut werden darf. Klimafreundlichkeit oder Nachhaltigkeit sind vorübergehend zweitrangig – dabei ist die Landwirtschaft für bis zu einem Drittel der globalen klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. „Die Gefahr sei groß, dass aus der kurzfristigen, kriegsbedingten Suche nach fossilen Ersatzquellen wieder eine langfristige Abhängigkeit entstehe, warnte Uno-Generalsekretär Guterres vor kurzem. »Das ist Wahnsinn.«

Doch wegen der Inflation schauen die Verbraucher mehr aufs Geld – und weniger auf Klimaschutz und Tierwohl. Dabei muss langfristig klar sein: »Wenn wir fossile Energien von Autokraten importieren, bringen wir unsere Sicherheit in Gefahr und heizen die Klimakrise weiter an.«
Und diese Klimakrise pausiert nicht, nur weil die Menschen einmal mehr Krieg führen. In der Arktis auf der Nordhalbkugel geht das Eis durch die Erderwärmung drastisch zurück. Nun beobachten Forscher dies auch für den Südpol. Die Erderwärmung hat auf allen Kontinenten größeren Schaden angerichtet als bislang angenommen“, warnte der Weltklimarat in einem neuen Bericht zu den Folgen der Klimakrise. Polar-, Berg- und Küstenregionen überall stünden vor dem Kollaps, mit kaum noch beherrschbaren Auswirkungen auf den Menschen. »Fast die Hälfte der Menschheit lebt – jetzt – in der Gefahrenzone«, sagte Uno-Generalsekretär António Guterres. »Viele Ökosysteme sind – jetzt – an einem Punkt angekommen, von dem es kein Zurück mehr gibt.« Dann fügte er hinzu: »Aufschub bedeutet Tod.«

Dabei zeigt sich mit jedem Tag deutlicher, dass sich Putins Krieg unmittelbar und potenziell verheerend auf die von Guterres beschriebene Lage auswirkt. Die in Deutschland bereits versteinerte Diskussion zur Atomenergie wird neu aufgemacht und in Ländern wie Frankreich beispielsweise auch beantwortet. Und Tesla Boss Elon Musk sagte jüngst in einem Interview: „Absoluter Wahnsinn von Deutschland, jetzt die Kernkraftwerke abzuschalten“ Eine ausweglose Situation? Mitnichten, wenn es den Regierungen gelingt, hier gegen alle Widerstände insbesondere aus dem Bereich rechtspopulistischer Parteien einen klaren Kurs beizbehalten.

Es sei „eine riesige Chance«, die Energieversorgung Europas noch schneller noch grüner zu gestalten“, sagte Frans Timmermans, der Green-Deal-Beauftragte der EU-Kommission. Ob dabei das Thema Atomenergie eine sinnvolle Lösung darstellen kann, können wir hier in der Kürze nicht beurteilen. Wir hören aber auch hier von Entwicklungen und Effizienzsteigerungen auch bei der Frage der Endlagerung.
Allerdings müssen die EU und die Regierungen die nunmehr ggfs. veränderten Rahmenbedingungen zügig abstecken, damit Sicherheit für die gigantischen Investitionsherausforderungen der Dekarbonisierung und den Umbau der Wirtschaft gegeben ist. Dann werden auch die Kapitalmärkte weiterhin substanziellen Beitrag leisten können zur Finanzierung dieser Herkulesaufgabe. Auch – und gerade im wichtigen KMU-Segment, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Wir gehen davon aus, dass die westlichen Regierungen zumindest mittelfristig die richtigen Entscheidungen treffen werden. Die Märkte spiegeln dies trotz des Zinsanstieges auch wider. Damit stehen sie Emittenten mit zukunftsorientierten Geschäftsmodellen auch weiterhin offen – trotz der halben „Rolle rückwärts“ die wir vorstehend beschreiben.

Gelingt dies allerdings nicht, dann profitieren nur die Deichbauer. So ging der Aktienkurs des holländischen (das Land liegt teilweise 6 Meter unter dem Meeresspiegel) Spezialisten Boskalis Westminster vor kurzem wegen eines Kaufangebotes des Großaktionärs durch die Decke. Boskalis ist ein international operierendes Unternehmen und ist – nach eigenen Angaben – Weltmarktführer im Bereich von Baggerarbeiten, Landgewinnung, Küstenschutz und damit verbundenen Services. Als Kernkompetenzen sieht das Unternehmen vor allem die Konstruktion und den Betrieb von Häfen und Wasserwegen, die Landgewinnung, Küstenbefestigung sowie den Flussuferschutz. Und das Unternehmen erhielt einen weiteren Auftrag zur Küstenbefestigung der Küsten in Togo und Benin. Eine Empfehlung zu dieser Aktie geben wir ausdrücklich nicht ab. Aber wie wusste schon der Schimmelreiter: „wer nicht will deichen der muss weichen“. Und endet am Ende womöglich auch als Fossil.

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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt

vom 21. April 2022
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

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„Ethisch-ökologische Investments – Nach­haltig anlegen: Waffen und Atom­strom weiter tabu“ (Finanztest)

Stiftung Warentest, 12. April 2022

Der Krieg in der Ukraine hat eine Debatte ausgelöst: Sind Waffen nach­haltig, wenn sie Frieden sichern? Hilft mehr Atom­strom? Stiftung Warentest fragt Anbieter nach­haltiger Fonds, darunter auch Michaela Stanke von der Börse Hannover.

„Die Börse Hannover gibt den Global Challenges Index heraus. Der Index ist Grund­lage für den aktiv gemanagten Fonds Superior 6 Global Challenges und den Indexfonds Warburg Global Challenges.“

test.de am 12.04.2022: Nachhaltig-anlegen-Waffen-und-Atomstrom-weiter-tabu

Quelle: Stiftung Warentest

Er muss ihn haben!

Deutschland diskutiert. Deutschland ist zwiegespalten. Kann sich die deutsche Volkswirtschaft neben den Auswirkungen von Corona auch noch weitergehende Sanktionen gegen Russland – besser gesagt, gegen einen faktischen Diktator Wladimir Putin – leisten? Riskieren wir damit unseren Wohlstand? Wird die Inflation in ungeahnte Höhen schnellen?

Wir denken, es ist nicht zu bestreiten: Gerade Deutschland hat seine grausamen Erfahrungen mit Autokraten und „gewählten“ Diktatoren gemacht. Die restliche Welt im zweiten Schritt dann ebenso. Hitler-Deutschland wurde zu spät Einhalt geboten. Diesen Fehler hat die Welt bisher bei Putin-Russland nicht gemacht. Zum Glück zeigen sich bis jetzt Europa und die USA weitgehend einig und haben weitreichende Sanktionen verhängt. Aber reichen die aus? Ein Fußball-Bild beschreibt die momentane Lage aus unserer Sicht. Der Torwart sieht den Stürmer auf sich zukommen und entscheidet sich richtigerweise von der Linie nach draußen zu eilen, um ein Tor zu verhindern. Was er auf gar keinen Fall machen darf, ist seine richtige Entscheidung zu konterkarieren, indem er stoppt und sich selbst aller Vorteile beraubt.

Wir dürfen nicht den Fehler machen, auf halben Weg stehen zu bleiben, weil wir als Europäer Angst haben. Der Rubel hat 40 Prozent seines Wertes gegenüber dem „Prä“ des Aggressionskriegs verloren. Es gibt faktisch keinen russischen Aktienmarkt mehr. Russische Staatsanleihen sind auf Ramschniveau. Die Inflation, die auch gerade die entscheidenden „B-Personen“ trifft, das heißt den russischen Staatsapparat, liegt bei mehr als 20 Prozent.

Deutschland als führender europäischer Staat hat über mehr als ein Jahrzehnt verteidigungspolitisch versagt. Deutschland darf in einem geeinigten Europa nicht nur die führende Wirtschaftsnation sein, sondern muss erkennen, dass das Land für Europa militärische Verantwortung übernehmen muss. Drei CDU/CSU Verteidigungsminister haben uns in diese Bredouille gebracht. Fairerweise muss man festhalten, dass die Etats und die angebliche Reform der Bundeswehr auch mit Unterstützung eines Finanzministers, der heute Bundeskanzler ist, und eines Außenministers, der heute Bundespräsident ist, von der SPD gemacht worden sind. Zusätzlich hat am Anfang dieses Jahrtausends eine SPD-Regierung das stattliche Unternehmen IVG privatisiert, die später im Rahmen der Saal Oppenheim-Insolvenz in Schwierigkeiten geriet. Die IVG war der Eigentümer, der norddeutschen Kavernen, in denen das Gas gelagert wird und war finanziell gezwungen, diese Kavernen an russische Unternehmen zu verkaufen. Es entsteht momentan der Eindruck, dass die wirkliche Richtlinienkompetenz beim grünen Wirtschafts- und Außenministerium ist.

Wir möchten noch einmal auf unser Bild mit dem Torwart zurückkommen. Wir diskutieren darüber, ob wir den Winkel für den Stürmer weiter verkürzen und ihn so am Torschuss hindern. Kann sich Europa – insbesondere Deutschland – leisten, auf russisches Öl und Gas zu verzichten? Wird dies Wladimir Putin kurzfristig beeindrucken? Es gibt zwei Zahlen, die wir explizit hervorheben möchten. Sage und schreibe 40 Prozent des Staatshaushaltes Russlands wurden durch Steuereinnahmen auf Gas- und Öl-Exporten im Jahr 2021 erzielt. Jeden Tag vereinnahmt Russland, faktisch Wladimir Putin, durch den Verkauf von Öl und Gas an die Europäer, an Deutschland, 500 Mio. Euro, die er benötigt, um sein Militär und seine Geheimdienste oder den Polizeiapparat zu bezahlen.

Kann es Deutschland sich leisten, auf die russischen Öl- und Gaslieferungen zu verzichten, um nachweislich Putin zu schwächen, zu destabilisieren, vielleicht sogar abzuschaffen? Dazu gibt es verschiedene Studien, die sagen, dass Europa einen schmerzhaften, aber machbaren Einschnitt erlebt, wenn das System Putin zerstört werden soll. Studien von verschiedenen europäischen Denkfabriken gehen davon aus, dass in Europa durch den direkten Verzicht auf russische fossile Energien ein Einkommensverlust von durchschnittlich einem Prozent zu erwarten sei. Die Wirtschaftsleistung Europas würde um zwei Prozent sinken. Es wird prognostiziert, dass Europa ohne russisches Gas den nächsten Winter überstehen wird. Zusätzlich sollten wir alle daran denken, dass wir heute einen Aggressor und einen Diktator in Europa zu bekämpfen haben und heute Maßnahmen ergreifen sollten.

Wir sind überzeugt, dass ein Importstopp von Energieträgern die beste Möglichkeit ist, Putins Angriffskrieg zu stoppen oder zu erschweren und der Russischen Föderation damit die finanzielle Basis zu entziehen. Die Welt steht im Frühjahr des Jahres 2022 und die Macht, die Wladimir Putin über Europa durch den Export von wichtigen Rohstoffen sodann hat, ist denkbar gering. Wir haben in den letzten Tagen gesehen, dass auch die Verwerfungen am Kapitalmarkt nur kurzfristig waren. Anleger und Investoren schätzen die Lage richtig ein und sind wieder auf einem soliden Fundament zurück. Jetzt muss nur noch der Torwart den Einschusswinkel entscheidend verkürzen und wir sollten Wladimir Putin tägliche 500 Mio. Euro entziehen. Denn wenn der Torwart rauskommt gibt es nur noch eine Regel: „Er muss ihn haben“!

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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt

vom 24. März 2022
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Ukraine-Krieg und Corona-Pandemie: Nachhaltige Aktieninvestments bewähren sich in Krisenzeiten

Das Investment vom 14. März 2022

Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine sind auf einmal Aktien von Öl- und Waffenproduzenten gefragt. Andres Enke von Geneon Vermögensmanagement rät trotzdem weiter zu nachhaltigen Investments und favorisiert dabei einen bestimmten Index, der sich auch schon in der Corona-Krise bewährt hat.

Quelle: DAS INVESTMENT, von Andreas Enke (Gastautor)

Die neue finanzpolitische Weltordnung

Vor einem Jahr schrieb die FAZ „Die Welt zerfällt in Blöcke. (…) Ein Stratege sieht die Herausbildung zweier Blöcke – und Europa zwischen den Fronten.“ Die beiden finanz-politischen Blöcke – so fasst es Autor Martin Hock zusammen – sind China mit dem Appendix Afrika und Amerika im Lead auch für Lateinamerika. Europa wird eher abgeschlagen in seiner Stellung reduziert. Interessant: Russland spielt keine Rolle mehr. Russland, das sich ja selber als direkter Nachfolger der früheren Weltmacht Sowjetunion versteht. Wenn die Thesen des FAZ-Artikels stimmen, dann stellt sich die Frage, was bezweckt der kriegerische Aggressor Wladimir Putin? Vom Ende gedacht: Putin hat ein Ziel. Was ist sein Ziel?

In dem Zusammenhang ist es auch wichtig, die Psychologie des einzelnen Menschen in Russland zu bedenken. Es ist sicherlich nicht vergleichbar, aber rational haben wir uns nicht vorstellen können, dass die Mehrheit der britischen Bürger einem Brexit zustimmen oder Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten wählen. Vielleicht ist es das Ziel irgendwann nicht am „Katzentisch“ Platz nehmen zu müssen, während die drei großen Wirtschaftsblöcke miteinander konferieren.

Was sehen wir durch Krieg für Auswirkungen auf die Kapitalmärkte, auf die Zinspolitik der EZB aber auch auf die der FED? Besonders wollen wir einen Fokus auf kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) richten.

Wir haben in den letzten Standpunkten immer mal wieder Stellung zur Zinspolitik der EZB und den zu recht gestiegenen Inflationsängsten bezogen. In Deutschland und in Italien ist es zu erwarten, dass die Energiepreise, da fast alles mit Gas betrieben wird, durch den Krieg in den Himmel steigen. Der Ausbau der „Freiheitsenergie“, damit meint Christian Lindner neuerdings Ökostrom, dauert und kostet viel Geld. Das wird die Inflation massiv weiter anheizen. Frankreich oder die Niederlande setzen auf Atomstrom. Öl kann anders bezogen werden – entweder aus den USA oder aus dem Nahen Osten. Mittlerweile ist das Barrel Öl der Referenzmarke Brent auf deutlich mehr als 100 Dollar angestiegen. Die Bundesregierung wird die Bürger mit höheren Unterstützungen an der Stange halten. Die EZB kann die Zinsen nicht erhöhen – etwas was wir seit Monaten geschrieben haben, weil sie politisch nicht kann. Der von Russland initiierte Krieg könnte das zarte Pflänzchen Konjunktur, das noch immer nach oder vielleicht sogar während der Corona-Krise viel Pflege, Dünger und Wasser braucht, sonst sehr schnell für lange Zeit verdorren. Es mag sein, dass die EZB und gewisse Voraussetzungen in diesem Jahr die Zinsen um 0,25 Prozent erhöhen wird. Das ist aber dann einfache Symbolpolitik und wirtschaftlich zu vernachlässigen.

Die FED hat mehrere Zinsschritte angekündigt, aber letzten Monat auch schon etwas relativiert. Auch hier ist es wahrscheinlich, dass es durch diesen Krieg zu einer kompletten Neubewertung kommen wird. Es bleibt abzuwarten, wann und wie es zu einer Kommunikation mit den Kapitalmärkten kommt.
Auf den ersten Blick gibt es bei den KMUs nur direkte Verlierer. Die sind schnell benannt. Es sind Unternehmen, die in russischer Abhängigkeit stehen. Bei den Mit-telstandsanleihen sind das offensichtlich Ekosem, Ekotechnika und der Fußballverein Schalke 04, weil dort bis gestern der Hauptsponsor Gazprom geheißen hat. Der Kurs der Anleihen von Ekosem hat sich seit Beginn der massiven Kriegsrhetorik von Putin in den letzten Tagen mehr als halbiert. Die Anleger haben kein Vertrauen. Schalke 04 hat in seinen beiden Anleihen heute ein deutliches Plus verzeichnen können, weil der Verein durch seine klare Distanzierung zu Gazprom Investor Relations betrieben hat. Es bleibt aber abzuwarten, ob dies nicht ein Strohfeuer ist, denn irgendwoher muss der hochverschuldete Verein schließlich das Geld für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs generieren. Zuschauereinnahmen sind es momentan nicht. Ekotechnika hat Ende Januar noch sehr gute Geschäftszahlen für 2021 verkündet, was zu einem hohen Kursplus führte. In den letzten Tagen ist der Aktienkurs auf unter den Ausgabepreis abgestürzt.

Das ist das am Kapitalmarkt Offensichtliche. Was aber ist mit dem Mittelständler und dementsprechend seiner Kapitalmarktpositionierung, der zum Beispiel im Textilbereich in der Ukraine produziert? Oder Unternehmen, die Waren nach Russland geliefert haben und durch die Aussetzung von SWIFT nicht mehr bezahlt werden können? Dies ist alles noch nicht an den Kapitalmärkten angekommen. Momentan wird erst einmal über die Politik und die großen Unternehmen gesprochen. Wir sind uns sicher, die Auswirkungen auf die kapitalmarktorientierten Unternehmen werden auch vorhanden sein. Hier gilt es, aktiv auf die Investoren zuzugehen und offen zu kommunizieren.

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Börsen Aktuell vom 2. März 2022
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„Uninvestierbarkeit“ trifft auf „Kriegs-FOMO“

Der letzten Donnerstag gestartete Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine gilt als „Zeitenwende“ und hat auch für die Märkte sowie das Finanzsystem tiefgreifende Auswirkungen: Erweiterte Finanzsanktionen, teilweiser Ausschluss aus dem globalen Zahlungssystem, massenhafte Aussetzungen von Börsennotierungen, Rückzug westlicher Firmen vom russischen Markt und vieles mehr. Große Indexanbieter und KVGs planen das bisherige Schwellenland aus ihren Produkten auszulisten, weil es nun als „uninvestierbar“ gilt.
Der DAX rutschte zunächst schnell unter die Marke von 14.000 Punkte und fiel trotz zwischenzeitlicher Erholung gestern auf den Stand von vor zwei Jahren zurück.

Doch Krieg kann auch ein Konjunkturmotor sein: Nach der Regierungsankündigung vom Sonntag, die Bundeswehr kurzfristig mit 100 Mrd. Euro Sondervermögen auszustatten, haben sich die Kurse der börsennotierten deutschen Rüstungskonzerne Rheinmetall und Hensoldt im Vergleich zum Jahresstart verdoppelt. Noch heftiger stiegen solche Titel am Montagmorgen, als die ersten Handelsplätze eröffneten und manche Anleger diese Chancen um keinen Preis verpassen wollten. Diese „Fear of missing out“ im Zusammenhang mit einem Krieg in Europa ist erschreckend. „Kriegs-FOMO“ hat schon jetzt einen Platz auf unserer Kandidatenliste für das Börsen-Unwort 2022.
Positive Effekte verzeichnete auch das Geschäftsfeld der erneuerbaren Energien, denn die bestehende Abhängigkeit von Gas- und Ölimporten aus Russland ist in der Gesellschaft plötzlich bewusst geworden.

Seit fast einer Woche ist also ein Krieg in Europa das allesbeherrschende Thema. Es ist nicht das einzige für die Finanzmärkte, aber dessen Entwicklungen und Auswirkungen sind vielleicht am wenigsten absehbar.

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Newsletter vom 02. März 2022

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

Märkte funktionieren als Seismograph

Die Aktivitäten unter der Erdkruste werden von Geologen laufend beobachtet. Bereits kleinste Erschütterungen lassen die Nadeln der empfindlichen Geräte ausschlagen und können mögliche Katastrophen ankündigen. Ähnlich sensibel reagieren die Märkte auf die geo-strategischen Spannungen an der Ostgrenze der Ukraine. Dabei werden die militärischen und diplomatischen Aktivitäten genauestens beobachtet und lassen sich in den Chartlinien nachvollziehen. Am Freitagnachmittag verabschiedete sich der offizielle DAX mit 15.425 Punkten ins Wochenende und verpasste damit die fallenden Kurse an den 6 Stunden später laufenden US-Märkten. Entsprechend eröffnete der deutsche Markt am Montag mit einer ordentlichen Notierungslücke und fiel im Tagesverlauf weiter bis auf 14.844 Punkte, wie zuletzt an einzelnen Tagen im Oktober und Mai 2021. Doch dann drehte der Index wieder ins Plus und setzte die Erholung am Dienstag fort. Aktuell ist das Kursniveau unverändert zum Stand von vor einer Woche. War was? Ja, die Dynamik ist hoch und nahezu unberechenbar. Interessant für Tarder, doch mittelfristig nur Bestätigung der mehr als 10-monatigen Seitwärtsbewegung -aber mit mehr Rückschlags- als Ausbruchspotenzial! Zwei andere Krisenindikatoren zum Vergleich, die natürlich auch der Inflation geschuldet sind: Gold legt seit Jahresbeginn zu, notiert aber noch klar unter dem Hoch von Mitte 2020. Ein Barrel Öl hingegen kostet so viel wie zuletzt 2014. Auch beim Seismographen gibt es Fehlausschläge. Dafür könnte man in der aktuellen Situation dankbar sein.

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Newsletter vom 16. Februar 2022

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow