2026 – Was für ein Auftakt

Dr. Martin Moryson

Der erste Monat des noch jungen Jahres hat Schlagzeilen in einem Umfang geliefert, die sonst für ein ganzes Jahr reichen: Die Entführung des venezolanischen Machthabers durch die USA, der Wunsch des US-Präsidenten, Grönland zu US-Territorium zu machen, Eskalation im Iran und ein Ermittlungsverfahren der US-Staatsanwaltschaft gegen Fed-Chef Jerome Powell. All das garniert mit historisch rasanten Preisanstiegen bei Gold und Silber, die jedoch just zum Monatsultimo ebenfalls historisch rasante Preiseinbrüche erlitten. Schwierige Zeiten, um einen kühlen Kopf zu bewahren, aber umso wichtiger. Was also tun?

Zunächst einmal muss man festhalten, dass Donald Trump nach wie vor auf die Kapitalmärkte hört. Nachdem die Aktienkurse empfindlich auf die unklaren Ansprüche gegenüber Grönland reagiert haben und überdies viele Manager in Davos deutlich gemacht hatten, dass Europa für sie ein durchaus attraktiver Absatzmarkt ist, den sie über einem Zerwürfnis mit Europa verlieren könnten, hat der US-Präsident eingelenkt: keine Gebietsansprüche, keine „Strafzölle“ oder ähnliches. Auch die Nominierung des künftigen Fed-Präsidenten fiel auf einen „normalen“ Kandidaten, der durchaus auch mit der Unterstützung einiger Demokraten rechnen darf. Eine allzu unorthodoxe Wahl hätte die US-Renditen und damit die Zinslast des ohnehin fragilen US-Haushalts belastet.

Wenn man überdies einen Schritt zurücktritt, stellt man fest, dass die Wirtschaft mit all dem gut zurechtkommt. Wenn einem die vorangegangenen Krisen etwas gelehrt haben, dann dass die Menschen, und damit letztlich auch die Unternehmen und Volkswirtschaften, sehr anpassungsfähig sind. Sie stellen sich auf neue Umstände eben ein. So haben die US-Zölle zwar die Inflation ein wenig angetrieben, aber im Großen und Ganzen kommen die Firmen mit der neuen Steuer gut zurecht. Die Wirtschaft in den USA wuchs im dritten und vierten Quartal sehr ordentlich und die Einkaufsmanagerindizes zeigen weiteres Wachstum an. Der Welthandel legte im vergangenen Jahr real um rund 4,5 Prozent zu. Europa erlebt einen Aufschwung, der vor allem durch die Investitionen in die eigene Verteidigungsfähigkeit geprägt ist, aber auch von zunehmend robustem Konsum getragen wird.

Vor diesem Hintergrund ist man mit einem breit diversifizierten Portfolio immer noch sehr gut aufgestellt. Die Anleiherenditen sind auf einem auskömmlichen Niveau. Mit der Erwartung einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung sind die Aussichten für Aktien weiterhin gut – in den USA und in Europa. Also kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Newsletter vom 04. Februar 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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Gold – Rallye ohne Ende?

Dr. Martin Moryson

Welcher Anleger braucht Künstliche Intelligenz, wenn er auf natürliches Gold setzen kann? Das Edelmetall muss dieses Jahr nur mit anderen Metallen um den ersten Platz auf dem Rendite-Podium kämpfen. Mehr als 50 Prozent seit Jahresbeginn und in der Spitze 30 Prozent allein seit Ende August – das schafft Aufmerksamkeit. Bei diesen Zahlen schmerzt auch eine Korrektur wie Mitte Oktober – zumindest die Altanleger – kaum. Wie sieht es für Neuanleger aus? Der Versuch einer Einordnung.

Goldpreisprognosen sind heikel. Um nur drei Probleme zu nennen: 1. Mangels laufender Rendite wird eine fundamentale Bewertung stark erschwert. 2. Verstärkt wird dieses Problem durch die hohe Emotionalität, die Gold bei vielen Käufern auslöst. 3. Der Goldpreis macht, was er will. Er korreliert immer mit irgendwas. Mal mit Realrenditen, mal mit der Nachfrage der Zentralbanken, mal mit dem wahrgenommenen geopolitischen Risiko, mal mit der Schmucknachfrage aus Indien. Diese Korrelationen können Jahre andauern, nur um dann in kurzer Zeit einzubrechen. In den 2010er Jahren etwa bewegten sich Goldpreis und reale US-Anleiherenditen in nahezu perfekter negativer Korrelation. Doch seit drei Jahren steigen Goldpreis und Realrenditen gleichermaßen. Seitdem geben sich Erklärungsversuche für die Rally die Klinke in die Hand. Zurzeit beliebt ist die Sorge vor einer Geldentwertung. Und wer will, der kann einen Gleichlauf der Staatsverschuldung relativ zum BIP der G7 Staaten von 2002 bis 2022 mit dem Goldpreis sehen. Doch seit wiederum drei Jahren stieg Gold weit stärker als die Verschuldung und ist auch den Schuldenprojektionen des IMF für die kommenden Jahre weit enteilt.

Fangen wir mal bei Null, also bei Angebot und Nachfrage an. Auf der Angebotsseite war das Produktionsvolumen in den vergangenen zehn Jahren erstaunlich stabil; egal was Produktionskosten, Nachfrage oder Preis gemacht haben.

Ähnlich auf der Nachfrageseite. Zwar kauft immer irgendjemand mehr als im Vorjahr. Ob Zentralbanken in Summe (seit 2010 kräftige Nettokäufer), einzelne Zentralbanken (China 2023), ETF-Käufer (seit 2024 wieder) oder Indiens Hochzeitspaare. Allerdings halten sich letztere derzeit mit Käufen zurück. Besser gesagt: sie geben zwar die gleiche Summe aus, erhalten dafür aber weniger Material. Weniger preissensitiv zeigen sich deutsche Privatanleger, deren Kauflust im Tandem mit dem Preis zu steigen scheint. Aber im Aggregat ist die Nachfrage seit Jahren stabil und erklärt demnach die mittelfristigen Preisschwankungen auch nicht.

Was heißt all das für Anleger? Wenig. Außer, dass Gold eher zur langfristigen Anlage taugt: Seit die USA den Dollar nicht mehr an Gold gekoppelt haben – 1971 – hat der Greenback gegenüber Gold 99 Prozent seines Wertes verloren.

Newsletter vom 29. Oktober 2025

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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