Zinsen runter = Märkte rauf?
Letzten Mittwoch war es soweit: Die US-Notenbank Fed senkte erstmals seit März 2020 ihren Leitzins. Die von der Europäischen Zentralbank bereits vorgelegte und auch in den USA erwartete Zinswende vollzog sich mit einem „großer Zinsschritt“ von 50 Basispunkten, was einige Markteilnehmer dann wohl doch überraschte. Anders als die auf Geldwertstabilität verpflichtete EZB hat die Fed ein duales Mandat, das auch Vollbeschäftigung zum Ziel hat, also neben der Inflation auch genau auf die Wirtschaftsdaten schaut. Hier sehen die amerikanischen Notenbanker eine positive Entwicklung, sodass ein Soft Landing gelingen könnte.
Die erste Einordnung innerhalb des Handelstags war noch zurückhaltend; die US-Indizes schlossen sogar im Minus. Doch am Donnerstag feierten die Börsianer rund um den Globus den Richtungswechsel zum „billigen Geld“: Der DAX markierte ein neues Rekordhoch bei knapp 19.045 Punkten und machte ein Plus von 1,46 Prozent. Dumm nur, dass am Freitag „Triple Witching Day“ war und bei solch einem großen Verfallstag die Kurse – bei dreifachen üblichen Tagesumsatz – verrückt spielen können. Für den DAX ging es um 1,49 Prozent abwärts, was aber nur als temporäre Schwäche gelten darf, denn schon am Dienstag sah man wieder die 19.000 auf der Kurstafel.
Neue Rekordstände gab es gestern beim S&P 500 (5.734) und Dow Jones (42.281), wo derzeit vor allem die zuletzt schwächeren Non-IT-Branchen und Nebenwerte zulegten. In Großbritannien blieb der Leitzins unverändert, was den FTSE 100 in seiner nun fünfmonatigen Seitwärtsbewegung gefangen hält. Für Überraschungen sorgte die chinesische Notenbank mit dem umfangreichsten Wirtschaftspaket seit der Corona-Pandemie. Hiermit sollen sich Verbrauchervertrauen und Konsumlaune verbessern, was sich in positiven Kursreaktionen bei westlichen Luxusmarken bemerkbar machte. Ob die Zinspolitik allein die Märkte dauerhaft oben halten kann, bleibt abzuwarten.


Newsletter vom 25. September 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Saisonalität im September
Historisch gesehen ist der September der schlechteste Monat für den Aktienmarkt – und das gilt für beide Seiten des Atlantiks. In den USA verlieren der S&P 500 und der Russell 2000 durchschnittlich 0,7 Prozent; beim Nasdaq sind es 0,9 und im Dow Jones 0,8 Prozent weniger. Für den DAX ging es im September in 22 von 36 Jahren abwärts und die durchschnittliche Performance liegt bei minus 2,2 Prozent. Also ein Monat, wo man der Börse lieber fern bleibt? So einfach ist es leider nicht.
Auch wenn sich im Backtesting ein optimales Verhalten errechnen lässt, zeigt uns die Praxis, warum Börse immer spannend ist. Extreme Einbrüche in einzelnen Jahren belasten den negativen Durchschnittswert besonders stark – im September 2008 verloren S&P 500 und DAX mehr als 30 Prozent! Zudem ist das Rückschlagspotenzial nach vorherigen Rekordständen natürlich besonders hoch. Und in den USA sind die September-Verluste in Präsidentschaftswahljahren übrigens regelmäßig geringer und die Indizes liegen „nur noch“ zwischen 0,4 und 0,5 Prozent im Minus.
Nur auf einen Monat zu schauen (und dort auf besonders schlechte KW 39) ist kurzsichtig und riskant. Denn für das letzte Jahresdrittel (inklusive September!) verspricht die Saisonalität die beste Phase: In zwei von drei Jahren entwickeln sich die US-Indizes hier positiv und auch die Durchschnittsperformance liegt zwischen 2,7 und 3,4 Prozent im Plus. Wer will das schon verpassen?
Der DAX kam nach seinem neuen Rekordhöhenflug der letzte Woche etwas in Turbulenzen und senkt die Reisehöhe um 700 Punkte oder 3,7 Prozent. Keine schlechte Position vor den Zinsentscheiden der EZB (Donnerstag) und Fed (Mittwoch). Und mit Blick auf die ersten Lebkuchen in den Supermärkten auch eine vielversprechende Ausgangsbasis für die Jahresendrally.


Newsletter vom 11. September 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

National Buh, international Boom
Nein, für das Deutschland-Ego ist es keine Freude, wenn die neuesten Daten zur Wirtschaftslage veröffentlicht werden: Am Montag wartete der ifo-Geschäftsklimaindex mit einem Wert von 86,6 und der Aussage „Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in die Krise“ auf. Erwähnenswert dabei ist, dass die Beurteilung von Erwartungen und Lage seit dem Frühjahr sehr eng beieinander liegen und doch eine leicht fallende Tendenz aufzeigen. Beim Lagebild ist es der schlechteste Wert seit vier Jahren, damals tief in der Corona-Depression. Seit dem Spätsommer 2022 befindet sich Deutschland nach der ifo-Konjunkturuhr nun in der Krise.
Einen Tag später vermeldete auch die GfK „Deutlicher Rückschlag für das Konsumklima“, weil die Prognose für September im Vergleich zum Vormonat um 3,4 Zähler auf -22,0 Punkte gesunken sei. Ein Rückschlag nach besseren Werten in den drei Monaten zuvor, aber weniger dramatisch beim Blick auf die mittelfristige Zahlenreihe, wo der Wert im Oktober 2022 – damals zum Inflations-Peak von 8,8 Prozent – noch bei dramatischen -42,8 Punkten lag. Interessant erscheint die Begründung des jüngsten Rückgangs, wonach die gefallende Anschaffungsneigung auf sinkende Einkommenserwartungen in Kombination mit einer gestiegenen Sparquote zurückzuführen sei.
Was macht das Ganze mit den Börsen? Erstaunlich wenig! Deutschland ist nur ein Absatzmarkt von vielen und alle großen Konzerne sind international aufgestellt. Der DAX weist im turbulenten August bisher eine Handelsspanne von satten 1.700 Punkten aus und notiert inzwischen wieder nur knapp 1 Prozent unter seinem Rekord von Mitte Mai. Wenn – wonach es gerade aussieht – das letzte Schlusskurs-Hoch vom 12. Juli bei 18.750 Punkten jetzt noch überschritten wird, ist charttechnisch der Weg nach ganz oben wieder frei. Beim Dow Jones war es bereits gestern soweit, als das Industrie-lastige US-Börsen-Barometer zeitweise mit 41.420 Punkten so hoch wie noch nie notierte. Der marktbreitere S&P 500 liegt noch 1,7 Prozent unter seinem Top und beim Technologie-Index Nasdaq beträgt der aktuelle Abstand zum bisherigen Spitzenwert mehr als 5 Prozent. Eine Erholung außerhalb der Tech-Giganten tut dem Markt gut und trotzdem wird heute Abend wieder gespannt auf die neuen Quartalszahlen vom Überflieger NVIDIA (+160 Prozent seit Jahresbeginn) gewartet, die bisher immer für eine Überraschung gut waren.


Newsletter vom 28. August 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

If in doubt, zoom out
Unsere Wahrnehmung ist oftmals kurzfristig sehr detailliert und fokussiert – gerade wenn wir etwas konkret zählen, messen oder wiegen können. Dafür bieten gerade die Börsen eine gigantische Menge von Daten und Indikatoren, in denen man sich schnell verlieren kann. Jeder Tag, jede Stunde bringt neue Nachrichten und Messpunkte, die unser Gehirn in ein stimmiges Bild einsortieren möchte, was aber nicht immer gelingt. Und so hilft es, sich bei aufkommendem Zweifel einen besseren Überblick zu verschaffen, um das Große und Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.
Anfang letzter Woche herrschte in Folge des „Japan Crash“ Alarmstimmung an den Börsen weltweit. Die Panikwelle rollte von Asien am Morgen nach Europa und erreichte am Nachmittag die USA, wo lautstarke Stimmen eine sofortige Zinssenkung der Notenbank als Notmaßnahme forderten. Doch noch innerhalb der Handelssession drehten die Kurse von ihren Tagestiefs und der Nikkei 225 verzeichnete am nächsten Tag den prozentual drittgrößten Zuwachs seiner fast 40-jährigen Geschichte. Auch die anderen Märkte relativierten die teils massiven Einbrüche schnell.
Beim DAX, dem ich vor zwei Wochen noch ein 1.000 Punkte komfortables Sicherheitsnetz attestiert hatte, ging es zeitweise beängstigend in Richtung der Marke von 17.000, doch bei den Schlusskursen fand sich ein Boden nahezu exakt auf der 200-Tage-Linie. Vom bisherigen Rekordhoch aus Mitte Mai ging es bis zu 10 Prozent abwärts, was aber auch erst die halbe Strecke eines „echten“ Crashs wäre. Heute notieren wir weniger als 5% unter dem Top von vor drei Monaten und knapp 7 Prozent über dem Jahresschluss 2023.
Wer die bisherige langfristige Rendite der Aktienmärkte von ca. 8 Prozent pro Jahr vor Augen hat weiß, dass diese Werte nur durch phasenweise Über- und Untertreibung der Märkte zustande kommen. Der angenehme Weg zu diesem Durchschnitt erfolgt über kurze Sprints, moderate Korrekturen und Seitwärtsphasen. An hektischen Tagen werden bei vorsichtigen Anlegern die Stopp-Loss-Limits ausgelöst und es stellt sich die schwierige Frage nach dem Wiedereinstieg. Optimistische Anleger erkennen seltene Gelegenheiten und junge Menschen mit langem Zeithorizont nutzen per Sparplan den Cost-Average-Effekt für den Vermögensaufbau. Seien Sie sich gewiss: In 20 Jahren interessiert sich niemand mehr für Tages-, Wochen- oder Monatscharts!


Newsletter vom 14. August 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Pendeln um die Nulllinie
Im verlässlichem Rhythmus versorgt das Statistische Bundesamt die Marktteilnehmer mit aktuellen Kennzahlen, die zur Interpretation und Kursreaktion einladen: Gestern machte zunächst die Meldung zum um 0,1 Prozent geschrumpften Wirtschaftswachstum im 2. Quartal 2024 die Runde. Ein Blick in die Zahlenreihe verrät: In den letzten 8 Quartalen wechselte regelmäßig das Vorzeichen zwischen Plus und Minus, wobei die maximalen Ausschläge zwischen 0,6 Prozent (positiv, Q3-22) und 0,5 Prozent (negativ, Q4-22) schwankten und sich fast gegenseitig neutralisieren. Medial lässt sich das Thema dankbar aufgreifen und fragend an die Politik weiterreichen, an den Märkten sind die Reaktionen so verhalten wir die Werte selbst. Doch das böse Wort der Stagnation steht im Raum.
Denn als zweite Meldung wurde die Inflationsrate für den Juli 2024 mit voraussichtlich +2,3 Prozent veröffentlicht, was in den Medien-Überschriften fast durchgängig mit dem Attribut „überraschend“ versehen wurde. Nun, die „Experten“ hatten hier 2,2 Prozent erwartet, aber es kam eben anders. Schuld sind hier die anhaltend hohen Steigerungsraten im Bereich Dienstleistungen und die sind im wesentlichen verursacht durch höhere Personalkosten, welche vom anhaltenden Fachkräftemangel sowie den letzten Tarifabschlüssen getrieben sind. Ein Vorzeichen der gefürchteten Lohn-Preis-Spirale? Vielleicht. Für die Märkte jedenfalls weniger Hoffnung auf fallende Zinsen und einen echten Senkungszyklus. Hier wird erst für den September wieder mit wichtigen Entscheidungen gerechnet.
Beim DAX geht es mit guten und schlechten Tagen im wesentlichen Seitwärts. Das aktuelle Kursniveau war vor vier Monaten noch ein Rekordhoch nach einem steilen Anstieg. Seit dem wurde keine klare neue Richtung eingeschlagen, was man auch als gutes Zeichen werten darf. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt derzeit bei rund 1.000 Punkten. Das Auf-und-Ab-Pendeln der Kurse findet also über einem Sicherheitsnetz statt. Safety first!


Newsletter vom 31. Juli 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Golden Bull Run in den USA
Während die europäischen Börsen seit der Europawahl vor knapp sechs Wochen und den anschließenden Machtverschiebungen in Frankreich und Großbritannien schwanken, kennen die US-Börsen scheinbar nur eine Richtung: Aufwärts! Daran hat auch der Attentatsversuch auf Donald Trump nichts ändern können – im Gegenteil. Seine Chancen als 47. Präsident ins Weiße Haus zurückzukehren sind seit der Tat am letzten Wochenende nochmals gestiegen. Wo vorher die (körperliche und geistige) Schwäche des amtierenden Joe Biden diskutiert wurde, setzt Trump mit ikonischen Bildern unmittelbar nach den Schüssen und einer Kaiser-ähnlichen Nominierung auf dem Republikaner-Parteitag klare Zeichen der Stärke und Entschlossenheit. Die Märkte reagieren positiv – insbesondere auch jenseits der zuletzt dominierenden Technologiewerte: Der Industrie-lastige Dow Jones macht neue Rekorde und steht knapp vor 41.000 Punkten. Der Nebenwerteindex Russel 2000 steigt in einer Woche um 10 Prozent auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Der Goldpreis notiert erstmals über 2.470 US-Dollar und auch der Bitcoin springt nach kurzer Schwäche wieder über die Marke von 65.000 USD. Die potenziellen Profiteure eines Machtwechsels greifen gerade das Ergebnis vorweg und starten den „Golden Bull Run“, eventuell nochmal befeuert von Zinssenkungen der FED.
Gegensätzliche Nachrichten in Deutschland: Zwar notiert der aktuell schwankungsanfällige DAX nur knapp 3 Prozent unter seinem Rekordhoch von Mitte Mai, aber politische Unzufriedenheit und Unentschlossenheit koppeln die deutsche Wirtschaft gerade ab. In der emotionalen Diskussion über Leistungsbereitschaft und das Renteneintrittsalter verweist die Bundesbank erneut auf ihre unpopuläre Position, „grundsätzlich die steigende Lebenserwartung zu berücksichtigen“. Am gleichen Tag bestätigt eine BCG-Studie: „Superreiche in Deutschland haben ihre Finanzvermögen im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten steigern können.“
Spaltung ist schon lange kein typisch amerikanisches Problem mehr. Bleiben Sie diversifiziert!


Newsletter vom 17. Juli 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Das große Zittern
Das erste TV-Duell im US-Präsidentschaftswahlkampf ließ Bürger und Beobachter teilweise erschaudern – nicht nur wegen der Kandidatenauswahl und -aussagen. Während der eine vor Gerichtsprozessen und einer Verurteilung zittern sollte, sind es bei dem anderen – nicht altersuntypisch – Stimme und Körper, die Zweifel an der Amtstauglichkeit als Präsident der größten Volkswirtschaft und Oberbefehlshaber der wohl schlagkräftigsten Armee der Welt aufkommen lassen. Es sind noch 4 Monate bis zum Wahltermin.
Politisches Zittern gibt es derzeit auch in Frankreich und Großbritannien: Die erste Runde der vorgezogenen Parlamentswahl der Grande Nation war wohl nicht ganz so katastrophal wie erwartet – eine absolute Mehrheit für das „Rassemblement National“ blieb aus. Jedenfalls eröffnete der CAC 40 am Montagmorgen 2,6 Prozent höher, die jedoch nicht gehalten wurden. Von den bis Mai erreichten 9 Prozent Kursgewinnen ist inzwischen nichts mehr übrig. Am Sonntag geht es in Frankreich nochmal in die Stichwahlen. In Great Britain weist nach ähnlichem Jahresstart der FTSE 100 noch ein Plus von 5 Prozent aus. Hier wird am Donnerstag das Unterhaus neu gewählt und die regierenden „Tories“ sind bei Umfragen der konkurrierenden „Labour Party“ deutlich unterlegen. Auch auf der Insel sind die Rechtspopulisten auf dem Vormarsch und „Reform UK“ dürfte bei der Regierungsbildung mitmischen.
Dass die deutsche Ampelregierung dem wiederholten Oppositionsruf nach Neuwahlen folgt, dürfte unwahrscheinlich sein. Solide 8,9 Prozent Zugewinn weist die Halbjahresbilanz beim DAX aus, was bereits leicht über dem inzwischen 36-jährigen Jahresdurchschnitt liegt. 30 Rekordhochs gab es in 2024 bereits zu vermelden. Jedoch keines davon im Juni und der Blick geht im Moment eher Richtung 18.000 statt 19.000 Punkte. Die gerade für den Vormonat veröffentlichte Inflationsrate von (nur noch) 2,2 Prozent in Deutschland sollte beruhigend wirken und bestätigt die jüngste EZB-Zinssenkung.
Bewegende Impulse von den US-Börsen sind diese Woche eher nicht zu erwarten: Im Vorfeld des Unabhängigkeits-Feiertag morgen findet an der Wall Street heute nur ein verkürzter Handel statt und der Freitag dürfte als Brückentag ruhig werden. Zittern dürften die Deutschen erst wieder am Freitagabend beim Viertelfinale der DFB-Elf gegen Spanien.


Newsletter vom 3. Juli 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Der Aktienmarkt … unendliche Weiten
So könnte der Vorspann einer Science-Fiction-Serie anfangen, welche die Zuschauer mitnimmt auf eine Reise in unbekannte Dimensionen. Die Nvidia-Aktie wurde gestern zum „Master of the Universe“ gekürt – als wertvollstes Unternehmen der Welt mit 3.335 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung. Zusammen mit Microsoft (3.317 Mrd.) und Apple (3.286 Mrd.) formiert sich im Börsen-Universum gerade sich ein Gestirn von 10 Billionen US-Dollar. Diese drei Unternehmen bilden die „Holy Trinity“ und haben als einzige bei der Börsenbewertung die 3-Billionen-Grenze durchbrochen. Gemeinsam mit Alphabet wird auch von den „Fantastic Four“ gesprochen, doch der viertplatzierte Big-Tech-Konzern liegt größentechnisch mehr als 1,1 Billionen USD dahinter. In Summe steht das Quartett für rund ein Viertel des Gesamtwerts vom S&P 500, der gerade sein 31. Rekordhoch des Jahres markiert hat.
Zusammen mit Amazon, Meta und Tesla sorgte man im letzten Jahr noch als „Magnificent Seven“ für Aufsehen. Doch diese Konstellation hat sich inzwischen verstreut und der Elektroautopionier wurde zuletzt vom Halbleiterspezialisten Broadcom überholt. Jedoch bleibt Tesla-Chef und SpaceX-Gründer Elon Musk der derzeit reichste Mensch der Welt (210 Mrd. USD) und könnte seinen Vorsprung dank einem jüngst von den Aktionären abgesegneten Vergütungspaket im Wert von 56 Mrd. USD weiter ausbauen.
Zum Größenvergleich: Der deutsche Kosmos mit 160 Aktien in den Auswahlindizes Dax, MDax und SDax hat Ausmaße von weniger als 2 Billionen Euro und dreht sich um SAP als Sonne mit allein 206 Mrd. Euro Marktkapitalisierung. Anders als in den USA schrumpfte die europäische Börsenwelt letzte Woche im Nachgang zur Europawahl und politisch unklarem Horizont in Frankreich. Der DAX verteidigte aber bisher auf Schlusskursbasis erstmals Mitte März durchbrochene Grenze von 18.000 Punkten.
Heute bleiben die US-Börsen, also der Maschinenraum, feiertagsbedingt geschlossen und wir treiben mehr oder weniger allein durchs Weltall. Ein schwarzes Loch scheint vielleicht nicht in Sicht, aber schnallen Sie sich lieber an: Wir bewegen uns mit Warpgeschwindigkeit und dringen in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat!
Live long and prosper 🖖


Newsletter vom 19. Juni 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

First Mover und kurze Beine
Seit Wochen wird es erwartet, morgen wird darüber entschieden: Senkt die EZB die Leitzinsen? Es würde eine neue Zinswende einläuten und die europäische Notenbank könnte diesmal der Kopf der Bewegung sein, während sie beim letzten Mal eher hinterherlief. „Too late, too little“, lautete die Kritik, als die EZB im Juni 2022 nach einer mehr als 6-jährigen Nullzinsphase wieder die Bankeinlagen vergütete – die US-Fed hatte bereits ein Vierteljahr früher auf die rasant steigende Inflation reagiert. Insgesamt 10 Zinsschritte in knapp 14 Monaten hievten den Leitzins in der EU auf die seit September geltenden 4,5 Prozent. Nun soll eine Senkung um 25 Basispunkte die erfolgreiche Inflationsbekämpfung der EZB dokumentieren. Ein gewolltes Signal, passend zur Europawahl?
Zwar steht nach dem Inflations-Peak von 10,6 Prozent im Euroraum von Oktober 2022 jetzt seit acht Monaten eine Zwei vor dem Komma, aber der Mai lag mit 2,6 Prozent wieder höher als der April oder März. Diese Zinssenkung scheint ausgemacht, aber ob und wann weitere Schritte folgen bleibt noch unklar. Eine Woche später tagt auch die US-Notenbank, wo – aufgrund der weiter guten Wirtschaftslage – aber keine Maßnahmen erwartet werden.
Unerwartet, und deshalb mit deutlichen Reaktionen in den Charts, waren Wahlausgänge und potenzielle Machtverschiebungen in Indien, Mexiko und Südafrika. Unmittelbar reagierten die Devisenmärkte, aber auch in Länder-ETFs von Mexiko und Indien waren kurzzeitig deutliche Rückschläge zu sehen. Bei politischen Börsen werden ja sprichwörtlich „kurze Beine“ unterstellt und so bleibt die gezeigte Performance aus den letzten drei Jahren eindrucksvoll. Die breiter aufgestellten Emerging-Markets-ETFs waren aufgrund der China-Schwäche im gleichen Zeitraum hingegen rückläufig.
Rückläufig zeigte sich zuletzt auch der DAX nach der Rekordfahrt im starken Monat Mai. Gestern waren Notierungen unter 18.400 Punkten zu sehen, was aber kein Grund zur Sorge sein sollte: Der Abstand zur seit November aufwärts zeigenden 200-Tage-Linie liegt immer noch bei komfortablen 1.300 Punkten.



Newsletter vom 5. Juni 2024
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Aktienmärkte schwächeln – wann kommt die Zinswende?
Mit Spannung dürften Anleger am kommenden Donnerstag auf die Entwicklung der US-Verbraucherpreise blicken. Experten schätzen, dass die für die US-Notenbank Fed maßgebliche Kernrate der Inflation auf 4,7 Prozent fallen könnte (zuvor 4,8 Prozent). Die Verbraucherpreise inklusive der Treiber Energie und Lebensmittel werden auf 3,3 Prozent geschätzt (zuvor: 3,0 Prozent). Das Anlegerpublikum hofft auf einen weiteren Rückgang der Teuerung und damit auf ein Ende der Zinserhöhungen durch die Fed. Die Aktienmärkte zeigten sich gestern schwächer, konnten sich jedoch von ihren Tagestiefs erholen.
In Europa sieht die Situation etwas anders aus. Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,2 Prozent, im Juni hatten sie noch bei 6,4 Prozent gelegen. Im Euroraum lagen sie im Juli bei 5,3 Prozent, nach 5,5 Prozent im Juni. Das ist zurzeit deutlich mehr Teuerung als in den USA und weit entfernt von der Zielmarke von 2 Prozent. Die EZB hat damit unverändert gute Argumente für weitere Zinserhöhungen, liegt sie doch aktuell mit ihrem Leitzins von 4,25 gut einen Prozentpunkt unter der Fed Funds Rate-Zinsspanne von 5,25 bis 5,50 Prozent.
Während die USA und Europa gegen die Inflation kämpfen, vermeldet China eine deflationäre Entwicklung. Im Juli sanken die Verbraucherpreise um 0,2 und die Erzeugerpreise sogar um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grund dafür sind eine schwache Konsumnachfrage und Probleme am Immobilienmarkt nach dem Ende der Corona-Pandemie.


Newsletter vom 09. August 2023
Martin Braun, Börse Hannover
