Miese Stimmung an den Börsen
„Die Stimmung im Wagen ist gut“ witzelte einst Hape Kerkeling anlässlich der Führerscheinprüfung seines von sich selbst überzeugten Charakters Horst Schlämmer. Das passt zu Deutschlands Börsenstraßen. Zwar ist an der Wall Street auch keine Party mehr, aber hierzulande drückt mehr auf die Bremse – und nicht alle Anleger haben dabei eine Rheinische Frohnatur. Denn zu den Nörgelthemen Verwaltung und Steuern gesellen sich nun auch noch Inflation und ein gefährlicher Krieg.
Das riesige Volumen der US-Börsen ragt wie ein imponierendes Bankgebäude in die Höhe und lässt Deutschland dagegen wie die Sparkasse im Dorf aussehen. All dies lässt deutsche Aktienanleger derzeit nicht gerade selbstbewusst in die Zukunft blicken.
Die Kursentwicklung scheint ihnen recht zu geben. Denn zieht man die Dividenden ab, dann bleibt in den letzten 22 Jahren, seit dem 90er-Boom, wenig übrig. Diese Kursentwicklung stellt allerdings eine historische Ausnahme dar. Industrieländer weisen Studien zufolge (z.B. Dimson/Marsh/Staunton) eine auf lange Sicht überlegene Aktienentwicklung auf – trotz vergangener Kriege und Inflationen. (Auch die extreme Inflation von 1923 in Deutschland lief für Aktienanleger noch vergleichsweise gut – (Vgl. Gehlen 1994).
Auch in den letzten 22 Jahren steht Deutschland nicht schlechter dar als Italien, Frankreich, England und andere bedeutende Industrieländer. Daher gilt vermutlich noch immer: Langfristiges Engagement zahlt sich aus, und manchmal läuft gerade das besonders gut, was zuvor heruntergeprügelt wurde.
Vorsicht aber bei einzelnen Aktien. Diese können verschwinden. Was überlebt, sind in der Regel gute Strategien, die in Aktien diversifizieren. ETF-Anleger favorisieren dabei den Index, der eine einzige Strategie enthält, nämlich Aktien nach Größe zu gewichten. Für andere Anleger darf es ein bisschen mehr sein. Diese wählen Aktien nach wirtschaftlichen Kriterien aus – im Idealfall nach evidenzbasierten Strategien, die in Untersuchungen ihre Wirksamkeit herausgestellt haben.
Eine solche Strategie betreibe ich in der Velten Strategie Deutschland. Auch diese hat in letzter Zeit Federn gelassen, zeigt aber seit ihrem Bestehen, im Fondsmantel seit über 5 Jahren, dass sie sowohl Outperformance als auch absolute Performance geliefert hat. Dementsprechend hat der Fonds zahlreiche Auszeichnungen erhalten.
Selbst solche Strategien sind allerdings wertlos, wenn keine lange Haltedauer vorliegt. Denn erst dann können sie ihre Wirkung entfalten. „Die Stimmung im Wagen“ wird während dieser langen Haltedauer wahrscheinlich mehrmals wechseln. Aber der Motor läuft und führt zum Ziel.
Der Autor Dr. Robert Velten ist Fondsmanager des Jahres 2020 und 2021 sowie Berater des von Morningstar mit 5 Sternen ausgezeichneten Velten Strategie Deutschland Aktienfonds (WKN: A2ATCU) der in Kooperation mit Donner & Reuschel als Verwahrstelle betrieben wird und an den Börsen Hamburg und Hannover zum Handel zugelassen ist.
Disclaimer:
Die Velten Asset Management GmbH erbringt die Wertpapierdienstleistungen Anlageberatung und Anlagevermittlung ausschließlich für Rechnung und unter der Haftung der DWPT Deutsche Wertpapiertreuhand GmbH als vertraglich gebundener Vermittler gem. § 3 Abs. 2 WpIG und ist als solcher im öffentlichen Register der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingetragen. Kapitalanlage ist stets mit Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Verwahrstelle des Fonds ist die Donner & Reuschel AG, Kapitalverwaltungsgesellschaft die Universal Investment GmbH. Diese hält auch weitere Prospektunterlagen zu dem Fonds bereit.

Newsletter vom 12. Oktober 2022
Dr. Robert Velten – Geschäftsführer
Velten Asset Management GmbH

Die Stimmung ist (zu) gut
Der Optimismus der Aktienanleger ist groß. Dafür gibt es auch gute Gründe. Die Weltkonjunktur und mit ihr die Unternehmensgewinne werden sich in diesem und im kommenden Jahr von der Corona-Pandemie erholen. Gleichzeitig pumpen Regierungen und Notenbanken mehr Geld als je zuvor in die Wirtschaft. Und auch von den Konsumenten darf ein selten starker Wachstumsimpuls erwartet werden, wenn es nach einem Jahr, in dem rekordverdächtig gespart wurde, wieder mehr Möglichkeiten zum Geldausgeben gibt.
Das Geldvermögen der Privathaushalte ist in vielen Ländern, darunter USA und Deutschland, stark gestiegen. Und aktuell fließt mehr als sonst davon in die Aktienmärkte. Anfang Februar beobachtete die Bank of America mit 58,1 Milliarden Dollar in nur einer Woche die größten jemals gemessenen Zuflüsse in Aktienfonds. Auch der „Bull and Bear“-Indikator der Bank of America zeigt gefährlich hohen Optimismus: Der Indikator erreichte mit einem Wert von 7,7 auf einer Skala bis zehn den roten Bereich. Auch die Experten von Goldman Sachs beobachten seit Monaten steigende Risikobereitschaft und Sorglosigkeit.
Das Put/Call-Ratio passt mit seinem historisch niedrigen Niveau ins Bild: Das Interesse an Verkaufsoptionen ist im Verhältnis zur Zahl der gehandelten Kaufoptionen gering. Verkaufsoptionen (Puts) werden in Erwartung fallender Kurse gekauft, sei es zu Absicherungszwecken oder um bei fallenden Kursen Gewinne zu erzielen. Kaufoptionen (Calls) werden dagegen in Erwartung steigender Kurse gekauft. Eine Mehrheit rechnet also fest mit weiter steigenden Aktienkursen, während nur wenige Anleger auf fallende Kurse gut vorbereitet wären.
Der gefährlich hohe Optimismus hat auch die Fondsmanager erfasst. Für den „Fund Manager Survey“ befragt die Bank of Amerika weltweit jeden Monat gut 200 professionelle Fondsmanager. 91 Prozent der befragten Profi-Investoren glauben daran, dass sich die Wirtschaft weiter erholt. So hoch waren die Konjunkturerwartungen noch nie in der 26-jährigen Geschichte des „Fund Manager Survey“. Die Fondsmanager haben im Februar ihre Kassenquote auf durchschnittlich nur noch 3,8 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Stand seit acht Jahren.
Dieser hohe Optimismus gilt als gefährlich für die Börsen, weil schon wenige schlechte Nachrichten die hohen Erwartungen enttäuschen könnten und viele Anleger „auf dem falschen Fuß erwischen“ würden. Timing mittels solcher Stimmungsanalysen ist allerdings schwierig: Hoher Optimismus von Investoren kann monatelang anhalten.
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
