Überraschungen sind garantiert

Joachim Brandmaier

Ich hoffe, Sie haben die Feiertage inklusive Jahreswechsel gut überstanden. Die Zeit „zwischen den Jahren“ nutze ich immer gerne, um das Jahr ein bisschen Revue passieren zu lassen: Was ist gut gelaufen? Was weniger gut? Wofür sollte man dankbar sein und worüber hat man sich vielleicht völlig umsonst aufgeregt? Die Börse darf bei der Rückschau selbstverständlich nicht fehlen – und da macht der Blick auf die vergangenen zwölf Monate ein ums andere Mal klar, wie wenig vorhersehbar die Marschrichtung der Märkte kurzfristig ist.

Den Trump‘schen Zollhammer im April hatte so massiv jedenfalls keiner auf der Rechnung – aber umgekehrt auch nicht, dass es anschließend dermaßen rasant wieder nach oben gehen würde. Es war sogar die schnellste Erholung aller Zeiten (nach einem mehr als 15-prozentigen Rückschlag), sagen die Statistiker. Wohl dem, der ruhig und investiert geblieben ist und nicht aus Angst vor einer Weltwirtschaftskrise noch schnell das Depot geräumt hat.

Ja, die Börse ist immer für Überraschungen gut – positiv wie negativ. Diese Unvorhersehbarkeit macht irgendwie auch ihren Reiz aus und ermöglicht uns erst deutlich höhere Renditen als auf dem Sparbuch. Unsicherheit lassen sich die Anleger eben „bezahlen“. Auch das neu angelaufene Jahr wird garantiert wieder jede Menge Überraschungen für uns bereithalten: Erleben wir eine Korrektur bei den KI-Aktien? Werden die zurückgebliebenen Konsumwerte wiederentdeckt? Gibt es endlich Frieden in der Ukraine? Erwacht Deutschland aus seiner Wirtschaftslethargie? Ich bin gespannt – und bleibe bei all dem mit Herzen Optimist.

Denn was auch immer in einem einzelnen Jahr an der Börse passiert, vorhersehen können wir es ohnehin nicht. Was ich aber mit gutem Gewissen behaupten kann: Langfristig zahlen sich ein breit aufgestelltes Depot aus Qualitätsaktien und beharrliches Investiertbleiben aus! Ich halte es deshalb wie Perikles aus der griechischen Antike:

„Es ist nicht unsere Aufgabe, die Zukunft vorauszusagen, sondern auf sie gut vorbereitet zu sein.“

Newsletter vom 07. Januar 2026

Joachim Brandmaier – Börsenpraktiker
Stuttgarter Aktienbrief „Börse Aktuell“

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Donald Trump dürfte auch künftig überraschen

Carsten Mumm

Die Erwartungen an die künftige US-Präsidentschaft unter Donald Trump sind recht klar umrissen: Steuersenkungen und Deregulierung werden der Wirtschaft zunächst einen Anschub geben. Diese Perspektive wurde bei Aktien und Krypto-Assets schon in Form deutlicher Kurssteigerungen eingepreist.

Im nächsten Schritt – so die allgemeine Sicht – würde allerdings die Ausweitung der Handelskonflikte durch drastische Zollanhebungen zu einem stärkeren Inflationsdruck und damit weniger stark sinkenden bzw. perspektivisch wieder steigenden Zinsen führen. Die Begrenzung der Migration oder gar Massenabschiebungen von illegal in die USA eingereisten Menschen dürften aufgrund fehlender Arbeitskräfte und einer schwächeren Nachfrage nach Verbrauchsgütern das Wachstum ausbremsen. Zudem könnten als Auswirkung der Steuersenkungen die Staatsschulden stark ansteigen.

Diese Erwartungen sind zwar nachvollziehbar, aber nicht notwendigerweise realistisch. Denn bereits in seiner ersten Amtszeit hat sich Trump vor allem durch unerwartete Aktionen ausgezeichnet, mit denen auch künftig zu rechnen ist. Dabei bleibt seine oberste Maxime eine positive wirtschaftliche Entwicklung – was sich auch mit der Erwartungshaltung der ihn unterstützenden Größen aus der Wirtschaft deckt. Wenn sich aber die Wachstumsdynamik der US-Wirtschaft durch die Auswirkungen eines Handelskonflikts, höhere Zinsen und einen verbreiteten Arbeitskräftemangel abschwächt, helfen den Getreuen Trumps auch einzelne Staatsaufträge für begünstigte Unternehmen kaum.

Nicht unwahrscheinlich ist daher, dass dieser Teil der Ankündigungen Trumps nicht voll zur Umsetzung kommt. Es könnte darauf hinauslaufen, dass mit Zöllen vor allem gedroht wird, um in bilateralen Verhandlungen mit einzelnen Staaten „Deals“ zum Vorteil der US-Wirtschaft zu erreichen. Denkbar sind auch positive Effekte neuer politischer Akzente, bspw. im Zuge der angekündigten Überprüfung und Adjustierung staatlicher Ausgaben durch die neu einzuführende „Effizienzbehörde“ unter Mitwirkung von Elon Musk. Oder auch der verstärkte Export von Rohstoffen sowie unerwartete Positionierungen im geopolitischen und internationalen Kontext. Ein Ende des Ukrainekonflikts etwa wäre unter Umständen auch für die europäische Wirtschaft positiv. Man kann die Auswirkungen der kommenden US-Präsidentschaft also im Vorwege nicht exakt abstecken. Klar ist jedoch, dass Europa eigenständiger werden und kritische Abhängigkeiten auch gegenüber den USA reduzieren muss.

Newsletter vom 20. November 2024

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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