Volatile Märkte zwischen Eskalation und Euphorie
Eine besondere Herausforderung in diesen Tagen ist es, das Marktgeschehen in Worte zu fassen und nur eine kurzfristige Prognose zu wagen, denn die hat oft nur eine Halbwertszeit von Stunden. Außer Spesen nichts gewesen – so könnte man das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Gespräche zwischen Iran und USA am Wochenende auf den Punkt bringen. Der 10-Punkte Plan der USA schmeckte dem Iran ganz offensichtlich nicht. Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er aus der Not keine Tugend machen würde. In Konkurrenz zum Iran soll jetzt die Straße von Hormus durch die USA blockiert werden, um über gute und böse Schiffe selbst zu entscheiden und ggf. Wegezoll zu kassieren.
Das Scheitern der Gespräche ließ die Ölpreise prompt um rund 8 Prozent auf wieder mehr als 100 Dollar springen, die Aktienmärkte reagierten am Montag anfangs mit Abschlägen, konnten sich dann aber schnell wieder erholen und der Ölpreis pendelt aktuell bei 91 (WTI) bzw. 95 (Brent) Dollar. Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran laufen angeblich weiter und ständig werden Pseudo-Ergebnisse kolportiert, welche die Märkte in die eine oder andere Richtung treiben. Die Waffenpause am Golf scheint stabil zu sein und folglich schöpfen die Märkte mal wieder Hoffnung.
Nach offenem, medialem Schlagabtausch trafen sich am vergangenen Wochenende auch die Koalitionäre der deutschen Bundesregierung, um ihre restlichen Gemeinsamkeiten zu eruieren. Heraus kam ein nettes Maßnahmenpäckchen, bestehend aus einer temporären Energiesteuersenkung von 17 Cent pro Liter für 2 Monate und – wie großzügig – die Möglichkeit einer arbeitgeberfinanzierten steuer- und abgabenfreien Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro. Die Begeisterung von Unternehmen und deren Verbänden hält sich in Grenzen.
Keine Antwort lieferten die Koalitionsspitzen auf die Frage, wie die Unternehmen und Verbraucher dauerhaft entlastet werden könnten und was noch wichtiger wäre: Ist die Versorgung mit Primärenergie in Form von Öl und Gas dauerhaft gesichert? In angrenzenden Ländern wie Tschechien kam es bereits zu Lieferengpässen. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm mahnt zu Reformen, anstatt sich mit fragwürdigen Einzelaktionen von Krise zu Krise zu hangeln.
Ein vorzügliches Statement zur Benzinpreisdebatte liefert auch Dr. Christoph Bruns von der LOYS AG in seiner aktuellen Kolumne.
Der DAX zeigt sich heute etwas freundlicher oberhalb der Marke von 24.000. Fahren Sie bei Ihren Investments weiter auf Sicht bei ausreichender Liquidität.
Ihr Martin Braun, Börse Hannover


Newsletter vom 15. April 2026
Martin Braun, Börse Hannover

Die Volatilität ist gekommen, um zu bleiben

Die Volatilität, die wir alle momentan im Markt spüren, wird vorerst bleiben. Das liegt daran, dass sich fünf Voraussetzungen verändert haben. Damit wird auch die „Große Rotation“ andauern. Stephen Auth, Chief Investment Officer Equities beim globalen Assetmanager Federated Hermes erklärt diese fünf wichtigen Veränderungen.
Seit Anfang Juli haben die Märkte eine Phase erhöhter Volatilität durchlebt. In der vergangenen Woche schien sich die Lage jedoch etwas zu beruhigen. Auch die ISM-Daten für den Dienstleistungssektor fielen besser aus als von vielen befürchtet. Dies deutet darauf hin, dass eine drastische Verlangsamung des Wirtschaftswachstums vorerst ausgeblieben ist.
Stephen Auth, CIO Equities bei Federated Hermes, wirft in diesem Kontext die Frage auf, ob man aktuell in Wachstumswerte wieder einsteigen sollte, jetzt wo der Markt derzeit 6 Prozent unter seinem Höchststand liegt und Large-Cap-Wachstumswerte um 9 Prozent gefallen sind. Dazu sagt er: „Wir sind der Ansicht, dass es derzeit keinen Anlass zur Eile gibt. Wir denken nicht, dass die letzten Wochen lediglich eine „normale August-Volatilität“ widerspiegeln, die auf die aktuelle Urlaubssaison zurückzuführen ist. Wichtige Faktoren, die das Investitionsklima der letzten zwei Jahre prägten, haben sich erheblich verändert. Entsprechend müssen Anleger ihre Strategien anpassen.“
Es hat den Anschein, dass die sogenannte „Große Rotation“ der letzten Wochen noch nicht zu Ende ist. Mit Blick auf die eigene Portfolioaufstellung sagt Auth daher: „Daher bleiben wir bei unserer insgesamt vorsichtigeren Haltung und werden unsere Aktienübergewichtung auf Small Caps, Value-Titel und Schwellenländer konzentrieren.“
Diese fünf Punkte haben sich laut Stephen Auth geändert:
1. Der Yen-Carry-Trade ist vorbei
In den letzten Jahren verfolgte die Bank of Japan eine sehr lockere Geldpolitik mit negativen Zinssätzen. Auch in anderen G-7-Staaten lagen die Zinssätze zeitweise nahe Null. Dies verringerte den Vorteil, Kredite in Yen aufzunehmen, um in Euro oder Dollar zu investieren. Im Frühjahr 2022 änderte sich dies jedoch grundlegend. Die Fed begann, die Zinssätze drastisch zu erhöhen, während die Bank of Japan an ihrem negativen Zinssatz festhielt, bis die Inflation ihr Ziel von 2 Prozent erreichte.
„Als die Bank of England und die Europäische Zentralbank folgten und ihre Zinssätze anhoben, eröffneten sich den Anlegern einmalige Chancen. Ein riesiger Markt für Staatsanleihen in einer der größten Volkswirtschaften der Welt bot Kreditzinsen nahe null, während andere Märkte Renditen von 4 Prozent bis 6 Prozent boten“, so Stephen Auth.
Das Geschäft wurde noch attraktiver, als der Yen fiel. Viele internationale Hebel-Anleger begannen, Positionen aufzubauen. Dies ermöglichte es den Yen-Schuldnern, ihre geliehenen Yen zu günstigeren Kursen zurückzuzahlen. Als die Situation sich zuspitzte, erkannten dieselben Investoren, dass sie noch höhere Renditen erzielen konnten, indem sie in Large-Cap-Wachstumsaktien investierten. Stephen Auth merkt an: „Obwohl einige Experten sagen, dass der Handel abgewickelt ist, sind wir anderer Meinung. Unserer Erfahrung nach dauert es Wochen, bis solche über längere Zeit aufgebauten Positionen vollständig abgewickelt sind – nicht nur drei Tage. “
Schnell abgebaut werden hingegen die Positionen, die am ehesten „aus dem Geld“ sind und sehr kurzfristige Fälligkeitsdaten haben. Positionen mit längeren bis mittleren Fälligkeitsdaten dürften noch im Umlauf sein. Die Abwicklung dieser Positionen wird einige Zeit in Anspruch nehmen und vermutlich Druck auf den Dollar/Yen-Kurs sowie auf Dollarwerte ausüben, die zuvor von der Hebelwirkung profitiert haben. Dazu zählen etwa Large-Cap-Wachstumsaktien und japanische Aktien im EAFE-Index.
2. Die Renditekurve ist nicht mehr invers
Ein markantes Merkmal des Investitionsklimas der letzten zwei Jahre war die stark inverse Renditekurve, bei der die kurzfristigen Zinssätze zeitweise 100 bis 150 Basispunkte über den langfristigen Zinssätzen lagen. Diese Inversion neigt sich nun dem Ende zu. Stephen Auth erwartet, dass sich in den nächsten zwei Jahren eine normalere, nach oben geneigte Kurve etabliert: „Die Fed Funds Rate wird voraussichtlich von 5,5 Prozent auf etwa 3,0 Prozent sinken, während die 10-jährigen Treasury-Renditen relativ stabil zwischen 3,75 Prozent und 4,25 Prozent bleiben dürften. Der Leitzins wird voraussichtlich auf etwa 3,0 Prozent zurückgehen, da sich die Arbeitsmärkte stabilisieren und das Inflationsziel der Fed von 2,0 Prozent bis 2,5 Prozent wahrscheinlich erreicht wird.“
Kurzfristige Zinssätze sind ebenfalls wichtig für Aktien, insbesondere für Finanzwerte, kapitalintensive Aktien und Small-Cap-Aktien, da diese Unternehmen kurzfristige Mittel zur Finanzierung ihrer Bilanzen nutzen. Der Anstieg der kurzfristigen Zinssätze von 0,25 Prozent im März 2022 auf 5,5 Prozent im Juli 2023 hatte daher erhebliche negative Auswirkungen auf die Gewinne dieser Unternehmen, insbesondere bei den Value- und Small-Cap-Indizes.
„Wenn sich die Renditekurve umkehrt – das heißt, wenn die kurzfristigen Zinssätze sinken, während die langfristigen Zinssätze stabil bleiben – dürften die gleichen Aktien, die durch die steigenden kurzfristigen Zinssätze beeinträchtigt wurden, nun profitieren. Im Gegensatz dazu werden Wachstumstitel mit langer Duration von einem stabilen langfristigen Zinssatz kaum profitieren, da sich die langfristigen Zinssätze voraussichtlich wenig ändern werden“, fasst Stephen Auth die Situation zusammen.
3. Der relative Vorteil des Gewinnwachstums von Wachstumsaktien mit hoher Marktkapitalisierung lässt nach
Nachdem Wachstumsaktien in den letzten 18 Monaten stark zugelegt haben, zeigten Large-Cap-Wachstumswerte einen zusätzlichen Vorteil: Sie wuchsen schneller als der Rest des Marktes. Im Jahr 2023 lagen die Gewinne der Large-Cap-Wachstumswerte um 9,5 Prozent über denen der Large-Cap-Value-Werte. In der ersten Hälfte des Jahres 2024 wuchs dieser Vorsprung auf 23,6 Prozent. Doch in der zweiten Jahreshälfte 2024 und bis ins Jahr 2025 wird der Unterschied im Gewinnwachstum voraussichtlich auf 4,5 Prozent schrumpfen. Diese Veränderung wird besonders die Momentum-Trader betreffen, die stark in Large-Cap-Wachstumsaktien investiert sind, oft mit Hebeln. „Wir erwarten daher, dass dies einen anhaltenden Abwärtsdruck auf diese Aktien ausüben wird“, sagt Stephen Auth.
4. Der Wahlkampf verschärft sich, und die politische Unsicherheit nimmt zu
Stephen Auth weist auf ein weiteres Problem hin, das Anleger in den letzten drei Wochen beschäftigt: die Verschiebung der Wahlprognosen. „Im Mai sahen viele Marktteilnehmer, einschließlich uns, Trump als sicheren Gewinner. Nun hat sich die Situation geändert. Präsident Biden wurde durch Vizepräsidentin Kamala Harris auf dem Wahlzettel der Demokraten ersetzt.“ Aufgrund der erheblichen Unterschiede zwischen einer republikanischen und einer demokratischen Regierung erwartet er, dass die ohnehin angeschlagene Wirtschaft in den kommenden Monaten weiter schwächeln könnte.
5. Der Arbeitsmarkt wird schwächer
„Ein wesentliches Merkmal der Post-Covid-Ära ist die auffallende Anspannung des Arbeitsmarktes auf einem fast historischen Niveau“, sagt Stephen Auth. Von Januar 2022 bis April 2024 blieb die offizielle Arbeitslosenquote in den USA (U3-Arbeitslosenquote) unter 4 Prozent und erreichte den niedrigsten Wert seit 1969. Ein weiterer Indikator für die angespannte Situation ist die Anzahl der offenen Stellen pro arbeitslosem Arbeitnehmer. Die Abschwächung des Arbeitsmarktes wird sich voraussichtlich sowohl positiv als auch negativ auf bestimmte Unternehmen auswirken. Für die Märkte könnte dies eine Zunahme der Volatilität bedeuten.
„Obwohl wir kein systemisches Risiko im Bankwesen erkennen, das sich die Schwäche des Arbeitsmarktes zu einer breiteren Rezession ausweiten könnte, würde dies für einige Zeit ein Umfeld schaffen, in dem schlechte Nachrichten schlechte Nachrichten für Aktien bedeuten – eine Situation, die wir seit langem nicht mehr erlebt haben“, fasst Stephen Auth zusammen.
Abschließend sagt Stephen Auth: „Erst in einigen Monaten werden wir wissen, ob die „Große Rotation“, die Anfang Juli begann und sich in der vergangenen Woche teilweise wieder umkehrte, auf eine drastische Veränderung der Fundamentaldaten des Marktes hinweist oder nur ein vorübergehendes Phänomen war. Wir glauben, dass Ersteres der Fall ist und empfehlen weiterhin Portfolios nach unserem ausgewogenen Modell. Die Zeit wird es zeigen.“
Zitat der Woche: Li Lu

„Das größte Risiko für Anleger ist nicht die Volatilität der Kurse, sondern ob sie einen dauerhaften Kapitalverlust erleiden.“
Li Lu
Gründer von Himalaya Capital
Stonks to the Moon
Die Rekordserie an den Börsen geht weiter: Nicht nur der DAX markierte letzte Woche – an einem klassisch umsatzschwachen Feiertag – neue Höchststände, sondern auch der französische CAC40, der britische FTSE100 oder der amerikanische NASDAQ notieren gerade am absoluten Top. Die magische Marke von 20.000 Punkten beim DAX ist aktuell weniger als 1.200 Punkte oder nur gute 6 Prozent entfernt; in den ersten viereinhalb Monaten des Jahres gab es bereits einen Anstieg von 12 Prozent.
Dass der deutsche Leitindex nicht unbedingt zu den nationalen Wirtschaftsdaten passt, haben wir hier schon mehrfach angemerkt. Und so senken dieser Tage wieder verschiedene Konjunkturprognosen den Daumen für das erwartete Wirtschaftswachstum in Deutschland. Das „nach unten Korrigieren“ lässt nur noch 0,2 Prozent BIP-Zuwachs erwarteten, was die „rote Laterne“ innerhalb der EU bedeutet.
Für ganz besonderen Schwung sorgen hingegen diese Woche Kursexplosionen bei den sogenannten Meme-Aktien von GameStop, AMC und Co., nachdem sich die WallStreetBets-Legende „Roaring Kitty“ mit einem unscheinbaren Bild auf X/Twitter zurückgemeldet hatte. Fast drei Jahre hatte der Kanal von Keith Gill nach dem erfolgreichen GME-Short-Squeeze geschwiegen und postet nun wieder fleißig mehrdeutige Memes ohne weitere Erklärungen, aber mit großer Wirkung. Short-Seller sollen bereits mehr als 1 Mrd. USD Verluste erlitten haben. Wie gut orchestrierte Kleinanleger ab Januar 2021 Kurse „to the moon“ und Hedgefonds in die Krise geschickt haben, lässt sich seit letztem Jahr unterhaltsam im Kinofilm „Dumb Money“ nacherleben.


Newsletter vom 15. Mai 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Nur ein Korrektürchen?
Ja, es gibt sie noch: Volatilität – die Kurse kennen doch nicht nur eine Richtung. Das im VDAX-NEW bzw. im VIX gemessene „Angstbarometer“ schien seit November letzten Jahres mehr oder weniger friedlich zu schlafen und ist im April wieder aufgewacht. Von 12 auf 18 zog der Wert für die von den Profis erwartete Schwankungsbreite im DAX an. Doch von den Werten über 80 im Corona-Crash oder um die 30 im Negativjahr 2022 ist man noch weit entfernt.
Vor knapp drei Wochen markierte der DAX sein Rekordhoch bei 18.567 Punkten in der Spitze, um anschließend noch im Tagesverlauf zu drehen und bis letzten Freitag rund 940 Punkte oder 5 Prozent zu fallen. Viele sahen die Bären jetzt (endlich) am Zuge und nach dem 10-Prozent-Kursanstieg von Mitte Februar bis Anfang April konnte es ja auch kaum linear so weitergehen. Doch anders als in der Seitwärtsphase von Mitte Dezember bis Mitte Februar, deutet sich seit Montag eher eine V-förmige Erholung an. Haben die Bullen die Bären passend zu den Temperaturen wieder in den Winterschlaf geschickt? Mit aktuellen Kursen über 18.200 Punkte hat der DAX zwei Drittel des kurzen Abschwungs schon wieder aufgeholt und die Aussichten sind eher positiv: Der VDAX ist wieder unter 15 gefallen.
Nochmal zur Einordnung: Der letzte große Aufwärtsschwung von Ende Oktober bis Mitte Dezember brachte bereits 16 Prozent Performance im DAX. Erfahrene Börsianer wissen, dass sich die langjährige Wertentwicklung von rund 8 Prozent per anno aus extremeren Aufs und Abs zusammensetzt. Und mit diesen Schwankungen verdienen die Profis ihr Geld.
Für Kursbewegungen in Einzelwerten dürften in dieser Woche wieder die Berichte zu den Quartalszahlen sorgen. „Insgesamt berichten in den kommenden Tagen 180 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 40 Prozent des S&P 500“, weiß ein Händler zu berichten.


Newsletter vom 24. April 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf


Aktuelle Notenbankpolitik erhöht Volatilität
Die geldpolitische Straffung in den USA kommt zu ihrem Ende, auch wenn eine finale Leitzinsanhebung auf 5,5 Prozent nicht auszuschließen ist. Noch mag sich der US-Arbeitsmarkt als robust erweisen, doch es gibt keine Zweifel: Die Folgen der restriktiven Geldpolitik werden sich in den kommenden Monaten in der Realwirtschaft mehr und mehr zeigen. So sollte sich die US-Konjunktur im weiteren Verlauf des Jahres 2023 spürbar abkühlen, eine technische Rezession ist durchaus möglich. Zudem könnte sich die Erholung hinziehen. Diese Entwicklung ist notwendig, um den Inflationsdruck entscheidend zu dämpfen. Dabei dürfte die Geldpolitik aufgrund der Probleme im US-Bankensektor sowie des Streits um die staatliche Schuldenobergrenze sogar an Effektivität gewonnen haben. Die Abkühlung könnte also deutlich ausgeprägter ausfallen, als es der eigentliche Zinsanstieg andeutet; immerhin erwarten die Finanzmärkte bereits in diesem Jahr erste Fed-Zinssenkungen. Dies würde bedeuten, dass die US-Notenbank mit ihren Zinsanhebungen übertrieben hat, was historisch eher Normalität als Ausnahme darstellt. Denn bis auf den Zeitraum 1995 bis 2001 hielt die Fed in den letzten 60 Jahren nie lange an ihrem jeweils höchsten Zinsniveau fest, sondern hat relativ schnell die Kehrtwende zur Gegensteuerung eingeleitet. In jüngster Zeit haben sicherlich auch Krisen dazu beigetragen.
Die aktuelle US-Geldpolitik ist deshalb ein weiteres Beispiel dafür, dass Notenbankpolitik nicht unbedingt ein Anker der Stabilität ist, sondern oftmals für erhöhte Volatilität sorgt. Auch war die Geldpolitik viele Jahre ausgesprochen expansiv ausgerichtet, was im Jahr 2021 infolge des kräftigen Inflationsanstiegs zu einer scharfen Gegensteuerung geführt hat. Dies gilt nicht nur für die Fed, sondern auch für die EZB. Der Einlagenzinssatz der EZB war 10 Jahre bei 0 Prozent oder negativ, bis die EZB ihn Mitte letzten Jahres erstmals wieder anhob. Inzwischen hat sie ihn in weniger als einem Jahr um 375 bp. erhöht, und ein EZB-Einlagenzins von mindestens 3,5 Prozent und sogar 4,0 Prozent ist nicht auszuschließen. Dennoch sollte auch die EZB in Kürze das Ende ihres aktuellen Straffungszyklus erreichen.
Die drastische Kehrtwende von Fed und EZB ist Folge einer eher reaktiven bzw. anfänglich zögerlichen geldpolitischen Reaktion auf das eskalierende Inflationsproblem. So stieg die Inflationsrate in den USA bereits seit Anfang 2021, die Fed hat allerdings erst im März 2022 reagiert, also rund ein Jahr später. Da lag die Inflationsrate allerdings bereits bei 8,5 Prozent! Der Gedanke, Preisschocks würden sich als einmalig herausstellen und damit zu keinen Zweitrundeneffekten führen, hat sich nicht bewahrheitet. Dies ist angesichts der damaligen expansiven Notenbankunterstützung bzw. Schieflage der geldpolitischen Ausrichtung nicht überraschend. Denn bereits Anfang 2021 hatte die US-Wirtschaft wieder ihr Vor-Coronakrisen-Niveau erreicht, und auch die Konjunktur der Euro-Zone zeigte eine V-Erholung, die bereits damals und auch ohne die eskalierende Inflation ein Ende der ultra-lockeren Geldpolitik benötigt hätte. Im Jahr 2022 entstand deshalb ein enormer Handlungsdruck für beide Notenbanken, dessen Folgen sich nun als Risikofaktor für Realwirtschaft, Banken und Finanzmärkte herausstellen. Eindeutig scheint allerdings: Die Inflation wird durch die Konjunktureintrübung spürbar sinken. Auch sind erste Zinssenkungen der Fed Ende des Jahres plausibel. Für die EZB, deren höchstes Zinsniveau unter dem der Fed liegen dürfte, ist dies jedoch erst im Jahr 2024 ein mögliches Thema.

Newsletter vom 31. Mai 2023
Dr. Klaus Bauknecht – Chefvolkswirt
IKB Deutsche Industriebank AG
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Bullen und Bären ringen auf Rekordniveau
Ausgerechnet am Freitag den 13. war es soweit: Die Marke von 16.000 Punkten im DAX wurde erstmals durchbrochen! Year-to-date bedeutete das eine 2021er-Performance von 16,7 Prozent und, noch eindrucksvoller, vom Corona-Tief im März 2020 ein Plus von 94 Prozent. Auch wenn der Sprung über die psychologische Tausenderschwelle nicht in den Handelsschluss gerettet werden konnte, zeigten die Bullen mit einer 6,6-Prozent-Rally ihre Stärke. Denn nur vier Wochen zuvor hatten die Bären den Leitindex kurzfristig knapp 1.000 Punkte tiefer notieren lassen.
Die Volatilität ist also zurück im umsatzschwachen Sommer. Und bei der schwankungsanfälligen Rekordstimmung ist der deutsche Aktienmarkt in guter Gesellschaft: Zwar markierten Dow Jones und S&P 500 auch neue Allzeithochs, doch die Notierungsspannen innerhalb der Handelstage sind derzeit nichts für schwache Nerven. Weltpolitische Nachrichten aus Afghanistan oder wirtschaftskritische Regulierungsvorstöße aus China sorgen zusätzlich für Unsicherheit. Gerade institutionelle Anleger warten wohl auf eine Korrektur, müssen aber anderseits investieren, wenn es weiter aufwärts gehen soll.


Newsletter vom 18. August 2021
Ihr Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Volatilität – Feind im Depot?
Seit knapp einem Jahr kennen die Aktienmärkte im Großen und Ganzen nur eine Richtung – nach oben. Viele Faktoren, die noch vor der Corona-Pandemie zu einer massiven Verunsicherung an den Kapitalmärkten geführt hätten, wie globale Handelsstreitigkeiten, politische Unruhen oder Lockdowns in Wirtschaft und Gesellschaft, werden gegenwärtig ausgeblendet. Doch was bedeutet dies für die Anlegerinnen und Anleger?
Zunächst einmal ist die Kursentwicklung vieler börsennotierter Gesellschaften erfreulich, aber natürlich nicht ohne Risiko. Dieses Marktpreisrisiko kann auf vielfältigste Art und Weise analysiert werden. Eine Basisbetrachtung besteht in der Erhebung der Volatilität eines Depots. Während man bei Einzelpositionen in Aktien die Volatilität jeweils mühsam getrennt zusammenstellen muss, hat ein Investmentfonds den Vorteil, das die Volatilität von vielen Informationsplattformen zumindest auf Monatsbasis veröffentlicht wird. Somit gewinnt man schnell einen ersten Eindruck davon, wie das Risiko in dieser Anlage grob einzuschätzen ist. Je höher die Volatilität, desto höher auch ein potentielles Risiko.
Der VDAX bzw VDAX-NEW kann hier als „Angstbarometer“ zur Orientierung herangezogen werden. Er gibt die implizite Volatilität des DAX über 45 / 30 Tage an und gilt als Vola-Benchmark für ein auf den DAX ausgerichtetes Portfolio.
Während der VDAX-NEW aktuell bei etwa 20 steht, liegen viele deutsche Aktienfonds und andere indexorientierte Produkte im Vergleich deutlich über diesem Wert. Anders formuliert: das Risiko dieser Anlagen ist oftmals höher als das der Benchmark und somit nicht zu unterschätzen. Eine aktive Risikominderung geht dafür mit Kosten einher, welche den Ertrag deutlich beeinträchtigen können. Als Anleger muss man somit gut abwägen, wieviel Risiko man zu Gunsten der Performance tatsächlich eingehen möchte.
Bereits seit den frühen 90ern, und somit seit fast 30 Jahren, beschäftigen wir uns erfolgreich damit, gezielt in Unternehmen zu investieren, die ihren Sitz in unserer wachstumsstarken Heimatregion Süddeutschland haben. Hierbei managen wir das Marktpreisrisko aktiv und können auf eine extrem niedrige Volatilität im einstelligen Bereich verweisen. Seit einigen Jahren setzen wir unser bewährtes Anlagekonzept darüber hinaus auch im „SK-I Süddeutschland“ WKN A2N660 um. Bei diesem Publikumsfonds, den wir in Kooperation mit der Donner & Reuschel AG betreiben und der an der Hamburger Börse gelistet ist, verfolgen wir konsequent unser Credo „think global. invest local.“ Volatilität, um auf den Titel dieses Beitrags zurückzukommen, ist alles andere als unser Feind.

Newsletter vom 14. April 2021
Michael Kater – Geschäftsführer
Süddeutsche Kapital Invest GmbH

Herdenrisiken
Besonders im Verlauf eines länger anhaltenden Börsenaufschwunges wird eine spezielle Art von Risiko, das sich vor allem in Marktübertreibungsphasen zeigt („Herdenrisiko“), durch die im Rahmen des Portfoliomanagements üblicherweise verwendeten Risikokennzahlen nicht bzw. nur unzureichend erfasst. Der besondere Wert der Diversifizierung über eine Vielzahl von Aktienkategorien hinweg wird deshalb besonders in solchen Marktphasen, wie wir sie auch aktuell beobachten, massiv unterschätzt.
Länger andauernde Aufwärtsbewegungen am Aktienmarkt erzeugen unter Anlegern häufig ein stark von Euphorie geprägtes Anlageverhalten. Die entsprechende Kauflaune erstreckt sich allerdings in der Regel nicht auf den breiten Gesamtmarkt, sondern konzentriert sich häufig in ausgewählten Aktienmarktsegmenten, wie derzeit beispielsweise im Technologiesektor. Die hierbei aufgrund der entsprechenden Rückschlaggefahren entstehenden speziellen Risiken („Herdenrisiken“) werden von der üblicherweise im Portfolio-Management verwendeten Risikokennzahl Volatilität allerdings nicht bzw. nur teilweise erfasst.
Während sich das Volatilitätsrisiko recht zuverlässig auf Basis längerfristiger Kurszeitreihen schätzen lässt, existieren zur Quantifizierung des Herdenrisikos – obwohl es von den meisten Marktteilnehmern durchaus als real angesehen wird – keine allgemein anerkannten Methoden. Aufgrund eines relativ stabilen inversen Zusammenhangs zwischen einer kurzfristig gemessenen Volatilität und der Marktentwicklung, besteht trotzdem die Möglichkeit, auch diese Art von Risiko einigermaßen zuverlässig einzuschätzen.
Eine vom Autor entwickelte und zur Kurzfrist-Volatilität in einem inversen Verhältnis stehende Kennzahl „Herdenrisiko“ sowie ein entsprechender spezieller Diversifikationsmechanismus erlauben es, die Vorteile der Diversifizierung über eine Vielzahl verschiedene Aktienkategorien auch dann deutlich zu machen, wenn fast alle Anlagen scheinbar nur eine Richtung kennen, wenn sowohl historische als auch implizite Volatilitäten stark rückläufig sind und sich die Korrelationen zwischen den diversen Aktienkategorien immer weiter erhöhen.
Bei der Kennzahl „Herdenrisiko“ geht es nicht um eine Art Timing-Model, sondern lediglich darum, Anleger auch in Marktübertreibungsphasen mittels Kennzahlen davon überzeugen zu können, dass eine breitest mögliche Diversifikation auch dann sinnvoll ist, wenn einzelne Marktsegmente durch die Decke gehen und sie das Gefühl haben, etwas zu verpassen.


