Der Weg ist das Ziel

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Eine unkonventionelle Umfrage unter Kapitalmarktteilnehmern hatte Ende des Jahres 2021 einen optimistischen Ausblick an der Anzahl an notwendigen KMU-Emissionen für die erste Jahreshälfte 2022 ergeben. „Es fielen Worte wie „Lass jetzt endlich mal Corona vorbei sein, dann kommen die Emittenten an den Kapitalmarkt zurück. Der Kapitalmarkt wird gebraucht.“

Wir haben mittlerweile Mitte Mai und so richtig viel hat sich im KMU-Markt nicht getan. Dafür gibt es ein Potpourri an Gründen. Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an. Die Pandemie hat uns bis heute im Griff. Immer wieder werden wir mit Zahlen konfrontiert, die kaum verifizierbar sind. Der Gesundheitsminister und der RKI-Chef liefern Zahlen ab und erklären gleichzeitig, dass diese Zahlen auch falsch sein können. Erneut wissen wir nicht, welche Zahlen maßgeblich sind. Die Gesetzgebung ist verwirrend. Jedes Bundesland macht sein eigenes Ding. Und viele Bürger folgen deshalb ohnehin nur noch ihren eigenen Regeln. Das sind verunsichernde Indikatoren, die der Kapitalmarkt hasst und die dementsprechend auch die Emittenten abschrecken.

Ein Turbo der Abschreckung für die Emittenten, die notwendig Geld vom Kapitalmarkt brauchen, ist der Angriffskrieg von Wladimir Putin auf die Ukraine. Auch hier haben wir ein Informationsproblem, was die Planung von Maßnahmen erschwert. Abgesehen von der Grausamkeit der kriegerischen Auseinandersetzungen ist es nicht berechenbar, wie der Krieg ausgeht. Wie lange dauert der Krieg? Welche Maßnahmen werden von den beteiligten Parteien ergriffen? Was für Auswirkungen hat dies auf die Planungen der Unternehmen und das wirtschaftliche Umfeld? Gibt es jetzt einen Verzicht auf russisches Gas oder wird Europa der Hahn abgedreht? Was ist mit den russischen Öllieferungen? Verändert dies als Unternehmer meine Einkaufsbedingungen? Welche Auswirkungen hat dies auf meine Lieferketten?

„Wirtschaftliches Umfeld“ ist das nächste Stichwort. Wir haben uns häufiger in diesem Standpunkt mit möglichen Leitzinserhöhungen auseinandergesetzt. Wir haben unsere Lupe auf die Inflation gerichtet. Bis jetzt sind unsere Prognosen eingetreten. In Europa haben wir keine Leitzinserhöhung. Aber es ist unbestritten, dass die EZB momentan einen großen Spagat macht. Inflationsraten um die sieben Prozent sind für Deutschland gefühlt eher italienische Verhältnisse. Betrachten wir den ifo-Geschäftsklimaindex, der eigentlich als simple unternehmerische Abfrage funktioniert. Wenige Fragen, die in den IR-Abteilungen größtenteils durch Ankreuzen ausgefüllt werden. Monatliche Wechsel, wie momentan, gab es bisher kaum. Eher war immer eine Tendenz über mehrere Monate hinweg erkennbar. Das ist die momentane Krux der EZB: Würgt sie das zarte Pflänzchen Konjunktur auf Seiten der Unternehmer oder auf Seiten der Verbraucher ab? Es ist auch klar, dass egal in welchem europäischen Land, die Bürger nicht ständig mehr für existenznotwendige Dinge wie Wohnung, Heizung und Lebensmittel zahlen können. Dieser Strauß an Verunsicherungen führt dazu, dass sich Investoren und Emittenten zurückhalten. Aber auch in USA werden die Falken langsam wieder leiser. Eine Abkehr von den erwarteten Zinserhöhungen ist das noch lange nicht aber die ersten Hinweise auf die tektonischen Auswirkungen, die nachhaltig höhere Zinsen haben können. Das Wort Stagflation ist in Mode gekommen und erste Auguren spekulieren darüber, dass die FED ihren Kurs zumindest abmildern könnte; vor allem wenn es am Corporate-Bondmarkt lauter quietschen sollte.

Im Markt für KMU-Anleihen in Deutschland müssen in den nächsten 15 Monaten nach Informationen des Special-Interest-Mediums Bondguide Minimum 12 KMU-Anleihen, die getilgt werden  – üblicherweise wird dafür mit einem zeitlichen Abstand eine neue Anleihe begeben, deren Mittel für die Ausbezahlung der alten genutzt wird. Die Verunsicherung der Markteilnehmer ist zurzeit so groß, dass übliche Timings nicht eingehalten werden. Zusätzlich sind die Kuponanforderungen der Investoren aufgrund des hohen Inflationsabschlages auch schwer stemmbar. Dann kommt noch ein hausgemachtes Problem dazu: Seit 2018 wurden vermehrt Immobilienanleihen begeben, die jetzt in 2023 fällig werden. Institutionelle Investoren sind häufig in diesem Segment am Limit und können nicht noch weiter investieren. Die Pleite von Eyemaxx, die Fast-Insolvenz der Adler-Gruppe und die jüngsten Veröffentlichungen von Consus schaffen nicht unbedingt mehr Vertrauen. Aber es sind immer die schwächsten Glieder einer Kette, die zuerst reißen und es gibt auch andere Emittenten, deren Papiere hier zu Recht Stabilität zeigen. Worauf wir ebenfalls immer hingewiesen haben.

Es sind für alle Beteiligten extrem schwierige Zeiten. Innerhalb kürzester Zeit hat es den dritten schwarzen Schwan gegeben: Finanzkrise im Jahr 2008, die Corona-Pandemie ab dem Jahr 2020 und nun noch den Brandbeschleuniger Ukrainekrieg. Wohin geht der Kapitalmarktweg für KMU in diesem Jahr. Es wird schwierig werden. Alle Seiten müssen sich recken. Emittenten, die Geld einsammeln wollen, werden noch transparenter sein müssen als bisher und wahrscheinlich auch höhere Kupons aufrufen müssen; selbst Unternehmen, die über eine längere und vertrauenswürdige Kapitalmarkthistorie verfügen. Egal ob Retail- oder institutionelle Investoren dürfen auch nicht weiter zögern, wenn Sie klug und langfristig investieren wollen. In jetzigen Kapitalmarktzeiten ist der Weg das Ziel und bietet auch zahlreiche Chancen – selbst wenn es ein steiniger Weg ist.

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Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist Herausgeber des vorliegenden Dokumentes. Obwohl die Informationen in diesem Dokument aus Quellen stammen, die die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG für zuverlässig erachtet, kann für die Richtigkeit der Informationen in diesem Dokument keine Gewähr übernommen werden.
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt

vom 18. Mai 2022
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

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Die Auferstehung der Fossilien

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Nun ist es rum, das Osterfest mit den Feierlichkeiten zur Auferstehung. Gleichzeitig entwickelt sich die Situation rund um den Angriffskrieg der russischen Föderation zu einer innereuropäischen und vor allem in Deutschland heftigen Diskussion rund um die Lieferung schwerer Waffen oder die Ausweitung der Boykottmaßnahmen bei den Energieträgern. Wir haben in unserem Sonderstandpunkt „er muss ihn haben“ dazu bereits Position bezogen und die kontroverse Diskussion mit stichhaltigen Argumenten auf beiden Seiten weiter verfolgt.

Wenngleich wir der Meinung sind, dass an der Entwicklung der Situation um die Ukraine auch Zauberlehrlinge aus dem Westen mitgemischt haben, so ist die jetzige Eskalation auf dem Schlachtfeld ein furchtbarer Rückfall in längst vergessene Zeiten und mancher der hofft, dass sich diese Situation – nach einem hoffentlich raschen Ende des Konflikts wieder normalisieren sollte – wird sich noch die Augen reiben. Das wird nicht der Fall sein. Dieser Rückfall bringt die Wiederauferstehung einiger ebenfalls längst totgesagter Fossilien. So schlagzeilte die Welt Anfang April zu Putin „Als Kriegsherr ein Stalin, ökonomisch Ceausescu“.

Die Situation rund um die europäische und globale Sicherheit und Versorgungslage führt zu einer massiven Diskussion über Dinge, die aus unserer Sicht bereits versteinert waren oder auf dem Weg dahin. Der lange nicht für möglich gehaltene Rückfall Europas in einen Kriegszustand sorgt jetzt auch auf EU -Ebene für eine Rolle rückwärts bei der Beurteilung dessen, was als ESG-konform angesehen wird. So verdichten sich derzeit die Zeichen, dass in Brüssel nach Wegen gesucht wird, Waffenhersteller aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit wieder als investierbar einzuordnen. Öl und Gas stehen auf dem Prüfstand.

Putin war bereits vor dem Beginn des Krieges der aus seiner ökonomischen Perspektive nachvollziehbaren Auffassung, dass der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen nicht bis 2035 oder 2050, sondern nur bis 2070 möglich sei. Auch die Europäer erkennen nun faktisch, wie stark sie in ihrer Gesamtheit von diesen Lieferungen abhängig sind. Egal ob Fracking oder Katar – es gibt keine Idee, die ökologisch und gleichzeitig den Energiehunger der Industrie gleichzeitig befriedigen kann. Viele Staaten insbesondere aus Osteuropa halten nun Ausschau nach fossilem Ersatz, der oft sogar noch klimaschädlicher ist als russisches Öl und Gas. Kohle und Flüssiggas sind 2021 zu Recht geächtet worden. Nun wird über eine Kohleverstromung in Deutschland diskutiert.
In Teilen Europas schielen Regierungen wieder auf Gas- und Ölfelder, deren Erschließung dem Klima zuliebe bis vor Kurzem noch tabu war. Auch in den USA werden Bidens Bemühungen zum Klimaschutz immer mehr ausgebremst.
Die Agrarlobby versucht mit Hinblick auf die Lebensmittelversorgung die Uhr zurückzudrehen. Die EU-Kommission hat ein Aktionsprogramm vorgestellt, in dem auf Flächen, die eigentlich aus Naturschutzgründen brach gelassen werden sollen, kurzfristig wieder angebaut werden darf. Klimafreundlichkeit oder Nachhaltigkeit sind vorübergehend zweitrangig – dabei ist die Landwirtschaft für bis zu einem Drittel der globalen klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. „Die Gefahr sei groß, dass aus der kurzfristigen, kriegsbedingten Suche nach fossilen Ersatzquellen wieder eine langfristige Abhängigkeit entstehe, warnte Uno-Generalsekretär Guterres vor kurzem. »Das ist Wahnsinn.«

Doch wegen der Inflation schauen die Verbraucher mehr aufs Geld – und weniger auf Klimaschutz und Tierwohl. Dabei muss langfristig klar sein: »Wenn wir fossile Energien von Autokraten importieren, bringen wir unsere Sicherheit in Gefahr und heizen die Klimakrise weiter an.«
Und diese Klimakrise pausiert nicht, nur weil die Menschen einmal mehr Krieg führen. In der Arktis auf der Nordhalbkugel geht das Eis durch die Erderwärmung drastisch zurück. Nun beobachten Forscher dies auch für den Südpol. Die Erderwärmung hat auf allen Kontinenten größeren Schaden angerichtet als bislang angenommen“, warnte der Weltklimarat in einem neuen Bericht zu den Folgen der Klimakrise. Polar-, Berg- und Küstenregionen überall stünden vor dem Kollaps, mit kaum noch beherrschbaren Auswirkungen auf den Menschen. »Fast die Hälfte der Menschheit lebt – jetzt – in der Gefahrenzone«, sagte Uno-Generalsekretär António Guterres. »Viele Ökosysteme sind – jetzt – an einem Punkt angekommen, von dem es kein Zurück mehr gibt.« Dann fügte er hinzu: »Aufschub bedeutet Tod.«

Dabei zeigt sich mit jedem Tag deutlicher, dass sich Putins Krieg unmittelbar und potenziell verheerend auf die von Guterres beschriebene Lage auswirkt. Die in Deutschland bereits versteinerte Diskussion zur Atomenergie wird neu aufgemacht und in Ländern wie Frankreich beispielsweise auch beantwortet. Und Tesla Boss Elon Musk sagte jüngst in einem Interview: „Absoluter Wahnsinn von Deutschland, jetzt die Kernkraftwerke abzuschalten“ Eine ausweglose Situation? Mitnichten, wenn es den Regierungen gelingt, hier gegen alle Widerstände insbesondere aus dem Bereich rechtspopulistischer Parteien einen klaren Kurs beizbehalten.

Es sei „eine riesige Chance«, die Energieversorgung Europas noch schneller noch grüner zu gestalten“, sagte Frans Timmermans, der Green-Deal-Beauftragte der EU-Kommission. Ob dabei das Thema Atomenergie eine sinnvolle Lösung darstellen kann, können wir hier in der Kürze nicht beurteilen. Wir hören aber auch hier von Entwicklungen und Effizienzsteigerungen auch bei der Frage der Endlagerung.
Allerdings müssen die EU und die Regierungen die nunmehr ggfs. veränderten Rahmenbedingungen zügig abstecken, damit Sicherheit für die gigantischen Investitionsherausforderungen der Dekarbonisierung und den Umbau der Wirtschaft gegeben ist. Dann werden auch die Kapitalmärkte weiterhin substanziellen Beitrag leisten können zur Finanzierung dieser Herkulesaufgabe. Auch – und gerade im wichtigen KMU-Segment, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Wir gehen davon aus, dass die westlichen Regierungen zumindest mittelfristig die richtigen Entscheidungen treffen werden. Die Märkte spiegeln dies trotz des Zinsanstieges auch wider. Damit stehen sie Emittenten mit zukunftsorientierten Geschäftsmodellen auch weiterhin offen – trotz der halben „Rolle rückwärts“ die wir vorstehend beschreiben.

Gelingt dies allerdings nicht, dann profitieren nur die Deichbauer. So ging der Aktienkurs des holländischen (das Land liegt teilweise 6 Meter unter dem Meeresspiegel) Spezialisten Boskalis Westminster vor kurzem wegen eines Kaufangebotes des Großaktionärs durch die Decke. Boskalis ist ein international operierendes Unternehmen und ist – nach eigenen Angaben – Weltmarktführer im Bereich von Baggerarbeiten, Landgewinnung, Küstenschutz und damit verbundenen Services. Als Kernkompetenzen sieht das Unternehmen vor allem die Konstruktion und den Betrieb von Häfen und Wasserwegen, die Landgewinnung, Küstenbefestigung sowie den Flussuferschutz. Und das Unternehmen erhielt einen weiteren Auftrag zur Küstenbefestigung der Küsten in Togo und Benin. Eine Empfehlung zu dieser Aktie geben wir ausdrücklich nicht ab. Aber wie wusste schon der Schimmelreiter: „wer nicht will deichen der muss weichen“. Und endet am Ende womöglich auch als Fossil.

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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt

vom 21. April 2022
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

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Die US-Wirtschaft erweist sich in der Ukraine-Krise als robust

Eine Einschätzung von Vincent Mortier, Group CIO Amundi und Kenneth J. Taubes, CIO für das US Investment Management von Amundi, zum Russland-Ukraine-Konflikt und den Auswirkungen auf die US-Wirtschaft und die Finanzmärkte.

Das aktuelle Marktumfeld:

Zu Beginn des Russland-Ukraine-Konflikts reagierten die Aktienmärkte in den USA negativ, liegen aber inzwischen sogar über ihrem Vorkriegsniveau. Im Vergleich zu Europa, das der Krise und dem Wirtschaftsabschwung stärker ausgesetzt ist, schwanken US-Aktien deutlich weniger. Die Renditekurve von US-Staatsanleihen hat sich sehr schnell gedreht und ist jetzt im Vergleich mancher Laufzeiten invers – die Rendite der zweijährigen Treasuries ist höher als die der zehnjährigen. Das sollte unserer Meinung nach aber nicht als Rezessionssignal gewertet werden. Die Zinsdifferenz zwischen Titeln mit drei Monaten Laufzeit und zehnjährigen Staatsanleihen halten wir allerdings für einen zuverlässigeren Indikator, und dieser Spread bleibt weitgehend positiv.

Der Wirtschaftsausblick:

In der Krise haben sich die USA als außergewöhnlich widerstandsfähig erwiesen. Trotz des zunehmenden Inflationsdrucks wird ein starker Arbeitsmarkt das Wirtschaftswachstum dieses Jahr weiter antreiben. Dagegen hat der Konflikt Europa voll getroffen, so dass wir hier 2022 mit einer deutlichen Abschwächung des Wirtschaftswachstums rechnen müssen. In der Eurozone erwarten wir deshalb nur noch ein Wachstum von 2,3% in diesem Jahr, fast 1,5% weniger als noch vor einem Monat. Mit nur mehr 4% setzen wir auch für China eine schlechtere Prognose für das laufende Jahr an, da sich die Pandemie trotz der chinesischen Zero-Covid-Politik weiter ausbreitet.

Die Geldpolitik:

Sowohl die EZB als auch die Fed haben erst spät auf die steigende Inflation reagiert – die EZB sogar noch später als die US-Notenbank. Der Krieg erschwert nun den Weg zu einer Normalisierung der Geldpolitik. Wir erwarten jedoch, dass die Zinsschritte und die quantitative Straffung fortgesetzt werden, wenn auch in Europa in einem langsameren Tempo als in den USA.

Unsere Einschätzungen:

Bei der Gestaltung des Portfolios spielt die Inflation weiterhin die Hauptrolle. Aktien bleiben mangels echter Alternativen die Favoriten der Anleger – vor allem in den USA, wo die Unternehmensgewinne dank der robusten Wirtschaft weiter steigen dürften. Gerade dort sollten Investoren jedoch Titel meiden, die von höheren Zinsen besonders stark betroffen sind, und sich eher bei Value- und Qualitätsaktien nach Einstiegschancen umsehen. In der zweiten Jahreshälfte und 2023 wird es für die Unternehmen vor allem darum gehen, ihre Margen stabil zu halten, so dass ihre jeweilige Macht zur Preisgestaltung und Weitergabe von Preissteigerungen an die Verbraucher ein entscheidender Faktor sein wird.

Am Anleihemarkt machen die starken, schnellen Schwankungen einen taktischen Ansatz bei der Duration erforderlich; sie ist inzwischen nicht mehr so kurz wie noch vor ein paar Wochen. Der Bereich der kurzlaufenden Anleihen sieht aktuell besonders attraktiv aus, da hier der größte Teil der erwarteten Zinserhöhungen durch die Fed bereits eingepreist ist. Wahrscheinlich wird das lange Ende der Kurve nachziehen. Aufgrund des starken Immobilienmarktes in den USA können auch Verbriefungen von Krediten für Wohnimmobilien sehr interessant sein.

Quelleninformationen und die vollständige Publikation „US economy and markets look resilient regarding the Russia-Ukraine crisis“ finden Sie in der englischen Originalfassung im Amundi Research Center.

Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 05.04.2022. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

Newsletter vom 13. April 2022

Vincent Mortier, Group CIO Amundi und Kenneth J. Taubes, CIO für das US Investment Management von Amundi

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Märkte im Krisenmodus

Der Begriff „Panikmodus“ wird hier bewusst vermieden, denn was wir dieser Tage erleben, hat zwar Parallelen zum Corona-Crash, aber eine ganz andere Qualität was die Folgewirkungen anbetrifft. Die Covid-19-Pandemie ließ den DAX im Frühjahr 2020 um bis zu 40 Prozent einbrechen, aktuell haben wir seit dem Hoch vom Januar lediglich einen Verlust von rund 18 Prozent und seit dem faktischen Einmarsch in die Ukraine sogar „nur“ minus 8 Prozent. Es ist allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen den europäischen und den US-Börsen zu verzeichnen, welche derzeit fast ungeschoren davongekommen. In Europa werden die negativen wirtschaftlichen und finanziellen Folgen wesentlich gravierender sein.
Im Gegensatz zu den Aktien haussieren aktuell die Rohstoffpreise in fast allen Bereichen und treiben damit die Preise in ungeahnte Höhen. Nicht nur die Edelmetalle, sondern vor allem auch Industriemetalle wie Nickel, Kupfer und Aluminium kennen kein Halten mehr. Der Nickelpreis hatte am 7. März kurzzeitig sogar die Marke von 100.000 USD/Tonne erreicht, was aber auch auf einen Short Squeeze zurückzuführen war. Die Preise für Rohöl, Erdgas und Kohle avancieren ebenfalls zu neuen Höchstständen. 2 Euro + X heißt ab sofort das Motto an der Zapfsäule! Das alles wird nicht ohne Folgen auf das ohnehin Corona-bedingt schwache Wachstum und die bereits angesprungene Inflation bleiben. Aus aktueller Stagflation könnte schnell eine Rezession oder gar Depression werden und das bei weiter steigenden Preisen. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt!

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Newsletter vom 09. März 2022

Martin Braun, Börse Hannover

Ukraine: Rohstoffe am Scheideweg

Der Einfall Russlands in die Ukraine ist eine humanitäre Katastrophe und ein Schock für die westliche Gesellschaft. Während der letzten Jahre lag der Fokus der Investoren auf der Energiewende. Diese wird selbst ohne Kriegseinfluss schwierig durchzuführen sein. Doch mit dem Einfall russischer Truppen in die Ukraine dürfte sich die Blickrichtung der westlichen Welt radikal verändern. Schon jetzt kennen Gas-, Öl- und Benzinpreise nur eine Richtung: steil bergauf.
 
Doch obwohl derzeit insbesondere Gas und Öl im Vordergrund stehen, ist die deutsche Wirtschaft auch bei anderen Rohstoffen wie Nickel oder Palladium von russischer Produktion abhängig. Die Grafik verdeutlicht dies. So illustrieren die blauen Balken die gewaltigen russischen Exporte in Milliarden US-Dollar. Die blauen Punkte, kombiniert mit der rechten Achse, zeigen den hohen Anteil Russlands an der europäischen Rohstoffversorgung.
 
Es liegt auf der Hand, dass Europa seine Energiepolitik ändern muss, um sich langfristig selbst versorgen zu können. Dies erfordert umfangreiche Investitionen in Erneuerbare Energien aber leider auch in fossile Brennstoffe. Öl- und Gaspreise werden weiterhin auf hohem Niveau bleiben oder sogar steigen. Verantwortlich hierfür sind auch die massiven Unterinvestitionen während der letzten 10 Jahre in den Rohstoffsektor sowie das negative Sentiment gegenüber fossilen Brennstoffen, das sich ändern muss. Ausserdem ist eine Absicherung gegen steigende Ölpreise die gezielte Investition in die sogenannten ‘sin stocks’, die von Investoren gescheuten ‘Sündenaktien’, Titel aus dem Öl- und Gasbereich, die derzeit auf einem rekordniedrigen Bewertungsniveau liegen.
 
Die Engpässe in anderen Rohstoffsegmenten sind ebenso extrem. Fast 30 Prozent des europäischen Nickelbedarfs kommt aus Russland. Doch für die Energiewende ist Nickel unabdingbar: schon 2021 hat Elon Musk das Problem fehlender Nickelproduktion bemängelt. Engpässe entstehen auch bei anderen Industriemetallen: ein Elektroauto benötigt dreimal so viel Kupfer wie ein Benzinauto. Ein Windkraftwerk benötigt vier bis neun Tonnen Kupfer je MW Windleistung. Angesichts der zu erwartenden Engpässe im Rohstoffsektor sollten Investoren diese lange ignorierte Assetklasse wieder ‘entdecken’. Der an der Börse Hamburg gelistete und in Kooperation mit Donner & Reuschel betriebene Earth Exploration Fund UI bietet Investoren hierzu eine gute Möglichkeit. So können sie an dem zu erwartenden Aufwärtstrend bei Öl- und Gasaktien teilnehmen und in attraktive Minenprojekte investieren.

Newsletter vom 09. März 2022

Dr. Joachim Berlenbach – Geologe und Gründer
Earth Resource Investment Group

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Die neue finanzpolitische Weltordnung

Vor einem Jahr schrieb die FAZ „Die Welt zerfällt in Blöcke. (…) Ein Stratege sieht die Herausbildung zweier Blöcke – und Europa zwischen den Fronten.“ Die beiden finanz-politischen Blöcke – so fasst es Autor Martin Hock zusammen – sind China mit dem Appendix Afrika und Amerika im Lead auch für Lateinamerika. Europa wird eher abgeschlagen in seiner Stellung reduziert. Interessant: Russland spielt keine Rolle mehr. Russland, das sich ja selber als direkter Nachfolger der früheren Weltmacht Sowjetunion versteht. Wenn die Thesen des FAZ-Artikels stimmen, dann stellt sich die Frage, was bezweckt der kriegerische Aggressor Wladimir Putin? Vom Ende gedacht: Putin hat ein Ziel. Was ist sein Ziel?

In dem Zusammenhang ist es auch wichtig, die Psychologie des einzelnen Menschen in Russland zu bedenken. Es ist sicherlich nicht vergleichbar, aber rational haben wir uns nicht vorstellen können, dass die Mehrheit der britischen Bürger einem Brexit zustimmen oder Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten wählen. Vielleicht ist es das Ziel irgendwann nicht am „Katzentisch“ Platz nehmen zu müssen, während die drei großen Wirtschaftsblöcke miteinander konferieren.

Was sehen wir durch Krieg für Auswirkungen auf die Kapitalmärkte, auf die Zinspolitik der EZB aber auch auf die der FED? Besonders wollen wir einen Fokus auf kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) richten.

Wir haben in den letzten Standpunkten immer mal wieder Stellung zur Zinspolitik der EZB und den zu recht gestiegenen Inflationsängsten bezogen. In Deutschland und in Italien ist es zu erwarten, dass die Energiepreise, da fast alles mit Gas betrieben wird, durch den Krieg in den Himmel steigen. Der Ausbau der „Freiheitsenergie“, damit meint Christian Lindner neuerdings Ökostrom, dauert und kostet viel Geld. Das wird die Inflation massiv weiter anheizen. Frankreich oder die Niederlande setzen auf Atomstrom. Öl kann anders bezogen werden – entweder aus den USA oder aus dem Nahen Osten. Mittlerweile ist das Barrel Öl der Referenzmarke Brent auf deutlich mehr als 100 Dollar angestiegen. Die Bundesregierung wird die Bürger mit höheren Unterstützungen an der Stange halten. Die EZB kann die Zinsen nicht erhöhen – etwas was wir seit Monaten geschrieben haben, weil sie politisch nicht kann. Der von Russland initiierte Krieg könnte das zarte Pflänzchen Konjunktur, das noch immer nach oder vielleicht sogar während der Corona-Krise viel Pflege, Dünger und Wasser braucht, sonst sehr schnell für lange Zeit verdorren. Es mag sein, dass die EZB und gewisse Voraussetzungen in diesem Jahr die Zinsen um 0,25 Prozent erhöhen wird. Das ist aber dann einfache Symbolpolitik und wirtschaftlich zu vernachlässigen.

Die FED hat mehrere Zinsschritte angekündigt, aber letzten Monat auch schon etwas relativiert. Auch hier ist es wahrscheinlich, dass es durch diesen Krieg zu einer kompletten Neubewertung kommen wird. Es bleibt abzuwarten, wann und wie es zu einer Kommunikation mit den Kapitalmärkten kommt.
Auf den ersten Blick gibt es bei den KMUs nur direkte Verlierer. Die sind schnell benannt. Es sind Unternehmen, die in russischer Abhängigkeit stehen. Bei den Mit-telstandsanleihen sind das offensichtlich Ekosem, Ekotechnika und der Fußballverein Schalke 04, weil dort bis gestern der Hauptsponsor Gazprom geheißen hat. Der Kurs der Anleihen von Ekosem hat sich seit Beginn der massiven Kriegsrhetorik von Putin in den letzten Tagen mehr als halbiert. Die Anleger haben kein Vertrauen. Schalke 04 hat in seinen beiden Anleihen heute ein deutliches Plus verzeichnen können, weil der Verein durch seine klare Distanzierung zu Gazprom Investor Relations betrieben hat. Es bleibt aber abzuwarten, ob dies nicht ein Strohfeuer ist, denn irgendwoher muss der hochverschuldete Verein schließlich das Geld für die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs generieren. Zuschauereinnahmen sind es momentan nicht. Ekotechnika hat Ende Januar noch sehr gute Geschäftszahlen für 2021 verkündet, was zu einem hohen Kursplus führte. In den letzten Tagen ist der Aktienkurs auf unter den Ausgabepreis abgestürzt.

Das ist das am Kapitalmarkt Offensichtliche. Was aber ist mit dem Mittelständler und dementsprechend seiner Kapitalmarktpositionierung, der zum Beispiel im Textilbereich in der Ukraine produziert? Oder Unternehmen, die Waren nach Russland geliefert haben und durch die Aussetzung von SWIFT nicht mehr bezahlt werden können? Dies ist alles noch nicht an den Kapitalmärkten angekommen. Momentan wird erst einmal über die Politik und die großen Unternehmen gesprochen. Wir sind uns sicher, die Auswirkungen auf die kapitalmarktorientierten Unternehmen werden auch vorhanden sein. Hier gilt es, aktiv auf die Investoren zuzugehen und offen zu kommunizieren.

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Börsen Aktuell vom 2. März 2022
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Märkte funktionieren als Seismograph

Die Aktivitäten unter der Erdkruste werden von Geologen laufend beobachtet. Bereits kleinste Erschütterungen lassen die Nadeln der empfindlichen Geräte ausschlagen und können mögliche Katastrophen ankündigen. Ähnlich sensibel reagieren die Märkte auf die geo-strategischen Spannungen an der Ostgrenze der Ukraine. Dabei werden die militärischen und diplomatischen Aktivitäten genauestens beobachtet und lassen sich in den Chartlinien nachvollziehen. Am Freitagnachmittag verabschiedete sich der offizielle DAX mit 15.425 Punkten ins Wochenende und verpasste damit die fallenden Kurse an den 6 Stunden später laufenden US-Märkten. Entsprechend eröffnete der deutsche Markt am Montag mit einer ordentlichen Notierungslücke und fiel im Tagesverlauf weiter bis auf 14.844 Punkte, wie zuletzt an einzelnen Tagen im Oktober und Mai 2021. Doch dann drehte der Index wieder ins Plus und setzte die Erholung am Dienstag fort. Aktuell ist das Kursniveau unverändert zum Stand von vor einer Woche. War was? Ja, die Dynamik ist hoch und nahezu unberechenbar. Interessant für Tarder, doch mittelfristig nur Bestätigung der mehr als 10-monatigen Seitwärtsbewegung -aber mit mehr Rückschlags- als Ausbruchspotenzial! Zwei andere Krisenindikatoren zum Vergleich, die natürlich auch der Inflation geschuldet sind: Gold legt seit Jahresbeginn zu, notiert aber noch klar unter dem Hoch von Mitte 2020. Ein Barrel Öl hingegen kostet so viel wie zuletzt 2014. Auch beim Seismographen gibt es Fehlausschläge. Dafür könnte man in der aktuellen Situation dankbar sein.

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Newsletter vom 16. Februar 2022

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow