Verkehrte Welt
Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Wir leben in einer Welt voller „Disruption“ was den dramatischen Wandel durch Innovation beschreibt. Manche Dinge kommen einem aber eher wie Eruption vor und insgesamt führt, das zu einer Welt in der kein Stein mehr auf dem anderen bleibt und vieles auf einmal komplett andersherum läuft als wir landläufig meinten oder erwartet haben.
Fangen wir zu Hause an. Fangen wir mit dem Wichtigen an: während der Klimawandel fortschreitet und das Ziel, die Erhitzung des Planeten auf nicht mehr als 1,5 Grad Celsius im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten zu begrenzen – nicht nur praktisch außer Reichweite ist – stellt man fest: Es reicht auch nicht um einen katastrophal schnellen Anstieg des Meeresspiegels zu stoppen. Zu diesem Schluss kommt ein Team von der Durham University. Währenddessen meldet der Bundesverband eMobilität dem rund 450 Unternehmen angehören plötzlich Insolvenz an. Das ist ebenso absurd wie die Gründe unklar sind. Gleichzeitig explodieren die Exporte chinesischer Automobilhersteller nach Deutschland. Und führt die EU ad-absurdum. Waren die Chinesen zunächst vorwiegend mit eAutos am Markt so hat man in Europa am 31.10.2024 zusätzliche Strafzölle auf rein batterieelektrische PKW aus China eingeführt. Das lief auch nach Plan – nur der Plan war nix. Denn die Chinesen liefern nun einfach Verbrenner Fahrzeuge. Es ist keine Überraschung, dass die einst so weltweit führenden inländischen KFZ Hersteller hiervon überrascht wurden. Wer sich dieser Tage noch wegen Dieselskandalen vor den Gerichten verantworten muss…
CSU Innenminister Alexander Dobrindt schielt derweil auf den rechten Rand der Wählerschaft und versucht der illegalen Migration Herr zu werden. In Anbetracht der Wahlergebnisse sicher auf den ersten Blick ein nachvollziehbares Vorgehen. Und feiert sich, da die Zurückweisungen unter Aufstockung der verfügbaren Beamten der Bundespolizei von 10.000 auf 14.000 Beamte gestiegen sind. Nur widerspricht das dem vereinbarten europäischen Vorgehen und hierfür erntete Deutschland massive Kritik der Partnerstaaten. Und wofür wirklich? Die Zahl der Zurückweisungen an der Grenze binnen einer Woche um 45 Prozent auf 739 Fälle gestiegen sei, doch die eigentliche Frage lautete: Wie viele Asylbewerber waren darunter? Die Antwort fiel ernüchternd aus: gerade einmal 32. Oder „sage und schreibe“ 5 pro Tag. Dafür treibt man Europa weiter auseinander? Was hat das mit Kapitalmarkt zu tun? Kommt noch. Wartet.
Herr Linnemann kam im Wahlkampf auf die Idee, die deutschen seien nicht leistungsbereit genug. Und legt auch nach der Wahl nach: „es gehe manchem nicht mal mehr um Work-Life-Balance sondern um Life-Life-Balance“. Und wird dann in der jüngsten Sendung von Caren Miosga in Anbetracht von Milliarden geleisteter Überstunden dafür auseinandergenommen und macht „schwupss“ eine Rolle rückwärts und kritisiert den von ihm selbst geprägten Begriff der „Life-Life-Balance“.
Gleichwohl macht die neue Regierung erstmal einen stabileren Eindruck als die von Zauderei und Streit geprägte Ampel und der Bundeskanzler versucht eine dominantere Rolle in der Welt und Europa zu finden. In Anbetracht der Kritik aus Russland scheint ihm das zu gelingen und auch die Reaktion des israelischen Botschafters bestätigt, dass auch Deutschland nicht alle kommentarlos geschehen lassen muss. Manche Medien kommentieren die Beschlüsse der Koalition positiv und wir wünschen, sie bekommen recht. Das allerdings dem Vernehmen nach dem Bürokratieabbau von einer Bürokratieabbaubehörde angegangen werden soll,
mutet skurril an.
Das eruptive Chaos zu verfolgen mit dem die amerikanische Regierung die Welt überzieht (rund 1.320 Tage noch) ist fast nicht mehr möglich. Absurd, dass Menschen denen dieser Zollwahnsinn die Existenz kosten wird aber MAGA weiterhin wie die Lemminge folgen. Man liest von Farmern denen FOX News einredet, die Kanadier würden die Zölle zahlen aber Ende landen sie auf ihren Kosten https://finance.yahoo.com/news/im-not-even-sure-legal-010000861.html. Seine Verkaufspreise sind allerdings vertraglich gedeckelt, so dass diese Geldvernichtungsmaschine ihn zuversichtlich in den Ruin treibt während die Familie seines Präsidenten Milliarden scheffelt. Absurd.
Auch dem täglichen Theater des US-Präsidenten rund um den Krieg in der Ukraine kann man kaum noch folgen. Man muss ihn aber an seinen Taten messen und nicht an seinen Worten Dann ist es ziemlich offensichtlich, was der Mann da noch macht: Nichts. Und was er bisher getan hat, hat Putin sicher nicht verunsichert. Auch hier sind nun die Europäer gefordert.
Der Angriff auf die heiligsten Bildungsstätten der USA könnte einen Exodus der besten Köpfe aus den USA beschleunigen. Aber bereits vor der US Wahl gab es zahlreiche Berichte darüber, dass sich zumindest in Deutschland immer mehrere Bürokraten finden, die den Zuzug solcher Leute erfolgreich erschweren oder gar abwehren.
Überhaupt führt der „Beautiful Tax Bill“, den die Amerikaner nun doch durchgewunken haben dazu, dass durch die Ausgabenexplosion die Renditen in den USA weiter ansteigen. Der Zinsanstieg der 30 jährigen Anleihen auf rund 5 % belastet die USA deutlich bei den anstehenden Refinanzierungen des Staatshaushaltes und den parallel anziehenden Hypothekenkrediten. Der Immobilienmarkt auf der „MainStreet“ spürt das bereits. Ausländische Investoren verhalten sich bei den T-Bond Auktionen zunehmend zurückhaltender. Sollte sich die Versteifung bei den US Zinsen auch fortsetzen trifft dies auch die zweite wichtige Käufergruppe: die US Banken. Diese sind gehalten einen hohen Anteil ihrer Bilanz in Treasuries zu halten. Allerdings nicht endlos, dafür sorgt eine Regulierung namens „Supplementary Leverage Ratio (SLR)“, die den Bestand auf ein bestimmtes Verhältnis zum Eigenkapital limitiert. Wenig überraschend versucht Finanzminister Scott Bessent diese Regel aufzuweichen oder abzuschaffen, damit die erratische US-Schuldenparty erstmal weitergehen kann. Der Katzenjammer dürfte damit aber nur schneller näherkommen. Es heißt, die US-Banken sitzen bereits heute auf 500 Mrd. US-Dollar Verlusten aus ihren Beständen in US-Staatsanleihen. Wenn sich das fortsetzt, beginnen die Anleger ihre Einlagen bei US Banken abzuziehen und die USA schlittern in eine handfeste Bankenkrise. Die einzige Institution, die das dann eventuell aufhalten kann, ist die FED, deren Chef Powell sich aber dauernder Angriffe der Zauberlehrlinge aus dem weißen Haus erfreut und dessen Amtszeit im kommenden Jahr endet. Danach wird er sicher durch einen MAGA-Büttel ersetzt werden.
Die globalen Kapitalströme schauen nach Alternativen und wünschen sich, der uneinige Flickenteppich Europa hätte eine tiefere und glaubwürdige Integration. Gleichwohl zeigen die Entwicklungen beim Kurs des US-Dollar und der europäischen Märkte, dass es bereits jetzt zu Reallokationen kommt. Europa muss aber aufpassen, dass es nicht in dieselbe Falle tappt wie die USA. So schrieben renommierte Marktexperten bereits vor einer Woche, was wir hier auch nahezu gebetsmühlenartig wiederholen:
„The accelerating erosion of business ethics in the US. From Buffet to Musk to Trump .“You can ignore reality, but you cannot ignore the consequences of ignoring reality.“ (Ayn Rand). You let crooks and liars run the show, expect bad outcomes. Every AfD voter in Germany should be aware.“
Viele Anleger flüchten in Gold und „the new black“ in USA ist die Gold-ETFs in Bitcoin umzuschichten als „digitalen, dezentralen Goldersatz“. Wie es beliebt, da halten wir uns raus. Wir bleiben bei unserer Auffassung, dass zum einen Investments in Europa die USA weiterhin „outperformen“ werden. Daher dürften die Investments in zahlreiche passive Produkte wie global investierende Aktien-ETFs (die zumeist eine dramatische Übergewichtung in USA haben). Aktiv gemanagte Fonds mit gutem Trackrecord und erfahrenem Management produzieren zwar etwas höhere Kosten aber das aktive Management sollte in dem Chaos bessere Returns erzielen können als das statisch-passive Management. Jedenfalls unsere Meinung.
Und auch der schon oft totgesagte KMU-Anleihemarkt ist immer noch da und wir verzeichnen erfolgreiche Transaktionen. Zum Teil mit höheren Kupons, die die Risiken auch widerspiegeln. Da erwarten wir noch mehr im Jahresverlauf. Immer einen Blick wert.
Zu mwb:
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 46.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.
Disclaimer:
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist Herausgeber des vorliegenden Dokumentes. Obwohl die Informationen in diesem Dokument aus Quellen stammen, die die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG für zuverlässig erachtet, kann für die Richtigkeit der Informationen in diesem Dokument keine Gewähr übernommen werden.
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Ein wie auch immer geartetes Beratungsverhältnis zwischen der mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG und dem Empfänger dieses Dokumentes wird durch die Übersendung oder Weitergabe dieses Dokuments nicht begründet. Jeder Empfänger muss eigene Anstrengungen unternehmen und Vorkehrungen zu treffen, um die Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit einer Anlageentscheidung unter Berücksichtigung seiner persönlichen und wirtschaftlichen Belange zu prüfen. Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG haftet weder für Konsequenzen aus dem Vertrauen auf in diesem Dokument enthaltenen Meinungen oder Aussagen noch für Unvollständigkeiten in diesem Dokument. Jede US-Person, die dieses Dokument erhält und Transaktionen mit hierin genannten Wertpapieren tätigen möchte, ist verpflichtet, dies durch einen in den USA zugelassenen Dienstleister.

mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 2. Juni 2025
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
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mwb Wertpapierhandelsbank AG
Kai Jordan
Kleine Johannisstraße 4
20457 Hamburg
Tel: +49 40-360995-20
E-Mail: kjordan@mwbfairtrade.com
Ragnarök?
Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
(Die Ragnarök (altnordisch „Schicksal der Götter“; aus regin, gen. pl. ragna „Gott“, rök „Ursache, Sinn des Ursprungs“)[1] ist die Sage von Geschichte und Untergang der Götter (Weltuntergang) in der nordischen Mythologie, wie es die Völuspá prophezeit.)
Der letzte Abschnitt der Ragnarök schildert die neue Welt, die nach dem Untergang der alten Welt entsteht. Fälschlich übersetzt wird Ragnarök auch als Götterdämmerung. Richard Wagner behandelt das Thema auch in der Oper Götterdämmerung im Ring der Nibelungen.
Während die ganze Welt über den Trumpschen Zollirrsinn und die Disruption der bestehenden ökonomischen und politischen Weltordnung diskutiert, ist ein wesentlicher Punkt vollkommen in den Hintergrund getreten, der aber ebenfalls ein wichtiger Einflussfaktor für die künftige Entwicklung an den Kapitalmärkten ist und den wir hier regelmäßig beschrieben haben.
Die USA sind auf klarem Kurs für einen Zusammenbruch ihrer Staatsfinanzen. Hierüber berichtete das „Congressional Budget-Office“ (CBO) des US-Kongresses in einer erneuerten Langfristprognose, die auf die dringende Notwendigkeit einer Kursänderung hinweist. Das CBO beschreibt, dass das „Deficit Spending“ wie noch nie außer Kontrolle geraten ist. Die Regierung der USA gibt derzeit rund 7 Billionen Dollar aus im Jahr und verzeichnet dagegen Steuereinnahmen von lediglich 5 Billionen. Das entspricht einem Defizit in Höhe von 6 % des GDP. Das CBO erwartet, dass sich die Schuldenaufnahme der USA auf diesem oder gar höheren Level über kommende Dekaden fortsetzt. Kommt es NICHT zu einer Rezession wird die Verschuldung von derzeit 100 % GDP auf 118 % in 2035 steigen.
Die politischen Absichten in der republikanischen Partei zielen aber keineswegs auf Sparkurs; im Gegenteil: mit den angepeilten Maßnahmen wie Steuersenkungen wird man noch aufs Gaspedal treten. Und die durch DOGE vorangetriebene Zerstörung des Staatsapparates bringt hier keine wesentliche Entlastung, sondern schafft eher Unfrieden und Unsicherheiten bei den Konsumenten.
Der jüngste scharfe Anstieg der Renditen an den US-Anleihemärkten reflektiert das eindrucksvoll. Hatten wir zunächst gedacht, es sei der chinesische Bär der Batman Trump
hier einen auswischen will, indem er mal ein paar von den rund 760 Mrd. US Bonds, die China als Investor hält, auf die Reise nach Hause schickt, aber beim genauen Hinsehen mussten wir feststellen, dass der Druck wohl aus allen Ecken kommt. Es scheint, als wolle die Regierung den Dollar dramatisch abwerten, um aus der Schuldenfalle herauszukommen und nicht wettbewerbsfähige US Produkte exportfähig zu machen. Wenn das man gut geht.
Und in diesem Szenario tritt der US-Präsident der Konjunktur und den globalen Kapitalmärkten mit dem größten Unsinn seit 100 Jahren noch mit Vollgas in den Allerwertesten. Dazu ist aber schon reichlich kommentiert und geschrieben worden. Dass er zunächst mal eine halbe Rolle rückwärts gemacht hat, ist vermutlich einem hohen innenpolitischen Druck zu verdanken. Denn der Allerwerteste schmerzt nicht nur den zahlreichen US Bürgern, die ihre Altersversorgung über die Aktienmärkte aufbauen. Er schmerzt vor allem seinen „Kumpels“ aus der Finanz- und Techindustrie wie z.B. den Milliardär und Hedge-Fund Ikone Bill Ackman, der die Wahl von Batman noch vor wenigen Monaten feierte:
„“the most pro-growth, pro-business, pro-American” administration he’d seen in his adult life.“
Nach den Marktturbulenzen in der vergangenen Woche konnte die Riege dann das Wasser nicht mehr halten und hier stellvertretend wieder Ackman:
“I don’t think this was foreseeable,” the hedge-fund mogul posted on X. “I assumed economic rationality would be paramount.” und weiter das Risiko eines “self-induced, economic nuclear winter.” an die Wand malt. Uns erinnert dieses Kapitel der Freakshow eher an das bekannte Mimimimimi der Muppets Show:
Über die massiven wirtschaftlichen Interessenkonflikte des Batman hat die FAZ schon am Donnerstag berichtet. Diese Riege plündert das Land skrupellos aus. Es stellt sich nicht mehr die Frage: Was ist wichtiger, die USA oder der Geldbeutel des Präsidenten?
Wem nutzt die gesteuerte Volatilität der Märkte? Es lässt sich vermuten, wenn wir uns die erste Amtszeit des Präsidenten Trump ansehen. Aber auch Elon Musk, dessen Teslas in vielen Teilen der Welt mittlerweile von Aktivisten, wie Bürgern verteufelt werden, quakt ja bereits seit längerem im Mimimimi… und setzt sich nun mit Vollgas ab. So beschimpfte er den Trump Berater und „Architekten“ des Zollwahns Peter Navarro auf X: „Navarro sei »wirklich ein Idiot« und »dümmer als ein Sack Ziegel“.
Wenn Europa irgendwann mit Digitalzöllen gegen die US-Techs zurückschlagen würde, dann werden Batman und seine ehemaligen Tech-Jünger merken, wie schnell sich Defizite abbauen. Aber andersherum.
Nunja, wie heißt es in Deutschland: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“. Und die Aussetzung des Zollirsinns für 90 Tage lässt eben offen was nach den 3 Monaten passiert. Volle Attacke bleibt dagegen der Zollkurs gegenüber China der ja auch auf Peter Navarros Buch „Death by China“ basiert. Navarro bezieht sich hier auf einen Ökonomen „Ron Vara“ der aber rein fiktiv ist und ein Namenspiel. Auf den Autor Navarro selbst. Narzissten treiben Narzissten.
Und das Risiko, dass diese Auseinandersetzung mit China in einem militärischen Konflikt endet, nimmt langsam zu. Glauben Sie nicht? Zitat:
“The United States can no longer produce enough antibiotics to treat our sick,” Trump said in the White House Rose Garden on April 2. “If anything ever happened from a war standpoint, we wouldn’t be able to do it.”
Auch die geostrategischen Analysten von Bloomberg schrieben am Wochenende:
„Trump and Xi Are Preparing for a War Nobody Wants. The US tariffs are aimed at boosting national security, but Trump is alienating allies he would need in any military conflict with China.“
Es ist zu vermuten, dass auch alle weiteren Vorhaben Bauchklatscher werden, wie alles was Batman bisher angefasst hat. Außer Riesenschäden und viel „digge Hose“ ist diese Regierung ein Totalausfall. Lassen wir Revue passieren: In Gaza wird wieder geschossen, die Deportationen der Palästinenser, um eine Riviera aus dem Gaza Streifen zu machen, der Friedensprozess zur Ukraine, Grönland, Kanada und Panama sind weiterhin souverän, Handelskrise und Finanzkrise wurden zunächst nur temporär abgemildert und der Golf von Mexico heißt immer noch so.
Kommen wir auf Europa. Mancher Ökonom befürchtet, dass China die Güterströme, die es in den USA nicht mehr absetzen wird nach Europa umleitet. Das hat auch eine gewisse Logik. Nur wird der Druck der USA auf die Europäer hinsichtlich einer Sicherheitsgarantie der Nato weiter zunehmen und man wird diese Karte spielen. Es ist zu hoffen, dass auch dieses ganze Theater scheitert, aber sicher ist das nicht.
Die ehemalige transatlantische Brücke liegt zertrümmert neben dem Wrack der Titanic. Wir hören immer mehr „Buy-Europe“ und auch Banker amerikanischer Institute in Frankfurt berichten von Kunden, die diese Institute aufgrund ihrer Herkunft auch mal meiden.
Apropos Deutschland. Unsere Prognosen aus dem Februar Standpunkt, den wir in der Wahlnacht schrieben, sind zügig eingetreten bzw. wurden bei weitem übertroffen. Gleichwohl müssen manche noch lernen, was TINA heißt. „There is no Alternative“.
Wir verstehen, dass insbesondere die wirtschaftsorientierten Teile der Unionsparteien vor (Ent)-Täuschung schäumen und die Umfragen signalisieren, dass so mancher noch zur sogenannten politischen Alternative umzieht. Es liegt offensichtlich in der DNA des Konservatismus, das es manchmal etwas länger dauert sich an neue Gegebenheiten zu gewöhnen. Und trotzdem muss man die designierte Schroko (Schwarz-Rote-Koalition) loben, dass sie es gegen alle Widerstände hinbekommen, hat auch wenn sich manche Unionschristen „über den Leisten balbiert“ fühlen.
Es fällt uns auf, dass es immer wieder gutsituierte Herren sind, die hier nach Veränderung schreien und mit Hinblick auf das Parteiprogramm der Blauen möglicherweise einfach nur Selbstbedienung meinen. Wir haben hier bereits auf diesen sehenswerten Offenbarungseid https://www.ardmediathek.de/video/caren-miosga/was-fuer-ein-deutschland-wollen-sie-frau-weidel/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2NhcmVuLW1pb3NnYS8yMDI1LTAyLTAyXzIxLTQ1LU1FWg?fbclid=IwY2xjawJos4hleHRuA2FlbQIxMAABHrH3S9Ep2dXdIRdrZB90Tw4BPDch68qAw2Fyhm_rLeiEqBM7W47yFOzTD09K_aem_rQYFBGlFM5F5WBg7tm8zwQ hingewiesen.
Wo sind diese Populisten jetzt? Weidel die für ein Foto mit Herrn Vance posierte? Hat sie dort angerufen und Deutsche Interessen vertreten? Orban, der große Europäer? Und nun soll es ausgerechnet Frau Meloni richten, die dieser Tage ein Dinner mit Trump hat. So „unter Gleichgesinnten“ sind wir mal gespannt was dabei herauskommt.
Wir wären sehr vorsichtig, in diesem Umfeld weiter den Rattenfängern mit den einfachen Rezepten hinterherzulaufen. Sonst erleidet man schnell das Schicksal der amerikanischen „Vorbilder“ wie Ackman & Co. und es heißt es irgendwann dann Mimimimi. Und das Mimimimi wäre noch nicht mal das Schlimmste. Sondern Ragnarök.
Was heißt das nun für Investoren? Politische Börsen haben kurze Beine predigen die Gesundbeter. Aber die Ausmaße dieser tektonischen Verschiebungen sind doch „ein wenig“ fundamentaler und machen diese Beine deutlich länger. Die Anleger in den so favorisierten MSCI-World-Sparplänen merken bereits seit dem Jahreswechsel, was mit „Cost-Average-Effekt“ gemeint ist. Es wird sehr lange dauern bis der Globus dieses Chaos wieder aufgeräumt hat. Wenn überhaupt. Und da hilft eher aktives Portfolio-Management, um herauszufinden wer die Profiteure sind und wer auch nicht. Auch wenn es manchmal einen Taler mehr kostet als ein Index-ETF. Gute Fondsmanager sind jetzt wieder erste Wahl.
Wir denken, dass die Minimum 900 Milliarden Euro sinnvoll eingesetzt, einen gewaltigen Schub auslösen können – trotz Trump. Das denkt anscheinend auch die Finanzwelt, denn die Entwicklung des Euros gegenüber dem Dollar zeigt dies. Wir sind der Meinung, dass dies auch positive Auswirkungen für viele mittelständische Unternehmen haben wird, wahrscheinlich sogar wieder für eine Aufhellung am Arbeitsmarkt sorgt. Gleichzeitig gehen wir von einem Kapitalbedarf für Anschubfinanzierungen aus, die über den Kapitalmarkt refinanziert werden können.
Dies und neue globale Allianzen gegen die Amerikaner werden uns hoffentlich die Götterdämmerung ersparen. Aber es bleibt sicher ruppig.
Zu mwb:
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 46.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 16. April 2025
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Whatever it takes
Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Defacto ist die deutsche Schuldenbremse seit Freitag, den 21.03.2025 außer Kraft gesetzt. Minimum 900 Milliarden Euro werden als sogenanntes Sondervermögen über Bundesanleihen finanziert am Kapitalmarkt aufgenommen. (Wir verweisen auf den letzten mwb-Standpunkt: Der Schuldturm zu Babel.) Minimum 400 Milliarden Euro für Rüstung und 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur, wovon 100 Milliarden für die „Klimaneutralität“ gesetzt sind. (Vorsicht: Die Deutsche Umwelthilfe reibt sich jetzt schon die Hände, was Sie alles kostenpflichtig zukünftig abmahnen kann.)
Bei der Rüstung gilt der Spruch des vermutlichen nächsten Kanzlers Friedrich Merz: Whatever it takes. Das bedeutet, wenn mehr als 400 Milliarden Euro gebraucht werden, dann wird mehr Geld am Kapitalmarkt aufgenommen. Entsprechende Grundgesetzänderungen sind vom Bundestag und Bundesrat durchgewunken worden.
Wir beschäftigen uns diesmal bewusst nicht mit der Beurteilung der Politik in diesem Standpunkt, und ob das Sondervermögen und damit ein Aufweichen der Schuldenbremse sinnvoll ist oder nicht. Wir wollen uns mit den Auswirkungen dieses gewaltigen Finanzpakets beschäftigen. Was heißt dies für den Kapitalmarkt? Für mittelständische Unternehmen, die den Kapitalmarkt suchen. Können wir Prognosen abgeben? Sind Branchen besonders betroffen?
Die Inflation wird sich so entwickeln, wie wir in unseren Standpunkten es beschrieben haben. Das 2 %-Ziel der EZB kann man zwar sehen, aber ob es unter diesen Umständen jemals erreicht werden kann? Dennoch wird es sicherlich noch ein oder vielleicht auch zwei moderate Zinsschritte nach unten geben. Allein um die Wirtschaft anzukurbeln. Frankreich ist prozentual stärker verschuldet als es Griechenland jemals war. Italiens Verschuldung ist ebenfalls immens. Deutschlands Wirtschaft schwächelt nicht – sondern ist strukturell schwach. Das sehen wir auch an den Entlassungen, die zwar alle „sozialverträglich“ vorgenommen werden sollen. (Schlagzeile: Mercedes-Mitarbeiter bekommen bis zu 500.000 Euro Abfindung.)
Viel wichtiger als die EZB ist für Deutschland die Verwendung aber auch die Finanzierung des Sondervermögens. Deutschland ist das größte und immer wirtschaftlich stärkste Land Europas. Das, was hier passiert, betrifft auch Gesamt-Europa in starkem Maße.
Bauzinsen der deutschen Banken orientieren sich nicht an den Leitzinsen der EZB, sondern an den langfristigen Marktzinsen reflektiert in der Rendite der Bundesanleihen. Wir haben in den letzten zwei Wochen nach der Ankündigung des Pakets einen Anstieg der Bauzinsen im Schnitt um 0,5 % gesehen. Gleichzeitig haben wir die Wohnungsknappheit und die aufgerufenen Mietpreise nicht im Griff. Die Zahl der Baugenehmigungen steigt wieder moderat an – im Januar wurden 18.000 Wohnungen genehmigt (400.000 Wohnungen pro Jahr werden benötigt – extrapoliert wären das aber wieder nur 206.000 Wohnungen). Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands HDB: „Der Wohnungsbau leidet somit weiter unter den schlechten Rahmenbedingungen und der Zurückhaltung der Investoren.“
Aber was heißt dies für KMUs und ggf. für deren Anleihen? Die vorstehend beschriebenen Maßnahmen werden auch im Mittelstand ankommen und sei es durch Sekundäreffekte. Und dieser braucht weiterhin Finanzierungsquellen. Da sehen wir trotz aller Unwuchten eine Renaissance am Horizont. Und wir stellen bewusst zwei Branchen in den Mittelpunkt – Bau und Maschinen. Warum?
Die Baubranche hat in den letzten Jahren – insbesondere die Immobilienbranche schwer gelitten. Verkäufe sind stark zurück gegangen, Infrastrukturmaßnahmen des Bundes waren praktisch auf Eis gelegt, so dass auch die Unternehmen am Kapitalmarkt nicht reüssiert haben. Wir gehen aber davon aus, dass es eine Rückkehr von Emittenten der Bau- KMU-Anleihen am Kapitalmarkt geben wird. Es könnte zukünftig eine deutliche Zunahme in den Auftragsbüchern geben, die erst einmal einen zusätzlichen Kapitalbedarf auslöst. Sicherlich werden die Kupons – nicht nur allein bestimmt durch die Bundesanleihen – mit einer gewissen Risikoprämie höher ausfallen als früher.
Die Erklärung für Maschinenbau ist einfacher: Große Rüstungsunternehmen, die zukünftig von den Milliarden profitieren, sind auf mittelständische Zulieferer angewiesen. Diese KMUs werden ihre Produktionen deutlich erhöhen müssen und haben dafür erst einmal einen erhöhten Kapitalbedarf.
Wenn die Politik alles richtig macht, dann wird sich das Sondervermögen als Konjunkturprogramm erweisen und Deutschland aus dem Schlafwagen des Zuges wieder weiter nach vorne bringen. Europa würde es Deutschland danken.
Zu mwb:
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vom 25. März 2025
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Eigentlich dachten wir für diesen Standpunkt an einen Titel wie „is it the economy, stupid?“ frei nach einem alten Wahlkampfspruch von Bill Clinton. Die Frage war ja tatsächlich, ob es wirklich nur wirtschaftliche Themen waren, die diese Wahl dominiert haben? Die Antwort ist klar: Mitnichten.
Aber dazu gibt es heute bereits hinreichende Analysen und Stellungnahmen. Wie zur Wahl und zu den Folgen überhaupt. Der DAX feiert das Wahlergebnis am Montag zunächst mal was einem Erleichterungshüpfer gleichkommt, weil das Land überhaupt regierbar erscheint.
Aber was bedeutet das Ergebnis für die Entwicklung an den Kapitalmärkten. Denn schon die letzte GroKo erinnerte ja eher an einen gemütlichen Schlafwagen in dem eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Diese Chance, sich gemütlich einzurichten hat die kommende Regierung nicht, weil der Alltag zunehmend von exogenen Einfluss- und Schockfaktoren bestimmt wird. Und der Lufthoheit über den Stammtischen durch die sogenannten Alternativen und ihre mediale Reflexion.
Es ist zu befürchten, dass die kommende Regierung noch zunehmend in zahlreiche Situationen kommt, die eher nach Schraubzwinge als nach Zwickmühle klingen. Allein die organisatorischen und finanziellen Herausforderungen einer europäisch verantworteten Verteidigung werden immens sein und die weitere Explosion der Rüstungsaktien bestätigt das. Das von Robert Habeck zunächst wieder unausgegoren herausgehauene Ziel von 3,5 % der Wirtschaftsleistung erscheint allerdings in der aktuellen Betrachtung so unrealistisch nicht. Wir zitieren selten den Vorsitzenden der Linkspartei und haben nicht nachgerechnet aber Jan van Aken kam dabei auf ein Ausgabevolumen von € 900 Mrd. über 10 Jahre. Investitionen in zunächst tote Güter, auch wenn diese Ausgaben definitiv Sekundäreffekte in den Konjunkturen hinterlassen würden.
Die Sozialdemokratie ist unbestritten aufgefordert, sich zu erneuern – aber was bedeutet dies denn? Sie hat gerade in den traditionellen Arbeitergegenden massiv Stimmen an die sogenannte Alternative verloren. Der Vorwurf lautet, dass sich die Partei eher um die Bezieher von Bürgergeld gekümmert hat als um die arbeitende Klientel. Wir lassen das mal unkommentiert, aber dann muss man sich in der neuen Koalition so wiederfinden, dass man die verlorene Klientel auch erreicht.
Übrigens: wie man heutzutage große Teile der Wähler erreicht, hat der rechte Rand seit langem vorgemacht. Und nunmehr die Linke, bei der nicht nur die „Silberlocken-Kampagne“ mit renommierteren Senior-Vertretern der Partei (Gysi, Ramelow, etc.) sondern auch die TikTok Kampagne von Heidi Reichinnek, mit der sie sich insbesondere bei den jungen Leuten positionieren konnte. Derweil sich SPD, CDU und FDP am Wahlabend nahezu ausschließlich bei den physischen Wahlkämpfern und Plakatklebern bedankt haben. Na dann. Neuland für die Traditionalisten. Immer noch.
Auch die Sozialdemokratie wird in der kommenden Legislaturperiode liefern müssen und gleichzeitig die staatsmännische Verantwortung tragen, dass diese „letzte Patrone der Demokratie“ (Zitat eines fränkischen Spitzenpolitikers über das Wahlergebnis) nicht daneben geht. Ob dies einer Regierungsbildung bis Ostern zuträglich ist?
Inhaltlich etwas gehaltvoller als die üblichen Phrasen, die an einem Wahlabend so gedroschen werden, war das ARD Interview mit der DGB Vorsitzenden Yasmin Fahimi und Christoph Ahlhaus, (Vorsitzender des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft in der CDU und Vorsitzender der Bundesgeschäftsführung sowie Präsident des europäischen Mittelstandsverbands European Entrepreneurs).
Während die DGB Vorsitzende neben gezielten Investitionsprogrammen in die mittelständische Wirtschaft, Energie und Verkehr naturgemäß eben weitere wichtige Themen wie soziale Infrastruktur, Gesundheit und Kitas angerissen hatte, baute Althaus massiven Druck auf die kommende Regierung auf. Einen Kurswechsel aufgrund der Wahlergebnisse, vermochte er in seinem engagierten Vortrag überhaupt nicht zu erkennen. Diese Worte wollen wir hier mal in Auszügen nahezu wörtlich wiedergeben:
„Ich kann dieses Triumphgeheul aus dem Konrad Adenauer Haus heute überhaupt nicht nachvollziehen…es ist nicht klar, wie die Union das Programm, das sie der Wirtschaft versprochen hat überhaupt durchsetzen soll, und ob diese Kampagne gegen die FDP nicht noch zu einem katastrophalen Ergebnis führt…“
Ahlhaus baute zwar mit Hinblick auf das drohende Ende der Schuldenbremse zweimal ein paar christdemokratische Grundphrasen ein wie „künftige Generation dürfen nicht über Gebühr belastet werden“ aber er schob sofort nach: „…aber eins ist klar: so wie es jetzt ist geht es nicht weiter. Wir brauchen neue Impulse und es muss schnell gehen. Die neue Bundesregierung wird keine 100 Tage Schonfrist haben, und die deutsche Wirtschaft wird sehr genau hinschauen, ob das was kommt, das ist was ihr versprochen wurde und wenn das nicht so ist das kann ich an diesem Abend versprechen wird die deutsche Wirtschaft ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen… Das bedeutet und das haben wir auch schon begonnen, Gespräche geführt, dass wir außerhalb Deutschlands, in Europa, aber auch außerhalb Europas, um die Handelsbeziehungen, die offensichtlich Politik nicht mehr in der Lage ist vernünftig zu steuern, selbst zu steuern. Genau das werden wir tun.“
Beides zielt auf eine „Reform“ der Schuldenbremse ab und es ist bei Verhandlungen wie an der Börse eben immer so: „Zeit kostet Geld“. Geld kann man durch Einsparungen und Reformen herbeiführen oder es leihen. Was im Sinne einer raschen Einigung schneller geht, überlassen wir der individuellen Beurteilung. Gleichwohl wird sich das Land an vielen Stellen im Laufe der Legislaturperiode auf schmerzhafte Einschnitte einstellen müssen. Der Deckel für 20 Jahre Schlafwagen-Politik kommt nun schmerzhaft auf den Tisch.
Ob sich die CDU unter Friedrich Merz im Sinne einer raschen Einigung den zu erwartenden Begehrlichkeiten hingeben wird? Vielleicht muss Deutschland eine Extrarunde wie in Österreich drehen oder Merz hält seine gebetsmühlenartig vorgetragenen Versprechungen ein und ein anderer führt die CDU in die Arme der sogenannten Alternative.
Deren Vorstellungen über Wirtschaftspolitik konnte man eindrucksvoll in der Sendung Caren Miosga vom 02.02.2025 https://www.ardmediathek.de/video/caren-miosga/was-fuer-ein-deutschland-wollen-sie-frau-weidel/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2NhcmVuLW1pb3NnYS8yMDI1LTAyLTAyXzIxLTQ1LU1FWg mit der Spitzenkandidatin bewundern. Diese wurden von Hildegard Müller, Präsidentin des VDA und »Welt«-Journalist Robin Alexander nach Strich und Faden auseinandergenommen was SPON am nächsten Tag sehr klar unter der Überschrift „Alice im DM-Wunderland“ reflektierte.
Da die FDP für uns wenig überraschend mit den Entscheidungen nichts mehr zu tun hat, dürfte die Schuldenbremse Geschichte sein. Gleichwohl fehlt Deutschland perspektivisch eine starke liberale Partei, die Liberalismus über alle Bereiche seiner Programmatik versteht und auch umsetzen möchte. Nur egoistische Taktik, Klientelpolitik, medial finanzierte und aufgeblasene Hochzeitsfeiern und Sportwagen werden vom Wähler in der Breite offensichtlich nicht hinreichend als „Liberal“ goutiert. Ob sich die Partei ihrer alten Eigenschaften entsinnt? Oder künftig eher blaue Sprenkler ins Gelbe setzen wird? Wir vermögen das nicht zu prognostizieren. Wer solche Politik möchte, wählt ja zumeist eher das Original.
Die Grüne Partei hat aller Voraussicht nach ebenfalls mit den kommenden Entscheidungen nichts mehr zu tun. Der Kanzlerkandidat zieht auch die entsprechenden Konsequenzen. Gleichwohl bietet er noch vor der Bildung der neuen Regierung staatsmännisch die Handreichung um die Schuldenbremse „zu reformieren“ oder was auch immer er damit meint? Und die Zeit so drängt, denn Linkspartei und sogenannte Alternative haben künftig eine Sperrminorität und so wird man möglicherweise in der Tat die noch alte Mehrheiten bemühen. Insbesondere auch wegen der Dringlichkeit bei der Verteidigung.
Und das in einer Zeit, in der die Produktion in Deutschland zunehmend expatriiert auf der Flucht vor Bürokratie (aus unserer Sicht das größte Problem), hohen Energie- und Lohnstückkosten ist. Um in einer De-globalisierten Welt jenseits der künftig entscheidenden Zollschranken zu produzieren, wie Ahlhaus der Republik androht. Aber das Ganze ist keine Drohung, sondern bereits ein Trend der sich insbesondere in der Entwicklung der anderen europäischen Länder sowie dem stetig zunehmenden internationalen Exposure der deutschen Unternehmen reflektiert. Weitere wichtige Themen wie beispielsweise Entwicklung bei den Mieten, Inflation, Rentenlücke, Fachkräftemangel etc. sprengen hier den Rahmen oder wir hatten das in der Vergangenheit bereits regelmäßig adressiert.
Aber klar ist eines. Um zügig zu einer Einigung zu kommen, die der Vielzahl an dramatischen Herausforderungen gerecht werden kann wird sehr, sehr viel Geld gebraucht. Und bei dem Tempo das Deutschland bei Reformen und Einsparungen vorlegen kann, gibt es hierfür nur eine Quelle. Die Händler von Bundesanleihen mögen sich warm anziehen. Es gibt viel zu tun. Und die Anhänger von John Maynard Keynes reiben sich ja ohnehin seit langem ungläubig die Augen, was alles geht. Das aus einem derartigen Umfeld keine substanziellen Zinssenkungen am langen Ende zu erwarten sind, ist ebenfalls klar. Und eines haben wir ebenfalls in den letzten Monaten ausgeführt: Aus den USA wird es ebenfalls keine Entlastung geben. Deren Turmbau ist ohnehin schon seit Jahren fortgeschritten.
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 25. Februar 2025
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