Börsentäglich aktuell von der ICF BANK

Morning News & Wochenvorschau

Börsentäglicher Newsletter (Morning News) mit Marktdaten für USA und Japan sowie wichtige News, Termine und Analysteneinschätzungen für Werte aus Deutschland und Europa zum Handelsstart sowie als Wochenvorschau.

Quelle: ICF BANK AG Wertpapierhandelsbank

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Rückschau ICF BANK auf die Handelswoche

Wochenrückblick Anleihehandel

EmittentFälligkeitKuponRendite
Bundesschatzanw. – EUR10.12.20262,000%2,572%
Dt. Pfandbriefbk. – EUR25.01.20273,000%3,098%
Norddt. Landesbk. – EUR17.09.20293,500%3,953%
KFW – USD03.04.20282,875%4,909%
Norwegen – NOK26.04.20282,000%4,839%
Umsatzspitzenreiter Quotrix KW 39 (Renditen p.a. zum 25.09.2026)

Quelle: ICF BANK AG Wertpapierhandelsbank, Frankfurt am Main

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Warum Donald Trump noch unberechenbarer werden könnte

Carsten Mumm

Auch im neuen Jahr 2026 hat US-Präsident Donald Trump bereits wieder einige Schlagzeilen produziert. Medial hat die Festsetzung des venezolanischen Präsidenten Maduro für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt. Hinzu kamen erneute Ambitionen, Grönland zu kaufen und Drohungen gegenüber Iran, Kuba und anderen Staaten. Auswirkungen auf Kapitalmärkte und Rohstoffbörsen blieben allerdings moderat.

Mehr Potenzial auf Zinsen, Aktienkurse und Währungen zu wirken, haben eher die Hinweise auf künftige innenpolitische Akzente vor dem Hintergrund aktuell sehr schwacher Umfragewerte und mit Blick auf die im Herbst anstehenden Zwischenwahlen zum Kongress. Dabei geht es um das Kernthema „Affordability“, also Erschwinglichkeit bzw. die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten. Obwohl die durchschnittlichen Löhne zuletzt vielfach noch stärker gestiegen sind als die Preise für Waren und Dienstleistungen, besteht in den USA das verbreitete Gefühl, dass man sich immer weniger leisten kann. Anders als im Präsidentschaftswahlkampf 2024 kann Trump die Schuld an den noch immer recht hohen Teuerungsraten aber nicht auf die Demokraten schieben.

Trumps Blick richtet sich daher wie schon seit Monaten auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Dessen amtierender Präsident Jerome Powell könnte kurzfristig wegen Falschaussagen über die Kosten des Umbaus der Fed-Zentrale strafrechtlich angeklagt werden. Es ist zumindest naheliegend, dass diese Aktion im Zusammenhang mit der seit Monaten immer schärferen Kritik Trumps an den seiner Meinung nach zu hohen Leitzinsen steht. Allerdings bedeuten tiefere Leitzinsen nicht notwendigerweise, dass auch die Zinsen bei längeren Laufzeiten und damit die Kreditkonditionen für Private, Unternehmen und die Regierung sinken. Daher hat Trump weitere Regelungen ins Spiel gebracht, bspw. die Deckelung von Kreditkartenzinsen, den Aufkauf von Hypothekenkrediten oder ein Verbot für Institutionelle, Einfamilienhäuser zu kaufen. Schon im letzten Jahr war zudem von 2.000-Dollar-Schecks die Rede, die an Bezieher mittlerer und geringer Einkommen versandt werden könnten.

Staatliche Eingriffe in den Markt und weitere fiskalpolitische Expansion könnten jedoch höchstens kurzfristig für eine preisliche Entlastung sorgen. Vor allem aber zeigen sie, dass politische Risiken in den USA enorm gestiegen sind, schrecken Investoren sowie Käufer von US-Aktien und Anleihen ab und schwächen den Status des Dollar als Weltleitwährung.

Newsletter vom 14. Januar 2026

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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Die wirtschaftspolitische Zwischenbilanz der Bundesregierung

Carsten Mumm

Gemäß Ökonomenpanel, einer vom ifo-Institut und der FAZ lancierten Umfrage unter 170 Volkswirtschaftsprofessoren und -professorinnen, fiel die wirtschaftspolitische Zwischenbilanz nach 100 Tagen Regierungsarbeit ernüchternd aus. Nur ein Viertel der Befragten bewertete die bisherigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen als positiv. Dem stehen mehr als 40 Prozent mit einem negativen Fazit gegenüber, während ein Drittel mit „neutral“ geantwortet hat.

Zwar wurden eindeutig positive Impulse zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland beschlossen, bspw. die Aussicht auf dringend notwendige staatliche Investitionen, verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten, die ab 2028 sinkende Körperschaftsteuer oder die Abschaffung des deutschen Lieferkettengesetzes. Parallel dazu wurde ein schrittweiser Bürokratieabbau eingeleitet: Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien sowie die Vergabe öffentlicher Aufträge wurden vereinfacht und digitalisiert. Verbraucher sollen durch den Wegfall der Gasspeicherumlage und niedrigere Netzentgelte entlastet werden. Positiv für das Ansehen Deutschlands in der Welt ist auch das akzentuierte Vorgehen von Kanzler Merz und anderer Regierungsvertreter in außenpolitischen Fragen, insbesondere bei den Themen Handels- und Sicherheitspolitik sowie der Verbesserung des Verhältnisses zu Frankreich.

Allerdings wurden wesentliche Ankündigungen, wie die Senkung der Stromsteuer für private Haushalte nicht umgesetzt. Kritisch sehen Ökonomen die Senkung der Einkommenssteuer in der Gastronomie, denn es ist unklar, ob damit ein positiver konjunktureller Impuls erreicht werden kann. Die Ausweitung der Mütterrente muss volkswirtschaftlich als rein konsumtiv verbucht werden, beschleunigt also kaum die seit Jahren schwache Wachstums- und Produktivitätsdynamik in Deutschland. Dringend notwendige Reformen, bspw. der Renten- und Sozialversicherungen oder der Schuldenbremse wurden bisher höchstens an Kommissionen delegiert.

Stimmungsindikatoren, wie der ifo-Geschäftsklimaindex signalisierten nach Monaten steigender Hoffnung zuletzt wieder eine zunehmende Skepsis, bei gleichzeitig sehr schwacher Beschreibung der aktuellen Lage bei vielen Unternehmen. Ein ausgeprägter Auftragsmangel, die Zurückhaltung beim privaten Konsum sowie Handelskonflikte und eine anhaltend schwache Exportnachfrage aus China belasten nach wie vor. Das deutsche Wirtschaftswachstum fiel im zweiten Quartal mit einem Minus von 0,3 Prozent schwächer aus als erwartet. Und auch an den Aktienmärkten spiegelt sich zunehmende Skepsis wider. Deutschland braucht daher dringend den von der Regierung selbst propagierten „Herbst der Reformen“, um der Aussicht auf strukturelle Verbesserungen des Standorts und damit Investitionen und Konsum neuen Schwung zu verleihen.

Newsletter vom 01. Oktober 2025

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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SOS Deutschland: Von Mimosen, Trump und Allzeithochs

Carsten Brömstrup

Was soll man da noch zu sagen: Deutschlands Wirtschaft sendet SOS und der Dax steht kurz vor dem nachhaltigen Ausbruch über die psychologisch wichtige Marke von 17.000 Punkten. Die Kursziele, die eigentlich erst Ende des Jahres erreicht werden sollten, purzeln teilweise schon jetzt. Ergo sehen sich einige Analysten genötigt und gedrängt, ihre Kursziele für den Dax gen 18.000 Punkte und darüber zu erhöhen. Dies erscheint auf den ersten Blick überraschend, denn Volkswirte erwarten inzwischen nur noch eine Stagnation im ersten Quartal 2024 für Deutschland. Im Januar waren sie noch von einem BIP-Anstieg um 0,1 Prozent ausgegangen. Die Dax 40-Unternehmen können mit ihrem Geschäft ins Ausland flüchten, darum steht der Dax bei 17.000 Punkten. Kapital ist flüchtig und liquide. Nur der Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und damit auch früher oder später die Mehrzahl der Arbeitnehmer, wird die Zeche zahlen.

Die Sorgen um das wirtschaftliche Prestige Deutschlands wachsen immer mehr. Nicht erst seit dem Wochenende, an dem Bloomberg die „Tage Deutschlands als industrielle Supermacht als gezählt“ ansieht, ist uns klar, dass hier etwas passieren muss. Bereits am 17.08.2023 stellte der Economist die Frage, ob Deutschland wieder der „kranke Mann Europas“ ist. Die Antwort wird immer klarer: „Ja“. Die im Ausland inzwischen als konfus und wankelmütig wahrgenommene deutsche Politik tut Vieles, um diesen Eindruck zu bestätigen. Man streitet sich, spricht von Mimosen und Hasenfüßigkeit oder Schuhgrößen, die mindestens zwei Nummern zu groß sind. Eieiei, wie will man so einem möglichen, unberechenbaren US-Präsidenten Trump entgegentreten? Ich bin Börsianer durch und durch und im Grundsatz Optimist, darum empfinde ich nahezu Schmerzen dabei, dieses zu schreiben und erinnere an den legendären Wahlspruch Bill Clintons 1992: „It´s the economy, stupid!“ („Es ist die Wirtschaft, Dummkopf!“).

Da die Geo- und Tagespolitik also wenig hilft, muss mal wieder die Notenbank- und Geldpolitik ran. An der Börse gelten grundsätzlich zwei Thesen:

1) Politische Börsen haben kurze Beine und
2) „Stelle Dich niemals gegen die Notenbanken!“ („Never fight the FED“)

Da die Inflation immer mehr nach Normalität ausschaut, können sich die Notenbanken in den nächsten Monaten auch wieder vermehrt der wachstumsfördernden Politik zuwenden. Allein der Ausblick auf fallende Zinsen verhindert derzeit, dass sich Portfoliomanager gegen den Kapitalmarkt (Aktien- und Rentenmarkt) stellen. Die Gefahr nicht beim haussierenden Börsenzug dabei zu sein, ist groß („fear of missing out“). Und fallen die (Festgeld-) Zinsen erst einmal, dann kommt der Liquiditätszug erst so richtig in Schwung. Den Rest, was Gewinneffizienz anbelangt, besorgt dann „KI“. Will sagen: Es sieht gut aus für die großen Unternehmen in den Börsenindizes. Bei sonnigen Aussichten könnte der Dax Ende 2024 sogar bei 19.000 Punkten stehen. Es ist wie so oft an der Börse: Das Beste kommt zum Schluss. Und wenn es noch nicht das Beste ist, dann ist es auch noch nicht der Schluss.


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Wertentwicklung
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Newsletter vom 14. Februar 2024

Carsten Brömstrup – Chefanalyst
Oldenburgische Landesbank AG

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Stimmen die Rahmenbedingungen in Deutschland?

Frank-Rüdiger Griep

Deutschland hat in 2023 eine leichte Rezession seiner Wirtschaftsleistung hinnehmen müssen. Mit 5,9 Prozent verharrte dabei die Inflation auf einem hohen Niveau. Sicher kein gutes Ergebnis, zumal diese Daten immer mit den Wirtschaftsdaten anderer Industrieländer im Verhältnis stehen.

Auch für das Jahr 2024 sehen die Wirtschaftsforschungsinstitute noch keine wesentliche Besserung. Mit Wachstum ist in diesem Jahr nicht zu rechnen, eher verharrt die Wirtschaftsleistung weiter in der Rezession – zumindest in den ersten Monaten des Jahres. 30 von 47 Wirtschaftsverbänden beschreiben die Lage und die Aussichten als schlechter. 11 Wirtschaftsverbände sehen die Lage neutral und nur 6 glauben an bessere Zeiten. In den ersten Wochen des neuen Jahres wurde in Deutschland gestreikt. Nicht nur die Bauern, Spediteure und Eisenbahner gingen auf die Straße, auch Ärzte und die Belegschaft des öffentlichen Personenverkehrs streikten. Alle fordern bessere Rahmenbedingungen. Abbau von Bürokratie, Fortschritte bei der Digitalisierung, wettbewerbsfähige und verlässliche Energiekosten, faire Steuern und vieles mehr wird von der Bundesregierung erwartet. Die Bundesregierung hat mit Subventionen versucht, die Nachteile auszugleichen und stößt nun bei der Einhaltung der Schuldenbremse ihres Haushaltes sehr schnell an die Grenzen. Durch diese Subventionspolitik hat sich deshalb auch die Staatsquote von 45 Prozent auf nahezu 50 Prozent erhöht. Eine Zahl, die wiederum im Vergleich zu anderen Industrieländern zu hoch ist. Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen müssen deshalb schnellstens geschaffen werden.

Erfreulich ist allerdings, dass die Inflationsbekämpfung durch die EZB mittlerweile zu Erfolgen geführt hat. Für den Euroraum konnten im Januar 2,7 Prozent gemessen werden und für Deutschland lag die Inflationsrate bei 2,9 Prozent. Hier stimmt die Richtung, jedoch sind die absoluten Zahlen natürlich immer noch zu hoch. Das wird dazu führen, das die EZB mit Zinssenkungen sehr zurückhaltend umgehen wird.

Aber genau darauf setzen die Kapitalmärkte. Wenn das Geld wieder billiger wird, dann sollte sich die Aktienhausse fortsetzen. Im Januar 2024 konnten die Indizes gute Zuwächse verbuchen. Gute Unternehmensergebnisse und gute Aussichten können dazu beitragen, dass diese Entwicklung noch anhalten wird. In der letzten Woche konnte die Deutsche Bank gute Zahlen vermelden und gleichzeitig eine Dividendenerhöhung ankündigen. Enttäuschungen können in diesem Jahr aber auch kommen, wie z.B. schlechte Wirtschaftsverläufe und ausbleibende Zinssenkungen durch die Zentralbanken.

Ich bleibe bei Aktien verhalten positiv, bei den Anleihen haben die Märkte schon vieles vorweggenommen.
Steigende Zinsen erwarte ich nicht mehr. Die Aktienmärkte bleiben aber volatil.






Newsletter vom 07. Februar 2024

Frank-Rüdiger Griep – Gesellschafter
Vermögensanlage AltBayern AG

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Gehen Sie mit der Konjunktur …

Wer kennt ihn nicht, diesen Schlagerhit aus alten Zeiten?
Und nichts bewegt die Märkte mehr – damals wie heute – als die konjunkturelle Entwicklung. Die Konjunktur bezeichnet den aktuellen Zustand der Wirtschaft, gemessen an wichtigen ökonomischen Indikatoren wie Bruttoinlandsprodukt (BIP), Arbeitslosenquote und Inflationsrate. Aber, es handelt sich dabei immer um eine Momentaufnahme und die Entwicklungen können auf nationaler Ebene sehr unterschiedlich sein. Während die konjunkturelle Entwicklung in den USA aktuell eher positiv eingeschätzt wird, sieht es für die Eurozone unverändert mau aus und Deutschland steckt nachweislich bereits in der Rezession.
Umso mehr richtet sich der Blick der Marktakteure auf die Notenbanken. Jede Zinspause, wie jüngst bei FED, EZB und SNB beschlossen, wird bereits als Hoffnungsschimmer interpretiert. Und das trotz warnender Worte seitens der Notenbanken, man solle sich nicht zu früh freuen. Gerade wurde die Inflationsrate für Deutschland für Oktober jetzt mit 3,8 Prozent bestätigt, der niedrigste Wert seit August 2021.
Das ist ein gutes Zeichen, aber noch keine Entwarnung. Jeder Rückschlag bei der inflationären Entwicklung kann weitere Zinsanhebungen zur Folge haben und damit die Konjunktur weiter dämpfen. Diese Unsicherheit wird bis ins nächste Jahr noch anhalten. Keine guten Voraussetzungen für eine Jahresendrally. Am heutigen Tag  wird zudem der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung das Jahresgutachten 2023/24 der Bundesregierung überreichen.
Schauen wir mal, wie die Experten vor allem die zukünftige Entwicklung einschätzen.

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Newsletter vom 08. November 2023

Martin Braun, Börse Hannover

Aktienmärkte schauen zurzeit nach China

Sie kennen den Spruch: „Sell in may and go away … but remember to come back in september!“ Ob der aktuelle Monat tatsächlich der beste Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg nach der Sommerpause ist, wage ich zu bezweifeln. Die Statistik spricht da eher eine andere Sprache, zählt der September seit Jahrzehnten doch eher zu den Underperformern. Der Oktober hat aber auch keinen besseren Ruf, Sie kennen den Buchtitel „Sonntags nie, am liebsten im Oktober“. Die Aktienmärkte treten aktuell eher auf der Stelle mit leicht negativer Tendenz. Trotz sinkender Inflationsraten hüben wie drüben sind die Konjunkturaussichten eher verhalten. Und das betrifft insbesondere Deutschland – die Exporte fielen allein im Juli um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Alle Blicke richten sich deshalb Richtung China, galt das Land der Drachen doch lange Zeit als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft. Davon kann zurzeit jedoch keine Rede sein. Der gelbe Riese schwächelt und Besserung ist nicht in Sicht. Hinzu kommt ein zunehmender Protektionismus. Der Westen versucht, sich unabhängiger von China zu machen und riskiert dadurch Wachstumschancen.

Der am kommenden Wochenende in Neu-Delhi stattfindende G20-Gipfel sollte für ausreichend Gesprächsstoff sorgen. Allerdings eher hinter den Kulissen, denn wichtige Akteure wie der chinesische Staatschef Xi Jinping reisen erst gar nicht an.

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Newsletter vom 6. September 2023

Martin Braun, Börse Hannover

Konjunkturdelle oder strukturelle Wachstumsschwäche?

Carsten Mumm

Im aktuellen Bericht zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland konstatiert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), dass vorerst keine nachhaltige wirtschaftliche Belebung in Deutschland zu erwarten ist. Vor allem die schwachen außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen dämpfen demnach die Exportentwicklung und damit die Produktion.

Offensichtlich kommt derzeit die Schwäche des sehr auf die exportorientierte Industrie fokussierten Geschäftsmodells der deutschen Volkswirtschaft zum Tragen: die hohe Abhängigkeit vom Außenhandel. Waren es in den letzten Jahren unter anderem unterbrochene oder zumindest nicht reibungslos funktionierende Lieferketten und damit die fehlenden Vorleistungen, durch die die Produktion ausgebremst wurde, sind es heute die nicht mehr ausreichend vorhandenen Aufträge aus dem Ausland.

Es wird aber auch immer klarer, dass die Stützpfeiler des Erfolgsmodells Deutschlands der letzten Jahrzehnte, günstige fossile Energien, lohngünstige Produktion im Ausland, internationale Absatzmärkte und enge internationale Kooperation verbunden mit einem prosperierenden Außenhandel, seit einiger Zeit immer brüchiger werden. Im Streit zwischen den USA und China sitzt Deutschland zwischen den Stühlen, einerseits weil die Globalisierung im Sinne internationaler Arbeitsteilung – der Wohlstandstreiber der letzten Jahrzehnte – zunehmend von protektionistischen Tendenzen abgelöst wird. Wenn chinesische Behörden Exporte von Gallium und Germanium künftig kontrollieren und möglicherweise nicht mehr im benötigten Umfang für die Produktion von Hochleistungschips in den USA zur Verfügung stellen, die US-Industrie aber im Gegenzug diese Chips nicht mehr an China liefern darf, wird für alle Beteiligten Wohlstand zerstört. Andererseits dürften in den USA bzw. China tätige deutsche Unternehmen künftig verstärkt in den Fokus der jeweils anderen Regierungen geraten mit der Folge, dass Geschäftstätigkeiten implizit untersagt werden könnten.

Es wird also höchste Zeit, dass deutsche Unternehmen und damit quasi die Volkswirtschaft ihr Geschäftsmodell auf ausreichende Zukunftsfähigkeit hin untersuchen und existenzielle Abhängigkeiten verringern. Dabei ist ein tiefgreifender Strukturwandel unumgänglich. Deutschland kann künftig nur als Hochtechnologiestandort mit verlässlichen Rahmenbedingungen, einer effizienten Verwaltung und hoher Attraktivität für Menschen und Kapital aus dem Ausland ausreichend wettbewerbsfähig sein.

Newsletter vom 23. August 2023

Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel

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Aktienmärkte ohne klaren Trend

Es ist wie ein Wechselbad der Gefühle, die aktuelle Situation an den Aktienmärkten. Jede neue Information zur wirtschaftlichen Entwicklung wird von den Marktteilnehmern begierig aufgenommen und kurstechnisch in die Tat umgesetzt. Mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Und ein Phänomen ist wohl doch nicht tot zu kriegen: Die europäischen Börsen hängen sklavisch am US-Markt. Was die Realität betrifft, zeigt sich jedoch ein geteiltes Bild zwischen den USA und Westeuropa, insbesondere zu Deutschland. In den USA ist der Gesamtindex für die Einschätzung der Konjunktur im August auf 5,1 Punkte gestiegen, im Juli lag er noch bei minus 3,7 Punkten. Im Vergleich dazu liegt der Gesamtindex in der Eurozone im August bei minus 18,9 Punkten. Der für Deutschland vergleichbare GFK-Konsumklima-Index lag im Juli 2023 bei einem Indexwert von minus 25,2 Punkten, für August prognostiziert die GfK einen Wert von minus 24,4 Punkten. Damit ist Deutschland als wichtigste europäische Wirtschaftsnation aktuell nicht das Zugpferd, sondern trägt eher die rote Laterne in Europa.
Und ein Blick auf China sollte erst recht als Weckruf verstanden werden. Gerne wird über die Probleme Chinas berichtet, z. B. im Immobiliensektor. Dabei wird aber leicht übersehen, dass der gelbe Riese seit Jahren sehr erfolgreich Deutschland als wichtigsten Handelspartner der übrigen EU-Staaten bei ihren Importen ablöst. Zur Jahrtausendwende machten deutsche Produkte rund 14 Prozent an den gesamten EU-Importen aus, 2022 waren es nur noch 12,5 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Anteil chinesischer Waren von 2,6 Prozent auf 8,8 Prozent an. Besonders deutlich wird diese Entwicklung beim Blick auf Produkte, die als deutsche Exportschlager gelten: Maschinen, chemische Produkte, Metallerzeugnisse und Autos. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren zeigt sich der deutsche Aktienmarkt erstaunlich stabil.

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Newsletter vom 23. August 2023

Martin Braun, Börse Hannover