Rendite-Overshoot beim DAX?
Heute ist der sogenannte Earth Overshoot Day. Dieser markiert den Termin, an dem die natürlichen Ressourcen der Erde für das laufende Jahr aufgebraucht sind und weiteres Leben und Wirtschaften auf den Überziehungskredit zu Lasten der nachfolgenden Generationen geht. Wenig verwunderlich, dass dieser Tag in dem mehr als 40-jährigen Berechnungszeitraum – mit Ausnahme des 2020er Corona-Effekts – immer früher im Kalender steht. Für Deutschland wäre es übrigens bereits am 4. Mai soweit gewesen.
In die Kategorie positiver Rekorde reihte sich am Montag der DAX mit einem neuen Höchststand von 16.529 Punkten ein. Auch wenn der deutsche Leitindex heute zeitweise unter die 16.000er-Marke abtaucht, ist die Performance in diesem Jahr mit rund +15 Prozent bisher überdurchschnittlich. Der langfristige Wert aus 35 Jahren DAX-Historie liegt bei rund 8 Prozent. Diese Durchschnittsrendite ist für 2023 ab einem Indexstand von 14.938 Punkten erreicht. Und das war bereits am 11. Januar der Fall – nach nur 8 Handelstagen! Haben wir hier also einen Rendite-Overshoot? Die Antwort muss „vielleicht“ sein. Denn das Jahr ist noch nicht vorbei und Börsenkurse entwickeln sich – anders als der Ressourcenverbrauch – dynamisch in beide Richtungen. Das Dilemma eines Durchschnitts ist es, die Extreme zu eliminieren, welche uns aber emotional in Erinnerung bleiben. Mitte März war die DAX-Rendite zeitweise übrigens schon wieder unterdurchschnittlich und uns stehen noch fünf Monate bevor.
Wer neben dem persönlichen Verhalten auch bei seinen Investments daran mitwirken möchte, das der Erdüberlastungstag 2024 demnächst vielleicht nicht schon in den Juli fällt, dem sei ein Blick auf Produkte mit Fokus auf Nachhaltigkeit empfohlen. Bei der Aktienauswahl bietet etwa der 2007 gestartete Global Challenges Index der Börse Hannover eine strenge Selektion auf 50 globale Werte als Inspiration.


Newsletter vom 2. August 2023
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Banken und Europa als Motor der Märkte
Bei den US-Aktien standen die großen Technologiewerte zuletzt im Fokus der Investoren. Doch mit der aktuellen Berichtssaison konnten zusätzlich auch der Industriesektor und vor allem Banken und Finanzdienstleister zulegen. Mit der klassischen Zinsmarge, also der Differenz zwischen dem Guthabenzins für Kundeneinlagen und den Kreditzinsen für nachgefragte Finanzierungen können die Banken endlich wieder Geld verdienen. Und bei der Weitergabe von Leitzins-Zinserhöhungen durch die Zentralbanken zu Gunsten der Sparer halten sich viele Institute noch auffallend zurück.
Der Dow Jones konnte gestern ein neues 52-Wochen-Hoch bei knapp 35.000 Punkten erreichen. Seit Jahresanfang sind das aber nur rund 5,5 Prozent die gleiche Strecke ist es nochmal bis zu den bisherigen Rekordständen, wo erst ab rund 37.000 Punkten Neuland betreten wird. Die Entwicklung bei den meisten europäischen Indizes und beim DAX hatte sich in 2023 bisher eindrucksvoll abgekoppelt: Der deutsche Leitindex notiert rund 16 Prozent höher und erfreut Anleger seit Mai mit regelmäßigen Ausflügen über die 16.000-Punkte-Marke sowie mit einem Verlaufshoch bei 16.427 vor rund einem Monat.
Auch wenn der Handel an manchen Tagen etwas lustlos wirkt, ist von einer Sommerpause nur wenig zu spüren. Bis zur anstehenden EZB-Sitzung am 27. Juli dürfte sich daran auch nichts ändern, denn „Unsere Arbeit ist noch nicht zu Ende“, sagte Notenbankpräsidentin Lagarde zuletzt.


Newsletter vom 19. Juli 2023
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Dabei sein hat sich gelohnt
Das erste Börsenhalbjahr 2023 ist in den Büchern und sollte bei investierten Anlegern für zufriedene Gesichter sorgen. Kurz vor seinem 35. Geburtstag markierte der DAX noch ein neues Rekordhoch und steht seit Jahresbeginn mit fast 16 Prozent im Plus. Damit erreichte der deutsche Leitindex in sechs Monaten bereits seine doppelte durchschnittliche Jahresrendite, die bei 7,9 Prozent liegt. Diese Zahl ist in der Praxis schwer zu erreichen, weil der allgegenwärtige DAX-Performance-Index über einen eingebauten Zinsens-Zins-Effekt verfügt und keine Steuern kennt. Aber, geschenkt und nochmals herzlichen Glückwunsch!
In den USA liegt der marktbreitere S&P 500 zur Jahresmitte ebenfalls 16 Prozent vorn. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 schaffte sogar mit fast 39 Prozent die stärkste Halbjahresperformance seiner Geschichte. Hier zeigt sich, dass vor allem die Big-Techs die Rally tragen. Allen voran die Apple-Aktie, die mit neuem Rekordhoch auch bei der Marktkapitalisierung in eine neue Dimensionen vorgedrungen ist: Erstmals wird ein Unternehmen zum Schlusskurs an der Börse mit mehr als 3 Billionen US-Dollar bewertet. Das sind übrigens rund das 19-fache von SAP als wertvollstes deutsches Unternehmen (Rang 71) oder allein fast 9 Prozent der Summe aller Top-100-Unternehmen weltweit.
Ob es im zweiten Halbjahr so weiter gehen wird, weiß niemand. Die Skeptiker wurden bisher Lügen gestraft, auch wenn unverändert viele Rahmenbedingungen und Wirtschaftsindikatoren zur Vorsicht mahnen. Es zeigt sich, dass zumindest auf lange Sicht ein „dabei sein“ manchmal erfolgreicher ist, als das Bemühen um den „richtigen Zeitpunkt“ für Ein- oder Ausstieg.


Newsletter vom 5. Juli 2023
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Ein teures Gefühl
Anfang dieser Woche sorgte eine Studie von Allianz Research für Aufmerksamkeit: „Die gefühlte Inflationsrate habe im Mai mit 18 Prozent fast dreimal so hoch gelegen wie die offiziell ermittelte Teuerung.“ Ein Gefühl, das man im Supermarkt schnell bestätigt findet und das seit vielen Jahre beständig deutlich über der gemessenen Inflation liegt. Und die offiziellen Werte in Europa reichen im Mai von 2,8 Prozent in Griechenland bis 21,5 Prozent in Ungarn. Für Deutschland wurden 6,1 Prozent vermeldet.
Bei Aktien beschleicht selbst erfahrene Börsianer auch manchmal dieses Gefühl, dass der Kurs nicht zum gefühlten, oder auch fundamental ermittelten Wert eines Unternehmens passen will. Hier gibt es positive wie negative Beispiele. Wem die Börsenbewertung von Apple schon immer zu ambitioniert war, der steht vermutlich noch immer ungläubig an der Seitenlinie, während beteiligte Aktionäre ihren besonderen Investment-Riecher loben. Bei Tesla und anderen Tech-Wundern ist der Fall vielleicht noch nicht ganz klar. Aber zum Beispiel als vor drei Jahren die Wirecard-Pleite offiziell wurde, war plötzlich auch den letzten Optimisten klar, dass hier mehr der Wunsch (gepaart mit Unwahrheiten) als der Wert den Kurs getrieben hatte. Diese Gefahr droht eigentlich immer, denn Gefühle spielen auch gerne Streiche.
Nach den Notenbank-Entscheidungen letzte Woche, die gefühlt wie erwartet ausfielen, markierte der DAX im Freitagshandel bei 16.427,42 Punkten ein neues Rekordhoch. Das dürfte manchen wohl auch zu teuer vorkommen. Doch fühlt man sich besser, wenn es im Anschluss wieder 2 Prozent nach unten geht? Wohl nur bedingt. Gefühle werden immer von Unsicherheit begleitet, und das ist meist auch gut so.


Newsletter vom 21. Juni 2023
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

The Future is now!
Haben Sie sich die Zukunft früher auch wie in einem hoch technisierten Science Fiction Roman vorgestellt? Fliegende Autos, dreidimensionale Holografie, allwissende Computer mit Sprachdialog und Gestensteuerung? Nun, auch wenn man solche Innovationen vielleicht schon im Jahr 2000 erwartet hatte, scheint manches davon bald greifbare Realität zu werden. Neben dem anhaltenden KI-Hype hat Apple mit der jüngsten Vorstellung seiner Vision Pro Datenbrille die Fantasie weiter angeregt.
Technologie-Unternehmen haben schon länger die klassischen Industriekonzerne als Börsenmotor abgelöst. Von den 10 nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen der Welt gehen 8 Plätze an Tech-Werte im weitesten Sinne; im S&P500 sind 21 Prozent der Aktien (105) dem Sektor Technologie zugeordnet, die aber 42 Prozent der Marktkapitalisierung ausmachen. Auf Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Nvidia und Meta entfallen davon 26 Prozent und hier fehlt sogar noch der offizielle „Autobauer“ Tesla (1,9 Prozent), um die „Super 7s“ US-Riesen komplett zu machen.
Wird Technologie also uns alle retten oder am Ende versklaven? Man weiß es nicht. An der Börse wird bekanntlich ja die Zukunft gehandelt und da scheinen die Rezessionssorgen inzwischen ausreichend abgebildet zu sein, was als Erklärung für die sogenannte Erholungsrally gelten darf. Der DAX arbeitet sich weiter an der 16.000-Punkte-Marke ab und zeigt sich inzwischen weniger schwankungsintensiv als im ersten Jahresdrittel. Mit den eingerechneten Dividenden wird der Performanceindex auch in der Zukunft langfristig steigen. Soviel ist sicher.


Newsletter vom 7. Juni 2023
Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Super Bowl Indikator 2023

Was hat der Sieger beim Super Bowl mit der Börse zu tun? 🏈
Ende der 1970er Jahre bemerkte ein Journalist bei der New York Times auffällige Parallelen zwischen dem Siegerteam des Super Bowls und der Kursentwicklung beim S&P 500. 🕵♂️
Die Erkenntnis: Gewinnt ein Team aus der NFC (National Football Conference) wird es ein positives Börsenjahr, aber ist das Team aus der AFC (American Football Conference) siegreich, werden die Kurse fallen. 📈 📉
Von 1967 bis 2015 lag der Super-Bowl-Indikator nur neunmal falsch – das bedeutet eine Trefferquote von 82 Prozent. Doch seit 2016 lag der Indikator gleich sechsmal daneben und nur einmal richtig. 🙈
Wie es in 2023 ausgeht, wissen wir am Ende des Jahres! 🔮
Auf jeden Fall Glückwunsch an die Kansas City Chiefs! 🏆

