Spannung vor Entspannung

In den vier Tagen ohne Börsenhandel an Ostern ging es auf der Weltbühne weder ruhig noch friedlich zu. Die verbalen Eskalationen und Drohungen über den Social-Media-Account des US-Präsidenten erreichten gestern einen vorläufigen Höhepunkt, als mit dem geplanten Angriff auf den Iran der „Untergang einer ganzen Zivilisation“ angekündigt wurde. Die Newsticker der großen Medien berichteten minütlich über Entwicklungen und professionelle wie private Investoren hatten ein ungutes Gefühl für das mehrfach verschobene, nun aber in der Nacht auslaufende Ultimatum.

Doch zum Glück es kam anders: Kurs vor US-Börsenschluss rief Pakistan in der Rolle eines Vermittlers Trump zu einer zweiwöchigen Verlängerung des Ultimatums auf – während der Waffenruhe müsste dann auch der Iran die Straße von Hormus wieder öffnen. Der Ölpreis fiel unter 100 USD und die Aktienkurse zogen unmittelbar an. Das deeskalierende Vorgehen wurde in der Nacht von beiden Seiten bestätigt und auf einmal postet der US-Präsident von einem „großen Tag für den Weltfrieden“ und kündigt direkt das „goldene Zeitalter des Nahen Ostens“ an. Hier von einem weiteren TACO-Moment zu sprechen wäre dem Ernst der Lage nicht angemessen. Innenpolitisch waren zuvor große Empörung und Forderungen nach einer Amtsenthebung aufgekommen – in einem halben Jahr stehen Zwischenwahlen in den USA an.

Heute morgen, nach einem 10-Prozent-Rückgang beim Öl (Brent), eröffnete der DAX erstmal 1.100 Punkte (4,8 Prozent) höher und bewegt sich nun wieder an der 24.000er Marke. Damit ist die seit Anfang März unterschrittene 200-Tage-Linie wieder durchbrochen worden und könnte Unterstützung bieten. Ob sich die Entspannung ebenso schnell an den Preissäulen der Tankstellen bemerkbar macht darf bezweifelt werden. Der größte Profiteur der Hormus-Blockade dürfe Russland sein.

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Newsletter vom 8. April 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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