Zitat der Woche: Donald J. Trump – Krieg

„Ich denke, der Krieg ist so gut wie abgeschlossen.
[…]
Wir haben in vielerlei Hinsicht schon gewonnen, aber wir haben noch nicht genug gewonnen.“

Donald J. Trump
US-Präsident
(am 09.03.2026 gegenüber CBS zum Iran-Konflikt)

Krieg im Iran – was bedeutet dies für die Märkte?

Dr. Martin Moryson

Die Entwicklungen im Iran und in der umliegenden Region sind äußerst dramatisch. Wir hoffen auf eine baldige Verbesserung der Situation – vor allem für die Menschen vor Ort. Gleichzeitig bleibt es unsere Aufgabe, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts sowie die Konsequenzen für Anleger einzuschätzen.

Die Bedeutung des Irans für die Weltwirtschaft ist – abgesehen vom Ölpreis – gering. Nach Jahren der Sanktionen und Misswirtschaft ist das Land abgewirtschaftet. Zwar ist der Iran ein großer Ölproduzent, der für rund drei Prozent der globalen Ölproduktion steht, aber das Land ist zugleich ein großer Ölverbraucher und von den Exporten landet der Großteil derzeit in China. Aufgrund des aktuellen strukturellen Öl-Überangebots dürften die Folgen einer Produktionsbeeinträchtigung im Iran allerdings überschaubar bleiben.

Der dominante Transmissionskanal des Nahostkonflikts auf die globale Wirtschaft sind die Energiepreise. Durch die Straße von Hormus geht rund ein Fünftel des globalen Ölangebots und etwa der gleiche Anteil der globalen Flüssigerdgas-Produktion. Genau hier stecken die Probleme. Während der Ölpreis seit Jahresanfang um rund 33 Prozent gestiegen ist, haben sich die Gaspreise mehr als verdoppelt. Nach unabhängigen Berechnungen könnte sich der Flüssigerdgas-Preis nochmals verdoppeln, wenn die Straße von Hormus über Monate gesperrt bliebe.

Welche Überlegungen Donald Trump zu diesem Angriff bewogen haben, bleibt schwer abzuschätzen. Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass er die militärischen Aktivitäten beendet, sobald ihm die politischen Kosten zu hoch erscheinen. Zu diesen politischen Kosten zählen auch sinkende Aktienkurse und steigende Ölpreise – nicht jedoch ein steigender Flüssigerdgas-Preis. Der schmerzt Europa und freut die USA. Da überdies Europa Nettoimporteur und die USA Nettoexporteur von Erdöl sind, dürften zumindest in der kurzen Frist europäische Aktien stärker von dem Krieg betroffen sein als US-amerikanische. Für die sich anschließende Erholung ist allerdings ebenfalls zu erwarten, dass sie in Europa stärker ausfällt.

Vor diesem Hintergrund ist man mit einem breit diversifizierten Portfolio weiterhin gut aufgestellt. Die Anleiherenditen sind auf einem auskömmlichen Niveau. Mit der Erwartung einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung sind die Aussichten für Aktien weiterhin gut – in den USA und in Europa. So gesehen könnten die aktuellen Kursrückgänge sich durchaus als Kaufgelegenheiten erweisen.

Newsletter vom 04. März 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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Die lange Tanzkarte

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Wer heutzutage Standpunkte wie diesen hier schreibt, sollte nicht zu früh anfangen, denn die Ereignisse überschlagen sich schneller, als man ein Dokument abspeichern kann. Und ja, wir sollten eigentlich zu relevanten Themen im Bereich der KMU-Unternehmen schreiben anstatt zur Geopolitik, aber das hängt doch alles miteinander zusammen: Geostrategisches, Zinsentwicklung etc. Leser hier wissen ohnehin schon länger, was auf „uns“ (Europa) zukommt:
https://www.bondguide.de/topnews/mwb-kapitalmarkt-standpunkt-maga-ist-nicht-mega/

Haben wir uns damals gefragt, ob die Beschreibung des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht zu despektierlich ist, so müssen wir konstatieren: „Es kam schlimmer.“ Dennoch müssen wir uns damit befassen, denn der „Allmächtige“ im Weißen Haus hat ja nun einige Tanzrunden eröffnet, und die Frage stellt sich dem gespannten Beobachter, ob dies gut gehen kann.

Jedenfalls scheinen sich die Staaten der EU zu einer Reaktion nach dem „Anti-Coercion-Instrument“ einigen zu wollen und bitten womöglich zum Tanz. Ob dies nach der Veröffentlichung dieses Standpunktes gelingt, die europäische Super-Bazooka auszupacken, muss man mit höchster Spannung beobachten. Hier gabelt sich der europäische Weg. Obwohl Trump die italienische Rechtsaußen-Nudel mit einem Nudel-Zoll-Deal einfangen wollte, hat sie zu unserer Überraschung dem Mercosur-Abkommen zwischen der EU und Südamerika doch zugestimmt. Über Viktor Orbán machen wir uns keine Gedanken mehr. Aber: Neben Italien steht auch Polen nicht auf Batmans neuester Zolldrohung. Zwischenzeitlich merken auch die selbsternannten Alternativen, dass das Gebuckel vor dem vermeintlichen „Boss der autokratisch regierten Wunschwelt“ vielleicht eher in Richtung Verrat geht, als dass es eine zielführende Strategie sein kann. Wir selbst schreiben und träumen ja seit Langem von mehr Europa, wenngleich doch von einem stark reformierten.

Aber die Europäer haben noch viel mehr „im Köcher“. Die gesamte Industrie für Hochleistungschips baut diese nach unserem Verständnis auf Maschinen des holländischen Herstellers ASML. ASML liefert die Schlüsseltechnologie (EUV-Lithografie) für die Produktion von fortschrittlichen 3-nm- und 5-nm-Chips, die mit speziellen NXE-Systemen wie dem NXE:3600D hergestellt werden.

Wir haben keine Ahnung von den vertraglichen Verpflichtungen – aber diese scheren ja die handelnden Personen jenseits des Atlantiks auch nicht. Mit einem Lieferstopp wäre der ganze Zirkus rund um das Thema Künstliche Intelligenz erst einmal in der Winterpause. Dies hätte massive Auswirkungen auf die Kapitalmärkte, da die stark inflationierten Aktivitäten rund um KI bisher Treiber der Märkte waren.

Voraussichtlich macht die EU sich schadensersatzpflichtig, aber es bleibt die Frage, ob eine Unterwerfung unter Batmans Diktat nicht wesentlich teurer kommt. Ob man das dann wirklich umsetzt, ist noch eine andere Frage, aber die glaubwürdige Drohung dürfte auf der anderen Seite des Atlantiks zu tiefem Durchatmen führen. Ob Europa zu so einem Bluff fähig wäre, haben wir zumindest bis zum Wochenende bezweifelt.

Ob Batman einen weiteren Tanz mit dem Iran eröffnet, kann momentan niemand absehen. Seine Schiffe sind auf dem Weg, und wir würden darauf tippen, dass da etwas kommt, da ein Erfolg seines Tanzes um Grönland fragwürdig ist. Erfahrungsgemäß springt er dann auf ein anderes Parkett. Wir hoffen so oder so auf möglichst geringe zivile Opfer.

Ein noch wichtigerer Tanz steht für Batman innenpolitisch auf der Karte. Ob er das allerdings alles so mitbekommt beim abendlichen Cheeseburger vor dem TV, entzieht sich unserer Kenntnis. Es mag sein, dass die Reporting-Linien im Weißen Haus mittlerweile nahezu ebenso verbogen sind wie bei seinem „Kumpel“ im Kreml.

Jedenfalls haben sich die ersten Größen der Wall Street auf Batmans Tanzkarte eingetragen. Jeremy Barnum (CFO von JP Morgan) erwägt eine Klage der Bank gegen die US-Regierung wegen des verhängten Zinsstopps bei Kreditkarten. Batman hat nicht lange gefackelt und der Bank eine Klage wegen des Debankings seiner Person nach dem Sturm auf das Kapitol angedroht. JP Morgans CEO Jamie Dimon dürfte faktisch eine der mächtigsten Personen in den USA sein, und bisher hat Trump auf ihn gehört, wie im April 2025 bei der Ankündigung der Zölle. Die Regierung hat sicher noch einige Pluspunkte im Feuer. Hier wird es ebenfalls interessant.

Jerome Powell, der unabhängige Chef der US-Notenbank, ist Trumps unbequemster Gegenspieler in der Finanzpolitik. Trump bittet auch hier zum Tanz, indem er ihn öffentlich diffamiert und juristisch unter Druck setzen lässt. Das Ziel ist: ein neuer Notenbankchef, der sich nicht weigert, Wahlkampfpolitik mit Zinssenkungen zu finanzieren. Es bestehen aber berechtigte Zweifel, selbst bei Republikanern, ob dieser Schuss nicht nach hinten losgeht. Immerhin muss der Senat die Nominierung eines neuen Kandidaten bestätigen. Aber nicht nur wegen Powells hoher Reputation: Er gibt zwar den Vorsitz ab, bleibt aber bis 2028 im Gouverneursrat und kann dort weiterhin eine gewichtige Position einnehmen.

Es brodelt reichlich in den USA – wegen der innenpolitischen Situation und der Inflation sowie auch in der MAGA-Bewegung wegen der exterritorialen Aktivitäten, die eigentlich nicht auf der Agenda waren. Sollte der Souverän bei den Midterms im November noch unter „normalen“ Bedingungen zur Urne schreiten können und eher die Demokraten zum Tanz bitten, dürfte sich der Spuk deutlich verringern. Allerdings bestehen Befürchtungen, dass die derzeitige innenpolitische Eskalation eine ordnungsgemäße Wahl verhindern soll. Wird nicht ordentlich gewählt, haben die USA den Schritt von der Autokratie zu einer Diktatur endgültig vollzogen. Da die Bürger wohl zu 70 % unzufrieden sind, dürfte so etwas aber nicht ohne Reaktion bleiben. Ob Batman nun auf zu vielen Hochzeiten tanzt?

Den Europäern droht eben auch weiteres Ungemach, wenn sie nicht bald „aus dem Quark“ kommen. Denn die anhaltenden Spannungen mit den USA haben zu einer Exportoffensive chinesischer Unternehmen in den Rest der Welt geführt, und man hat sich auf zahlreichen Tanzkarten nach oben gearbeitet. Nach Daten des chinesischen Zolls ist der Handelsüberschuss im vergangenen Jahr auf 1,2 Billionen Dollar und damit um 5,5 % gestiegen, nach Deutschland sogar um 10,5 %. Das Ganze bei rückläufigen Importen Chinas. China ist damit von einer Werkbank zu einer Wirtschaftsmacht auf Augenhöhe geworden, die technologisch nicht nur mithalten kann. Die Automobilindustrie war erst der Anfang.

Europa wirft unter dem Druck der angeblichen öffentlichen Meinung bei der Automobilindustrie einen Blick in die Steinzeit (die taz lästerte über UvdL mit der Schlagzeile „Die Auspuffmutter“). Das Handelsblatt berichtet in der Heiligabend-Ausgabe (danke dafür, genau mein Humor) über Shanghai in Teilen als Vorbild für deutsche Städte: „Annähernd 70 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in Shanghai sind elektrisch betrieben.“ Ob die neuerlichen Pläne zur Förderung des Erwerbs von E-Autos in Deutschland zur Aufholjagd werden, bleibt abzuwarten. Es mangelt schlichtweg am Ausbau der Infrastruktur.

Derweil befasst sich die Bundesregierung, wenn sie nicht von außen getrieben wird, vermutlich mit sich selbst. Zwar hat Friedrich Merz Berichte über ein Revirement des Kabinetts erst einmal dementiert, aber das Karussell hat ja bereits Fahrt aufgenommen. So wurde bereits der Büroleiter im Kanzleramt ausgewechselt, gegen den bisherigen Bundesgeschäftsführer der CDU, Birkenmaier. Diesem folgt der bisherige Leiter Politik und Programm aus dem Konrad-Adenauer-Haus nach. Aber vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März wird aufgrund der Parteiräson erst einmal nichts weiter passieren, obwohl das vielleicht sogar hilfreich sein könnte – nach den Eskapaden von „Eurer Exzellenz“ oder dem „Maskenmann“.

Was hat das alles mit den KMU-Investments zu tun? Wir glauben weiterhin an eine Rotation weg von den bisherigen Modebranchen, wo das Chance-Risiko-Verhältnis u. E. nicht mehr angemessen ist, hin zu mittelständischen Unternehmen, die sich nicht nur in Larmoyanz ergehen, sondern in diesem wechselhaften Umfeld gut zurechtfinden. Eine Einigkeit Europas und eine Revision weg von einem Bürokratiemonster wären hier aber förderlich. In Anbetracht der Herausforderungen dürfte der Finanzierungsbedarf dieser Unternehmen weiterhin gegeben sein. Die Branche stellt sich darauf ein. So gab es zuletzt diverse Konsolidierungen von Marktteilnehmern, die sich von der Tanzkarte auf dem Kapitalmarkt für Mittelständler zurückgezogen haben. Aber ebenso sind nun neue Akteure auf den Plan getreten, und auch unser Haus entwickelt seine Aktivitäten zum Mittanzen konsequent, aber mit Augenmaß weiter. „If there is no competition, there is probably no market.“

Zu mwb:

Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 46.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.

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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt

vom 21. Januar 2026
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Kontakt und weitere Informationen:
mwb Wertpapierhandelsbank AG         
Kai Jordan                 
Kleine Johannisstraße 4        
20457 Hamburg                     
Tel: +49 40-360995-20                    
E-Mail: kjordan@mwbfairtrade.com

Warum Donald Trump noch unberechenbarer werden könnte

Carsten Mumm

Auch im neuen Jahr 2026 hat US-Präsident Donald Trump bereits wieder einige Schlagzeilen produziert. Medial hat die Festsetzung des venezolanischen Präsidenten Maduro für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt. Hinzu kamen erneute Ambitionen, Grönland zu kaufen und Drohungen gegenüber Iran, Kuba und anderen Staaten. Auswirkungen auf Kapitalmärkte und Rohstoffbörsen blieben allerdings moderat.

Mehr Potenzial auf Zinsen, Aktienkurse und Währungen zu wirken, haben eher die Hinweise auf künftige innenpolitische Akzente vor dem Hintergrund aktuell sehr schwacher Umfragewerte und mit Blick auf die im Herbst anstehenden Zwischenwahlen zum Kongress. Dabei geht es um das Kernthema „Affordability“, also Erschwinglichkeit bzw. die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten. Obwohl die durchschnittlichen Löhne zuletzt vielfach noch stärker gestiegen sind als die Preise für Waren und Dienstleistungen, besteht in den USA das verbreitete Gefühl, dass man sich immer weniger leisten kann. Anders als im Präsidentschaftswahlkampf 2024 kann Trump die Schuld an den noch immer recht hohen Teuerungsraten aber nicht auf die Demokraten schieben.

Trumps Blick richtet sich daher wie schon seit Monaten auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Dessen amtierender Präsident Jerome Powell könnte kurzfristig wegen Falschaussagen über die Kosten des Umbaus der Fed-Zentrale strafrechtlich angeklagt werden. Es ist zumindest naheliegend, dass diese Aktion im Zusammenhang mit der seit Monaten immer schärferen Kritik Trumps an den seiner Meinung nach zu hohen Leitzinsen steht. Allerdings bedeuten tiefere Leitzinsen nicht notwendigerweise, dass auch die Zinsen bei längeren Laufzeiten und damit die Kreditkonditionen für Private, Unternehmen und die Regierung sinken. Daher hat Trump weitere Regelungen ins Spiel gebracht, bspw. die Deckelung von Kreditkartenzinsen, den Aufkauf von Hypothekenkrediten oder ein Verbot für Institutionelle, Einfamilienhäuser zu kaufen. Schon im letzten Jahr war zudem von 2.000-Dollar-Schecks die Rede, die an Bezieher mittlerer und geringer Einkommen versandt werden könnten.

Staatliche Eingriffe in den Markt und weitere fiskalpolitische Expansion könnten jedoch höchstens kurzfristig für eine preisliche Entlastung sorgen. Vor allem aber zeigen sie, dass politische Risiken in den USA enorm gestiegen sind, schrecken Investoren sowie Käufer von US-Aktien und Anleihen ab und schwächen den Status des Dollar als Weltleitwährung.

Newsletter vom 14. Januar 2026

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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Börse Düsseldorf: Liberation Day als Börsen-Unwort 2025 gewählt

  • Trumps Zollpolitik nach dem „Liberation Day“ wirbelte die Märkte durcheinander
  • Kandidaten „Big Beautiful Bill“ und „Friedensangst“ landen auf den Folgeplätzen
  • Profis aus dem Börsenumfeld bestimmten zum 25. Mal das Unwort der Branche

Düsseldorf, 13. Januar 2026 – Der „Liberation Day“ bleibt als prägendes Unwort der Börsen- und Finanzwelt für das Jahr 2025 in Erinnerung. Zu diesem einhelligen Urteil kam sowohl die Experten-Umfrage unter den Mitarbeitenden der Börsen, Market Maker und Gremien, als auch das öffentliche Online-Voting. Auf das Gewinnertreppchen schafften es des Weiteren die Kandidaten „Big Beautiful Bill“ und „Friedensangst“, während für „Fiskal-Bazooka“ und „Demokratisierung der Geldanlage“ nur die Folgeplätze blieben. Es ist das 25. Mal, dass am Düsseldorfer Handelsplatz das offizielle Börsen-Unwort für das vergangene Jahr ermittelt wird. Begonnen hatte es mit dem Begriff „Gewinnwarnung“ für das Jahr 2001.

US-Präsident Donald Trump proklamierte am 2. April 2025 den „Liberation Day“, als er ankündigte, für rund 180 Länder und Territorien neue Zölle auf in die USA importierte Waren zu erheben. Während der Name eine Befreiung der US-Wirtschaft von vermeintlich unfairen Handelspartnern suggerierte, verbarg sich dahinter die Ankündigung der aggressivsten Zollpolitik seit Jahrzehnten. An den internationalen Börsen lösten die Zölle einen massiven Kursrutsch aus, führten zu einer höheren Volatilität und belasteten insbesondere Branchen, die von globalen Lieferketten abhängen. Für private wie institutionelle Anleger bedeutete dieser Tag keine Befreiung, sondern der Beginn erheblicher Marktunsicherheit. Mit „America First“ wurde dem US-Präsidenten bereits für das Jahr 2018 ein Börsen-Unwort zugeschrieben.

„Alle Äußerungen von US-Präsident Donald Trump – egal ob in Interviews, offiziellen Statements oder auf Social Media – werden von der Börse sehr aufmerksam verfolgt und können oftmals Auslöser für steigende oder fallende Kurse sein“, so Dr. Rolf Deml, Geschäftsführer der Börse Düsseldorf. „Auch wenn die angekündigten Zölle durch intensive Nachverhandlungen und bilaterale Abkommen inzwischen vielfach gesenkt wurden, markiert der Liberation Day einen Wendepunkt im globalen Welthandel und hat die Beziehungen der USA zu Deutschland und Europa nachhaltig belastet“, so der Börsenchef weiter.

Das zweitplatzierte Börsen-Unwort „Big Beautiful Bill“ geht auf Trumps Wirtschafts- und Steuerpolitik im letzten Jahr zurück. Die „Friedensangst“ kam 2025 bei manchen Aktionären von im Kurs hoch gelaufenen Rüstungsaktien auf, wenn sich in militärischen Konfliktherden eine Entschärfung der Lage abzeichnete. Als „Fiskal-Bazooka“ wurde das im Parlament als Sondervermögen verabschiedete milliardenschwere Investitionspaket bezeichnet, unter anderem zur Modernisierung von Infrastruktur und Verteidigung. Und unter dem Deckmantel einer „Demokratisierung der Geldanlage“ wurde Privatanlegern ein niederschwelliger Zugang zur riskanten Assetklasse Private Equity ermöglicht, die bisher nur besonders vermögenden oder professionellen Investoren vorbehalten war.

Seit 25 Jahren ermittelt das Team der Börse Düsseldorf ein Börsen-Unwort im jährlichen Rückblick. Die Wahl erfolgt in Anlehnung an die 1991 ins Leben gerufene sprachkritische Aktion des Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser. Die bisherigen Börsen-Unwörter lauten: „StaRUG“ (2024), „Ultradiversifikation“ (2023), „Zufallsgewinne“ (2022), „Taschengeld-Trader“ (2021), „Corona-Gewinner“ (2020), „Finanztransaktionssteuer“ (2019), „America First“ (2018), „Bitcoin Boom“ (2017), „Anlagenotstand“ (2016), „Zinswende“ (2015), „Guthabengebühr“ (2014), „Billiges Geld“ (2013), „Freiwilliger Schuldenschnitt“ (2012), „Euro-Gipfel“ (2011), „Euro-Rettungsschirm“ (2010), „Bad Bank“ (2009), „Leerverkauf“ (2008), „Subprime“ (2007), „Börsen-Guru“ (2006), „Heuschrecken“ (2005), „Seitwärtsbewegung“ (2004), „Bester Preis“ (2003), „Enronitis“ (2002) und das erste Düsseldorfer Börsen-Unwort war „Gewinnwarnung“ (2001).

Über die Börse Düsseldorf

Die Börse Düsseldorf ist einer der wichtigsten Handelsplätze für Privatanleger in Deutschland. Im maklergestützten Handel sichert das seit 1999 bestehende Quality Trading erstklassige Handels­bedingungen und Leistungsgarantien, beispielsweise Courtage-Befreiung für alle Aktiengeschäfte. Zudem können Anleger seit 2001 über das elektronische Handelssystem Quotrix ganz ohne börsliche Kosten, schnell und direkt mit dem Market Makern handeln oder Limitorders platzieren – inklusive neutraler Handelsüberwachung. Neben den handelsseitigen Leistungen bietet die Börse Düsseldorf im Freiverkehr unter anderem mit dem Qualitätssegment Primärmarkt attraktive Listing-Möglichkeiten für kleinere und mittelgroße Unternehmen. Die nordrhein-westfälische Börse hat ihren Ursprung im Jahr 1553 in Köln, 1875 fand die erste Düsseldorfer Börsenversammlung statt. Seit 2017 ist die BÖAG Börsen AG Trägerin der öffentlich-rechtlichen Börse Düsseldorf. Sie betreibt zudem die Börse Hamburg und Börse Hannover inklusive deren elektronische Handelssysteme LS Exchange und European Investor Exchange.

US-Energieaktien springen an – doch global ist der „Maduro-Effekt“ minimal

Violeta Todorova

Festnahme von Machthaber erschüttert geopolitische Ordnung, verändert den
Ölmarkt kurzfristig jedoch kaum.

Venezuela rückt als strategischer Energiehebel der USA wieder in den Fokus.

Chancen für US-Ölkonzerne sind langfristig – kurzfristige Kursreaktionen dürften überzogen sein.

Die militärische Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die Vereinigten Staaten zählt für die Energiemärkte zu den folgenschwersten geopolitischen Ereignissen der vergangenen Jahre. Offiziell begründet mit dem Ziel, Demokratie und regionale Stabilität wiederherzustellen, hat die Operation umgehend eine deutlich sensiblere und tiefere Frage neu entfacht: Wer kontrolliert Venezuelas Öl – und warum gerade jetzt?

US-Präsident Donald Trump erklärte, die USA würden künftig die Kontrolle über Venezuelas enorme Ölreserven übernehmen und amerikanische Energieunternehmen dazu bewegen, Milliardenbeträge in den Wiederaufbau der stark verfallenen Öl-Infrastruktur des Landes zu investieren. Die politische Botschaft ist ebenso eindeutig wie provokant.

Trotz der Tatsache, dass Venezuela über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt verfügt, fiel die unmittelbare Reaktion des Ölmarktes überraschend verhalten aus. Die Rohölpreise bewegten sich kaum. Dies unterstreicht eine zentrale Realität der heutigen Energiemärkte: Sie werden weniger von geopolitischen Schlagzeilen als von strukturellen Angebots- und Nachfragefaktoren bestimmt. Unter der Oberfläche jedoch entfaltet die Festnahme Maduros erhebliche Bedeutung: für die Öl-Geopolitik, die US-Energiestrategie und die langfristige Preisbildung.

Warum Maduro – und warum jetzt?

Der Zeitpunkt der Intervention ist entscheidend. Unter Maduro hatte sich Venezuela zunehmend China, Russland und dem Iran angenähert und rivalisierenden Mächten erlaubt, ihren Einfluss in einer Region auszubauen, die Washington weiterhin als ihre strategische Einflusssphäre betrachtet. Caracas akzeptierte Zahlungen für Rohöl außerhalb des US-Dollars, vertiefte seine Beziehungen zu den BRICS-Staaten und soll iranische Drohnenfertigungsanlagen beherbergt haben, während russische Militärberater im Land operierten.

Aus Sicht Washingtons war Venezuela damit nicht länger lediglich ein gescheiterter Petro-Staat, sondern ein geopolitischer Außenposten rivalisierender Mächte. Die Intervention erscheint daher weniger als Maßnahme gegen Drogenhandel, zur Stärkung des Staatsmodells Demokratie oder zur kurzfristigen Stabilisierung des Ölangebots, sondern vielmehr als Versuch, strategische Kontrolle über Energieflüsse zurückzugewinnen, den Einfluss von Rivalen in Lateinamerika einzudämmen und die politische Hebelwirkung über eine Ressource zurückzuerlangen, die weiterhin das Fundament globaler Macht bildet.

Die Ereignisse vom Wochenende verdeutlichen eine zunehmende geopolitische Fragmentierung. Die USA justieren ihre wirtschaftlichen und strategischen Beziehungen zur Welt neu, wie es auch in der jüngsten nationalen Sicherheitsstrategie zum Ausdruck kommt. Wie sich diese regionale Fragmentierung weiterentwickelt und welche globalen Folgen sie nach sich zieht, bleibt ein zentraler Beobachtungspunkt.

Wie Venezuela seine Ölindustrie verlor

Der Niedergang der venezolanischen Ölindustrie begann nicht erst mit US-Sanktionen. Seine Wurzeln reichen bis in die Ära Chávez zurück, als ausländische Ölkonzerne gezwungen wurden, die operative Kontrolle an den staatlichen Konzern PDVSA abzugeben. Verträge wurden neu geschrieben, Vermögenswerte enteignet, Kapital floh aus dem Land.

Chevron entschied sich zu bleiben und verhandelte Joint Ventures, die eine reduzierte, aber kontinuierliche Präsenz ermöglichten. Exxon Mobil und ConocoPhillips verließen das Land, zogen vor internationale Schiedsgerichte und erstritten milliardenschwere Entschädigungen, die Venezuela nie beglich. Mit dem Abzug ausländischer Expertise wurde PDVSA zunehmend politisiert, chronisch unterfinanziert und unfähig, selbst grundlegende Betriebsstandards aufrechtzuerhalten.

Als Maduro die Macht übernahm, war die Industrie bereits weitgehend ausgehöhlt. Die 2019 verhängten US-Sanktionen lösten den Kollaps nicht aus, beschleunigten ihn jedoch massiv, indem sie Exportmärkte verschlossen, den Zugang zu Finanzierungen blockierten und den Import von Verdünnungsmitteln verhinderten, die für die Verarbeitung des schweren venezolanischen Rohöls notwendig sind. Die Produktion fiel von über drei Millionen Barrel pro Tag Anfang der 2000er-Jahre auf rund eine Million Barrel im vergangenen Jahr – trotz geschätzter 303 Milliarden Barrel nachgewiesener Reserven.

Warum der Ölpreis kaum reagierte

Angesichts des Umfangs der Intervention wirkt die verhaltene Reaktion der Ölpreise
zunächst paradox. Die Erklärung liegt in einem Überangebot. Neue Produktionskapazitäten kommen in den USA, Brasilien, Guyana und Argentinien auf den Markt, während die OPEC+ freiwillige Förderkürzungen zurücknimmt und das globale Nachfragewachstum gedämpft bleibt.

In diesem Umfeld ist Venezuelas aktuelle Produktion, die weniger als ein Prozent des weltweiten Angebots ausmacht, schlicht zu gering, um den Markt zu bewegen. Zudem ist den Marktteilnehmern bewusst, dass selbst drastische politische Veränderungen nicht über Nacht zu neuen physischen Liefermengen führen.

Das Öl, das weiterhin zählt

Venezuelas Bedeutung liegt weniger in der heutigen Fördermenge als in der Art des Rohöls und der schieren Größe der Reserven. Das Öl ist schwer und schwefelhaltig, vergleichbar mit kanadischen Ölsanden. Viele Raffinerien an der US-Golfküste wurden ursprünglich genau für diese Eigenschaften ausgelegt.

Trotz ihrer Stellung als größter Ölproduzent der Welt bleibt die USA strukturell auf Importe schweren Rohöls angewiesen. Ein erheblicher Teil der Raffineriekapazitäten arbeitet am effizientesten mit dieser Sorte, insbesondere für Diesel und industrielle Kraftstoffe. Die Sanktionen gegen venezolanisches Öl verschärften diese Märkte, während Kanada zum dominierenden Lieferanten aufstieg.

Hier liegt das langfristige Wiedereintrittspotenzial Venezuelas. Chevron gilt als wahrscheinlichster Ankerinvestor, gestützt auf seine kontinuierliche Präsenz und technische Erfahrung. Auch Exxon Mobil und ConocoPhillips könnten zurückkehren – allerdings nur unter neuen politischen und kommerziellen Rahmenbedingungen.

Der Wiederaufbau wird Jahre dauern

Die Erwartungen an eine schnelle Wiederbelebung der venezolanischen Ölindustrie sind fehlgeleitet. Pipelines sind Jahrzehnte alt, Produktionsanlagen stark korrodiert und technisches Know-how weitgehend verloren gegangen. Schätzungen zufolge wären Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe nötig, um die Produktion auf frühere Höchststände zurückzuführen.

Selbst unter einer stabilen, US-freundlichen Regierung würden sich erste Maßnahmen auf die Stabilisierung der bestehenden Förderung konzentrieren, nicht auf deren Ausweitung. Ein nennenswerter Produktionsanstieg dürfte nahezu ein Jahrzehnt benötigen.

Washington hat zudem klargestellt, dass US-Ölkonzerne einen Großteil des Wiederaufbaus vorfinanzieren sollen, bevor sie für enteignete Vermögenswerte entschädigt werden. Diese Bedingung erhöht die finanziellen und politischen Risiken erheblich und dürfte Vorstände wie Aktionäre vorsichtig stimmen.

Was das für die Ölpreise bedeutet

Kurzfristig verändert Venezuelas politischer Neustart wenig an den Rohölpreisen. Die Wahrnehmung mag sich schneller verschieben als die Realität, doch das physische Angebot bleibt unverändert. Langfristig jedoch könnte eine schrittweise Rückkehr Venezuelas als Preisdeckel wirken – insbesondere bei anhaltendem globalem Überangebot. Zusätzliches schweres Rohöl würde kanadische Produzenten unter Druck setzen und die Steuerungsversuche der OPEC+-Staaten weiter verkomplizieren.

Warum US-Ölaktien stark reagierten

US-Ölkonzerne verzeichneten nach der Festnahme Maduros deutliche Kursgewinne – nicht weil Investoren kurzfristig mit steigender Produktion rechnen, sondern weil das Ereignis langfristige Optionen eröffnet. Der potenzielle Zugang zu den größten Ölreserven der Welt, verbesserte Raffineriemargen durch schweres Rohöl und eine strategische Ausrichtung im Einklang mit der US-Energiepolitik stärken die Investmentthese.

Chevron erscheint als klarer Hauptprofiteur, während Exxon Mobil und ConocoPhillips zusätzlichen strategischen Spielraum gewinnen könnten, falls sie eine Rückkehr in Betracht ziehen. Dennoch handelt es sich hierbei nicht um eine kurzfristige Ertragsgeschichte, sondern um eine langfristige Option. Entsprechend scheinen die aktuellen Kursrallyes anfällig – und eher von begrenzter Dauer.

Anleger, die kurzfristige Effekte des Geschehens ins Venezuela taktisch nutzen möchten, können dies bspw. mit dem +2x Long WTI Oil ETP oder alternativ dem -2x Short WTI Oil ETP von Leverage Shares.

Über Leverage Shares: 
Leverage Shares ist der Pionier und größte Emittent von börsengehandelten Produkten (ETPs) aus dem Einzelaktien-Segment in Europa. Das mit den International Financial Awards (Bester ETP-Anbieter 2021) ausgezeichnete Unternehmen wurde 2017 gegründet und bietet mehr als 160 ETPs an, die sowohl gehebelte als auch ungehebelte Investments in Einzelaktien, ETFs und Rohstoffen beinhalten. IncomeShares ETPs sind darauf ausgelegt, durch den Verkauf von Optionen auf beliebte Vermögenswerte hohe monatliche Erträge zu erzielen. Sie bieten Anlegern eine einfache und transparente Möglichkeit, an ertragsorientierten Strategien teilzuhaben – ohne die Komplexität der selbstständigen Verwaltung von Optionen.
Der Basisprospekt für Leverage Shares wurde von der irischen Zentralbank als zuständiger Behörde gemäß der EU-Verordnung 2017/1129 und der Financial Conduct Authority (FCA), als zuständiger Behörde gemäß der britischen Fassung der Verordnung, genehmigt. Die EU-Verordnung 2017/1129  ist gemäß des EU-Austrittsgesetz (European Union Withdrawal Act 2018) ebenfalls Teil des britischen Rechts.
Weitere Informationen finden Sie unter: https://leverageshares.com/de/
Newsletter vom 7. Januar 2026

Gastkommentar von Violeta Todorova,
Senior Research Analyst bei Leverage Shares

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Unter Druck

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Die jüngsten Signale aus Washington zeigen deutlicher denn je, wie eng sich Teile der US-Republikaner mit Europas Rechtspopulisten verflechten – und wie Donald Trump diese Allianz nicht nur duldet, sondern strategisch vorantreibt. Während US-republikanische Politiker in Deutschland die AfD hofieren, nutzt Trump nahezu jede Bühne, um Europa frontal anzugreifen. Seine Grußbotschaften an AfD-Funktionäre, die demonstrative Nähe zu Elon Musks Netzwerk X und die laute Empörung über die EU-Strafe gegen die Plattform stehen sinnbildlich für eine Entwicklung, die viele europäische Politiker inzwischen als fundamentalen Bruch mit transatlantischen Werten bewerten. Es geht längst nicht mehr um unterschiedliche Positionen – es geht um ein mögliches strategisches Zerwürfnis, das die Grundarchitektur der westlichen Allianz infrage stellt.

Trump verfolgt dabei ein bemerkenswert klares Narrativ: Europa sei „schwach“, „verfallen“, ein „decaying continent“. Diese Wortwahl ist kein Ausrutscher eines impulsiven Politikers, sondern ein bewusst eingesetztes rhetorisches Instrument. Sie soll Europa delegitimieren und die öffentliche Wahrnehmung verschieben – weg vom Bild einer Partnerregion, hin zum Bild eines dysfunktionalen Gegenspielers. Dass sich Trump ausgerechnet per Videobotschaft bei einem Wahlkampfauftritt der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel zuschaltet, ist deshalb mehr als Symbolpolitik. Es ist eine offene Kampfansage an das politische Zentrum Europas. Für die AfD, die sich seit Jahren an Russland und zunehmend an US-Hardliner-Kreise anlehnt, ist diese Geste ein willkommenes Instrument der Selbstaufwertung.

Gleichzeitig baut Trumps Umfeld, fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, an einem transatlantischen Netzwerk rechter Einflusszonen. Die jüngsten Reisen deutscher Rechtspopulisten in die USA – Treffen mit republikanischen Senatoren, Lobbyisten und einschlägigen Thinktanks – machen deutlich, wie weit diese Achse inzwischen gediehen ist. Was hier entsteht, ist kein loser Austausch, sondern eine ideologische Infrastruktur: ein grenzüberschreitendes Projekt, das demokratische Regulierung als Bedrohung und staatliche Kontrolle als Feind markiert. Auffällig ist dabei, wie offen republikanische Abgeordnete inzwischen deutsche Debatten kommentieren und die EU mit einer Schärfe attackieren, die früher undenkbar war.

Vor diesem Hintergrund wirkt Trumps Wutausbruch über die EU-Sanktionen gegen X – sein berüchtigtes „nasty one“ – wie ein weiterer Baustein einer größeren Strategie. Trumps Ziel ist es, die EU nicht nur als politischen Wettbewerber, sondern als illegitime Instanz erscheinen zu lassen. Gerade die Kombination aus kraftmeiernden Attacken („decaying“) und seinen Andeutungen, die Unterstützung für die Ukraine zu reduzieren, zeigt: Trump versucht, Europa zugleich sicherheitspolitisch und moralisch zu destabilisieren. Wer Europa als moralisch bankrott darstellt, hat keine Hemmungen, es geopolitisch zu schwächen.

Diese Rhetorik reiht sich ein in das Muster globaler autoritär-populistischer Bewegungen. Während AfD-Politiker in Washington von angeblich „coup-ähnlichen Zuständen“ in Deutschland sprechen, stilisiert sich Trump zum Schutzpatron einer internationalen Rechten, die gegen Regulierung, gegen multilaterale Institutionen und gegen liberale Demokratie mobilmacht. Beide Seiten gewinnen: Trump erhält europäische Unterstützung für seinen illiberalen Kurs, die AfD erhält internationale Legitimität und einen Türöffner in Machtzentren, die ihr bislang verschlossen waren. Europa hingegen verliert – an Deutungshoheit, an politischer Solidität und womöglich an sicherheitspolitischem Rückhalt. Und die Wahlergebnisse für die Rechtspopulisten dürften eine eigentlich notwendige, tiefere europäische Integration sicher nicht befördern.

Trumps Attacken auf europäische Regulierung sind daher kein impulsives Aufbrausen, sondern Ausdruck einer Strategie, die das Fundament rechtsstaatlicher Politik angreift. Wenn er sagt, Europa müsse „sehr vorsichtig sein“, klingt das nicht wie ein warnender Rat, sondern wie eine Drohung an eine Ordnung, die dem autoritären Politikstil fundamental widerspricht. In einer Phase ohnehin angespannter Beziehungen zwischen den USA und Europa fungiert diese Rhetorik als Brandbeschleuniger eines Projekts, das man nur als Versuch der strukturellen Schwächung liberaler Demokratien bezeichnen kann.

Besonders deutlich wird das an der EU-Digitalgesetzgebung. Sie ist der vielleicht konsequenteste Versuch weltweit, digitale Machtasymmetrien einzudämmen, die Öffentlichkeit vor Manipulation zu schützen und Plattformen zu regulieren, die längst politische Waffen geworden sind. Genau deshalb provoziert sie Washingtons Hardliner so sehr: Sie greift jenes Terrain an, auf dem autoritäre Politikstile gedeihen – unregulierte Reichweite, algorithmische Zuspitzung, gezielte Desinformation. Trumps aggressive Reaktion lässt erahnen, wie sehr er die EU als Hindernis für amerikanische und ideologische Dominanz betrachtet.

„Das neue Strategiepapier der USA ist ein Wendepunkt“, sagt Sicherheitsexpertin Emily Harding in einem Interview in SPON. Denn, obwohl viele europäische Regierungen bereits das 5 % Ziel bei den Verteidigungsausgaben im Auge haben, bauen die USA hier weiteren Druck auf. Man zwingt ein politisch weiter auseinanderdriftendes Europa zu mehr Eigenverantwortung. „Hart gegenüber Europa“ komme bei Trumps Basis gut an. Harding: „In den USA ist die politische Stimmung etwa so: Wir haben extrem hohe Lebenshaltungskosten, das Studium ist wahnsinnig teuer, die Gesundheitsversorgung ist wahnsinnig teuer. Und dann schauen die Amerikaner über den Atlantik nach Europa und fragen: Wie schafft ihr das mit allgemeiner Gesundheitsversorgung und kostenloser Bildung? Und sie denken, das muss daran liegen, dass ihr nicht für eure eigene Verteidigung zahlt.“

Harding vertritt den Standpunkt, dass dieser Druck auch bei einem möglichen Machtwechsel in den USA grundsätzlich erhalten bleiben dürfte.

Der Verfasser sieht hier aber auch den Druck, dass die US-Regierung einen wesentlichen Anteil, an den bei Euroclear eingefrorenen russischen 185 Milliarden haben will. Damit könnte sich Europa Zeit kaufen und bliebe aber auf den Risiken sitzen. Die russische Zentralbank hat Euroclear jüngst verklagt und gibt sich zuversichtlich, nachdem die EU mit den Stimmen von 25 der 27 Mitgliedsstaaten die Herausgabe an Russland unbefristet verboten hat.

Für die europäischen Anleihemärkte ist dieses Umfeld sicher nicht positiv.

Am Ende bleibt eine unbequeme, aber eindeutige Erkenntnis: Europäische Institutionen wirken – und genau deshalb geraten sie ins Fadenkreuz. Ein US-Präsident, der Kritik als Kampfansage begreift und Loyalität über Recht stellt, zeigt unverblümt, wie fragil die Grundlagen der liberalen Demokratie geworden sind. Die Verteidigung dieser Ordnung ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Sie ist eine politische Pflicht – und angesichts der globalen autoritären Vernetzung vielleicht die zentrale Aufgabe Europas im 21. Jahrhundert.

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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt

vom 16. Dezember 2025
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

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Zahlen – Daten – Fakten

Neue Zahlen der US-Unternehmen zum dritten Quartal fluten in diesen Tagen die Excel-Tabellen der Analysten. Besonderes Augenmerk liegt auf den Tech-Schwergewichten, welche die Rally bisher tragen und gestern wieder für neue Rekorde bei Dow Jones (47.942), S&P 500 (6.890) und Nasdaq 100 (26.087) gesorgt haben. Mittwoch nach Handelsschluss berichten Microsoft, Alphabet sowie Meta und am Donnerstag folgen Apple sowie Amazon, während Überflieger Nvidia sich noch drei Wochen Zeit lässt. Entscheidend dürften die Prognose-Aussagen sein, und wie man mit den massiven KI-Investitionen in Zukunft auch Geld verdienen möchte.

Frische Daten zum Konsumklima lieferte die GfK gestern für Deutschland und stellte eine erneute Abkühlung wegen sinkender Einkommensaussichten fest. Gleichzeitig vermeldete das Statistische Bundesamt eine Sparquote von 10,3 Prozent im deutschen Durchschnitt für das erste Halbjahr 2025, was leicht unter Vorjahresniveau, aber höher als in den anderen EU-Haushalten liegt. Also, bitte: Es sind nur noch acht Wochen bis Weihnachten! Oder warten Sie noch einen Monat auf (Online-)Shopping-Schnäppchen am Black Friday?

Harte Fakten dürfte die US-Notenbank heute Abend schaffen, mit einer vom Markt fest erwarteten weiteren Zinssenkung um 25 Basispunkte. Die Entscheidung der Fed wird aufgrund fehlender Behörden-Berichte wegen des anhaltenden US-Shutdowns erschwert, aber nicht aufgehalten. Neue Fakten schaffen in den mehr als angespannten Beziehung zwischen USA und China könnte das Treffen von Donald Trump und Xi Jinping in Südkorea schaffen und für neue Impulse sorgen. Dass der persönliche Austausch zustande kommt ist ein gutes Zeichen und die Erwartungen rund um Handelszölle, Ausfuhrkontrollen oder TikTok-Verbot sind natürlich hoch.

Neben Zahlen, Daten, Fakten zählen an der Börse auch immer Emotionen. Nachdem die Gold- und Silber-Euphorie die Kurscharts zu Fahnenstangen geformt hatte, wurde hier letzte Woche mit überfälligen Korrekturen um 11 bzw. 16 Prozent die Spaßbremse gezogen. Wenig Freude macht in den letzten beiden Wochen auch der seitwärts laufende DAX. Auf Jahressicht gibt es aber keinen Grund zu klagen.

PS: Die Börsen bleiben trotz Reformationstag in einigen Bundesländern am Freitag geöffnet und vom Halloween-Horror hoffentlich verschont.

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Newsletter vom 29. Oktober 2025

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Gold und Silber glänzen wie nie

Der Höhenflug der Edelmetalle setzt sich fort: Für die Feinunze Gold wurden heute erstmals über 4.200 US-Dollar aufgerufen und beim Silber stieg der Kurs gestern über 53,50 und damit 1 US-Dollar höher als das bisherige Rekordhoch von vor über 45 Jahren. Seit Jahresbeginn sind das Zuwächse von 60 bzw. 85 Prozent! Und anstatt sich nur über die Zahlen zu freuen, sollte man sich über die Hintergründe Gedanken machen: Während beim Silber auch die Industrienachfrage und die Liefer-Verfügbarkeit des Rohstoffs eine Rolle spielen dürfte, liegt der steigende Goldkurs im Wesentlichen auch in der Schwäche des US-Dollars begründet. Dieser hat 2025 bisher 13 Prozent gegen den Euro eingebüßt und gegen einen gemischten Korb internationaler Währungen sind es 9 Prozent. Wo das Vertrauen in die größte Volkswirtschaft – die sich seit dem 1. Oktober im Schulden-Shutdown befindet – sinkt, wird nach dem sprichwörtlich „sicheren Hafen“ gesucht. Und den sehen viele bei den Edelmetallen.

Von „digitalen Gold“ war schon oft bei den Kryptowährungen und insbesondere beim Bitcoin die Rede. Die massiven Kursanstiege und zuletzt ein Rekord bei 125.000 US-Dollar unterstreichen die hohe Nachfrage. Doch bei Verkaufsdruck reagieren die virtuellen Coins auffallend nervös. So waren am Freitagnachmittag, nach den Trump-Äußerungen über einen 100-Prozent-Strafzoll auf Chinesische Produkte, zwar auch die Aktienmärkte massiv unter Druck geraten, aber bei den Kryptos ging es mit 7 Prozent beim Bitcoin, 14 Prozent bei Ether und 28 Prozent bei Ripple überraschend stark abwärts. Die Lage entspannte sich nach versöhnlichen Äußerungen des US-Präsidenten am Sonntag wieder – übrigens auch beim „TRUMP OFFICIAL Coin“, der um bis zu 35 Prozent gefallen war.

Der neue DAX-Rekordstand von 24.771 Punkten am Donnerstag soll hier nicht unerwähnt bleiben. Doch wer hier schon auf die Marke von 25.000 geschielt hat, musste sich gestern die Augen reiben, als der deutsche Leitindex ganz kurz unter die 24.000 Punkte gerutscht war. Kurz gesagt: Wo Glanz ist gibt es auch matte Stellen. Das vierte Quartal ist aufregend gestartet.

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Newsletter vom 15. Oktober 2025

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Edelmetalle vor Aktien

Geschafft: Der September 2025 blieb unfallfrei! Trotz Finalsprint gestern beim DAX blieb es mit einem Mini-Minus von 0,1 Prozent aber ein saisonal typischer Verlustmonat. Besser schlugen sich hier der S&P 500 mit gut 3 Prozent und der Nasdaq 100 mit ordentlichen 7 Prozent Kursplus im Angstmonat September. Die beiden wichtigsten US-Indizes hatten erst am Montag neue Rekordstände erreicht. Noch euphorischer glänzen die Edelmetalle: Das Gold kratzte heute erstmals an der Marke von 3.900 USD, Silber kletterte diese Woche nach 14 Jahren wieder über 47 USD und Platin erreichte ein 12-Jahreshoch bei 1.630 USD. Seit Jahresbeginn sind das 47, 63 bzw. 75 Prozent Kursplus. Nach drei Vierteln des Börsenjahrs bilanziert der DAX mit einem Plus von 20 Prozent weiterhin besser als die knapp 14 Prozent beim S&P 500 oder die 17 Prozent beim Nasdaq 100.

Die steigenden Aktienkurse sind von Zukunftserwartungen an die Unternehmen getrieben, bei den Edelmetallen aber treiben Unsicherheiten deren Bewertung in US-Dollar nach oben. Neben den geopolitischen Konflikten bereitet die Verschuldung der USA den Börsenprofis zunehmend Sorgen. Als aktuelles Zeichen ist der heute in Kraft getretene „Government Shutdown“ zu deuten. Die mal wieder erreichte Schuldengrenze im US-Haushalt hat zur Folge, dass Behördenpersonal in den Zwangsurlaub geschickt wird und sich dadurch auch marktrelevante Konjunkturdaten verzögern könnten. Für einen Übergangshaushalt brauchen die Republikaner auch Stimmen der Demokraten – eine innenpolitische Herausforderung für den US-Präsidenten.

Nicht vergessen: Trotz kurzer Arbeitswoche bleiben am Freitag, dem Tag der Deutschen Einheit, die Börsen geöffnet – teilweise endet der Handel jedoch etwas früher bereits um 20 Uhr.

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Newsletter vom 1. Oktober 2025

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf