Aktienmärkte schwächer, steigende Zinsen und Ölpreis belasten

Bei seinem Auftritt in Jackson Hole hat US-Notenbankchef Kevin Warsh klare Worte zur Zinspolitik der US-Notenbank gefunden und ist damit Kritikern entgegengetreten, die die Unabhängigkeit der Fed in Zweifel gezogen hatten. Das Erreichen des Inflationsziels von maximal 2 Prozent bleibe das wichtigste Ziel, der Arbeitsmarkt stünde erst an zweiter Stelle. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine US-Zinserhöhung Mitte September auf rund 60 Prozent.
Dank Trumps‘ Dauerfehde gegen den Iran ist auch bei uns die Inflationsrate im August auf 2,9 Prozent gestiegen, im Euroraum sogar auf 3,3 Prozent und das könnte noch nicht das Ende für dieses Jahr gewesen sein. Eine Zinserhöhung der EZB am 10. September gilt als sicher.
Der Anleihenmarkt hat mögliche Zinsschritte von Fed und EZB bereits vorweggenommen, Verkäufe vor allem bei Langläufern haben die Renditen bereits nach oben getrieben. Die 30-jährigen US-Treasuries rentieren aktuell bei 5,28 Prozent, vergleichbare Bundesanleihen bei 3,85 Prozent.
Die Aktienmärkte zeigen sich vor dem Hintergrund des neu befeuerten Iran-Konfliktes, steigender Zinsen und Rohölpreise schwächer. Der DAX liegt aktuell wieder unter 26.000. Höhere Zinsen bedeuten Mehrkosten bei zahlreichen Unternehmen, vor allem auch im Technologiesektor. Die explodierenden Investitionen in künstliche Intelligenz müssen aber zunehmend über Kredite finanziert werden, weil die Alternativen Eigenkapital und Cashflow an Grenzen stoßen.
NVIDIA konnte jüngst brillante Quartalszahlen vorlegen. Die spannende Frage bleibt jedoch, wie lange diese und die Wachstumsstorys bei weiteren Hyperscalern (Meta, Amazon, Microsoft & Co.) intakt bleiben?
Bleiben Sie sehr wachsam in diesen Tagen, wir nähern uns dem Herbst und damit der Sturm- und Crashzeit!

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Newsletter vom 02. September 2026

Martin Braun, Börse Hannover

Comeback bei Gold und Bitcoin

An den Märkten zeigten sich zuletzt zwei Vorboten für unsichere Zeiten: Die US-Staatsschulden wachsen unter Trump rasant mit neuem Rekordstand von jetzt über 40 Billionen Dollar und die Renditen 30-jähriger amerikanischer Staatsanleihen stiegen auf über 5,3 Prozent, also den höchsten Stand seit 2007. Am Aktienmarkt war jedoch keine echte Schwäche zu erkennen. Die Indizes notieren weiterhin am oberen Ende ihrer Kurshistorie, auch wenn der DAX kurzzeitig mal unter die 26.000er Marke abgetaucht war. Die offensichtlichen Profiteure sind zwei zuletzt schwächelnde Assetklassen: Gold und Bitcoin.

Der Goldpreis ist seit Anfang August rund 15 Prozent gestiegen und notiert aktuell über 4.600 USD. Ein Chart-technischer Widerstand liegt bei 4.850 – erst danach wäre der Weg frei für Kurse oberhalb von 5.000 USD. Bis zum Rekordhoch von Ende Januar fehlen dem Edelmetall derzeit aber noch gut 17 Prozent. Beim Bitcoin gab es nach einer rund 11-wöchigen Seitwärtsphase zwischen 60.000 und 65.000 USD einen dynamischen Ausbruch. Allein seit letzter Woche Montag ist BTC um rund 25 Prozent auf aktuell knapp 79.000 USD gestiegen – auch das Krypto-Handelsvolumen erhöhte sich insgesamt deutlich. Hier lässt sich also doch die oben angedeutete Krisenstimmung in steigenden Kursen ablesen.

Die börsennotierten Unternehmen schauen aber wohl überwiegend positiv in die Zukunft. Die Künstliche Intelligenz gilt gerade bei den Tech-Aktien, aber auch zunehmend bei Industriewerten weiter als große Chance und auch der volatil-hohe Ölpreis wird nicht wirklich als Belastung gesehen. Im ifo-Geschäftsklimaindex schätzt die deutsche Wirtschaft mit 88,8 Punkten die Lage so optimistisch ein, wie zuletzt vor einem Jahr und auch die Zukunftserwartungen korrigierten deutlich nach oben. Ob der KI-Hype weiter läuft, lässt sich heute Abend an der Reaktion auf die Nvidia-Quartalszahlen ablesen und bei Tagung der US-Notenbank in Jackson Hole könnte es am Freitag neue Impulse für den Anleihenmarkt geben.

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Newsletter vom 26. August 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Rekorde ohne Euphorie

Am Dienstag stieg der DAX bis auf 26.504 Punkte und nahm damit Kurs auf die nächste runde Zahl. Seit dem ersten Sprung über die 26.000 zum Monatsanfang hat diese Marke gehalten und doch ist die Stimmung wenig euphorisch. Seit Jahresbeginn gerechnet liegt der Index nun rund 8 Prozent im Plus – im März waren es kurzzeitig auch mal minus 10 Prozent. Eigentlich ein starkes Zeichen.

Eine überhitzte Marktphase misst die Bank of America in ihrem „Bull & Bear Indicator“ für den US-Markt, der den höchsten Stand seit Ende 2020 ausweist. Aber die bekannten geopolitischen Krisenherde bleiben ohne konkrete Lösungen. Versprechungen laufen ins Leere und werden gebrochen. Es scheint ein ewiger, sich wiederholender Kreislauf zu sein. Nur der kapitalhungrige KI-Hype nährt seine Geschichte selbst und sorgt über zirkuläre Deals für neue Wachstumsfinanzierung. Nvidia organisierte jetzt Zusagen über 500 Milliarden US-Dollar für den Ausbau der KI-Infrastruktur von den großen Adressen der Wall Street. Hier sind Optimisten am Werk!

Gedämpfte Laune kommt beim Blick auf die nun bestätigte deutsche Inflationsrate von 2,8 Prozent im Juli auf. Den Wegfall des Tankrabatts spüren Autofahrer beim Blick auf die Spritpreise, während Mineralölkonzerne hohe Gewinne einfahren. Die Kraftstoffe verteuerten sich zum Vormonat um 11,2 Prozent; auf Jahressicht sogar um 23 Prozent. Energie ist und bleibt beim Preis sowie der Versorgungssicherheit ein entscheidender Faktor für die Industrie. Doch in beiden Punkten sind die Zukunftsaussichten leider bescheiden.

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Newsletter vom 12. August 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Große Indizes im Rekordrausch

„An der Börse wird die Zukunft gehandelt!“ Auch wenn so etwas wie Frieden am Persischen Golf und die Ausweitung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus nach dem abgesagten Großangriff der USA noch nicht wirklich erreicht ist, beflügelt die Hoffnung darauf mal wieder die Märkte. Faktenbasiert sind ein rückläufiger Ölpreis bei knapp unter 80 US-Dollar sowie positive Zahlen und Ausblicke der Big Techs in den aktuellen Berichtssaison die unmittelbare Rechtfertigung für neue Rekordstände.

Der DAX sprang am Montag erstmals über die 26.000er-Marke und hält sich seit dem dort – mit Ausflügen bis auf 26.403 Punkte in der Spitze bisher. Den Juli konnte er am Freitag mit einem Monatsplus von 2,5 Prozent abschließen. In den USA schnellten gestern in einem erneut starken Handelstag der Dow Jones über die 54.000 und der S&P 500 über die 7.700 Punkte hinaus – so hoch wie nie zuvor. Der technologielastige Nasdaq 100 hatte im Juli rund 6,6 Prozent eingebüßt durch die Korrektur bei den zuvor stark gestiegenen Chip- und Halbleiterwerten. Aktuell fehlen hier aber auch nur 3,2 Prozent bis zum letzten Rekordhoch von Anfang Juni.

Von einem ruhigen Börsensommer ist dieses Jahr wenig zu spüren. Der jüngste Anstieg bestätigt Anleger, durchgängig investiert zu sein. Doch auf diesem Niveau über Gewinnmitnahmen nachzudenken, ist kein Zeichen von Schwäche. Wer will schon, dass die prachtvolle Ernte auf dem Feld von einem Unwetter dezimiert wird? Spätestens im September steht gemäß der Saisonalität ein schwieriger Börsenmonat bevor. Aber was gelten Muster und Regeln schon in diesen Zeiten.

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Newsletter vom 5. August 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Warten auf Bestätigung

Dass an der Börse die Erwartungen gehandelt werden, ist eine gängige Floskel, in der natürlich auch eine gute Portion Wahrheit steckt. Erwartungen allein taugen aber wenig als Fundament für eine abgewogene Investment-Entscheidung – deshalb braucht es Zahlen, Daten und Fakten zur Untermauerung. Diese Spurensuche gestaltet sich schwierig.

Die gestrige Nachricht des ZEW über kräftig gestiegene Konjunkturerwartungen gibt Hoffnung. Der Wert von 26,3 Punkten rangiert zwar nur im Mittelfeld der letzten zwei Jahre, aber vom Tiefpunkt im April (-17,2) hat sich der Indikator kontinuierlich erholt. „Das Reformpaket scheint Wirkung zu zeigen. Insbesondere die exportorientierten Sektoren, sowie die Binnennachfrage verzeichnen stabile Zuwächse“, kommentieren die Wirtschaftsforscher vorsichtig optimistisch. Die Kollegen vom ifo Institut könnten den Trend am Montag bestätigen, verweisen aktuell aber ebenfalls auf große Unsicherheiten, spürbar etwa bei Investitionshemmungen durch die US-Zollpolitik.

Auch die militärische Seite der Trump’schen US-Außenpolitik macht Börsianern weiter das Leben schwer. Ein schneller Indikator für die Kriegs- bzw. Friedensstimmung am Golf ist der Ölpreis: Für die Nordseesorte Brent müssen aktuell wieder knapp 95 USD bezahlt werden – vor drei Wochen waren es gut 30 Prozent weniger. Die mit KI-Erwartungen aufgeladenen US-Techwerte lassen sich bei Veröffentlichung der Quartalszahlen ein wenig in die Karten schauen. Heute nach US-Börsenschluss dürften alle Augen auf Alphabet gerichtet sein, aber auch Tesla und IBM berichten. Donnerstag folgen Intel und SAP – nächste Woche dann Microsoft und Meta sowie Apple und Amazon.

Der DAX zeigt derzeit Optimismus mit Werten über 25.000 Punkten. Das ist seit gestern wieder der Fall, aber für einen neuen Aufwärtstrend müssten noch die Marken bei 25.300 und 25.400 souverän genommen werden. Diese Bestätigung steht noch aus.

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Newsletter vom 22. Juli 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Ein gelungener Start

Die IPO-Rakete von SpaceX ist am Freitag erfolgreich abgehoben: Nicht nur, dass am ersten Tag Zeichnungsgewinne von bis zu 30 Prozent möglich waren – auch an den Folgetagen stieg der Kurs weiter. Aktuell sind es mehr als 50 Prozent und SpaceX hatte sich kurz schon zwischen Microsoft und Apple auf Rang 4 der wertvollsten Aktien einsortiert, Großaktionär Elon Musk wurde zum ersten Billionär (mehr als der Wert aller Bitcoins) und rund 4.400 der Mitarbeitenden haben über den Börsengang den Millionärsstatus erreicht. Und weil sowas vor wenigen Jahren niemand hat kommen sehen, bleibt die Zukunft ungewiss und die Börse so spannend!

Es war das inzwischen 38. Mal, als Donald Trump letzte Woche ein Ende im Iran-Konflikt angekündigte. Nachdem ein Rahmenabkommen am 80. Geburtstag des US-Präsidenten bereits digital unterzeichnet wurde, könnte es wirklich der Auftakt zu Friedensverhandlungen innerhalb der nächsten 60 Tage sein, wobei der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus umgehend wieder anlaufen soll. Der Ölpreis fiel von 90 auf 75 US-Dollar und die Börsen zogen weltweit an. In den USA notierte der Dow Jones gestern erstmals über 52.000 Punkte (vor 10 Jahren waren es 17.000), aber der DAX konnte Montag und Dienstag nur kurzzeitig über die 25.000er-Marke stiegen. Die Stimmung hier ist bescheiden und der Inflationsdruck hoch. Denn der umstrittene Tankrabatt hat zwar im Mai die Teuerungsrate auf 2,6 Prozent (April: 2,9%) gedämpft, aber er läuft Ende Juni aus.

Als Schritt gegen die anziehende Inflation im Euroraum erhöhte die EZB letzten Donnerstag den Einlagenzinssatz um einen Viertelprozentpunkt auf 2,25 Prozent – die erste Anhebung seit September 2023. Seitens der US-Notenbank wird heute Abend keine Veränderung erwartet, aber die erste Zinsentscheid-Sitzung unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh könnte trotzdem spannend werden, denn seine Amtszeit gilt als Beginn einer neuen Notenbank-Politik.

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Newsletter vom 17. Juni 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Mega-IPOs saugen Kapital ab

Ende nächster Woche steht der viel besprochene IPO von SpaceX an. Obwohl nur ca. 5 Prozent der Aktien an die Börse kommen, sind die Dimensionen schwindelerregend: Mindestens 75 Milliarden Dollar frisches Geld fließt dem Unternehmen zu und es wird eine Marktkapitalisierung von bis zu 2.000 Milliarden erwartet. Hauptaktionär Elon Musk wird wohl zum ersten Billionär der Geschichte und weil die Zulassungsregeln für den Nasdaq gelockert werden, wird das Unternehmen zumindest indirekt über ETFs schnell in den Depots vieler Investoren vertreten sein.

Dabei ist das namensgebende Weltraumgeschäft seit der umstrittenen Zusammenlegung mit xAI im Februar nicht mehr Hauptkern des Unternehmens, sondern das das Thema Künstliche Intelligenz und Data Center. Und hierzu ist es nicht der einzige anstehende Mega-IPO in diesem Jahr. Auch die KI-Überflieger OpenAI (ChatGPT) Anthropic (Claude) streben 2026 an die Börse. Zusammen kommen beide auf eine ähnliche Marktbewertung wie SpaceX und wollen nochmal rund 150 Milliarden Dollar oder mehr platzieren.

Von wo das neu zu investierende Kapital kommen soll, beschäftigt zur Zeit die Märkte. Die Dimension ist vergleichbar mit der Welle von Börsengängen ab Ende der 1990er Jahre – verteilt auf deutlich weniger Unternehmen. Sichtbare Mittelabflüsse sind bei den amerikanischen Bitcoin-ETFs zu beobachten: Die immer noch führende Digitalwährung notiert aktuell knapp unter 67.000 Dollar und damit 47 Prozent unter dem Rekordhoch vom letzten Oktober. Auch Gold und Silber haben in den letzten Monaten auffällig korrigiert. Vom AI-Hype getrieben bleiben die amerikanischen Börsen eng an ihren Höchstständen, während der DAX weiter im Kampf um die 25.000 Punkte gefangen bleibt. Mal sehen, wo der Kapitalmarkt-Staubsauer noch vorbei kommt.

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Newsletter vom 3. Juni 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Deeskalation pusht die Indizes

Nach unzähligen martialischen Drohungen scheint der US-Präsident im Iran-Konflikt einen Kurswechsel zu versuchen: Letzte Nacht kündigte er via Social Media an, die kürzlich in „Project Freedom“ umbenannte Militärmission (von einem Krieg sollte er besser nicht sprechen) vorübergehend auszusetzen, um Fortschritte für ein Abkommen zu erleichtern. Die Entspannung deutete sich bereits Ende letzter Woche an und lässt sich in moderat sinkenden Ölpreisen (WTI knapp unter 100 USD), aber kräftig steigenden Aktienindizes ablesen. Im Wochenvergleich notiert der DAX heute Vormittag satte 1.000 Punkte oder 4,4 Prozent höher.

In den USA vermelden S&P 500 und Nasdaq 100 praktisch börsentäglich neue Rekordstände: Im Monat April haben marktbreite Large Caps um 10,5 und die Technologiewerte um 15,7 Prozent zugelegt – letzteres war die stärkste Monats-Performance seit 23 Jahren. Dem deutschen DAX fehlen zwar noch rund 500 Punkte zum Rekordstand, er hat aber letzten Monat um starke 7,1 Prozent zugelegt und steht oberhalb der 200-Tage-Linie.

Wenig Grund zum Feiern gibt es in der deutschen Politik, ein Jahr nach dem Start der neuen Regierung. Der versprochene „Herbst der Reformen“ hat erst im Frühjahr zu Keimen begonnen und die Zustimmungswerte schmelzen dahin wie Eis in der Sonne – ebenso der Optimismus in der Wirtschaft und das Verbrauchervertrauen. Wenn sich die Koalitionäre nun auch in Deeskalation üben und konstruktiv zusammenarbeiten, besteht aber noch Hoffnung. Möge die Börsenstimmung ein Frühindikator für die Realität sein.

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Newsletter vom 6. Mai 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Verlängerung der Unsicherheit

Die Börse zeigt sich selbstbewusst trotz unsicherer Zeiten: Letzte Woche sprang der S&P 500 über die Marke von 7.000 Punkten und markierte am Freitag ein neues Rekordhoch – gleiches gelang dem Nasdaq 100 jenseits der 26.000 Punkte. Auslöser waren Nachrichten, dass der Iran die Straße von Hormus wieder geöffnet hat, was verschiedene Kreuzfahrtschiffe umgehend genutzt haben, die Sackgasse der Golfregion schnellstmöglich zu verlassen.

Die Situation für Öl- und Gastanker sowie Frachtschiffe bleibt aber unübersichtlich. Immerhin hat der US-Präsident letzte Nacht die zweiwöchige Waffenruhe kurz vor Ablauf nochmal verlängert, auch wenn der Terminplan für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen noch unklar ist. Die marktbreiten US-Indizes und der japanische Nikkei 225 haben in ihren Chartbildern damit eine V-förmige Erholung innerhalb von 7 Wochen abgeschlossen.

Für andere asiatische und europäische Aktienindizes ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen. Der DAX liegt rund 5 Prozent unter seinem Rekordstand von Mitte Januar beziehungsweise Ende Februar, auch wenn sich die Notierungen zuletzt über den 24.000 Punkten stabilisierten. Das Problem gestiegener Energiekosten lässt keine schnelle Lösung erwarten und belastet Unternehmen vornehmlich außerhalb des Leitindex: Die Zahl der Insolvenzen im ersten Quartal ist auf dem Höchststand seit 2005. Die Stimmungsindikatoren sind schlecht und das Vertrauen in wirksame Reformen fehlt. Nächste Woche tagen die Notenbanken und müssen wohl zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum abwägen. Auch wenn die Börse wie immer zum Sprung bereit steht – die Unsicherheit bleibt.

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Newsletter vom 22. April 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Spannung vor Entspannung

In den vier Tagen ohne Börsenhandel an Ostern ging es auf der Weltbühne weder ruhig noch friedlich zu. Die verbalen Eskalationen und Drohungen über den Social-Media-Account des US-Präsidenten erreichten gestern einen vorläufigen Höhepunkt, als mit dem geplanten Angriff auf den Iran der „Untergang einer ganzen Zivilisation“ angekündigt wurde. Die Newsticker der großen Medien berichteten minütlich über Entwicklungen und professionelle wie private Investoren hatten ein ungutes Gefühl für das mehrfach verschobene, nun aber in der Nacht auslaufende Ultimatum.

Doch zum Glück es kam anders: Kurs vor US-Börsenschluss rief Pakistan in der Rolle eines Vermittlers Trump zu einer zweiwöchigen Verlängerung des Ultimatums auf – während der Waffenruhe müsste dann auch der Iran die Straße von Hormus wieder öffnen. Der Ölpreis fiel unter 100 USD und die Aktienkurse zogen unmittelbar an. Das deeskalierende Vorgehen wurde in der Nacht von beiden Seiten bestätigt und auf einmal postet der US-Präsident von einem „großen Tag für den Weltfrieden“ und kündigt direkt das „goldene Zeitalter des Nahen Ostens“ an. Hier von einem weiteren TACO-Moment zu sprechen wäre dem Ernst der Lage nicht angemessen. Innenpolitisch waren zuvor große Empörung und Forderungen nach einer Amtsenthebung aufgekommen – in einem halben Jahr stehen Zwischenwahlen in den USA an.

Heute morgen, nach einem 10-Prozent-Rückgang beim Öl (Brent), eröffnete der DAX erstmal 1.100 Punkte (4,8 Prozent) höher und bewegt sich nun wieder an der 24.000er Marke. Damit ist die seit Anfang März unterschrittene 200-Tage-Linie wieder durchbrochen worden und könnte Unterstützung bieten. Ob sich die Entspannung ebenso schnell an den Preissäulen der Tankstellen bemerkbar macht darf bezweifelt werden. Der größte Profiteur der Hormus-Blockade dürfe Russland sein.

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Newsletter vom 8. April 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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