US-Staatsschulden: Märkte werden skeptischer

Dr. Klaus Bauknecht

Die hohe staatliche Staatsverschuldung der USA rückt zunehmend in den Fokus der Kapitalmärkte. Zwar wird die Schuldendynamik aktuell noch durch ein nominales Wirtschaftswachstum gestützt, das über den durchschnittlichen Finanzierungskosten des Staates liegt. Doch mit ansteigenden Renditen steigt der Druck auf die US-Regierung, ihre Ausgaben unter Kontrolle zu bekommen. Dies gilt vor allem, weil jüngste Anstiege der US-Renditen auf eine mögliche Neubewertung von US-Staatsanleihen hindeuten.

Die hohe Schuldenquote von 123 Prozent des BIP gerät zunehmend in den Fokus von Investoren und Ratingagenturen. Gleichzeitig sind die US-Renditen deutlich gestiegen, wodurch sich die Finanzierungskosten des Staates spürbar erhöht haben.
Grundsätzlich ist die Schuldenquote eines Staates dann stabil, wenn das nominale Wirtschaftswachstum über dem effektiven Zinssatz der Staatsschulden liegt. Andernfalls muss der Staat durch einen Primärüberschuss gegensteuern und Staatsausgaben ohne Zinszahlungen müssen geringer ausfallen als die Einnahmen. Ansonsten wird sich der Anstieg der Schuldenquote verselbstständigen. Historisch haben sich die USA jedoch schwergetan, solch einen Überschuss zu erzielen.

Stattdessen konnte eine robuste US-Wachstumsdynamik den Anstieg der Schuldenquote dämpfen. Seit 2021 hat sich allerdings die effektive Zinsbelastung des US-Staates nahezu verdoppelt. Gleichzeitig ist das langfristige Potenzialwachstum der USA gesunken. Damit schrumpft der Puffer zwischen Wachstum und Zinsen und es erhöht sich die Gefahr einer weiter ansteigenden Schuldenquote.

Die aktuell steigenden US-Renditen werfen die Frage auf, ob die Märkte inzwischen eine Risikoprämie auf US-Staatsanleihen fordern. Nach Schätzungen der IKB liegen die Renditen zehnjähriger US-Treasuries inzwischen deutlich über ihrem fundamental erklärbaren Niveau. Die Abweichungen haben seit Beginn der zweiten Trump-Präsidentschaft und den Kommentaren über die Fed-Unabhängigkeit zugenommen und sich am aktuellen Rand nochmals verschärft. Neben Inflationssorgen könnte nun auch die langfristige fiskalische Stabilität der USA eine Rolle spielen.

2027 dürfte eine rückläufige Inflation sowie erwartete Zinssenkungen der Fed für Entlastung sorgen. Mittel- bis langfristig bleibt jedoch entscheidend, den Wachstumsausblick zu verbessern und das Haushaltsdefizit einzudämmen. Andernfalls dürfte die Diskussion über die Bonität der USA an Intensität gewinnen. Der Kapitalmarkt scheint bereits jetzt eine klare Botschaft zu senden.

Newsletter vom 16. September 2026

Dr. Klaus Bauknecht – Chefvolkswirt
IKB Deutsche Industriebank AG

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China – neue Hoffnung für die deutsche Konjunktur?

Carsten Mumm

Der mittlerweile seit rund zwei Jahren anhaltende Abschwung der deutschen Industrie setzt sich fort, wie aktuelle Umfragen unter Unternehmen (Einkaufsmanagerindizes) verdeutlichten. Gemäß ifo-Geschäftsklima greift die Nachfrageschwäche auch immer stärker auf den Handel und den Dienstleistungssektor über. Einzig im Baugewerbe ergab sich eine leichte Stabilisierung der Unternehmensstimmung auf allerdings sehr niedrigem Niveau.
Aufgrund des anhaltenden Auftragsmangels planen immer mehr Unternehmen einen Beschäftigungsabbau, wodurch auch der private Konsum vorerst als Stabilisator der Wirtschaft ausfällt. Entsprechend wurde die Wachstumsprognose für Deutschland gemäß Gemeinschaftsdiagnose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute deutlich auf -0,1 Prozent in diesem und 0,8 Prozent im nächsten Jahr gesenkt. Neben der schwachen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage wurden vor allem hohe Energiepreise und zunehmende Konkurrenz bei hochwertigen Industriegütern aus China als Belastungsfaktoren benannt.

Doch ausgerechnet Nachrichten aus China versetzten die Aktienbörsen weltweit in Feierlaune. So erreichten sowohl der deutsche Leitindex DAX als auch der US-Index S&P 500 in der letzten Woche neue Rekordniveaus. Der chinesische Aktienindex CSI 300 legte innerhalb von einer Woche um rund 15 Prozent zu, nachdem zunächst die chinesische Notenbank einen für laufende Immobilienfinanzierungen relevanten Leitzins senkte und dann das Politbüro – das zentrale Machtorgan – auf einer außerplanmäßigen Sitzung verschiedene Stützungsmaßnahmen für die Immobilienwirtschaft, die Kreditvergabe und den Konsum beschlossen. Auch wenn diese vor allem der Binnenwirtschaft zugutekommen, würde ein stärkeres Wachstum Chinas über eine steigende Exportnachfrage auch vielen deutschen Unternehmen helfen. Ebenfalls positiv wurde an den Börsen die Nachricht aufgenommen, dass Saudi-Arabien eine Ausweitung der Ölproduktion plant. Damit würden die Rohölpreise weiter unter Druck kommen mit der Folge, dass Inflationsraten stärker sinken und so schnellere Leitzinssenkungen vonseiten wichtiger Notenbanken möglich wären. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie schnell die politischen Entscheidungen die anhaltend schwache globale Nachfrage ankurbeln. Vorerst werden Anleger abwägen müssen, ob die Hoffnung auf eine künftige konjunkturelle Belebung die voraussichtlich zumindest teilweise enttäuschenden Unternehmensgewinne für das dritte Quartal kompensieren können.

Newsletter vom 2. Oktober 2024

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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