Warum Donald Trump noch unberechenbarer werden könnte

Auch im neuen Jahr 2026 hat US-Präsident Donald Trump bereits wieder einige Schlagzeilen produziert. Medial hat die Festsetzung des venezolanischen Präsidenten Maduro für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt. Hinzu kamen erneute Ambitionen, Grönland zu kaufen und Drohungen gegenüber Iran, Kuba und anderen Staaten. Auswirkungen auf Kapitalmärkte und Rohstoffbörsen blieben allerdings moderat.
Mehr Potenzial auf Zinsen, Aktienkurse und Währungen zu wirken, haben eher die Hinweise auf künftige innenpolitische Akzente vor dem Hintergrund aktuell sehr schwacher Umfragewerte und mit Blick auf die im Herbst anstehenden Zwischenwahlen zum Kongress. Dabei geht es um das Kernthema „Affordability“, also Erschwinglichkeit bzw. die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten. Obwohl die durchschnittlichen Löhne zuletzt vielfach noch stärker gestiegen sind als die Preise für Waren und Dienstleistungen, besteht in den USA das verbreitete Gefühl, dass man sich immer weniger leisten kann. Anders als im Präsidentschaftswahlkampf 2024 kann Trump die Schuld an den noch immer recht hohen Teuerungsraten aber nicht auf die Demokraten schieben.
Trumps Blick richtet sich daher wie schon seit Monaten auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Dessen amtierender Präsident Jerome Powell könnte kurzfristig wegen Falschaussagen über die Kosten des Umbaus der Fed-Zentrale strafrechtlich angeklagt werden. Es ist zumindest naheliegend, dass diese Aktion im Zusammenhang mit der seit Monaten immer schärferen Kritik Trumps an den seiner Meinung nach zu hohen Leitzinsen steht. Allerdings bedeuten tiefere Leitzinsen nicht notwendigerweise, dass auch die Zinsen bei längeren Laufzeiten und damit die Kreditkonditionen für Private, Unternehmen und die Regierung sinken. Daher hat Trump weitere Regelungen ins Spiel gebracht, bspw. die Deckelung von Kreditkartenzinsen, den Aufkauf von Hypothekenkrediten oder ein Verbot für Institutionelle, Einfamilienhäuser zu kaufen. Schon im letzten Jahr war zudem von 2.000-Dollar-Schecks die Rede, die an Bezieher mittlerer und geringer Einkommen versandt werden könnten.
Staatliche Eingriffe in den Markt und weitere fiskalpolitische Expansion könnten jedoch höchstens kurzfristig für eine preisliche Entlastung sorgen. Vor allem aber zeigen sie, dass politische Risiken in den USA enorm gestiegen sind, schrecken Investoren sowie Käufer von US-Aktien und Anleihen ab und schwächen den Status des Dollar als Weltleitwährung.

Newsletter vom 14. Januar 2026
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
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