Zitat der Woche: Paul Singer

„Überraschenderweise verlassen sich selbst die anspruchsvollen Investoren, Händler und Kommentatoren fortgesetzt auf Prognosen von Leuten, die bei Prognosen keine Erfolgsbilanz vorzuweisen haben.“
Paul Singer
Investor
Mit Prognose-Feuerwerk ins neue Jahr
Das Börsenjahr 2023 ist in den Büchern und es war ein erfolgreiches: Der DAX präsentierte sich mit 20,3 Prozent Performance so stark wie zuletzt 2019. Mit neuem Verlaufshoch bei 17.003 Punkten Mitte Dezember ist angedeutet, in welche Dimension die Reise als nächstes gehen soll. In den USA bilanzierte der marktbreite S&P 500 mit einem Plus von 22,5 Prozent und im Technologieindex Nasdaq 100 waren es beachtliche 50,4 Prozent. Das Gold legte 2023 um 9,6 Prozent zu und der Bitcoin notierte 161 Prozent höher als zum Vorjahresschluss.
Lange bevor die erste Silvester-Rakete in den Himmel steigt, erscheinen zuverlässig die Prognosen für das nächste Börsenjahr – wobei eine Überprüfung der alten Zielwerte maximal in Nebensätzen stattfindet. Für den DAX sehen mehr als 20 befragte Banken einen Indexstand zwischen 18.600 (CMC Markets) und 15.400 (Bank of America), was einem Durchschnittswert von 17.240 Punkten (+2,9 %) für das Jahresende 2024 entspricht. Im S&P 500 liegt die durchschnittliche Erwartung bei 4.850 Punkten (+1,7 %), mit einer Spanne von 5.300 (Oddo BHF) bis 4.200 (JP Morgan).
Die Halbwertzeit solcher Prognosen ist eher gering und unterjährige Anpassungen verderben ein wenig den Spaß daran. Doch die Realität ist der größte Feind der Fantasie. Der Ende Oktober gestartete Kursanstieg ist Mitte Dezember in eine Seitwärtsphase gewechselt, was als gesunde Entwicklung gesehen werden darf. Die erwarteten und entsprechend eingepreisten Zinssenkungen sind noch mehr Hoffnung als Gewissheit und so schwankte der DAX in den ersten Handelstagen bereits um mehr als 500 Punkte. Wie die Notenbanken sollten Anleger nach dem Kursfeuerwerk der letzten Monate erstmal „auf Sicht“ fahren, bis sich der Rauch verzogen hat.


Newsletter vom 10. Januar 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Zitat der Woche: Warren Buffet (Prognosen)

„Prognosen erzählen mehr über denjenigen, der sie aufstellt, als über die Zukunft.“
Warren Buffett, Investorenlegende
Zitat der Woche: Peter Lynch

„Niemand war je in der Lage, die Börse Vorherzusagen. Es ist eine totale Zeitverschwendung.“
Peter Lynch, US-Fondsmanager
Vorsätze und Prognosen
Vorsätze und Prognosen – selten erklingen so viele davon wie um den Jahreswechsel. Und: Selten haben sie lange Bestand.
Doch während die Vorsätze meist nur einen selbst betreffen, können Prognosen echten Schaden anrichten: etwa wenn Anleger wegen möglicher Gefahren ihre Aktien verkaufen. Erinnern Sie sich noch? Schon vor zehn Jahren hätte laut Maya-Kalender die Welt untergehen sollen. Dow und DAX haben sich seitdem weit mehr als verdoppelt …
Ob ernsthafte oder abgedrehte Prognosen – letztlich sind sie meist nichts anderes als Raterei. Deshalb macht es mich auch nicht verrückt, wenn der Vermögensverwalter Blackrock für 2023 „die schmerzhafteste Rezession aller Zeiten“ voraussagt. Andere behaupten, es werde an der Börse ein zweites Minusjahr in Folge geben. Das gab es erst viermal seit der Weltwirtschaftskrise 1929. Und das zweite Jahr würde auch noch schlechter werden als das erste. J.P. Morgan wiederum stellt in Aussicht, am Anfang werde das Jahr chaotisch, aber im Verlauf dann besser.
Zugegeben, Prognosen treffen auch manchmal zu. Aber viel häufiger erweisen sie sich als Humbug. Deshalb: Ob die Sterne günstig stehen oder die Tarotkarten Unheil andeuten und vor allem, wenn Börsenexperten etwas vorhersagen – bleiben Sie gelassen. Denn egal, wie viele Daten (oder auch Bauchgefühl und Eigeninteresse) die Propheten in ihre Prognosen einfließen lassen: Sie sind sicherlich in der Lage, die Anleger zu verschrecken. Aber die Entwicklung des neuen Börsenjahrs vorhersehen, das können sie nicht! Auch ich nicht.
Übrigens gibt es eine weitere Prognose, resultierend aus einer altbekannten Börsenregel. Diese prophezeit, dass die ersten Handelstage des Jahres aussagekräftig für die weitere Richtung des Gesamtmarkts im restlichen Jahr sind. Da drücke ich doch mal für uns alle ganz stark die Daumen, dass diese Prognose zumindest für 2023 zutrifft, schließlich ging die erste Handelswoche des neuen Jahres beim DAX mit deutlichen Kursanstiegen zu Ende.


Newsletter vom 11. Januar 2023
Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“
