Trotz höherer Energiepreise: Notenbanken bleiben ruhig

Thomas Scholz

Die Energiepreise ziehen die Inflationsraten beidseits des Atlantiks nach oben. Doch noch besteht für die Notenbanken kein Handlungsbedarf, ihre Geldpolitik anzupassen, lautet die Einschätzung von Union Investment, dem Fondspartner der Hannoverschen Volksbank eG.

Am Mittwoch und Donnerstag in der ersten Maiwoche tagten die Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB). Die beiden großen Notenbanken ließen die Zinsen unverändert. Sie schauen durch den Inflationsanstieg, verursacht durch den Energiepreisschock, noch hindurch.

Solange die erhöhten Preise für Energie keine Zweitrundeneffekte auslösten, sehe die EZB keinen Grund, die Zinsen anzuheben, erklärt Union Investment. Unter Zweitrundeneffekten versteht man Preiserhöhungen als unmittelbare Reaktion auf vorangegangene Kostensteigerungen. So fordern Gewerkschaften beispielsweise von Arbeitgebern höhere Löhne für die Arbeiterschaft, um den entstandenen Kaufkraftverlust zu kompensieren, der durch die Inflation entstanden ist. Werden in der Folge tatsächlich die Löhne erhöht, sind Unternehmen wiederum geneigt, diese Kostensteigerungen in Form von Preiserhöhungen an Verbraucherinnen und Verbraucher oder an Geschäftskunden weiterzugeben, um damit ihre Gewinnmargen zu schützen.

Die Inflation im Euroraum habe vor dem Irankonflikt im Zielbereich von zwei Prozent gelegen. Die geldpolitische Ausrichtung sei neutral, und bei einem reinen Angebotsschock könne die Geldpolitik kurzfristig wenig Wirkung entfalten. Sollte die Straße von Hormus bald wieder freigegeben werden und eine langsame Normalisierung einsetzen, bestehe für die EZB voraussichtlich kein Handlungsbedarf. Ziehe sich der Konflikt wider Erwarten länger hin, seien moderate Zinsanhebungen im Jahresverlauf zu erwarten, um Zweitrundeneffekten vorzubeugen.

Die Situation bei der Fed stehe unter anderen Vorzeichen. Sollte der Trump-Vertraute Kevin Warsh im Mai die Führung der US-Notenbank übernehmen, sei mit einer lockereren Geldpolitik zu rechnen, was fundamental gerechtfertigt wäre. Konkret würde das zwei Zinssenkungen im zweiten Halbjahr bedeuten. Bleibe die Lage in der Golfregion angespannt, könnten sie später kommen. Mit Zinserhöhungen sei in den USA nicht zu rechnen, denn die Fed verfolge neben der Inflationsbekämpfung auch das Ziel der Vollbeschäftigung.

Die Hannoversche Volksbank eG berät Sie gerne bei Fragen rund um Ihre Geldanlage.

Newsletter vom 13. Mai 2026

Thomas Scholz – Filialdirektor und Leiter WP-Beratung
Hannoversche Volksbank eG

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Energiepreise treiben die Inflation

Die Grafik beschreibt die Inflationsentwicklung in den USA und im Euroraum – und zeigt die Einschätzungen von Union Investment bis Ende 2026.