Aktienmärkte seitwärts vor Notenbanksitzungen

Die leichte Korrektur von Anfang Juli haben DAX, Dow & Co. wieder wett gemacht und nun blicken die Marktteilnehmer gespannt auf die Sitzungen der Notenbanken. Am Mittwoch veröffentlicht die FED und am Donnerstag die EZB.

Als ausgemacht gilt ein weiterer Schritt von 0,25 Prozent durch die EZB, bei der FED wäre auch eine Verlängerung der Zinspause möglich. Erhöht sie ebenfalls um 25 Basispunkte, dann dürfte es das gewesen sein. Weitere Zinserhöhungen sind dann eher unwahrscheinlich, vorausgesetzt die Inflationsrate spielt mit und bewegt sich weiter abwärts.

Mit Spannung blicken viele Marktteilnehmer dieser Tage auch auf die Bilanztermine der US-Tech-Giganten. Apple, Microsoft, Tesla & Co. berichten zum Quartals- bzw. Halbjahresende per 30. Juni. Da kann es durchaus die eine oder andere positive wie negative Überraschung geben und in Folge die Marktkapitalisierungen der Unternehmen mal eben im zwei- bis dreistelligen Milliardenbereich verändern. Apple kommt aktuell auf ein Market Cap von 3 Billionen USD, Microsoft auf 2,6 Bil. und Tesla immerhin auf 850 Mrd. USD. Zum Vergleich: SAP als größter DAX-Wert kommt aktuell auf ein Market Cap von 155 Mrd. USD.

Man muss anerkennen, dass am US-Aktienmarkt einfach andere Dimension gelten.

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Newsletter vom 26. Juli 2023

Martin Braun, Börse Hannover

Zins- und Rezessionsängste treiben Aktienmärkte

Von Sommerpause ist aktuell noch nicht viel zu spüren. Eher von einer angespannten Lage und einer moderaten Stimmung mit leicht negativer Note. Trotz kleiner Zinspause bei der FED sind die Notenbanken weiter auf Zinserhöhungskurs und das ungeachtet einer drohenden Rezession. Entsprechend verschnupft reagierten die Aktienmärkte, der DAX konnte sein Allzeithoch vom 16. Juni bei 16.423 Punkten nicht halten und bewegt sich aktuell wieder unterhalb der Marke von 16.000. Ähnliche Verläufe zeigten sich bis Anfang der Woche bei Dow, Nasdaq und S&P500. Seit gestern hat sich die Stimmung wieder etwas verbessert, fast alle Indizes konnten etwas zulegen, der Nasdaq100 sogar um 1,75 Prozent. – Besondere Aufmerksamkeit zog der DAX-Wert Siemens Energy dieser Tage auf sich. Eine erneute Gewinnwarnung schickte die Aktie am Freitag um rund 37 Prozent in die Tiefe. In den neun Monaten davor war sie noch mit einem Plus von rund 136 Prozent der Outperformer im DAX. Das zeigt einmal mehr, wie nervös und gnadenlos Marktteilnehmer auf schlechte Unternehmensnachrichten reagieren können. Die nächsten Wochen und Monate werden sicher nicht einfach, Überraschungen sind jederzeit möglich.

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Newsletter vom 28. Juni 2023

Martin Braun, Börse Hannover

Notenbanken bestimmen das Marktgeschehen

Der Börsenmonat Mai ist vorbei und jetzt trennen uns nur noch wenige Wochen von der Sommerpause, soweit diese überhaupt als solche stattfinden wird. Die Aktienmärkte zeigen sich dieser Tage zwar freundlich und der DAX erhöht sogar heute Vormittag sein Allzeithoch um einen Punkt, die Unsicherheit bleibt jedoch deutlich zu spüren. Vor den anstehenden Verkündigungen der FED heute Abend und der EZB am Donnerstagnachmittag sind keine großen Bewegungen an den Märkten zu erwarten – danach ist aber wieder alles möglich!
Die Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, ist für viele Marktteilnehmer einfach zu groß. Kommen von den Notenbanken weitere Zinsanhebungen oder legt man erst einmal eine Zinspause ein, das ist die spannende Frage? Leichte Entwarnung kam gerade von den Verbraucherpreisen in den USA, die Rate fiel im Mai überraschend auf 4 Prozent, im April waren es noch 4,9 Prozent. Das ist zwar immer noch deutlich über der tolerierten Marke von 2 Prozent, die Entwicklung geht jedoch in die richtige Richtung. Dass sich die EZB einer erwarteten Zinspause der FED anschließt, gilt als unwahrscheinlich, hat sie doch aufgrund höherer Inflationsraten in der Eurozone bei niedrigeren Leitzinsen gegenüber den USA noch Nachholbedarf. Solange der Zinserhöhungszyklus nicht abgeschlossen ist, gibt es auch keine Entwarnung für die Aktienmärkte. Und auf eine Zinswende dürfen wir noch eine Weile warten, diese wird wohl nicht vor 2024 kommen. Wollen wir hoffen, dass die Konjunktur trotz höherem Zinsniveau weiter mitspielt und so die Märkte bei Laune hält.

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Newsletter vom 14. Juni 2023

Martin Braun, Börse Hannover

Name ISIN Kurs Stand Diff % Diff +/-
NVIDIA Corp. US67066G1040 197,32 25.09.2026 +0,19% +0,3800
DAX - Chart

Never fight the FED

Was Mitte letzter Woche noch nach Zuversicht aussah, wurde Anfang dieser Woche in Luft aufgelöst. Der deutsche Aktienmarkt startete schwach, nachdem die US-Aktienmärkte bereits am Freitag eingebrochen waren. Damit war auch die Richtung für den europäischen Markt zum Wochenstart vorgezeichnet. DAX und EuroStoxx haben ohnehin kein Eigenleben, sie hängen traditionell im Schlepptau der US-Märkte. Die Zeichen diesseits und jenseits des Atlantiks stehen auf Rezession und das bei deutlich steigenden Zinsen.

Die US-Notenbank hat der Inflation den Kampf angesagt und erhöht radikal die Zinsen. Es ist davon auszugehen, dass die FED bei anhaltend hoher Teuerungsrate erneut einen kräftigen Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten für November beschließt und dem Markt durch Anleiheverkäufe weiter Liquidität entzieht. So bekämpft man eigentlich keine Rezession, sondern verschärft sie noch. Die EZB befindet sich in einem noch größeren Dilemma, deutliche Zinsschritte und Anleiheverkäufe würden hier nicht nur die Wirtschaft zusätzlich belasten, sondern Staaten wie Italien schnell an die Schwelle zur Staatspleite bringen.

Aus der Not heraus geht die Bank of England gerade einen anderen Weg und fährt im Kampf um die Finanzstabilität des Landes schwere Geschütze auf: Bis Ende dieser Woche will die BoE jeden Tag für bis zu zehn Milliarden Pfund eigene Staatsanleihen aufkaufen, um den Wertverfall der Papiere und des britischen Pfund zu stoppen.

Das monetäre Umfeld bleibt vorerst eine Herausforderung im Sinne von Belastung für die Aktienmärkte. Ignorieren Sie also nicht die Strategien der Notenbanken, „Vorsicht an der Bahnsteigkante“ kann aktuell nicht schaden!

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Newsletter vom 12 Oktober 2022

Martin Braun, Börse Hannover

Die zwei Seiten des jüngsten Zinsanstiegs

Angesichts der aktuellen volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie die heftig gestiegene Inflation und die zunehmend restriktiver werdende Geldpolitik seitens der Notenbanken, geht die Mehrheit der Finanzanalysten davon aus, dass wir bereits mitten in einer nachhaltigen Zinswende nach oben stehen. Daher sind sie davon überzeugt, dass sich die Zinssteigerungen der letzten Monate (vgl. Abbildung) fortsetzen werden.

Wenngleich ein solches Szenario zunächst fallende Anleihekurse bedeutet, folgt daraus keineswegs, dass Anleihedepots keine vernünftige Anlage mehr sind. Denn der Zusammenhang zwischen steigenden Zinsen und fallenden Kursen ist nur eine Hälfte der Wahrheit. Die andere Hälfte besteht darin, dass ein Zinsanstieg eben auch bedeutet, dass wir es dann mit einem veränderten Zinsumfeld zu tun haben: Anleihen sind nun nach einer langen Durststrecke ganz grundsätzlich wieder attraktiver geworden und es haben sich insbesondere die Bedingungen für die Wiederanlage freiwerdender Mittel (Zins und Tilgung) spürbar verbessert.

Die höherrentierliche Neuanlage fällig werdender Anleihen (und Zinsen) sowie die dadurch erreichte verbesserte Wertentwicklung wird als „Wiederanlageeffekt“ bezeichnet. Dieser wirkt sich bei steigenden Zinsen in jedem Fall positiv auf ein Anleihedepot aus. In der folgenden Grafik sind die Auswirkungen beider Effekte – negativer Kurseffekt und positiver Wiederanlageeffekt – schematisch zusammengefasst.

Die Botschaft dieser Zusammenhänge sollte klar sein: Es wäre zum jetzigen Zeitpunkt das Falscheste, was man machen kann, aufgrund von teilweise kursierenden Panikmeldungen über weiter kräftig steigende Zinsen das Anleihedepot nun womöglich ganz aufzulösen oder den Anleiheanteil zu reduzieren. Die Durststrecke niedriger bzw. teils sogar negativer Zinsen liegt mit einiger Wahrscheinlichkeit endlich hinter uns. Wer jetzt auf Anleihen verzichtet bzw. mit Kursverlust verkauft, bringt sich gewissermaßen um die Früchte der zinslosen Zeiten der letzten Jahre.

Neben der von uns immer wieder erwähnten Funktion einer Risikostellschraube und eines Sicherheitsankers im Rahmen eines gemischten, aus Aktien und Anleihen bestehenden Portfolios, werden Anleihen unserer Ansicht nach in Zukunft auch wieder einen zwar überschaubaren, aber positiven Renditebeitrag erwirtschaften.

Newsletter vom 22. Juni 2022

Prof. Dr. Stefan May – Leiter Anlagemanagement
Quirin Privatbank AG

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Renditeanstieg weltweit zu beobachten, Quelle Bloomberg, eigene Darstellung

Zurück in die 80er?

Immer wieder werden Mode und Lifestyle von einem Retro-Trend erfasst. Mit Blick auf die aktuellen deutschen und US-amerikanischen Inflationszahlen wird man zwangsläufig an die 1980er Jahre erinnert. Denn man muss inzwischen mehr als 40 Jahre zurückblicken, um ähnlich hohe Zuwächse bei der Teuerungsrate zu finden. Für den März wurden gestern in den USA 8,5 Prozent und für Deutschland 7,3 Prozent vermeldet – jeweils der höchste Stand seit 1981! Natürlich sind die geopolitisch belasteten Engergiepreise wesentlicher Treiber, aber auch an den Supermarktkassen sind gestiegene Preise inzwischen für jeden spürbar geworden – für viele erstmals bewusst in diesen Dimensionen. Wobei der Vergleich mit den 80er Jahren hinkt: Die (Guthaben-)Zinsen sind nicht einmal annähernd auf dem Niveau von damals und hätten noch einen weiten Weg vor sich, auch weil das Wirtschaftswachstum nicht Schritt hält und die Prognosen schwächer ausfallen. 

Die Aktienmärkte haben die Inflationsnachrichten nach kurzem Schock erstmal erstaunlich gut verarbeitet. Auch wenn der DAX am Dienstagmorgen kurz unter die Marke von 14.000 Punkten gerutscht war, ging es im Zuge eines stabilen US-Marktes zurück in den grünen Bereich. Heute könnte sich dieses Spiel wiederholen. Die Rolle der Notenbanken ist jetzt gefragt und deren Worte werden jetzt sicherlich noch aufmerksamer wahrgenommen bzw. gedeutet als sonst. Die Währungshüter stehen vor dem Zins-Dilemma und einem Abwägen zwischen Inflation und Rezession. Die Finanzmärkte werden darauf reagieren. Und das dürfte weniger lustig werden, als die neon-bunte Mode oder der Start des Privatfernsehens in den 80ern.

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Newsletter vom 13. April 2022

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow