Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nach dem Prinzip Hoffnung setzen die Märkte unverändert auf eine Lösung des Konflikts zwischen dem Iran und den USA, wobei Israel hierbei ein entscheidendes Wort mitzureden hat. Der US-Präsident zögert und hat angeblich einen bereits geplanten Angriff auf den Iran wieder abgesagt. Das sorgt zumindest kurzfristig für Entspannung an den Märkten, aber nicht für Euphorie. Die Hängepartie geht erst einmal weiter. Der Rohölpreis (Brent) gab bis Montagmittag etwas nach, liegt aktuell aber wieder bei 110 US-Dollar und damit nur noch wenige Dollar unter seinem Zwischenhoch von Anfang Mai.

Die Krise im Nahen Osten hinterlässt immer deutlichere Spuren in den Volkswirtschaften der Welt und vor allem im energieabhängigen Deutschland. Immer mehr Unternehmen machen sich Sorgen, wie es weitergehen soll. Laut ifo-Institut fürchtet bereits jeder fünfte Selbständige um seine Existenz.

Kein Wunder also, dass es auch am Arbeitsmarkt immer mehr Bremsspuren gibt. Die Zahl der Erwerbstätigen sank im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal um 486.000 Personen oder 1,1 Prozent auf 45,6 Millionen Menschen; die Zahl der sozialversicherungspflichtig versicherten Arbeitnehmer nahm um 120.000 oder 0,3 Prozent auf 42 Millionen ab.

Allein der maßgeblich aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen finanzierte öffentliche Sektor wuchs deutlich um 181.000 Stellen (+1,5 Prozent). Eine bedenkliche Entwicklung bei zunehmend leeren Kassen. Bei sinkenden Steuereinnahmen werden sich auch die Zinszahlungen von Bund, Ländern und Kommunen in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Grund ist nicht nur die steigende Verschuldung, sondern ein Anziehen der Renditen am Kapitalmarkt. Die Inflation treibt die Renditen am Rentenmarkt auf neue Höchststände. Die zehnjährige Bundesanleihe erreichte am Montag eine Rendite von 3,17 Prozent, der höchste Stand seit 15 Jahren. Vergleichbare US-Treasuries rentieren aktuell sogar bei 4,65 Prozent. Das hat auch die Wallstreet am Dienstag etwas verschnupft. „Sell in may and go away“ oder besser an Bord bleiben? Der Mai hat noch sieben Börsenhandelstage, an denen man sich entscheiden kann! Übrigens, Pfingstmontag sind die Börsen geöffnet und an unseren sechs Handelsplätzen können Sie rund um die Uhr zur Tat schreiten. Ein sonniges und erholsames Pfingstwochenende wünscht Ihnen

Ihr Martin Braun, Börse Hannover

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Newsletter vom 20. Mai 2026

Martin Braun, Börse Hannover

Tanz in den Mai

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Ende April ist die kalte Jahreszeit vorbei. Das Frieren und Bibbern hat ein Ende. Hoffnungsfroh tanzen alle in den Mai. Die Tage werden länger und automatisch sind wir an sonnigen Tagen optimistischer. Dafür haben wir auch allen Grund. Es ist alles nicht so schlecht, wie es uns durch die Medien oder neudeutsch „Mouth to Mouth“ vermittelt wird.

Wenn wir den Kapitalmarkt ab Sommer 2022 betrachten, dann sehen wir, politische Börsen haben lange Beine und die Märkte sind auf „Zins-turkey“. Alle schauen auf die Schlange Kaa: Die Zinsen; die Inflation – alle sind hypnotisiert und trauen sich nicht, sich zu bewegen. – Oder; Beamtenmikado: Wer zuerst zuckt, der verliert.

Der Aktienmarkt erholt sich. Aber wird wirklich viel gehandelt? Eher nicht. Der gesamte Kapitalmarkt scheint „frozen“. Der DAX liegt fast bei seinem 52 Wochen-Hoch. Irgendwie löst es noch keine positive Stimmung aus. Die Quartalszahlen der im DAX-notierten Unternehmen überzeugen. Auch die internationalen Unternehmens-Zahlen überzeugen. Der DAX versucht, zu alten Höchstmarken von über 16.000 Punkten zurückzukehren. Ein kleiner Einschub, vor 21 Jahren am 30.12.2002 notierte der DAX bei 2.893 Punkten. Man wagt es kaum zu sagen, das sind fast 13.000 Punkte niedriger als heute, mehr als 300 Prozent.

Aber jetzt kommt erst der Hammer. Der effektive Hypotheken-Zinssatz lag Ende 2002 durchschnittlich bei 5,2 %. Momentan bei rund 3,7 %. Anfang des Jahrtausends vertraute kaum jemand den Aktienmärkten und trotz eines Zinssatzes von 5,2 % wollte jedermann Bau-Gold oder sichere Anleihen.

Am besten sogar Bundesanleihen – erinnern Sie sich noch an die Fernsehwerbung mit der Schildkröte? Oder an den fast schon verzweifelten Versuch der Deutschen Telekom oder der Deutschen Post, Aktien mithilfe des damals beliebten Tatort-Kommissars Manfred Krug an den Mann oder die Frau zu bringen?

Ist die Vergangenheit interessant? Ja, wir denken schon, denn wir sind wie viele andere Kapitalmarktteilnehmer verblüfft. Wir sehen eine Inflation, die von der EZB mit steigenden Zinsen bekämpft wird. Wir sehen gleichzeitig bei Bürgern ein Realvermögen, was nicht mehr „auf“ der Bank angelegt wird, weil es sich nicht lohnt. Dennoch ist die Psyche nicht nur der Privat- sondern auch der institutionellen Anleger nicht mehr zu verstehen.

Verunsicherung ist als Wort noch zu harmlos – Angst macht sich breit. Immer wenn ein bisschen Optimismus aufkommt, wird von der deutschen Bundesregierung oder auch durch die EU das zarte Pflänzchen gerupft.

Thema Autoindustrie: Klimapolitisch ist es selbstverständlich nötig, dass man handelt. Die gewollt umgesetzte Radikalität ist aber offensichtlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland Gift. Auch für den Kapitalmarkt. Die großen Automobilfirmen mögen auf den ersten Blick den Switch schaffen und sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Was ist aber mit den mittelständischen Zulieferbetrieben, die für ihre Liquidität Anleihen begeben haben?

Der Immobiliensektor ist zurzeit extrem schwierig. Da verraten wir nichts Neues. Zinsen, die zwar realiter gar nicht so hoch sind, verunsichern. Die Welt wird durch Boulevardblätter, Massenmedien, auch schlechter gemacht, als sie wirklich ist. Dann kommt die Politik. Neue Heizungen und Umbauten werden anscheinend am Bürger vorbei verordnet. Die Kommunikation ist ein Debakel. Koalitionsparteien beharken sich gegenseitig – eine Moderation ist nicht zu erkennen. Konsequenzen: Kein Mensch kauft verunsichert eine Immobilie. Direkte Auswirkung auf den Kapitalmarkt. Niemand möchte etwas mit Aktien oder Anleihen von Immobilienunternehmen zu tun haben. Wir sehen einen zum größten Teil selbstverschuldeten Wahnsinn, der Deutschland lähmt.

Dennoch gehen wir davon aus, dass der sonnige Mai die trüben Gedanken vertreiben wird. Die Vernunft hat immer und wird auch dieses Mal siegen. Egal ob Privatanleger oder institutionelle Investoren: Beide werden wieder auf den Markt zurückkehren. Es muss Vertrauen geschaffen werden. Insbesondere von den Medien aber auch von den am Kapitalmarkt vertretenen Unternehmen. Durch Corona hat die kommunikative Transparenz gelitten. Standards, die errungen worden sind, müssen wieder hergestellt werden. Nach dem Motto: Alles ist Kommunikation.

Zu mwb:

Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE0006656101, WKN 6656101) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 38.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.

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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt

vom 20. April 2023
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

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mwb Wertpapierhandelsbank AG         
Kai Jordan                 
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Sell in May and go away

… but remember to come back in September! So die altbekannte Börsenweisheit. Ob es dafür in diesem Jahr nicht längst zu spät ist und ob man tatsächlich im September wieder einsteigen sollte, nobody knows!? Steigende Zinsen bei historisch hoher Inflation, dazu Corona-Lockdowns in China und kein Ende beim Krieg in der Ukraine. Das ist ein Cocktail an Belastungsfaktoren, der den Aktienmärkten normalerweise gar nicht schmecken sollte. Erstaunlich gut halten sich jedoch die Aktien vor diesem Hintergrund. Der DAX konnte seit Mitte letzter Woche rund 500 Punkte zulegen, der Dow Jones sogar rund 1.000 Punkte. Selbst die Technologiewerte konnten wieder leicht zulegen, der Nasdaq-100 Index hat zu seinem Verlaufstief am Donnerstag mehr als 800 Punkte zugelegt, allerdings steht seit Jahresanfang immer noch ein Minus von rund 23 Prozent auf der Uhr. Das kann sich aber alles schlagartig ändern, denn wir bewegen uns immer noch auf einem historisch hohen Kursniveau. Entscheidend wird auch sein, wie sich die wirtschaftliche Entwicklung auf die zukünftigen Unternehmensgewinne auswirkt. Rutschen wir in eine Rezession bzw. Stagflation ab oder bleibt es bei einem blauen Auge? Wir werden es sicher bald erfahren!

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Newsletter vom 18. Mai 2022

Martin Braun, Börse Hannover