Wer den Regenbogen will, muss den Regen in Kauf nehmen

Martin Schilling

In den letzten Wochen brauchten Aktionäre wieder einmal stabile Nerven. Sorgen über eine erneute Bankenkrise machten sich breit und ließen die Börsenindizes zwischenzeitlich heftig fallen. Dennoch können sich die meisten Aktionäre seit Jahresbeginn über ansehnliche Kurszuwächse freuen. Welche Lehren können hieraus für die Zukunft gezogen werden?

Nachdem im März in Amerika zwei Banken geschlossen wurden und in der Schweiz die Credit Suisse durch eine Notübernahme von der UBS gerettet wurde, machten sich an den Kapitalmärkten Sorgen um eine erneute Bankenkrise breit. In diesem Umfeld tauchte der DAX in kurzer Zeit um rund 1.000 Punkte ab und bescherte den Aktionären teilweise schlaflose Nächte. Erfreulicherweise haben sich diese Sorgen wieder etwas gelegt und die Aktienkurse konnten sich zum Ende des Quartals erholen. Seit Jahresbeginn steht für viele Indizes per Saldo ein relativ deutliches, gemessen am DAX sogar zweistelliges, Kursplus zu Buche. Waren also alle zwischenzeitlichen Ängste nur halb so schlimm?

Rückblickend über längere Zeiträume lässt sich feststellen, dass Krisen mit einer gewissen Regelmäßigkeit auftreten und die Aktienkurse teilweise heftig durcheinanderwirbeln. Dennoch haben sich langfristige Aktieninvestments in den allermeisten Fällen gelohnt. So hat, um beim DAX zu bleiben, der Deutsche Aktienindex in den rund 35 Jahren seines Bestehens deutlich zugelegt und sich nicht nur absolut, sondern auch im Vergleich zu anderen Anlageformen sehr positiv entwickelt. Dies beschrieb bereits der Börsenaltmeister André Kostolany sehr treffend mit dem Satz „Wer gut essen will, kauft Aktien; wer gut schlafen will, kauft Anleihen.“ Man muss als Anleger an den Kapitalmärkten also gewisse Risiken in Kauf nehmen, um einen höheren Ertrag zu realisieren.

Ferner erhöht ein langfristiger Anlagehorizont die Aussichten auf einen überdurchschnittlichen Ertrag. Auch hierzu gibt es ein Zitat des Börsenaltmeisters: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Allerdings ist diese Aussage nicht universell gültig. Wer vor 35 Jahren zum Start des Deutschen Aktienindex in ehemals etablierte DAX-Titel wie Deutsche Babcock, Feldmühle Nobel, Karstadt, Kaufhof oder Nixdorf investierte, kann eine ganz andere Geschichte vom langfristigen Investieren und zwischenzeitlichem Weggucken erzählen: Alle diese seinerzeit „goldgeränderten Standardtitel“ sind nach immer größer werdenden unternehmerischen Schwierigkeiten schließlich pleitegegangen.

Was lässt sich hieraus für zukünftige Anlageüberlegungen schließen? Aktien sind meistens, aber nicht in jedem Einzelfall, langfristig aussichtsreiche Anlagen. Zwischenzeitliche Schwankungen werden auch zukünftig auftreten und den Aktionären Sorgen bereiten, müssen aber gewissermaßen als Preis für die höheren erwarteten Erträge in Kauf genommen werden. Diese Schwankungen müssen Aktionäre sowohl von ihrer Mentalität als auch von ihrer persönlichen Vermögenssituation aushalten können.

Ein komplettes Weggucken während schlechter Aktienkursentwicklungen erscheint allerdings nicht geboten. Hier ist im konkreten Einzelfall der Hintergrund für die jeweilige Kursentwicklung genau zu hinterfragen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Wem dies im Detail zu kompliziert ist, dem hilft auch der Rat eines anderen bekannten Börsianers – Warren Buffett. Er sagte sinngemäß, es sei vorteilhaft, sich in solchen Fällen einen erfahrenen Geschäftspartner zu suchen und dann sehr genau zuzuhören, was er sagt, um von seinem Fachwissen zu profitieren. Meine Empfehlung an dieser Stelle: Investieren Sie in der für Sie passenden Mischung aus Kostolany und Buffett!

Newsletter vom 19. April 2023

Martin Schilling – Leiter Geschäftsstelle Private Banking Hannover
M.M. Warburg & CO

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Vorsicht liebe Anleger!

Risiken gehören zu jeder Kapitalanlage, insbesondere bei Aktien. Diese Risiken, so gewinnt man als Betrachter den Eindruck, sind vielen unerfahrenen Investoren, die erst in den letzten Jahren an die Börse gekommen sind, nicht ausreichend bewusst.

Da werden manche Aktien aus dem Technologie-Sektor gar mit dem 20-fachen des Umsatzes bewertet. Das ist nicht sonderlich schwer festzustellen: Ein Blick in die Bilanz oder ein Besuch einschlägiger Börsenportale. Dort den angegebenen Jahresumsatz ins Verhältnis zur Börsenkapitalisierung setzen – fertig. Das kann grundsätzlich jeder. Aber nur wenige Anleger tun es. Es scheint vielen, zumeist unerfahrenen Investoren, eher gleichgültig zu sein, sie verhalten sich offensichtlich wie die Lemminge.

Aber in der Geschichte der Kapitalmärkte sieht man eines immer wieder: Aktien, die zu teuer sind, fallen in der Regel irgendwann stärker als andere. Nicht immer sofort. Aber derart teure Dividendenwerte zu kaufen, ist meist besonders riskant.

Auch Portfolien oder Fonds, die mit solchen Aktien – in der letzten Zeit einfach durch „Mitschwimmen“ – Gewinn gemacht haben, der auch schnell wieder weg sein kann, sind gefährdet. Dies gilt besonders dann, wenn sie sich auch noch auf genau solche teuren Aktien konzentrieren, indem sie beispielsweise auf eine einzige Branche setzen, die gerade im Trend liegt, wie „Technology“. Denn was, wenn der Trend, der eben noch eine Branche hochjubelt, sich umkehrt?

Die Älteren erinnern sich noch an die Tech-Blase, die vor 20 Jahren platzte und viele Vermögenswerte vernichtete. Auch damals waren es übrigens nicht nur unerfahrene Anleger, sondern auch einige Profis, die schlicht auf dem falschen Fuß erwischt wurden und dabei viel Geld verloren.

Gibt es eine Möglichkeit, die Risiken durch teure Aktien wenigstens zu reduzieren? Das würde bedeuten, dass man sich die Arbeit macht und – gemessen an Unternehmenszahlen – zu teure Aktien ausschließt. Doch auch eine „billige“ Aktie kann fallen. Insofern muss man sich auch die weitere Mühe machen und anhand der Geschäftszahlen feststellen, welche Aktie im Verhältnis zu ihrem Wachstum und ihrer Stabilität günstig ist. Das funktioniert nur auf lange Sicht und am besten, wenn man nicht nur seine Lieblinge, sondern alle Aktien eines Marktes analysiert.

Genau das machen wir mit unserem Fonds. Die Ergebnisse sind bislang zufriedenstellend: Eine vergleichsweise hohe und nachhaltigere Rendite.

Der Autor Dr. Robert Velten ist Fondsmanager des Jahres 2020 und Berater des von Morningstar mit 5 Sternen ausgezeichneten Velten Strategie Deutschland Aktienfonds WKN: A2ATCU, der in Kooperation mit Donner & Reuschel als Verwahrstelle betrieben wird und an den Börsen Hamburg und Hannover zum Handel zugelassen ist.

Newsletter vom 10. März 2021

Dr. Robert Velten – Geschäftsführer
Velten Asset Management GmbH