Zwischen KI-Euphorie, Zinssorgen und Iran-Konflikt – Märkte angespannt
Iran-Krieg reloaded – so muss man die aktuelle Lage am Persischen Golf auf den Punkt bringen. Die USA greifen erneut Ziele im Iran an, dieser schlägt zurück und beide blockieren angeblich die Straße von Hormus. 20 Prozent Wegezoll stellt sich der US-Präsident vor, für eine sichere Durchfahrt und die Beseitigung eines Problems, das er selbst verursacht hat.
Die Ölpreise reagierten prompt, Brent-Öl stieg seit Freitag von 75 auf aktuell rund 86 Dollar, ein Plus von fast 15 Prozent. Damit schwinden einmal mehr die Hoffnungen auf sinkende Zinsen, denn steigende Energiepreise heizen nun mal die Inflation an und dämpfen das Wirtschaftswachstum. Die internationalen Aktienmärkte zeigen sich seit Montag uneinheitlich bis schwächer und sehr volatil. Der DAX hat nach dem Allzeithoch vom 6. Juli die Marke von 25.000 bereits wieder unterschritten. Während KI-nahe Unternehmen und Halbleiterwerte weiter im Fokus der Anleger stehen, werden die Magnificent Seven zunehmend zum Performance-Problem am US-Markt.
Waren sie bisher die entscheidenden Treiber es US-Aktienmarktes, so lässt ihre bisherige Kursentwicklung in 2026 eher zu wünschen übrig. Der Bloomberg Magnificent 7 Price Return Index, zu dem unter anderem Nvidia, Alphabet und Amazon Amazon gehören, legte bis Donnerstag (9.7.) lediglich um 1,8 Prozent zu, der Philadelphia Stock Exchange Semiconductor Index gewann seit Jahresanfang dagegen 83 Prozent. Insgesamt entwickelten sich die Magnificent Seven schlechter als 300 Unternehmen im S&P 500, repräsentieren jedoch ein Drittel der Marktkapitalisierung des Index. Ein Mega-IPO am US-Markt legte am Freitag der südkoreanische Chip-Spezialist SK Hynix hin, allerdings über die Platzierung amerikanischer Hinterlegungsscheine, den sogenannten ADRs. Mit einem Volumen von mehr als 26 Mrd. US-Dollar eine weitere Emission, die Kapital am Markt bindet. Nach Kursen von 175 Dollar pro ADR am Freitag, einer Korrektur von 15 Prozent am Montag, gelang gestern ein Sprung von 27 Prozent auf 194 Dollar. Das nennt man echte Volatilität, die mit einer marktgerechten Bewertung nur wenig zu tun hat.
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 15. Juli 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Der Untergang des Imperiums

An den Kapitalmärkten könnten wir gerade Zeuge des Anfangs vom Ende der Supermacht USA werden. Das Imperium demontiert sich selbst, ironischerweise mit einem Präsidenten, der genau das Gegenteil behauptet. Bislang war der US-Dollar die unbestrittene Weltreservewährung, galten US-Staatsanleihen als „sichere Häfen“ und Aktienanleger bevorzugten die Weltleitbörsen in New York. Das muss nicht so bleiben.
Der seit vielen Jahren anhaltende Zustrom ausländischen Geldes an den US-Kapitalmarkt erreichte im vierten Quartal vergangenen Jahres seinen Höhepunkt – und mit ihm die US-Aktienindizes. Die an der New York Stock Exchange und an der Nasdaq zusammen gehandelten Aktien von 5.455 Unternehmen hatten im November einen rechnerischen Gesamtwert von 62 Billionen US-Dollar! Zum gleichen Zeitpunkt wurden die knapp 4.000 japanischen Aktiengesellschaften mit 6,4 Billionen Dollar bewertet und die knapp 500 deutschen börsennotierten Unternehmen mit gerade mal 2 Billionen Dollar. Unter Führung der „Magnificent Seven“ stieg der Anteil von US-Konzernen in den globalen Aktienindizes auf Rekordwerte von über 70 Prozent! Japan kommt auf eine Gewichtung von nur 5 bis 6 Prozent. Diese Fokussierung sieht wie eine Bestätigung des amerikanischen Exzeptionalismus aus, der nationalistischen Ideologie, die davon ausgeht, dass die USA eine Sonderstellung gegenüber allen anderen Nationen einnehmen – auch die Weltsicht des jetzigen US-Präsidenten. Aber dieses Wunschdenken kollidiert zunehmend mit der Realität. Spätestens mit dem sogenannten „Tag der Befreiung“ Anfang April, der Erklärung des Handelskrieges der USA gegen den Rest der Welt, musste es an den Börsen zu einem Stimmungsumschwung kommen. Dass US-Aktien, US-Staatsanleihen und der US-Dollar gleichzeitig deutlich nachgaben, zeigt den Vertrauensverlust in die USA. Das simple, aber sehr erfolgreiche Rezept der vergangenen 15 Jahre, einfach möglichst viel Geld in US-Aktien zu investieren, erwies sich im laufenden Jahr als Fehler. Und die „Wette auf die USA“ bleibt riskant. Eine neuerliche Eskalation der Handelskonflikte ist durchaus möglich, wie auch eine selbstverschuldete Rezession in den USA. Die Zweifel an der Bonität der USA und dem US-Dollar als Reservewährung werden zunehmen. Die gute Nachricht: Richtige Risikostreuung funktioniert. Mit europäischen Aktien und Gold-Investments konnte man im laufenden Jahr gute Gewinne machen.

Newsletter vom 30. April 2025
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
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Die Schwäche der Glorreichen

Bis Mitte Dezember vergangenen Jahres war es richtig, auf die „magnificent seven“ zu setzen, die Aktien der großen US-Tech-Konzerne Alphabet, Apple, Amazon, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla. Doch seitdem fiel der Index der „glorreichen Sieben“ um rund 10 Prozent. Das allein wäre vielleicht noch nicht bemerkenswert. Hält man sich aber vor Augen, dass im gleichen Zeitraum Euro-STOXX-50 und DAX rund 10 Prozent steigen konnten, verdient dies Aufmerksamkeit.
Als das chinesische Unternehmen DeepSeek seine KI vorstellte, büßte das zuvor wertvollste Unternehmen der Welt, Nvidia, auf einen Schlag 600 Milliarden Dollar an Wert ein. Ein Verlust, der sich auf Millionen von Aktienanlegern weltweit verteilte, denn es gibt kaum Depots, die nicht direkt oder indirekt über ETFs und Aktienfonds in Nvidia investiert sind. Schon kleine Kratzer im Lack gefeierter Geschäftsmodelle führen zu einer Neubewertung, die Hunderte von Milliarden Dollar tiefer liegen kann. Dabei sollte klar sein: Die DeepSeek-Nachrichten bedeuten nicht, dass der Boom um die Künstliche Intelligenz geringer eingeschätzt werden sollte, ganz im Gegenteil: Wenn KI weniger Ressourcen benötigt als bisher gedacht, wird ihr Einsatz noch schneller und weitreichender erfolgen.
Prognosen über den Bedeutungszuwachs einer neuen Technologie sind oft eher zu konservativ. Die Fehler machen Anleger immer erst, wenn sie glauben, die aktuell führenden Konzerne seien „mit Sicherheit“ auch in fünf oder zehn Jahren noch die größten Gewinner der Entwicklung. 1970 glaubte man, Polaroid stehe als Gewinner fest, wenn immer mehr fotografiert werden würde, und Burroughs werde ein Sieger zunehmenden Computereinsatzes sein; 1989, dass Sony als Weltmarktführer bei Unterhaltungselektronik erfolgreiche Jahrzehnte bevorstünden, 1999, dass Nokia und Ericsson im Mobilfunk Gewinnmaschinen der kommenden Jahre sein müssten und Cisco Systems einer der wertvollsten Konzerne der Welt bleiben würde, weil das Internet weiter an Bedeutung gewinnen würde.
Immer, wenn man sich sicher war, unter den teuersten Konzernen den Hauptprofiteur einer Technologie ausgemacht zu haben, war es besser, dessen Aktien zu verkaufen, statt sie zu kaufen. Warum? Weil zu diesem Zeitpunkt die Überzeugung der meisten Marktteilnehmer in Form einer hohen Bewertungsprämie im Aktienkurs enthalten war. Und wenn das bestmögliche Szenario bereits im Aktienkurs eingepreist ist, ist eine Enttäuschung nur eine Frage der Zeit. Die Zeit sollte aber stets Verbündeter einer Strategie sein, nicht ihr Feind.

Newsletter vom 26. Februar 2025
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
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Bankenbeben reloaded
Es ist nicht einmal ein Jahr her, als Schieflagen von US-Regionalbanken wie Silicon Valley Bank oder Signature Bank die Märkte schockierten. Hinzu kam die Zwangsübernahme der Credit Suisse durch die UBS im März 2023. Das seinerzeit durch stark gestiegene Zinsen bzw. Mittelabflüsse ausgelöste „Bankenbeben“ macht dieser Tage wieder die Runde – dieses Mal allerdings maßgeblich verursacht durch eine neue Immobilienkrise. In Europa lecken sich nach der Pleite der Signa-Gruppe diverse Banken die Wunden und zusätzlich taumelt hüben wie drüben der Gewerbeimmobilienmarkt. Steigende Zinsen und der Trend zur Arbeit im Home-Office machen insbesondere Büroflächen zunehmend unattraktiv.
Dramatische Wertverluste zwischen 50 und 60 Prozent in New York, Los Angeles und San Francisco binnen Jahresfrist sprechen für sich. Experten zufolge werden bis 2025 rund 560 Mrd. USD an Krediten auf US-Büroimmobilen fällig, bis Ende 2028 sollen es 2,8 Bio. USD sein. Neben den US-Regionalbanken sind natürlich auch wieder deutsche Institute engagiert, allen voran die Deutsche Bank mit „bescheidenen“ 17 Mrd. EUR, die Aareal Bank kommt auf 8,6 Mrd.
Als Folge geraten nicht nur die Aktien der betroffenen Banken unter Druck, sondern auch ihre Anleihen und die mit Immobilien besicherten Pfandbriefe. Während sich die Aktie der Deutsche Bank noch vergleichsweise stabil zeigt, haben die Aktien der ebenfalls engagierten Deutsche Pfandbriefbank innerhalb weniger Wochen fast 25 Prozent verloren und deren Nachranganleihen notieren mit einer „bananenrepublikgleichen Rendite“ von rund 34 Prozent per annum. Ein Ende dieser Immobilienkrise ist laut Verband der Pfandbriefbanken (VDP) nicht in Sicht und damit auch nicht das Ausmaß möglicher Kreditausfälle, weil diese erfahrungsgemäß immer zeitverzögert zum Preisverfall der finanzierten Immobilien eintreten. Der Bankensektor dürfte damit für den Rest des Jahres im Fokus bleiben.
Die Aktienmärkte zeigten sich am Fastnachtdienstag deutlich schwächer, nachdem die US-Verbraucherpreise im Januar mit 3,1 Prozent höher ausfielen als die erwarteten 2,9 Prozent. Damit schwindet die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen.


Newsletter vom 14. Februar 2024
Martin Braun, Börse Hannover

Anleger positionieren sich in ereignisreicher Börsenwoche
Während der DAX mit der 17.000er Marke kämpft, haben die großen US-Aktienindizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq in diesen Tagen neue Allzeithochs markiert. Zumindest in den USA scheint die Euphorie vor dem Hintergrund wichtiger Zahlen und Entscheidungen groß zu sein. Wir sind mitten in der Berichtssaison und allein in dieser Woche präsentieren von den „Glorreichen Sieben“ des US-Marktes die Tech-Riesen Microsoft und Alphabet (gestern) sowie Apple, Meta und Amazon (morgen) ihre Quartalszahlen und Ausblicke. NVIDIA und Tesla folgen erst im Februar bzw. im April. Die Marktkapitalisierung der „Magnificent Seven“ beträgt zurzeit mehr als 12,5 Billionen USD und sie haben eine Gewichtung von mehr als 28 % im S&P 500.
Ein weiteres wichtiges Event in dieser Woche ist am heutigen Mittwoch die erste Fed-Sitzung des Jahres. Nicht wenige Akteure erwarten danach wichtige Informationen zur erwarteten Zinswende. Wird bereits heute eine Entscheidung getroffen bzw. wann gibt Jerome Powell nun endlich den entscheidenden Hinweis auf eine bevorstehende Zinssenkung?
Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Marktteilnehmer sich förmlich nach positiven Meldungen sehnen bzw. so tun, als ob alles rosarot wäre! Tatsache ist jedoch, dass alle vermeintlich positiven Meldungen und Zahlen bereits in den aktuellen Kursen enthalten sind, die Luft nach oben wird damit sehr dünn. Zum Thema Geldpolitik hat übrigens der Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber neulich Resümee gezogen und kein gutes Haar an Fed und EZB gelassen.


Newsletter vom 31. Januar 2024
Martin Braun, Börse Hannover

Die Rückkehr der glorreichen Sieben
Das Aktienjahr 2023 könnte die Überschrift „Die Rückkehr der glorreichen Sieben“ tragen. Denn in diesem Jahr waren es zunächst wieder die als „Magnificent Seven“ bekannten sieben US-amerikanischen Tech-Giganten Apple, Microsoft, Alphabet (Google), Amazon, Meta (Facebook), Nvidia und Tesla, die für den Anstieg großer Aktienindizes sorgten. Das war im Jahr 2021 ähnlich. Dazwischen lag allerdings das Börsenjahr 2022, in dem auch und gerade diese Aktien deutliche Kursverluste erlitten.
Die Kurserholung der „glorreichen Sieben“ in diesem Jahr stützte sich teilweise auf die 2021 günstiger gewordene Bewertung, die Begeisterung für das Thema „Künstliche Intelligenz“, als deren „Erstrundengewinner“ die Konzerne gelten, und auch die vermeintliche Sicherheit, die diese Aktien in unsicheren Zeiten bieten sollen. Mit den jüngsten Quartalszahlen zeigten sich aber Riße im Bild. Tesla beispielsweise verdiente 44 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Vorsprung und Alleinstellungsmerkmale des E-Autobauers schwinden. Alphabet, Meta und Apple enttäuschten mit ihrem Ausblick, was deren Aktienkurse belastet. Viele optimistische Erwartungen bezüglich des zukünftigen Wachstums sind eingepreist. Es wird zunehmend unwahrscheinlicher, den hohen Erwartungen Quartal für Quartal, Jahr für Jahr gerecht zu werden.
Eine Lehre aus der Börsengeschichte ist, dass die wertvollsten Konzerne der Welt alle paar Jahre wechseln. Noch Mitte der Nullerjahre war General Electric der wertvollste US-Konzern, gefolgt vom Ölkonzern Exxon. Auch die Großbank Citigroup und der Einzelhändler Walmart gehörten zu den Schwergewichten. Was sollte da schon schief gehen? Bekanntlich ging vieles schief. Dass es einem Konzern gelingt, sich über viele Jahre, gar Jahrzehnte an der Spitze zu halten, ist die seltene Ausnahme. Microsoft ist in diesem Sinne wohl die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die heutigen „glorreichen Sieben“ werden auch in den nächsten Quartalen Milliarden verdienen. Aber, wie die Helden im gleichnamigen Westernfilm von 1960, müssen sie kämpfen. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der eine oder andere nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen kann. Das heißt nicht, dass diese Unternehmen dem Untergang geweiht sind. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird in zehn Jahren die Mehrheit von ihnen nicht mehr zu den sieben wertvollsten Konzernen der Welt gehören. Den Western „Die Glorreichen Sieben“ überlebten auch nur drei der sieben Helden.

Newsletter vom 08. November 2023
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
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