Aufwärtstrend lockt die Optimisten

Rund 1.500 Punkte hat der DAX in den letzten sechs Wochen hinzugewonnen. Dabei hat sich ein aufsteigender Trendkanal ausgebildet, der inzwischen zielsicher die 14.000er-Marke anpeilt, an der sich der deutsche Leitindex im zweiten Quartal zunächst als Unterstützungs- und dann als Widerstandszone abgearbeitet hatte. Aus dem Kurzzeitgedächtnis gestrichen scheinen die relativen Tiefs bei 12.400 Punkten in der ersten Juli-Hälfte. Der übergeordnete Abwärtstrend aus dem ersten Halbjahr ist aber noch nicht wirklich negiert und ein Rückschlag wäre das Abfallen unter 13.500 Punkte. Pessimisten sprechen von einer zwischenzeitlichen Bärenmarkt-Rally, aber die Zahl der Optimisten nimmt zu und gleichzeitig steigen leicht die Umsätze.

International zeigt sich ein ganz ähnliches Bild bei den großen Indizes, auch wenn die Dynamik der letzten Wochen nachlässt. Die Quartalszahlen der Unternehmen und die Wirtschaftsindikatoren liefern teilweise widersprüchliche Signale, etwa bei den Großhandelspreisen. Bei den deutschen Verbrauchern gilt inzwischen die aktuelle und erwartete Inflation als das mit Abstand größte Problem. Und diese Befürchtung ist realistisch: Mit dem Auslaufen der politischen Bremsmaßnahmen in diesem Monat halten Ökonomen für den Herbst eine Teuerungsrate im zweistelligen Bereich für wahrscheinlich. Zumindest vorübergehend.

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Newsletter vom 17. August 2022

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

Bodenbildung im Juli?

Nachdem das erste Börsenhalbjahr 2022 sich historisch schlecht entwickelt hatte, lässt die Performance der Indizes im Juli Hoffnung aufkommen. Der DAX verzeichnete ein Plus von rund 5,5 Prozent und zeigte sich damit im internationalen Vergleich noch zurückhaltend: EuroStoxx50 +7,3%, Dow Jones +6,7%, S&P 500 +9,1%, Nasdaq100 +12,6 %. Das wirkt überraschend vor dem Hintergrund, dass im gleichen Monat die Notenbanken in der EU und in den USA die Leitzinsen deutlich erhöht haben, die US-Wirtschaft technisch in einer Rezession ist und die Inflationsraten im Vorjahresvergleich weiter deutlich anstiegen. Lediglich in Deutschland bremsten der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket die Teuerungsrate ab; beide Maßnahmen enden aber zum nächsten Monatswechsel.

An den Märkten richtet man den Blick trotz ungelöster Probleme lieber in die Zukunft und versucht Optimismus zu verbreiten. „Die Börse hat ihren Boden gefunden“, bilanzierte unser Autor Hartmut Jaensch diese Woche bei n-tv und nennt unter anderem fallende Rohstoffpreise als mögliche Indikatoren. Bremsspuren sind also vorhanden. Ob es vom Durchstarten kommt, muss sich erst noch zeigen. Zudem neue Probleme in den Fokus rücken. Die geopolitische Spannungen zwischen China und den USA durch die provokante Taiwan-Reise der ranghohen US-Politikerin Nancy Pelosi scheint zunächst keine große Rolle für die Märkte zu spielen. Jedenfalls noch nicht.

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Newsletter vom 3. August 2022

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow