Kapitalmärkte kommen mit Krisen gut zurecht

Dr. Martin Moryson

Für die Aktienmärkte hätte die erste Jahreshälfte deutlich schlechter verlaufen können. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran sowie die darauffolgende Sperrung der Straße von Hormus schickten die globalen Aktienmärkte zunächst auf Talfahrt. Tatsächlich kam es jedoch anders. Die Aktienmärkte beendeten das erste Halbjahr mit bemerkenswerten Kursgewinnen. So stieg der S&P 500 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um zehn Prozent, der europäische Euro Stoxx 50 um mehr als elf Prozent und Aktien der Schwellenländer legten sogar um rund 24 Prozent zu.

Die starke Entwicklung der Aktienmärkte wäre kaum möglich gewesen, wenn die Weltwirtschaft empfindlich auf die geopolitischen Spannungen reagiert hätte. Stattdessen erwies sie sich erneut als bemerkenswert widerstandsfähig. Dazu tragen die Freigabe strategischer Ölreserven in den OECD-Ländern ebenso bei wie geringere chinesische Importe oder die Umleitung von Erdölströmen, wo immer dies möglich ist. Der eigentliche Grund für die starke Entwicklung der Aktienmärkte liegt jedoch woanders, nämlich bei den Unternehmensgewinnen. Diese haben sich zuletzt in einer Größenordnung entwickelt, die sonst nur in Erholungsphasen nach schweren Krisen erreicht wird. In diesem Jahr dürften die Unternehmensgewinne je Aktie nach Analystenschätzungen um rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen. Das ist mehr als beeindruckend. Die Gewinne sind damit stärker gestiegen als die Aktienkurse. Rein rechnerisch sind die Bewertungen vieler Aktien daher sogar gesunken. Ein Beispiel dafür sind Halbleiterunternehmen. Für diese erwarten wir in diesem Jahr eine Verdopplung der Gewinne. Die Aktienkurse sind bislang allerdings „nur“ um rund 50 Prozent gestiegen.

Was bedeutet das für Anleger? Zunächst einmal sollten die gesunkenen Bewertungen differenziert betrachtet werden. Gerade im Halbleiterbereich sind die Gewinne zuletzt so stark gestiegen, dass dies in Zukunft kaum weitergehen kann. Schließlich sind die Gewinne des einen die Kosten des anderen. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Empfehlung für den Halbleitersektor von „übergewichten” auf „neutral” reduziert. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich diese Aktien künftig nicht weiter positiv entwickeln können. Ob sie sich allerdings weiterhin deutlich besser als der Gesamtmarkt schlagen werden, erscheint zunehmend fraglich. Gerade in einem Umfeld hoher Erwartungen spricht vieles für ein ausgewogenes Portfolio statt einer Konzentration auf wenige Titel oder Sektoren. 

Newsletter vom 15. Juli 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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Wenn der Kopf unter Spannung steht

Christoph Geyer

Die Welt steht in Flammen und an der Börse interessiert es niemanden. Diese Aussage ist sicher etwas provokativ, trifft aber immer wieder einmal zu. Wir haben bereits in der Chart-Show #15 vom 9.3.2022 diese Thematik aufgegriffen und gezeigt, dass die meisten örtlich begrenzten Kriege kaum längerfristige Auswirkungen auf die Leitbörsen der Welt gehabt haben. Im Gegenteil: Nicht selten konnten die wichtigen Börsen sogar zulegen. Betrachtet man die beiden Weltkriege und den Verlauf des S&P500, kann man ebenso feststellen, dass von Kriegsausbruch bis Ende des Kriegs ebenfalls eine positive Performance erzielt wurde, auch wenn zwischenzeitlich natürlich Verluste zu beklagen waren.

Warum ist es so wichtig, diese vergangenen Ereignisse zu beurteilen? Zuletzt sind der DAX und die übrigen Weltbörsen gehörig unter Druck geraten. Begründet wurden diese Kursturbulenzen u.a. mit den Krisen im Nahen Osten und der Ukraine. Diese Spannungen würden nun verstärkt in die Köpfe der Börsianer kommen.

Wie wir alle wissen, halten diese Konflikte aber bereits länger an und wurden an den Börsen, wenn überhaupt, bisher nur am Rande diskutiert. Worüber aber nur wenig gesprochen wurde war eine nicht zu unterschätzende Begründung, warum diese Turbulenzen in Japan begonnen haben. Hinter vorgehaltener Hand war zu hören, dass die Gefahr droht, dass Carry Trades (in Yen aufgenommene Kredite wegen niedriger Zinsen) aufgelöst werden könnten. Wenn es so kommen würde, wären die Folgen sicher verheerend.

Zur technischen Wahrheit gehört aber auch, dass der Nikkei zwar einen exorbitanten Einbruch erlebt, dieser aber zunächst nahezu exakt im Bereich einer Unterstützung gehalten hat und zur Korrekturbewegung ansetzte. In diesem Zuge wurde die Hälfte des zuvor generierten Einbruchs wieder aufgeholt. Dieses Verhalten ist aus Sicht der Technischen Analyse klassisch und zeigt wieder einmal, dass auch in Krisenzeiten dieser Ansatz, trotz anderslautender Aussagen, durchaus zu beachten ist.
Hoffen wir, dass die Krisen bald ein Ende finden, auch wenn diese an der Börse offenbar nur kurzfristigen Einfluss haben.

Newsletter vom 14. August 2024

Christoph Geyer – stellv. Regionalmanager
VTAD Frankfurt

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Nikkei 225 Crash bis zur Unterstützungszone, Quelle: ProRealTime.com

Schwankungen aushalten

Selbst bei Aktien von grundsoliden Unternehmen muss man immer wieder Rückschläge aushalten, um von der langfristig positiven Entwicklung zu profitieren. Deshalb gilt auch in diesen Tagen: Qualitätsaktien kaufen und liegen lassen ist im Grunde sehr einfach, aber nicht immer ganz leicht – gerade in der heutigen Zeit fällt es manch einem ganz besonders schwer …“

In Zeiten von Krieg, Rohstoffknappheit, hoher Inflation und geradezu explodierenden Energiepreisen, fällt es vielen Börsianern sehr schwer, zumindest an der Börse einen klaren Kopf zu behalten. Im März vor zwei Jahren – inmitten der Coronavirus-Panik – war dies für viele Börsianer mindestens genauso schwer. Deshalb werde ich auch in schwierigsten Börsenzeiten nie müde, Sie immer mit meinem Credo
aufzumuntern: „Die Welt wird nicht untergehen!“

Als im Frühling 2020 der Dow Jones von 29.000 auf 19.000 Punkte in die Tiefe rauschte, rutschte auch vielen gewieften Börsenprofis das Herz in die Hose. Mit schlotternden Knien hieß es auch damals: „Dieses Mal ist wirklich alles ganz anders.“ Eines war dann tatsächlich anders: das Tempo der Erholung. Eine so beeindruckende Aufholjagd hat nämlich noch keiner erlebt, in nicht einmal zwei Monaten waren wieder 10.000 Punkte wettgemacht. Mehr noch, anschließend ging es weiter zu neuen Höchstständen bei fast 37.000, um jetzt in der aktuellen Krise doch wieder auf rund 30.000 Punkte zurückzufallen.

Drei Schritte vor, zwei Schritte zurück. Es geht hin und her, rauf und runter – aber unter dem Strich wackelt sich die Börse nach oben. Die Kunst des erfolgreichen Anlegers ist es, diese großen und kleinen Schwankungen (wodurch auch immer verursacht) nicht etwa auszunutzen, sondern auszuhalten! Wichtig: Bei Aktien von langfristig wachsenden Unternehmen ist es nicht so sehr entscheidend, wann man kauft, sondern was man kauft! Denn mit einem vernünftig gestreuten Depot an Qualitätsaktien und einer großen Portion Disziplin und vor allem Durchhaltevermögen kommt man durch alle Krisen. Und besonders mutige Anleger stocken sogar jetzt ihre Wachstumswerte auf, genauer gesagt, kaufen neue Papiere dazu. Denn sie wissen: Auf dem langfristigen Weg nach oben sind Schwankungen völlig normal.

Newsletter vom 19. Oktober 2022

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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