Keine Entwarnung – Unsicherheiten bleiben

Das Jahr hätte so schön werden können: Aktien auf neue Höchststände, Corona in die Mottenkiste und alle sind glücklich! Leider kam es anders, ab Mitte Februar war die Welt eine andere. Mit dem Einmarsch in die Ukraine brachen die Kurse erst einmal ein, allerdings wesentlich moderater, als von vielen Marktteilnehmern bei derartigen Ereignissen befürchtet. Anfang März markierten die führenden westlichen Aktienindizes vorläufige Tiefpunkte und versuchen sich seitdem in einer holprigen Aufwärtsbewegung. Der schwarze Schwan scheint erst einmal vorbeigeflogen zu sein, von Entwarnung kann aber keine Rede sein. Es ist eher erstaunlich, wie der Aktienmarkt das drohende Ungemach zurzeit noch ausblendet. Fast täglich neue Hiobsbotschaften in Form von explodierenden Energie- und Erzeugerpreisen, unterbrochenen Lieferketten, Versorgungsunsicherheiten und weiter steigenden Preisen auf breiter Front. Politik und Wirtschaft fangen an zu begreifen, dass der Industriestandort Deutschland und damit unser Wohlstand immer mehr in Gefahr geraten. Last, not least wurde jetzt auch durch die FED die längst überfällige Zinswende eingeleitet, aufgrund der Krise jedoch zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Märkte haben darauf reagiert, gestern rentierten die 10-jährigen US-Treasuries bei 2,38 Prozent und die 10-jährigen Bundesanleihen bei 0,52 Prozent. Das hatten wir zuletzt im Mai 2019 bzw. im Oktober 2018. Steigende Zinsen belasten jetzt zusätzlich viele krisengeschüttelte Unternehmen, defizitäre öffentliche Haushalte und viele Häuslebauer. Und steigende Zinsen sind bekanntlich auch Gift für die Aktienmärkte. Ein Unglück kommt selten allein, aber trotz alledem, Kopf hoch, wir wachsen bekanntlich an unseren Herausforderungen!

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Newsletter vom 23. März 2022

Martin Braun, Börse Hannover

US-Indizies erreichen neue Rekordhöhen

Gute Stimmung ist ansteckend: Am Dienstag markierten die vier wichtigsten Aktienindizes der USA einmütig neue Höchststände und zeigten auf Sicht von 52 Wochen, welche Dynamik diese Anlageklasse bieten kann:
Dow Jones: 36.089 (+31%)
S&P 500: 3.663 (+37%)
Nasdaq 100: 15.988 (+42%)
Russel 2000: 2.365 (+51%)

Das scheint mit etwas Verzögerung auch auf den DAX abzufärben, der sich heute nach Kräften bemüht, sein Rekordhoch von August zu übertreffen und am Vormittag nur knapp unter 16.000 Punkten notiert und damit auf Jahressicht rund 32% zugelegt hat. Das Plus beim EuroStoxx 50 beträgt 42 Prozent und der europäische Leitindex produziert seit Montag neue Höchststände – heute erstmal über 4.300 Punkte.

Als ein Treiber der Märkte gilt weiterhin TINA – There Is No Alternative! Eine wachsende Geldmenge treibt die Kurse. Hinzu kommen gigantische Aktienrückkauf-Programme. Jedoch könnte die ultra lockere Zinspolitik der internationalen Notenbanken trotz anziehender Inflation vor einer Wende stehen, wenn die US-Notenbank heute das sogenannte Tapering beschließt und ihre monatlichen Wertpapierkäufe langsam zurück fährt. Doch weil es sich hier um keine Überraschung handelt, wäre diese Erwartung bereits in den aktuellen Kursen eingepreist.

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Newsletter vom 3. November 2021

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

Aufbruchstimmung? Alles schaut auf die Ampel …

… und die Motoren heulen motiviert auf. Neben den von Spritpreisen aktuell besonders geplagten Verbrennern stehen auch an der heimischen PV-Anlage geladene Elektroautos und vielleicht sogar ein paar Brennstoffzellenfahrzeuge mit grünem Wasserstoff an der Haltelinie. Das Bild steht für die politische Stimmung nach der Bundestagswahl und den Auftakt der Koalitionsverhandlungen für eine rot-grün-gelbe Bundesregierung.

Das Sondierungspapier wurde in Wirtschafts- und Investorenkreisen durchaus wohlwollend zur Kenntnis genommen, auch wenn Finanzierungsfragen unbeantwortet blieben. Stillstand und Reformstau sollen der Vergangenheit angehören; von Zukunftsgestaltung und einer neuen Epoche ist die Rede. Dass der Umbau ohne Steuererhöhungen funktionieren soll, gilt als Hinweis auf private Investitionsanreize. Beim festgefrorenen Sparerfreibetrag soll es Anpassungen geben und der Einstieg in eine Kapitaldeckung der gesetzlichen Rente dürfte als ebenso revolutionär wie notwendig gelten.

Der mediale Optimismus ist angesichts realer Probleme der Rohstoffpreise und Lieferketten derzeit aber nicht an den Märkten ablesbar. Und natürlich gilt der Spruch „Politische Börsen haben kurze Beine“ weiter. Doch Impulse und Rahmenbedingungen für die Wirtschaft kann eine Regierung durchaus setzen. Bis Weihnachten will man über die Ziellinie fahren. Wir sind gespannt auf die Bescherung!

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Newsletter vom 20. Oktober 2021

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow