Krieg im Iran – was bedeutet dies für die Märkte?

Dr. Martin Moryson

Die Entwicklungen im Iran und in der umliegenden Region sind äußerst dramatisch. Wir hoffen auf eine baldige Verbesserung der Situation – vor allem für die Menschen vor Ort. Gleichzeitig bleibt es unsere Aufgabe, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts sowie die Konsequenzen für Anleger einzuschätzen.

Die Bedeutung des Irans für die Weltwirtschaft ist – abgesehen vom Ölpreis – gering. Nach Jahren der Sanktionen und Misswirtschaft ist das Land abgewirtschaftet. Zwar ist der Iran ein großer Ölproduzent, der für rund drei Prozent der globalen Ölproduktion steht, aber das Land ist zugleich ein großer Ölverbraucher und von den Exporten landet der Großteil derzeit in China. Aufgrund des aktuellen strukturellen Öl-Überangebots dürften die Folgen einer Produktionsbeeinträchtigung im Iran allerdings überschaubar bleiben.

Der dominante Transmissionskanal des Nahostkonflikts auf die globale Wirtschaft sind die Energiepreise. Durch die Straße von Hormus geht rund ein Fünftel des globalen Ölangebots und etwa der gleiche Anteil der globalen Flüssigerdgas-Produktion. Genau hier stecken die Probleme. Während der Ölpreis seit Jahresanfang um rund 33 Prozent gestiegen ist, haben sich die Gaspreise mehr als verdoppelt. Nach unabhängigen Berechnungen könnte sich der Flüssigerdgas-Preis nochmals verdoppeln, wenn die Straße von Hormus über Monate gesperrt bliebe.

Welche Überlegungen Donald Trump zu diesem Angriff bewogen haben, bleibt schwer abzuschätzen. Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass er die militärischen Aktivitäten beendet, sobald ihm die politischen Kosten zu hoch erscheinen. Zu diesen politischen Kosten zählen auch sinkende Aktienkurse und steigende Ölpreise – nicht jedoch ein steigender Flüssigerdgas-Preis. Der schmerzt Europa und freut die USA. Da überdies Europa Nettoimporteur und die USA Nettoexporteur von Erdöl sind, dürften zumindest in der kurzen Frist europäische Aktien stärker von dem Krieg betroffen sein als US-amerikanische. Für die sich anschließende Erholung ist allerdings ebenfalls zu erwarten, dass sie in Europa stärker ausfällt.

Vor diesem Hintergrund ist man mit einem breit diversifizierten Portfolio weiterhin gut aufgestellt. Die Anleiherenditen sind auf einem auskömmlichen Niveau. Mit der Erwartung einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung sind die Aussichten für Aktien weiterhin gut – in den USA und in Europa. So gesehen könnten die aktuellen Kursrückgänge sich durchaus als Kaufgelegenheiten erweisen.

Newsletter vom 04. März 2026

Dr. Martin Moryson – Chefvolkswirt Europa
DWS

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