Stonks to the Moon
Die Rekordserie an den Börsen geht weiter: Nicht nur der DAX markierte letzte Woche – an einem klassisch umsatzschwachen Feiertag – neue Höchststände, sondern auch der französische CAC40, der britische FTSE100 oder der amerikanische NASDAQ notieren gerade am absoluten Top. Die magische Marke von 20.000 Punkten beim DAX ist aktuell weniger als 1.200 Punkte oder nur gute 6 Prozent entfernt; in den ersten viereinhalb Monaten des Jahres gab es bereits einen Anstieg von 12 Prozent.
Dass der deutsche Leitindex nicht unbedingt zu den nationalen Wirtschaftsdaten passt, haben wir hier schon mehrfach angemerkt. Und so senken dieser Tage wieder verschiedene Konjunkturprognosen den Daumen für das erwartete Wirtschaftswachstum in Deutschland. Das „nach unten Korrigieren“ lässt nur noch 0,2 Prozent BIP-Zuwachs erwarteten, was die „rote Laterne“ innerhalb der EU bedeutet.
Für ganz besonderen Schwung sorgen hingegen diese Woche Kursexplosionen bei den sogenannten Meme-Aktien von GameStop, AMC und Co., nachdem sich die WallStreetBets-Legende „Roaring Kitty“ mit einem unscheinbaren Bild auf X/Twitter zurückgemeldet hatte. Fast drei Jahre hatte der Kanal von Keith Gill nach dem erfolgreichen GME-Short-Squeeze geschwiegen und postet nun wieder fleißig mehrdeutige Memes ohne weitere Erklärungen, aber mit großer Wirkung. Short-Seller sollen bereits mehr als 1 Mrd. USD Verluste erlitten haben. Wie gut orchestrierte Kleinanleger ab Januar 2021 Kurse „to the moon“ und Hedgefonds in die Krise geschickt haben, lässt sich seit letztem Jahr unterhaltsam im Kinofilm „Dumb Money“ nacherleben.


Newsletter vom 15. Mai 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Nur ein Korrektürchen?
Ja, es gibt sie noch: Volatilität – die Kurse kennen doch nicht nur eine Richtung. Das im VDAX-NEW bzw. im VIX gemessene „Angstbarometer“ schien seit November letzten Jahres mehr oder weniger friedlich zu schlafen und ist im April wieder aufgewacht. Von 12 auf 18 zog der Wert für die von den Profis erwartete Schwankungsbreite im DAX an. Doch von den Werten über 80 im Corona-Crash oder um die 30 im Negativjahr 2022 ist man noch weit entfernt.
Vor knapp drei Wochen markierte der DAX sein Rekordhoch bei 18.567 Punkten in der Spitze, um anschließend noch im Tagesverlauf zu drehen und bis letzten Freitag rund 940 Punkte oder 5 Prozent zu fallen. Viele sahen die Bären jetzt (endlich) am Zuge und nach dem 10-Prozent-Kursanstieg von Mitte Februar bis Anfang April konnte es ja auch kaum linear so weitergehen. Doch anders als in der Seitwärtsphase von Mitte Dezember bis Mitte Februar, deutet sich seit Montag eher eine V-förmige Erholung an. Haben die Bullen die Bären passend zu den Temperaturen wieder in den Winterschlaf geschickt? Mit aktuellen Kursen über 18.200 Punkte hat der DAX zwei Drittel des kurzen Abschwungs schon wieder aufgeholt und die Aussichten sind eher positiv: Der VDAX ist wieder unter 15 gefallen.
Nochmal zur Einordnung: Der letzte große Aufwärtsschwung von Ende Oktober bis Mitte Dezember brachte bereits 16 Prozent Performance im DAX. Erfahrene Börsianer wissen, dass sich die langjährige Wertentwicklung von rund 8 Prozent per anno aus extremeren Aufs und Abs zusammensetzt. Und mit diesen Schwankungen verdienen die Profis ihr Geld.
Für Kursbewegungen in Einzelwerten dürften in dieser Woche wieder die Berichte zu den Quartalszahlen sorgen. „Insgesamt berichten in den kommenden Tagen 180 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 40 Prozent des S&P 500“, weiß ein Händler zu berichten.


Newsletter vom 24. April 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

