Banken spüren Lehman-Syndrom

Wer meinte, nach der Rettung von Silicon Valley Bank, First Republic und Credit Suisse würde nun Ruhe einkehren, sieht sich leider getäuscht. Die Märkte sind hypernervös, trauen niemandem und reagieren auf jede Kleinigkeit. Eine Art Trauma der Bankenkrise von vor 15 Jahren, man könnte es auch als „Lehman-Syndrom“ bezeichnen. Das ist leider nicht zum Schmunzeln, denn der Bankensektor ist systemrelevant, zählt zu den wichtigsten Säulen der Weltwirtschaft und jede kleine Flamme hat das Potenzial für einen Flächenbrand. Längst ist das anfänglich „lokale“ Problem aus Kalifornien in Europa angekommen und hat mit der bereits zuvor kränkelnden Credit Suisse ein weiteres Opfer gefunden. Die staatlich verordnete Zwangsübernahme durch die UBS letzte Woche beruhigte die Gemüter nur für kurze Zeit und warf gleich neue Fragen und Befürchtungen für Europa auf.
Als letzte Instanz helfen dann nur noch Staat und Notenbank. In Einzelfällen ist das sicher eine Lösung, beim Flächenbrand nicht mehr. Der über ETFs zuletzt rege gehandelte STOXX Europe 600 Banks verlor in den letzten drei Wochen rund 17 Prozent, die in den rund 40 Titeln enthaltene Aktie der Deutschen Bank zeitweise sogar 25 Prozent.
Wenn selbst der Bundeskanzler sich veranlasst sieht, Beruhigungspillen für den Bankensektor und einzelne Großbanken zu verteilen, dann weiß man, was zurzeit hinter den Kulissen läuft.

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Newsletter vom 29. März 2023

Martin Braun, Börse Hannover

Zittern vor Lehman-Moment in China

Wir hatten es letzte Woche schon angesprochen: Das Unterschreiten des 50-Tage-Durchschnitts beim DAX bietet Rückschlagspotenzial bis zur 15.000er-Marke. Was am Hexensabbat-Freitag mit fallenden Kursen und Handelsschluss bei 15.490 Punkten begann, setzte sich am Montag mit einem großen „Gap“ fort und ließ den nun 40 Werte starken Leitindex bis auf 15.019 Punkte einbrechen. Als Begründung wurden Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des mit 260 Mrd. Euro hochverschuldeten Immobilienentwickler Evergrande aufgeführt. Der chinesische Großkonzern soll Probleme haben, seine Verbindlichkeiten zu bedienen. Marktteilnehmer befürchten einen Domino-Effekt wie bei der Pleite der US-amerikanischen Bank Lehman Brothers im September 2008, als Höhepunkt der Subprime-Hypothekenkrise.

Die Kursrückschläge am Montag kamen für viele erfolgsverwöhnte Anleger plötzlich und lösten eine Verkaufswelle aus. Aber ähnlich wie schon Mitte Juli, erholten sich die Märkte überraschend schnell vom „Dip“. Das Schreckgespenst Evergrande hat inzwischen angekündigt, eine fällige Kuponzahlung zu leisten. Doch mit der unschönen Erinnerung an die letzte Finanzkrise dürfte die Nervosität zurück sein und mit Blick auf ein drohendes Ende der Geldschwemme aus den Notenbanken auch bleiben.

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Newsletter vom 22. September 2021

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow