Das Beste kommt zum Schluss

Die verbleibende Zeit bis zum Jahresende ist überschaubar geworden. Ebenso wie bei Vielen in der Vorweihnachtszeit der Stress-Pegel steigt, steigen auch die Aktienindizes zum Jahresende gerne an: Der DAX hat im November bereits starke 9,5 Prozent zugelegt und erfreut die investierten Anleger aktuell mit neuen Rekordständen. Gestern reichte ein Tagesplus von 0,8 Prozent, um den bisherigen Höchststand von Ende Juli zu übertreffen. Heute ging es im laufenden Handel nochmal höher, auf zwischenzeitlich mehr als 16.570 Punkte. Ein Begriff macht die vermehrt die Runde: Weihnachtsrally!

In den USA, mit ihrer mehr als 100jährigen lückenlosen Kurshistorie, gilt die „Santa Claus Rally“ als statistisch belegtes Phänomen, wobei hier genau genommen nur die 5 letzten Handelstage des alten und die 2 ersten des neuen Jahres betrachtet werden, weil hier die Indizes auffallend oft steigen. Weniger streng definiert und weiter verbreitet dürfte daher die „Jahresendrally“ sein, wo der November schon gute Vorarbeit geleistet hat. Der Dezember gilt beim DAX als zuverlässigster Gewinner-Monat: Seit dem Indexstart war die Monatsperformance nur in 8 Fällen negativ, aber 26 mal positiv – mit einem durchschnittlichem Plus von 2,44 Prozent. Im letzten Jahr hatte der Schlussmonat mit minus 3,3 Prozent aber enttäuscht.

Entscheidend dürfte der Schlussspurt sein, wobei der deutsche Leitindex seit Jahresbeginn mit mehr als 18 Prozent überdurchschnittlich im Plus liegt. Der Start im Januar war mustergültig und wurde nach schnellen 12 Prozent Anstieg erst im März ausgebremst. Viereinhalb Monate nach dem Zwischentief wurde Ende Juli ein neues absolutes Hoch erreicht, dem aber drei Monate mit fallenden Kursen folgten. Seit Anfang November läuft jetzt der neue starke Aufwärtstrend, der seine Kraft auch aus erwarteten Zinssenkungen im ersten Halbjahr 2024 zieht. Die Notenbanken und ihre Bekämpfung der Inflation bleibt also entscheidend für die Märkte. Auch über den anstehenden Jahreswechsel hinaus.

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Newsletter vom 6. Dezember 2023

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow
Rückblick auf die streng definierte „Santa Claus Rally“ 2022 und 2021 im DAX

„I have nothing to further add“

Fast wie eine Ad-hoc-Meldung zum Handelsschluss verbreitete sich gestern am späten Abend die Nachricht, dass Charlie Munger – vielen bekannt als kongenialer Kompagnon von Warren Buffett (93) und langjähriger Vize-Chef von Berkshire Hathaway – im Alter von 99 Jahren verstorben ist. Die beiden US-amerikanischen Value-Investoren stammen aus Omaha in Nebraska und waren seit 1959 befreundet. 1978 stieg Munger in die von Buffet gegründete Investmentgesellschaft ein. Er stellte mit seinem erweiterten Ansatz, statt „passable Unternehmen zu guten Preisen“ zu kaufen, „lieber exzellente Unternehmen zu passablen Preisen kaufen“ die Weichen für eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte: Das Duo ließ den Kurs der Berkshire Hathaway A-Shares von damals rund 1.000 USD auf kürzlich über 550.000 USD steigen.

Auf den Aktionärstreffen, die als „Woodstock des Kapitalismus“ gefeiert werden, und zu denen jährlich rund 40.000 Menschen nach Omaha pilgern, kam nach der ausführlichen Eröffnungsrede Buffetts von Munger regelmäßig ein schmales „Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen“. Dabei hatte er einiges zu sagen noch viel mehr weiterzugeben. Neben vielen humorvollen Anekdoten bleibt Charlie Munger unvergessen mit einem riesigen Fundus von Börsen- und Lebensweisheiten aus seiner jahrzehntelangen Investmentkarriere.

Keine Zeichen der Trauer sind beim DAX sichtbar: Bei auffallend niedrigeren Handelsspannen von weniger als 100 Punkten täglich, tänzelt der deutsche Leitindex seit einer Woche um die 16.000er-Marke, die nur am Freitag auch beim Schlusstand übertroffen wurde. Bis zum Rekordhoch fehlen aktuell nur 2,3 Prozent und der November dürfte für die viel diskutierte Jahresendrally entscheidend sein. Nächste Woche mehr dazu.

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Börsen Bunch TV hatte sich zu Charlie Mungers 99. Geburtstag im Januar 2023 die Investmentlehren des Urgesteins vorgenommen:

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Newsletter vom 29. November 2023

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Ist denn schon Weihnachten?

Noch fünfeinhalb Wochen bis zum Fest! Auch wenn es noch keine Weihnachtsbäume zu kaufen gibt, schmückten sich die Börsencharts gestern mit vielen großen, grünen Kerzen: Der DAX leuchtete mit ordentlichen 1,8 Prozent und die Verwandtschaft strahlte mit satten Zuwächsen von 3,3 Prozent (MDax), 3,4 Prozent (SDax) bzw. 2,5 Prozent (TecDax). Es waren die größten Tagesgewinne seit März bzw. der letzten zwölf Monate.

Die außergewöhnlichen Kurssprünge starteten am Dienstag um Punkt 14:30 Uhr. Der Grund? In den USA wurden Zahlen zur Inflationsrate im Oktober veröffentlicht und deren Wachstum ist rückläufig. Nur 3,2 statt erwarteten 3,3 Prozent, wobei im Vormonat noch 3,7 Prozent vermeldet wurden. Damit dürften die jüngsten Überlegungen zu weiteren Leitzinserhöhungen der FED vom Tisch sein. Eine nun naheliegende Zinspause für die nächste US-Notenbanksitzung im Dezember beflügelte die Kurse, verstärkt durch viele Shortseller im Markt, die sich eindecken mussten.

So ging es an den US-Börsen um 1,9 Prozent (S&P 500) bzw. 2,4 Prozent (Nasdaq) nach oben. Und die asiatischen Märkte nahmen den Schwung bei 2,5 Prozent im Nikkei mit. So setzt sich die Euphorie mit Anschlussgewinnen am Mittwochvormittag fort, was an einer Trendwende im DAX liegen könnte: Der Ende September unterschrittene 200-Tage-Durchschnitt wurde gestern dynamisch von unten durchbrochen und mit derzeit 300 Punkten ein guter Puffer aufgebaut.

Mit Rückschlägen ist bei der angespannten Krisenlage immer zu rechnen. Im saisonalen Muster sind die kommenden Wochen aber für eine fulminante Jahresschlussrally (die 2022 jedoch ausgeblieben war!) bekannt. Wer jetzt Gewinne realisiert könnte diese für Weihnachtsgeschenke am Black Friday oder vielleicht als Spende für den guten Zweck nutzen. Bescherung muss nicht erst am 24. Dezember sein.

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Newsletter vom 15. November 2023

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Zahlenhorror und Gruselstimmung

Wie so oft zum Monatswechsel, liefert die statistischen Abteilungen ein Kennzahlen-Stakkato, welche die Investoren als Bestätigung oder Widerspruch zur wahrgenommenen Stimmung einzuordnen versuchen. Allein vier Meldungen kamen Anfang der Woche vom Statistischen Bundesamt: Das Bruttoinlandsprodukt in Q3 stieg verglichen mit Q2 um 0,1 Prozent; Q2 wurde revidiert von 0 auf 0,1 Prozent Wachstum und Q1 auf Stagnation revidiert. Die Inflationsschätzung für Oktober liegt bei +3,8 Prozent zum Vorjahresmonat – der niedrigste Stand seit August 2021. Die Importpreise sind um 14,3 Prozent niedriger als im Vorjahr, aber das liegt wohl vornehmlich am Basiseffekt. Der Einzelhandelsumsatz sinkt real um 0,8 zum Vormonat und um 4,3 zum September 2022. Blicken Sie noch durch im Zahlenhorror? Die Meldungen zu Wirtschaftsindikatoren ließen sich beliebig fortsetzen. Und es drängt sich die Frage auf: Erklären hier die Zahlen den Markt oder erklärt der Markt die gemessenen Zahlen?

Blutrot ist zwei Monate vor Jahresende die vorherrschende Farbe an der Börse und die Optimisten werden langsam leichenblass. Seit dem Rekordhoch Ende Juli ist der DAX um gut 10 Prozent gefallen – ohne sichtbare Bremsspuren! Die jüngst gezeigten Schlusskurse unter 14.700 Punkten dienten Mitte März schon einmal als Unterstützung. Doch das verflixte 7. Wochenminus in Folge zeigt gerade das Muster eines Serienkillers. Es ist die längste Abwärtsbewegung seit 2011. Der DAX-Kurs entfernt sich weiter von der 200-Tage-Linie, welche zuvor noch einen 11-monatigen Aufwärtstrend ausgewiesen hatte. So schließt der DAX im Oktober mit 3,8 Prozent im Minus – der dritte negative Monat in Serie. Passend zu Halloween ist die Stimmung gruselig. In der dunklen Jahreszeit bleibt nun die Hoffnung auf ein Weihnachtswunder.

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Newsletter vom 1. November 2023

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Risikoloser Zins statt zinsloses Risiko?

Aktien galten in den letzten 15 Jahres als alternativlos. Das Akronym TINA machte die Runde und schaffte es 2019 auf Platz 3 bei der Wahl zum Börsen-Unwort des Jahres. Doch spätestens seit die großen Notenbanken im Sommer 2022 kontinuierlich die Zinsschraube anziehen und die Geldschleusen geschlossen sind, kommt es zum Comeback einer lange gemiedenen und als „zinsloses Risiko“ verspotteten Anlageklasse: Anleihen. Das für Börsenneulinge paradox anmutende Zeichen steigender Renditen sind aktuell fallende Anleihenkurse. Hier gelten langlaufende Staatsanleihen mit Top-Bonität als risikoloser Zins, mit dem sich de Aktienmarktrendite aus Gewinnen und Dividenden jetzt messen lassen muss. 10-jährige US-Treasuries liefern inzwischen im Durchschnitt eine Rendite von knapp 5 Prozent; ähnliche Schuldenpapiere des Bundes bringen über 3,5 Prozent.

Dieser Benchmark müssen sich börsennotierte Unternehmen stellen, denn gerade das Geld institutioneller Adressen verlangt langfristig solide Investments. Die Finanzierung von Wachstumsunternehmen ist im neuen Zinsumfeld deutlich schwieriger geworden, weil geliehenes Geld jetzt wieder einen Preis hat, der verdient werden muss. Es lohnt also, einen genaueren Blick auf die Verschuldung zu werfen und auf Aussagen dazu in den anstehenden Quartalsberichten zu achten. Beim DAX zeigen Schwankungen von knapp 500 Punkten, dass der aktuelle Kampf um die 200-Tage-Linie noch nicht entschieden ist. Neben dieser eher kurzfristigen Betrachtung muss aber noch festgehalten werden, dass langfristig die Rendite von Aktien vorne liegt. Eine gute Balance von Risiko und Rendite zu finden, ist die Kunst des Investierens.

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Newsletter vom 18. Oktober 2023

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Einbiegen auf die Zielgerade

Willkommen im Schlussquartal! Natürlich wird das Börsenjahr 2023 erst nach dem letzten Handelstag abgerechnet, aber was die Wirtschaftsdaten angeht, ist für die fünf großen Forschungsinstitute die Messe bereits gelesen: 0,6 Prozent Rückgang werden für das deutsche Bruttoinlandsprodukt erwartet; im Frühjahr hatte man noch mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Die Inflationsrate sehen die Experten bei 6,1 Prozent für das aktuelle Jahr. Die Erwartung einer Aufhellung wird auf 2024 vorgetragen, wo das BIP nun um 1,3 Prozent zulegen und die Teuerungsrate nur noch 2,6 Prozent betragen soll. Was machen solche Daten mit dem Konsumklima? Richtig, das geht in den Keller und gleichzeitig steigt die Sparrate – auch Dank dem Comeback der Zinsen nun auf höchstem Stand seit April 2011 -, was wiederum die Binnennachfrage schwächt; insbesondere im Einzelhandel. Ein Teufelskreis.

Was hier helfen könnte, wäre Optimismus! Doch der ist bei politischer Unentschlossenheit und multiplen Krisen gerade Mangelware – auch an der Börse: Der DAX verlor im September 3,5 Prozent und notiert seit letzter Woche (erstmals seit Anfang November 2022) wieder unterhalb seines 200-Tage-Durschschnitts. Beim Feiertagshandel gestern ging es nochmal um 1 Prozent abwärts, wobei die negativen Vorgaben aus Nordamerika und Asien noch nicht vollständig eingepreist sind. Jetzt wird wieder um die Marke von 15.000 Punkten gerungen, wie zuletzt Mitte März. Das sind zwar noch 1.000 mehr als zum Vorjahresschluss, aber eben auch 1.500 weniger als zum Jahreshoch vor zwei Monaten. Die mathematische Ausgangsbasis für eine Jahresschlussrally ist gut und auch die Monats-Saisonalität im vierten Quartal spricht für steigende Kurse. Ob es das Börsenjahr 2023 nach den erlittenen Rückschlagen aber auf die Medaillenplätze schafft, darf schon jetzt angezweifelt werden.

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Newsletter vom 4. Oktober 2023

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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