Software-Absturz

Wer fast den ganzen Arbeitstag vor dem Bildschirm sitzt kennt das Problem: Manchmal zickt das System, wird unerklärlich langsam, stockt oder hängt sich im schlimmsten Fall auf und macht eventuell die Arbeit von Stunden zunichte, weil man nicht gespeichert hatte und nach dem Neustart die Wiederherstellung misslingt. Ähnlich ärgerlich zeigt sich der über Jahre erfolgsverwöhnte Software-Sektor an der Börse.

Der Umbau von einmaligen Lizenz- zu laufenden Abo-Modellen und hin zu Cloud-Diensten sowie „Software as a Service“-Architektur ist noch nicht ganz abgeschlossen, da bedroht die KI die eigene Branche: Von „Saas-Beben“, „AI kills software“ oder „SaaSpocalypse“ ist zu lesen. Denn wenn KI die Arbeitsplätze bedroht gibt es weniger abzurechnende User, mit KI-Entwicklungstools können Firmen spezialisierte Inhouse-Lösungen inzwischen oft selbst bauen und die endlichen IT-Budgets der Unternehmen werden gerade lieber in den KI-Umbau investiert, wovon primär die Hardware-Seite profitiert.

So hat der größte US-Software-ETFs seit Jahresbeginn rund 27 Prozent verloren. Spezialisten wie Adobe, Salesforce oder Workday liegen zwischen 45 und 30 Prozent unter ihren Rekordständen. Als jüngster Auslöser gilt die Veröffentlichung von Anthropics „Claude Cowork“, was das Unternehmen zum heißen IPO-Kandidaten für 2026 macht. Aber auch die Magnificent Seven notieren zweistellig im roten Bereich: angeführt von Microsoft (ca. -30%) über Amazon und Meta (ca. -20%) bis hin zu Alphabet, NVIDIA – die heute Abend neue Zahlen vorlegen – oder Apple (ca. -10%).

Dass breite Indizes wie der S&P 500 aber gerade mal 2 Prozent unter Rekord stehen zeigt eine funktionierende Sektor-Rotation. Auch der DAX scheint sich auf dem Niveau von 25.000 Punkten einzupendeln. Was derzeit im unsicheren Umfeld fehlt, sind klare Impulse. Hoffentlich folgt der Zoll-Wut kein Absturz.

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Newsletter vom 25. Februar 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Politik schielt auf Kapitaleinkünfte

Die guten Nachrichten für die Aktienkultur sind gerade mal vier Wochen alt: Das DAI bezifferte für 2025 die Anzahl direkten und indirekten Aktienbesitzenden in Deutschland auf 14,1 Millionen. So viele wie noch nie und eine Steigerung um rund 2 Millionen zum Vorjahr. Die Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge scheint nicht nur angekommen zu sein, sondern wird auch in die Tat umgesetzt. Übrigens insbesondere in der jungen Altersgruppe zwischen 14 und 39 Jahren.

Wie kann man diese Initiative der Eigenverantwortung torpedieren? Richtig: mit Forderungen aus den politischen Lagern! So stellt die SPD im neuen Grundsatzprogramm fest, dass „vor allem die Arbeitseinkommen die Last unseres Gesundheits- und Pflegesystems“ tragen, was doch „ungerecht“ sei. Ein ähnlicher Vorstoß kam im Januar 2025 vom Grünen-Kanzlerkandidaten Robert Habeck. Reflexartig laufen Aktionärsvertreter und Wirtschaftspolitiker der Union Sturm gegen die Idee von Sozialabgaben auf Dividenden und Mieteinnahmen. Die Argumentation von bereits (mehrfach) besteuerten Kapital können wir uns hier sparen. Aber der gierige Blick des chronisch klammen Staats auf die durch temporären Konsumverzicht privat aufgebauten Vermögen der vorsorgenden Bevölkerung bleibt ein Aufreger. Dazu eine kaum beachtete Zahl aus den öffentlich einsehbaren Steuereinnahmen für das Kalenderjahr 2025: Die Abgeltungsteuer auf Zins- und Veräußerungserträge stieg letztes Jahr um fast 5,53 Mrd. Euro (+28,7%) auf 25,8 Mrd. Euro. Das ist, was über dem persönlichen Freibetrag von 1.000 Euro je Sparer beim Staat abgegeben wurde. Gern geschehen.

An den Märkten ist nach der Hektik wieder etwas Ruhe eingekehrt: Der Dow Jones notiert erstmals über 50.000 Punkten während der S&P 500 die 7.000er-Marke nur einmal kurz getestet hat. Beim DAX gab es im Februar bisher nur einen Schlusskurs über den psychologisch wichtigen 25.000, wobei sich aus charttechnischer Sicht die 24.600 als Unterstützung bzw. Widerstand zeigen. Der Zeitweise auf 60.200 USD abgerutschte Bitcoin scheint sich 10 Prozent höher gefangen zu haben, während sich Gold bei über 5.000 USD und Silber oberhalb von 80 USD je Feinunze einzupendeln scheinen.

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Newsletter vom 11. Februar 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Begehrte Werte

Als Donald Trump zum Amtseintritt vor gut einem Jahr vom „Golden Age“ für Amerika sprach, hat er das wohl nicht kommen sehen: Der Goldpreis hat sich seit dem quasi verdoppelt! Das Edelmetall eilt von Rekord zu Rekord – und das liegt nicht (nur) an der hohen Nachfrage für güldene Dekoration im Oval Office oder beim neuen Ballsaal. Gold wird als Wertaufbewahrungsmittel (und zunehmend Spekulationsobjekt) für unsichere Zeiten immer wichtiger. Heute Vormittag wurden erstmals 5.300 USD für die Feinunze erreicht. Das ist ein Plus von 11 Prozent binnen einer Woche. Die Marke von 4.000 fiel Anfang Oktober; die 3.000 wurden erst im letzten März überschritten. Das zähe Ringen um die 2.000 USD-Marke dauerte hingegen von August 2020 bis März 2024. Noch steiler steigt gerade Silber mit einem Verdoppler innerhalb der letzten zwei Monate und auch andere Edelmetalle ziehen mit. Glücklich, wer bereits Bestände hält. Doch wer jetzt erst einsteigt ist ein Spekulant.

Was im Rekordrausch gern übersehen wird: Der Anstieg beim Gold geht einher mit einer Schwäche des US-Dollars. Der EUR/USD-Wechselkurs übersteigt gerade die Marke von 1,20 – ein Problem für die Exportnation Deutschland. Ziemlich genau vor einem Jahr war man bei 1,02 der Parität nahe. Die Staatsschulden der USA liegen inzwischen bei 38,5 Billionen USD und sind allein im letzten halben Jahr um mehr als 6 Prozent gestiegen. Kein Wunder, dass die Bonität und Zinsbelastung für den US-Haushalt die Achillesverse der Trump’schen Handelspolitik ist. Das hatte bereits beim Aussetzen der Zoll-Keule nach dem Liberation Day im letzten April und mutmaßlich beim jüngsten Einlenken in der Grönland-Frage geholfen. Der politische Druck auf die US-Notenbank war zuletzt erfolgreich, auch wenn im Markt für heute Abend keine Zinssenkung erwartet wird.

Übrigens verfügt die Deutsche Bundesbank mit 3.350 Tonnen über die zweitgrößten Goldreserven. Das sind mehr als 40 Gramm pro Einwohner zu einem aktuellen Wert von rund 6.000 Euro. Doch anders als bei manchen börsengehandelten Gold-ETCs besteht hier kein Anspruch auf physische Auslieferung.

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Newsletter vom 28. Januar 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

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Willkommen zur Party

Trotz aller Krisen auf der Welt und in der Wirtschaft kennt die Börse zur Zeit nur eine Richtung: aufwärts! Von den acht vergangenen Handelstagen des Jahres 2026 schlossen sechs mit einem neuen Rekordstand beim DAX mit einem Intraday-Hoch bei 25.507 Punkten. Praktisch alle wichtigen Aktienindizes notieren um die Höchststände. Das Gold steigt erstmals über 4.600 US-Dollar und für den 2025er Shootingstar Silber werden heute mehr als 90 US-Dollar für die Feinunze fällig. Nur beim Bitcoin klafft eine Lücke von 25 Prozent zum Rekordhoch vom letzten Herbst, aber die Kryptomärkte haben ja oft eine eigene Dynamik.

Eine gute Nachricht dieser Tage ist, dass die Teilhabe an diesem Börsen-Boom immer mehr Menschen in Deutschland persönlich betrifft: Das Deutsche Aktieninstitut zählte gestern einen Anstieg um 2 Millionen, sodass nun 14,1 Millionen Menschen – so viele wie nie – von steigenden Aktienkursen profitieren. Getragen wird die Entwicklung von den Jüngeren zwischen 14 und 39 Jahren, die seit 2024 die größte Anlegergruppe stellen. Die inzwischen offen geführten Diskussionen um die Zukunftsfähigkeit des Rentensystems und der Zugang über Neo-Broker dürften einen Teil dazu beigetragen zu haben.

Es ist ein ähnlicher Sprung wie im Corona-Jahr 2020, wo 2,7 Millionen neue Aktienbesitzende hinzu kamen. Aber für den größten Zuwachs in dieser bald 30-jähringen Statistikreihe muss man in das Jahr 2000 schauen, als die Zahl um 3,6 Millionen stieg – befeuert von den Entwicklungen am Neuen Markt und einer Welle von Börsengängen, die das Thema Aktien zu einer Art Volkssport machten. Zu viel Euphorie macht langjährige Anlegerinnen und Anleger natürlich skeptisch, denn sie erinnern sich, was danach kommen kann. Aber nicht muss, denn Börsianer lieben den Spruch „This time it’s different“.

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Newsletter vom 14. Januar 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Börse hui, Wirtschaft pfui?

Zwei Überschriften standen gestern scheinbar im Widerspruch: „OECD senkt Wachstumsprognose für Deutschland drastisch“, titelte das Handelsblatt über die auf nur noch 0,3 Prozent halbierten Wachstumsaussichten für das deutsche 2024er Bruttoinlandsprodukt. Im G20-Kreis der größten Industrie- und Schwellenländern sind die konjunkturellen Aussichten nur in Argentinien noch schlechter. „Dax erklimmt nächstes Allzeithoch“, vermeldet die Börsen-Zeitung am gleichen Tag, notiert als neuen Rekordstand in der Spitze 17.049,52 Punkte und freut sich über den erstmaligen DAX-Schlussstand oberhalb der 17.000 Punkte-Marke. Die gute Stimmung an den US-Märkten scheint ansteckend zu sein.

Das Narrativ von demnächst zu erwartenden Zinssenkungen wurde durch Aussagen nach den letzten Notenbanksitzungen eigentlich entkräftet, aber das stört die Bullen wenig. Statt dessen lassen sich die Märkte von den Börsengiganten motivieren: Microsoft und Apple sind zeitweise gleichzeitig mit je mehr als 3 Billionen USD bewertet; Meta zeigte letzte Woche den bisher größten Tages-Kurssprung mit über 204 Mrd. USD plus nach Veröffentlichung der Quartalszahlen.

„Size matters“, scheint das Motto zu sein, denn die Gewinner-Aktien sind in der Regel Weltmarkt-Champions. Die DAX40-Werte sind zwar in Deutschland beheimatet, machen den wesentlichen Umsatz aber international. Bei SAP, dem an der Börse mit ca. 205 Mrd. EUR wertvollsten deutschen Unternehmen, waren es zuletzt ca. 85 Prozent. Doch in der zweiten und dritten Börsenliga ist es zu Rekordhöhen noch ein weiter Weg: Der MDAX notiert knapp 30 Prozent unter seinem Hoch im Spätsommer 2021 und dem SDAX fehlen derzeit rund 20 Prozent auf die Spitze vom Herbst 2021.

Die Luft ganz oben ist sehr dünn.

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Newsletter vom 7. Februar 2024

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow

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Wo laufen sie denn hin?

Als das Deutsche Aktieninstitut vorletzte Woche die neue Statistik zu den Aktionärszahlen veröffentlichte, war der Rückgang dieser Kennzahl und einige Details für viele Beobachter überraschend. Laut der 2023er DAI-Studie besitzen rund 12,3 Millionen Deutsche direkt oder indirekt Aktien. Nur 4,7 Millionen setzen dabei (auch) auf Einzelwerte – bei 10,3 Millionen liegen Aktienprodukte wie Fonds und ETFs in den Depots. Ein aktives „Stock-Picking“ betreiben also nur wenige, insbesondere nach Abzug der knapp 1 Million reinen Belegschaftsaktionäre. Allein die Zahl der direkt in Aktien Investierten ging um 585.000 zurück, insgesamt betrug der Rückgang 575.000 Anlegende, wobei die Zahl der Frauen praktisch stabil blieb und in der jüngeren Altersgruppe unter 40 Jahre 514.000 weniger Aktionäre gezählt wurden.

Auf die naheliegende Frage „Wo laufen sie denn hin?“ enthielten Antworten reflexhaft meist Stichwörter wie Tagesgeldzinsen, Inflationsdruck, Bitcoin oder verzockt. Doch im langjährigen Vergleich zeigt sich, dass die Aktionärszahlen nun im vierten Jahr über 12 Millionen liegen und damit konstant höher als das Niveau zur Jahrtausendwende. Der sprunghafte Anstieg seit 2020, als Corona und Neobroker die Börsen erschreckten, hat sich stabilisiert. Ein 20-Prozent-Rückgang bei den jungen Anlegenden ist als Momentaufnahme massiv, doch immer noch ist diese Altersgruppe auf Sicht von 10 Jahren nun doppelt so groß. Die deutsche Aktienkultur entwickelt sich; auch wenn die Politik hier nicht positiv mit Impulsen auffällt.

Nach oben liefen in den letzten Tagen die US-amerikanischen Börsenindizes: Zum Wochenauftakt gab es neue Höchststände beim Dow Jones, S&P 500 sowie Nasdaq 100 zu bestaunen. Der Herbstvorsprung europäischer Märkte wird gerade nivelliert, doch auch im deutschen Markt liegt das Rekordhoch im Intraday-DAX nur rund 1 Prozent entfernt. „Wenn sie sich nur nicht verlaufen“, heißt es im zitierten Loriot-Sketch an anderer Stelle und das hoffen wir für Anleger, Börse, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Jahr 2024.

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Newsletter vom 24. Januar 2024

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Foto Thomas Strelow