Aktienmärkte schwächer, steigende Zinsen und Ölpreis belasten
Bei seinem Auftritt in Jackson Hole hat US-Notenbankchef Kevin Warsh klare Worte zur Zinspolitik der US-Notenbank gefunden und ist damit Kritikern entgegengetreten, die die Unabhängigkeit der Fed in Zweifel gezogen hatten. Das Erreichen des Inflationsziels von maximal 2 Prozent bleibe das wichtigste Ziel, der Arbeitsmarkt stünde erst an zweiter Stelle. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine US-Zinserhöhung Mitte September auf rund 60 Prozent.
Dank Trumps‘ Dauerfehde gegen den Iran ist auch bei uns die Inflationsrate im August auf 2,9 Prozent gestiegen, im Euroraum sogar auf 3,3 Prozent und das könnte noch nicht das Ende für dieses Jahr gewesen sein. Eine Zinserhöhung der EZB am 10. September gilt als sicher.
Der Anleihenmarkt hat mögliche Zinsschritte von Fed und EZB bereits vorweggenommen, Verkäufe vor allem bei Langläufern haben die Renditen bereits nach oben getrieben. Die 30-jährigen US-Treasuries rentieren aktuell bei 5,28 Prozent, vergleichbare Bundesanleihen bei 3,85 Prozent.
Die Aktienmärkte zeigen sich vor dem Hintergrund des neu befeuerten Iran-Konfliktes, steigender Zinsen und Rohölpreise schwächer. Der DAX liegt aktuell wieder unter 26.000. Höhere Zinsen bedeuten Mehrkosten bei zahlreichen Unternehmen, vor allem auch im Technologiesektor. Die explodierenden Investitionen in künstliche Intelligenz müssen aber zunehmend über Kredite finanziert werden, weil die Alternativen Eigenkapital und Cashflow an Grenzen stoßen.
NVIDIA konnte jüngst brillante Quartalszahlen vorlegen. Die spannende Frage bleibt jedoch, wie lange diese und die Wachstumsstorys bei weiteren Hyperscalern (Meta, Amazon, Microsoft & Co.) intakt bleiben?
Bleiben Sie sehr wachsam in diesen Tagen, wir nähern uns dem Herbst und damit der Sturm- und Crashzeit!


Newsletter vom 02. September 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Fragile Lage am Golf: Ölpreise und Anleihezinsen steigen
Rund zwei Monate nach der Unterzeichnung des Bürgenstock-Memorandums ist ein Ende des Irankriegs weiter nicht in Sicht. Die 60-Tage-Frist für ein Schlussabkommen zwischen Washington und Teheran ist am Wochenende abgelaufen und der Iran hat eine Verlängerung bereits abgelehnt und mit Angriffen seinerseits gedroht.
Der US-Präsident gibt sich gelassen, seine Nerven scheinen aber blank zu liegen. Jüngst drohte er sogar dem vermittelnden, neutralen Sultanat Oman mit einem vernichtenden Militärschlag für den Fall, dass es nicht die von den USA verfolgten Interessen berücksichtigt – ohne Worte, unterirdisch, Caligula lässt grüßen, der regierte Rom vor rund 2.000 Jahren.
Kein Wunder also, dass die Ölpreise wieder anspringen, die Nordseesorte Brent hat bereits am Montag die Marke von 90 Dollar erneut überschritten.
Und das dürfte dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh langsam, aber sicher Schweißperlen auf die Stirn treiben, denn er steht im September vor einem echten Dilemma. Steigende Energiepreise heizen die Inflation (aktuell bei 3,4 Prozent) weiter an und machen eine Zinserhöhung fast unvermeidlich. Dumm nur, dass ausgerechnet die US-Arbeitsmarktdaten für Juli 2026 ein überraschend schwaches Bild zeigten: Die Wirtschaft baute außerhalb der Landwirtschaft unerwartet 23.000 Stellen ab (erwartet war ein Plus), während die Arbeitslosenquote leicht von 4,2 Prozent auf 4,1 Prozent sank. Das spricht für Zinssenkung, mindestens aber für keine Zinsänderung. Und der Kapitalmarkt hat eine Zinserhöhung bereits vorweggenommen, die langlaufenden, 30-jährigen US-Treasuries rentieren aktuell bei 5,3 Prozent, der höchste Stand seit 2007. Dabei spielt auch die ausufernde Staatsverschuldung der USA zunehmend eine Rolle. Last but not least sitzt dem Fed-Chef sein Protegé Donald Trump im Nacken und der fordert notorisch Zinssenkungen.
Fazit: Nach den Höhenflügen bei Dax, Dow, S&P & Co. werden die Marktteilnehmer vorsichtiger. Das Marktumfeld ist schwer einzuschätzen, es fehlen positive Impulse, dafür überwiegt die Ungewissheit.


Newsletter vom 19. August 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Erneute Waffenruhe belebt die Märkte
Eine Angriffspause der USA im Krieg mit dem Iran führte zu einer Erholung der Aktienmärkte zu Wochenbeginn, der DAX sprang auf mehr als 25.500 Punkte und näherte sich damit seinem Allzeithoch bei 25.900 Punkten von Anfang des Monats. Ein deutlich niedrigerer Ölpreis als vor einer Woche sorgte zusätzlich für Entspannung an den Märkten, allerdings bleibt die Volatilität bei diesem wichtigen Rohstoff extrem hoch.
Konjunkturseitig stand am Montag das ifo-Geschäftsklima im Blick, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer. Der Index stieg im Juli auf 86,6 Punkte, nach 85,7 im Juni. Dies war auf deutlich bessere Erwartungen zurückzuführen. Mit den laufenden Geschäften waren die Unternehmen aber etwas weniger zufrieden. Trotz der unsicheren Lage am Persischen Golf zeigt sich die deutsche Wirtschaft weniger pessimistisch.
Die EZB ließ die Leitzinsen auf ihrer Sitzung am 23. Juli unverändert auf aktuellem Niveau. Für heiße Diskussionen sorgt derweil die bevorstehende Sitzung der US-Notenbank. Am Mittwochabend steht eine Entscheidung zum Leitzins an. Denkbar ist sogar eine Zinserhöhung, allerdings wird dieser Option nur eine Wahrscheinlichkeit von 35 Prozent zugebilligt. In den vergangenen Jahren stand das Ergebnis der meisten Fed-Sitzungen bereits im Voraus fest. Mit dem neuen Chef Kevin Warsh hat sich dies jedoch geändert. Warsh verzichtet bewusst darauf, eine klare „Forward Guidance“ zu geben. Er hofft, dass sich die Märkte damit stärker auf Daten und weniger auf die Fed konzentrieren. Ironischerweise hat dies die Unsicherheit rund um die Sitzungen erhöht und sorgt damit auch für eine höhere Aufmerksamkeit. Nach US-Börsenschluss folgen dann noch die Quartalszahlen von Meta und Microsoft.
Einen fulminanten Börsenstart gelang Chinas größter Chiphersteller CXMT am Montag. Die Aktien des Speicherspezialisten stiegen zum Handelsauftakt am Shanghaier Star Market um rund 472 Prozent, sind aber außerhalb Chinas (noch) nicht handelbar. CXMT kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 500 Mrd. Dollar und steht damit auf Platz 8 der größten Chiphersteller weltweit.


Newsletter vom 29. Juli 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Zwischen KI-Euphorie, Zinssorgen und Iran-Konflikt – Märkte angespannt
Iran-Krieg reloaded – so muss man die aktuelle Lage am Persischen Golf auf den Punkt bringen. Die USA greifen erneut Ziele im Iran an, dieser schlägt zurück und beide blockieren angeblich die Straße von Hormus. 20 Prozent Wegezoll stellt sich der US-Präsident vor, für eine sichere Durchfahrt und die Beseitigung eines Problems, das er selbst verursacht hat.
Die Ölpreise reagierten prompt, Brent-Öl stieg seit Freitag von 75 auf aktuell rund 86 Dollar, ein Plus von fast 15 Prozent. Damit schwinden einmal mehr die Hoffnungen auf sinkende Zinsen, denn steigende Energiepreise heizen nun mal die Inflation an und dämpfen das Wirtschaftswachstum. Die internationalen Aktienmärkte zeigen sich seit Montag uneinheitlich bis schwächer und sehr volatil. Der DAX hat nach dem Allzeithoch vom 6. Juli die Marke von 25.000 bereits wieder unterschritten. Während KI-nahe Unternehmen und Halbleiterwerte weiter im Fokus der Anleger stehen, werden die Magnificent Seven zunehmend zum Performance-Problem am US-Markt.
Waren sie bisher die entscheidenden Treiber es US-Aktienmarktes, so lässt ihre bisherige Kursentwicklung in 2026 eher zu wünschen übrig. Der Bloomberg Magnificent 7 Price Return Index, zu dem unter anderem Nvidia, Alphabet und Amazon Amazon gehören, legte bis Donnerstag (9.7.) lediglich um 1,8 Prozent zu, der Philadelphia Stock Exchange Semiconductor Index gewann seit Jahresanfang dagegen 83 Prozent. Insgesamt entwickelten sich die Magnificent Seven schlechter als 300 Unternehmen im S&P 500, repräsentieren jedoch ein Drittel der Marktkapitalisierung des Index. Ein Mega-IPO am US-Markt legte am Freitag der südkoreanische Chip-Spezialist SK Hynix hin, allerdings über die Platzierung amerikanischer Hinterlegungsscheine, den sogenannten ADRs. Mit einem Volumen von mehr als 26 Mrd. US-Dollar eine weitere Emission, die Kapital am Markt bindet. Nach Kursen von 175 Dollar pro ADR am Freitag, einer Korrektur von 15 Prozent am Montag, gelang gestern ein Sprung von 27 Prozent auf 194 Dollar. Das nennt man echte Volatilität, die mit einer marktgerechten Bewertung nur wenig zu tun hat.
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 15. Juli 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Halbjahresbilanz zeigt uneinheitliches Bild
Nach den ersten sechs Monaten des laufenden Börsenjahres fällt die Bilanz uneinheitlich aus. Führende Aktienindizes wie Nasdaq100 und Nikkei liegen mit 20 bzw. 39 Prozent deutlich im Plus, der DAX schaffte dagegen nur 2 Prozent, der EuroStoxx50 immerhin plus 9,3 Prozent.
Technologieaktien waren die kurstreibenden Werte im ersten Halbjahr, der Nasdaq100 erreichte erst Anfang Juni sein Allzeithoch bei 30.660 Punkten. Immerhin konnten MDAX, TecDax Und SDAX mit einem Plus zwischen 3,9 und 6,4 Prozent besser abschneiden als der DAX. Ein sehr differenziertes Bild zeigt sich bei den Einzelwerten im deutschen Leitindex, hier rangieren Infineon (+116%), Hochtief (+50%) und Siemens Energy (+38%) auf den ersten Plätzen, Schlusslichter sind SAP, Rheinmetall und BMW mit Verlusten zwischen 36 und 39 Prozent zum Halbjahresende. Die noch im DAX vertretenen Automobilwerte tummeln sich auf den letzten Plätzen, das DAX-Schwergewicht SAP kommt trotz Kurshalbierung seit Frühjahr 2025 immer noch auf ein Market Cap von 157 Mrd. Euro, leidet aber unverändert unter der Befürchtung, zu den Verlierern von KI zu gehören. Wertvollstes deutsches Börsenunternehmen ist Siemens (218 Mrd.) vor Allianz und SAP.
Zu den Verlierern des ersten Börsenhalbjahres gehören auch der Bitcoin mit einem Minus von 33 Prozent und Gold mit minus 7 Prozent in US-Dollar. Der Iran-Krieg hat die Märkte in den zurückliegenden Monaten stark bewegt, ein Crash konnte jedoch vermieden werden. Die Lage am Golf bleibt fragil. Bleiben wir gespannt, wie sich das zweite Börsenhalbjahr zeigt. Die Rahmenbedingungen bleiben im Wesentlichen unverändert, die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA könnten jedoch den Druck auf die US-Regierung erhöhen.
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 01. Juli 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Aktienmärkte im Wechselbad der Ereignisse
Die Börsenrally hat am Freitag einen heftigen Dämpfer bekommen. Auslöser war der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht, der die Erwartungen verstärkte, dass die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank eher eine Anhebung als eine Senkung sein könnte. Steigende Anleiherenditen und wachsende Sorgen über die Bewertungen im Technologiesektor führten zu Abverkäufen in diesem Bereich, vorzugsweise bei Aktien rund um das Thema KI. Der Nasdaq100 gab am Freitag um fast 5 Prozent nach, der stärkste Rückgang seit April 2025, der S&P500 ging mit einem Minus von 2,6 Prozent ins Wochenende.
Die Korrektur am US-Aktienmarkt hat der DAX mit einem Verlust von gut 500 Punkten nachvollzogen, nach kurzer Erholung am Dienstag ging es dann analog zum US-Markt erneut abwärts, aktuell liegt er bei rund 24.270 Punkten und behauptet sich damit knapp über dem 50- und 200 Tage-Durchschnitt, die beide als wichtige technische Unterstützung dienen.
Die Irankrise ist trotz laufender Verhandlungen noch lange nicht beendet. In den zurückliegenden Tagen und Stunden gab es einen erneuten Schlagabtausch zwischen dem Iran und den USA.
Die Märkte reagieren aktuell auf ein komplexes Zusammenspiel aus geopolitischen Unsicherheiten und makroökonomischen Signalen. Schwach zeigen sich auch die Edelmetalle und die wichtigste Kryptowährung Bitcoin, der am 5. Juni sogar die Marke von 60.000 Dollar unterschritt, das sind mehr als 50 Prozent Verlust seit dem Allzeithoch im Oktober 2025. Trotz vieler kritischer Stimmen geht es am Aktienmarkt nach kurzen Rückschlägen immer wieder aufwärts. Der als Stimmungsbarometer beachtete Volatilitätsindex VIX bewegt sich trotzdem im Normalbereich.
Der Countdown für den Börsengang von SpaceX läuft: Die Kombination von Raumfahrt und Künstlicher Intelligenz weckt Zukunftsfantasien. Dieser Mega-IPO wird nicht der einzige bleiben. Warten wir es ab – am Freitag wissen wir mehr. Übrigens, nach dem ersten Börsenkurs an der Nasdaq ist der Wert auch an unseren Börsenplätzen handelbar. Bei diesem IPO haben auch Privatanleger die Möglichkeit, über ausgewählte Broker bereits bei der Zeichnung dabei zu sein. Ob die zugeteilten Stücke auch sofort handelbar sein werden, ist jedoch unklar.
Aber Vorsicht an der Bahnsteigkante – schnelle Kursgewinne sind hier keinesfalls sicher!
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 10. Juni 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Entspannungsrally mit Fragezeichen
Nach dem Rekordhoch vom Januar agieren die Anleger zurzeit vorsichtiger. Am Pfingstmontag hatte sich der DAX im Zuge einer vermeintlichen Entspannung im Nahen Osten freundlicher gezeigt und zeitweise bis auf 25.438 Punkte zugelegt. Damit rückte das bisherige Rekordhoch aus dem Januar bei 25.507 Punkten in unmittelbare Reichweite. Von der wegen des Feiertags geschlossenen Wall Street am Montag waren daher keine neuen Impulse zu erwarten. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Wir öffnen an einem gesetzlichen Feiertag (Pfingstmontag) die Börsen, um uns international zu zeigen, die USA denken überhaupt nicht daran, gleiches zu tun. Am Dienstag erreichten S&P 500 und NASDAQ 100, getrieben von der KI-Rally, wieder neuerliche Höchststände. Den DAX trennen auch nur noch wenige Punkte vom Allzeithoch, er stabilisiert sich oberhalb von 25.000.
Die Ölpreise geben nach ihrem Anstieg vom Dienstag wieder etwas nach. Die Anleger setzen weiter auf einen Erfolg der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran, m. E. eine optimistische Annahme mit negativem Überraschungspotenzial.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer senkt ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr von bisher 1,0 auf 0,3 Prozent. „Zu den Strukturproblemen in Deutschland kommen die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten hinzu. Geschwächt durch drei Jahre Rezession und Stagnation fühlen sich viele an ihrer Belastungsgrenze“ – so die DIHK.
Das größte Initial Public Offering (IPO) aller Zeiten wirft seine Schatten voraus. Am 12. Juni will Elon Musk mit SpaceX aufs Börsenparkett der NASDAQ. Erwartet wird ein Emissionsvolumen von 75 bis 80 Milliarden und eine Börsenbewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar. Vorab muss das Unternehmen aber noch die Feuertaufe bestehen, der bevorstehende Starship-Raketenstart könnte bereits an diesem Freitag stattfinden und wird das kommende IPO massiv beeinflussen. Die Testrakete symbolisiert SpaceX‘ Ambitionen für die kommerzielle Raumfahrt und wird zum entscheidenden Moment vor dem geplanten Börsengang.
Drücken wir SpaceX die Daumen, Raketenstart und IPO sind nicht ohne Risiken.
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 27. Mai 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Die Hoffnung stirbt zuletzt
Nach dem Prinzip Hoffnung setzen die Märkte unverändert auf eine Lösung des Konflikts zwischen dem Iran und den USA, wobei Israel hierbei ein entscheidendes Wort mitzureden hat. Der US-Präsident zögert und hat angeblich einen bereits geplanten Angriff auf den Iran wieder abgesagt. Das sorgt zumindest kurzfristig für Entspannung an den Märkten, aber nicht für Euphorie. Die Hängepartie geht erst einmal weiter. Der Rohölpreis (Brent) gab bis Montagmittag etwas nach, liegt aktuell aber wieder bei 110 US-Dollar und damit nur noch wenige Dollar unter seinem Zwischenhoch von Anfang Mai.
Die Krise im Nahen Osten hinterlässt immer deutlichere Spuren in den Volkswirtschaften der Welt und vor allem im energieabhängigen Deutschland. Immer mehr Unternehmen machen sich Sorgen, wie es weitergehen soll. Laut ifo-Institut fürchtet bereits jeder fünfte Selbständige um seine Existenz.
Kein Wunder also, dass es auch am Arbeitsmarkt immer mehr Bremsspuren gibt. Die Zahl der Erwerbstätigen sank im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal um 486.000 Personen oder 1,1 Prozent auf 45,6 Millionen Menschen; die Zahl der sozialversicherungspflichtig versicherten Arbeitnehmer nahm um 120.000 oder 0,3 Prozent auf 42 Millionen ab.
Allein der maßgeblich aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen finanzierte öffentliche Sektor wuchs deutlich um 181.000 Stellen (+1,5 Prozent). Eine bedenkliche Entwicklung bei zunehmend leeren Kassen. Bei sinkenden Steuereinnahmen werden sich auch die Zinszahlungen von Bund, Ländern und Kommunen in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Grund ist nicht nur die steigende Verschuldung, sondern ein Anziehen der Renditen am Kapitalmarkt. Die Inflation treibt die Renditen am Rentenmarkt auf neue Höchststände. Die zehnjährige Bundesanleihe erreichte am Montag eine Rendite von 3,17 Prozent, der höchste Stand seit 15 Jahren. Vergleichbare US-Treasuries rentieren aktuell sogar bei 4,65 Prozent. Das hat auch die Wallstreet am Dienstag etwas verschnupft. „Sell in may and go away“ oder besser an Bord bleiben? Der Mai hat noch sieben Börsenhandelstage, an denen man sich entscheiden kann! Übrigens, Pfingstmontag sind die Börsen geöffnet und an unseren sechs Handelsplätzen können Sie rund um die Uhr zur Tat schreiten. Ein sonniges und erholsames Pfingstwochenende wünscht Ihnen
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 20. Mai 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Iran-Krise treibt Energiepreise und Inflation
Offiziell gilt zwar noch die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, allerdings hängt sie nach jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump nur noch am seidenen Faden. Zu groß sind offensichtlich die Meinungsunterschiede, und der Faktor Zeit wird immer mehr zum Belastungsfaktor. Vor allem für Trump, denn steigende Energiepreise heizen auch in den USA die Inflation an und die Midterm-Wahlen rücken immer näher. Jeder Tag ohne wirkliche Lösung des Konflikts läuft zurzeit gegen den Präsidenten. Seine Stimmungswerte sinken und es wird immer schwieriger für ihn, als Sieger aus den Zwischenwahlen hervorzugehen, um nicht als „Lame Duck“ den Rest seiner Amtsperiode erleben zu müssen.
Das Inflationsgespenst bestimmt längst das Tagesgeschehen, und zwar weltweit. Die US-Verbraucherpreise lagen im April bei +3,8 Prozent zum Vorjahresmonat und +0,6 Prozent zum Monat März. Seit 62 aufeinander folgenden Monaten ist die Zielmarke von 2 Prozent überschritten und die Schwelle von 4 Prozent rückt in greifbare Nähe. Ein Überspringen wäre keine Überraschung, da sich höhere Energiepreise oft erst mit zeitlicher Verzögerung entlang der Wertschöpfungskette bis hin zum Endverbraucher durchsetzen. Selbst schnell sinkende Rohölpreise würden daher nicht automatisch zu zeitnah sinkenden Verbraucherpreisen führen.
Die Notenbanken sind gewarnt, von Zinssenkungen kann hüben wie drüben auf absehbare Zeit keine Rede sein. EZB-Direktorin Isabel Schnabel warnte unlängst vor den Risiken steigender Preise und stimmt das Publikum für diesen Fall auf Zinserhöhungen der EZB ein.
Eine große Herausforderung auch für den neuen FED-Chef Kevin Warsh. Der Wunschkandidat von Donald Trump könnte genötigt sein, anstelle einer vom Präsidenten geforderten Zinssenkung, über eine Zinsanhebung entscheiden zu müssen.
Erstaunlich stabil zeigen sich vor diesem Hintergrund noch die von Speicher- und KI-Werten hoch gelaufenen Aktienmärkte, denn steigende Zinsen sind bekanntlich Gift für die weitere Kursentwicklung. Der Anleihenmarkt hat bereits mit steigenden Renditen reagiert.
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 13. Mai 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Trotz Krise legen US-Indizes deutlich zu
Die Märkte haben offenbar ihre eigene Logik mit Krisen umzugehen. Trotz ungelöstem Nahostkonflikt markieren die führenden US-Aktienindizes neue historische Höchststände. Der Nasdaq100 legte seit Ende März um 18 Prozent zu, der S&P500 um rund 13 und der Dow Jones um 9 Prozent. Getrieben wird diese Hausse von Technologiewerten, an der Spitze Intel mit einem Monatsplus von 96 Prozent. Da kann der europäische bzw. der deutsche Aktienmarkt nicht mithalten, der DAX und EuroStoxx50 kommen im gleichen Zeitraum auf ein Plus von 8 bzw. 6 Prozent. Seit Jahresanfang liegen die US-Aktienindizes einstellig im Plus, der DAX mit 2 Prozent im Minus.
Derweil ist die Stimmung in Europa und speziell in Deutschland auf einem vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Angesichts des Krieges in Nahost und den Folgen für die Geldbeutel der Verbraucher sinkt die Kauflust in Deutschland immer weiter. Das Konsumklima ist der neuesten Studie der Institute NIM und GfK zufolge zuletzt erneut abgesackt. Die Einkommenserwartungen sind förmlich eingebrochen und erreichen den niedrigsten Wert seit Februar 2023. Wie nicht anders zu erwarten, ist auch der ifo-Geschäftsklimaindex im April auf 84,4 Punkte gesunken, nach 86,3 im März. Dies ist der niedrigste Wert seit Mai 2020.
Eine bescheidene Entlastung soll die ab dem 1. Mai geltende, für zwei Monate befristete Steuersenkung auf Benzin und Diesel von rund 17 Cent bringen. Steigende Rohölpreise wie in den vergangenen Tagen könnten diese Preissenkung allerdings schnell wieder zunichtemachen.
Seit gestern tagt routinemäßig die US-Notenbank FED mit Veröffentlichung des Zinsentscheids am heutigen Mittwoch um 20.00 Uhr (MEZ). Eine deutliche Mehrheit erwartet die unveränderte Verlängerung der Zinspause. Es wird zudem die letzte Sitzung unter der Leitung von Jerome Powell sein, sein Vorsitz und vermutlich auch seine Amtszeit enden im Mai. Die EZB tagt am Donnerstag und angesichts einer Inflationsrate von 2,6 Prozent im März ist nicht davon auszugehen, dass es zu einer Zinssenkung im Euroraum kommt, eher stünde eine Anhebung zur Diskussion, was aber der Stimmung bei Konsumenten und Produzenten nicht zuträglich sein dürfte.
Warten auf „Godot“ ist das Motto der Stunde – wollen wir hoffen, dass er als Friedensengel doch irgendwann erscheint und die Grundlage für einen gesunden Aufschwung der Wirtschaft bringt!
Einen schönen 1. Mai – auch die deutschen Börsen haben Feiertag – wünscht Ihnen
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 29. April 2026
Martin Braun, Börse Hannover
