Rückschau ICF BANK auf die Handelswoche
Wochenrückblick Anleihehandel
| Emittent | Fälligkeit | Kupon | Rendite |
| Bundesschatzanw. – EUR | 10.12.2026 | 2,000% | 2,572% |
| Dt. Pfandbriefbk. – EUR | 25.01.2027 | 3,000% | 3,098% |
| Norddt. Landesbk. – EUR | 17.09.2029 | 3,500% | 3,953% |
| KFW – USD | 03.04.2028 | 2,875% | 4,909% |
| Norwegen – NOK | 26.04.2028 | 2,000% | 4,839% |
Quelle: ICF BANK AG Wertpapierhandelsbank, Frankfurt am Main

Börsentäglich aktuell von der ICF BANK
Morning News & Wochenvorschau
Börsentäglicher Newsletter (Morning News) mit Marktdaten für USA und Japan sowie wichtige News, Termine und Analysteneinschätzungen für Werte aus Deutschland und Europa zum Handelsstart sowie als Wochenvorschau.
Quelle: ICF BANK AG Wertpapierhandelsbank

Märkte trotzen Iran-Konflikt, Europa schwächelt

Trotz des anhaltenden Iran-Konflikts legten Schwellenlandanleihen eine Rallye hin. Lateinamerika bleibt von den Ereignissen im Mittleren Osten unberührt, und selbst stark vom Ölpreis abhängige Titel aus Asien zeigen sich überraschend widerstandsfähig. Die USA und Europa kämpfen dagegen mit anhaltender Unsicherheit und hoher Inflation. Doch während Anleger in den USA mit robusten Unternehmensgewinnen rechnen können, haben Europas Daten zur Industrieproduktion enttäuscht – vor allem in Deutschland.
Schwellenländer durch die Bank robust
Schwellenlandanleihen haben sich in letzter Zeit besonders gut entwickelt, wobei die Spreads den niedrigsten Stand des Jahres erreicht haben – trotz des Konflikts im Persischen Golf und der faktischen Schließung der Straße von Hormus. Grund für diese herausragende Performance sind sowohl die soliden Fundamentaldaten als auch das anhaltend starke Interesse von Anlegern weltweit. Lateinamerika – darunter auch Venezuela, dessen Öl nun wertvoller ist – führt die Rallye an, aber auch Titel aus dem Mittleren Osten bleiben überraschend robust. Und obwohl Asien am stärksten von den steigenden Ölpreisen betroffen ist, lassen sich auch hier engere Spreads beobachten.
USA und Europa geprägt durch Unsicherheit
Optimismus, dass eine Lösung für den Konflikt im Nahen Osten erreicht wird, drückte die Renditen in den Industrieländern kurzzeitig nach unten. Der vorherige Aufwärtstrend setzte sich danach jedoch fort, nachdem Präsident Trump die Antwort des Iran auf den US-Friedensvorschlag abgelehnt hatte. Laut Trump sei der Waffenstillstand in der Schwebe und für die Inflationsaussichten ist es entscheidend, ob der normale Betrieb in der Straße von Hormus wiederhergestellt wird.
Der US-Arbeitsmarkt ist laut jüngster Daten stärker als erwartet, was auf eine widerstandsfähige Wirtschaft hinweist. Zusammen mit robusten Unternehmensgewinnen und einem erhöhten Inflationsniveau hat dies die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Zinssenkung durch die Federal Reserve in den USA verringert.
Die Europäische Zentralbank muss derweil einen schwierigen Balanceakt meistern: Sie darf nicht verfrüht gegen die Inflation vorgehen, aber auch nicht zu lange warten. Die Inflation in der Eurozone bleibt mit 3,0 Prozent auf einem hohen Niveau, während sich der Nahostkonflikt negativ auf das Wachstum auswirkt. In Deutschland beispielsweise bleiben die Zahlen zur Industrieproduktion hinter den Erwartungen zurück. Bei europäischen Staatsanleihen gibt es auch weiterhin eine Spread-Konvergenz zwischen Kern- und Peripherieländern. Dennoch bleibt die Marktstimmung gegenüber Risikoanlagen optimistisch.

Newsletter vom 20. Mai 2026
Anthony Willis – Senior Economist
Columbia Threadneedle Investments
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Electricity Loading…
Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Im üppig besetzten deutschen Sprichwortschatz heißt es: Alles Neue bringt der Mai (und eben nicht der Merz).
Wir leben in einer geopolitisch fragilen und schwierigen Zeit. Wir versuchen aufzurüsten, aber in der Energiepolitik verhält sich die Bundesregierung am Rand des Dilettantismus – insbesondere der Bundeskanzler und seine Wirtschaftsministerin Reiche zeichnen sich hier aus. Bisher stand Strom- und Klimapolitik in engem Zusammenhang. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen ist gleich das Erreichen der Klimaziele – monothematisch. Strom ist aber in der heutigen Zeit kein technisches Nebenthema mehr, sondern Macht-, Preis- und Industriethema. Wer die Stromsysteme beherrscht, beherrscht künftig Wachstum, Industrieansiedlung und Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland braucht in dieser Zeit eine Regierung, die Architektur baut. Stattdessen liefert Merz große Worte seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr und Reiche kleinteilige Reaktionen. Sie ist damit beschäftigt, Eigen-PR zu betreiben – für rund 12 Mio. Euro. Scholz war ein schlechter Kanzler, aber ist Merz überhaupt einer? Hier liegt das Problem: zu viel PR, zu viel Ankündigung.
Deutschland hat bei den Erneuerbaren – Habeck sei Dank – sichtbar aufgeholt. Aber der Ausbau hat kein System. Die eigentlichen Engpässe liegen bei Netzen, Speichern, Redispatch, Flexibilität, Industrieanschlüssen und nicht zuletzt in der Preislogik. Genau hier müsste Reiche führen, aber Lobbyisten scheinen die Macht übernommen zu haben. Reiche verwaltet diese Schwächen eher, als dass sie sie strategisch löst – eine Ministerin der Halb-Logik, im allerbesten Fall. Sie reagiert auf Preisaufregung, setzt aber keine strukturelle Logik. Wer gleichzeitig Erneuerbare bremst, Speicher nicht entschlossen priorisiert und beim Netz nur verwaltet, verschärft die Integrationskrise.
Merz ist der Meister des Pathos. Er ist der Meister der Halb-Architektur. Er versucht, die Energiefrage rhetorisch als große Standort- und Wachstumsfrage zu besetzen. Das wäre legitim, wenn daraus eine kohärente Linie entstünde. Seine Nordsee-Rhetorik klingt groß – ändert aber nichts an den Engpässen. Unter Merz entsteht der Eindruck einer Regierung, die senden will, bevor sie gebaut hat. Aber Zeit ist ein knappes Gut.
Die neue Energiefrage lautet nicht mehr: fossil oder erneuerbar? Sie lautet: Was kommt additiv schnell genug ans Netz? Künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Elektrifizierung und Industrieumbau treiben den Strombedarf in eine neue Größenordnung. Die IEA erwartet nahezu eine Verdopplung des globalen Rechenzentrumsstromverbrauchs bis 2030. Europa läuft in dieselbe Richtung. Damit wird Energiepolitik endgültig zur Kapazitätspolitik. Wer jetzt glaubt, man könne mit einer einzigen Quelle, einer einzigen Technologie oder einer einzigen politischen Erzählung durch diese Stromkurve kommen, verwechselt Klimapolitik mit Wunschzettelökonomie. Entscheidend wird ein belastbarer Mix: Erneuerbare, Netze, Speicher, flexible Gaskraftwerke, perspektivisch Wasserstoff, in manchen Ländern Kernkraft – und vor allem Tempo.
KI beendet die Epoche der energiepolitischen Entweder-oder-Sätze. Die Zukunft ist nicht singulär, sondern additiv. Wer Stromverbrauch exponentiell digitalisiert, kann Stromerzeugung nicht ideologisch verengen.
Made in Germany ist massiv in Gefahr. Deutschland diskutiert, China installiert. China ist strategisch stringent. Es baut Solar, Wind, Netze, Speicher, Batterien und E-Mobilität in industrieller Größenordnung. Kohle bleibt als Sicherheitsanker im System. Das neue Energiesystem wird parallel physisch aufgebaut. Während Reiche noch am deutschen Engpassmanagement arbeitet, baut China längst die materielle Infrastruktur der nächsten Stromordnung – baut Standortvorteile physisch. (S. auch https://www.mwbfairtrade.com/de/aktuelles/newsdetail-de/news/china-loading/)
Aber überholt uns nur China rechts?
Spanien bietet einen Strommix, der zeigt, wie Ausbau und Realität zusammenfinden. Ein hoher Anteil an Erneuerbaren kann real funktionieren und so zum Standortvorteil werden. Wind, Solar und Wasserkraft liefern dort eine deutlich robustere Ausgangslage als in Deutschland. Spanien ist kein Wunderland, aber ein Gegenbeleg zu deutschem Selbstmitleid.
Schweden und Finnland zeigen, wie Energiepolitik aussieht, wenn Klima und Industrie zusammengedacht werden: nahezu CO₂-freier Strom, getragen von Wasserkraft, Kernkraft und Wind, zu Preisen, von denen deutsche Unternehmen nur träumen. Dort ist sauberer Strom kein politisches Schaufenster, sondern Standortfaktor. Deutschland diskutiert Brückenstrompreise; der Norden liefert sie faktisch.
Frankreich ist energiepolitisch nicht elegant, aber im Strommix brutal wirksam: viel Kernkraft, wenig fossile Erzeugung, ein weitgehend CO₂-armer Sockel für Industrie, Rechenzentren und Elektrifizierung. Deutschland hat die Kernkraft abgeschaltet und muss Kohle, Gas, Netze, Speicher und Erneuerbare gleichzeitig sortieren. Frankreich hat den härteren Industriestrommix.
Dänemark zeigt, wie weit Wind und Solar ein Stromsystem tragen können; Norwegen zeigt, was fast vollständig sauberer Wasserkraftstrom für Standortqualität bedeutet. Beide sind Sonderfälle – klein, ressourcenstark, eng eingebunden in Nachbarmärkte. Aber als Kontrast zu Deutschland wirken sie brutal: Der Norden diskutiert nicht ewig über sauberen Strom, er produziert ihn.
Electricity is loading – und Berlin kommt nicht aus dem Quark. Gefährlich für den Standort Deutschland ist die Kombination aus Merz-Pathos und Reiche-Halb-Logik. Reiche ist das operative Problem, Merz ist das politische Dach dieses Problems. „Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?“
Zu mwb:
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 46.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 13. Mai 2026
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Kontakt und weitere Informationen:
mwb Wertpapierhandelsbank AG
Kai Jordan
Kleine Johannisstraße 4
20457 Hamburg
Tel: +49 40-360995-20
E-Mail: kjordan@mwbfairtrade.com
Good old Europe?

Wer die Nachrichtenlage der vergangenen Zeit zusammenfassen möchte, kommt nicht umhin festzustellen, dass sich die Globalisierung stark verlangsamt hat, sich teilweise sogar umkehrt. Europa sei der Verlierer dieser Entwicklung, ist häufig zu hören. Unsere Aktienstrategie ist aber weiterhin stark auf europäische Aktien ausgerichtet. Ist das noch grundsätzlich richtig? Wo liegen die Chancen für europäische Unternehmen in dieser sich verändernden Welt?
Noch vor wenigen Jahren haben viele europäische Unternehmen ihr Heil in einer stärkeren Internationalisierung gesucht, vor allem im Wachstumsmarkt China. Aber inzwischen macht sich Europa Gedanken um seine Abhängigkeiten: Militärisch abhängig von den USA, wirtschaftlich von Rohstoffimporten, Lieferketten und Absatzmärkten in Übersee. Gleichzeitig schotten sich die einst attraktiven Absatzmärkte USA und China zunehmend gegen Einfuhren ab. Europa muss sich selbst der offenen Bedrohung durch Russland erwehren, darf nicht mit Rohstoffimporten erpressbar sein und seine Lieferketten weniger angreifbar machen. „Onshoring“, also die strategische Rückverlagerung oder Ansiedlung von Produktions- oder Dienstleistungsaktivitäten aus dem Ausland zurück nach Europa, dürfte ein Trend der kommenden Jahre sein. Europa wird sich in dieser neuen Weltordnung stärker auf sich selbst fokussieren. Der EU-Binnenmarkt ist der größte wirklich funktionierende Binnenmarkt der Welt: Er umfasst rund 450 Millionen Konsumenten in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz und ist damit größer als die USA. Zudem schädigt Trump mit seinen zahlreichen Eingriffen in die Märkte und seiner isolationistischen Politik auf Dauer die US-Volkswirtschaft, statt sie zu stärken. Zwar dürften auch in Europa die Eingriffe in die Märkte eher zu- als abnehmen, häufig aber wohl mit dem Ziel, das „Onshoring“ zu fördern. Bei europäischen Konzernen mit hohen Investitionen in China wie BASF und Volkswagen sehen wir Risiken, zumal China nicht mehr der stark wachsende Absatzmarkt ist, sondern zunehmend ein Konkurrent.
Potenzielle Gewinner sind vielmehr Unternehmen, die auf dem großen europäischen Binnenmarkt erfolgreich sind. Ein Beispiel dafür ist die Finanzbranche: Europäische Banken und Versicherungen sind außerhalb Europas eher wenig aktiv, haben aber umgekehrt in Europa wenig Konkurrenz von außerhalb. Schon seit einigen Jahren sind wir beispielsweise in Société Générale, SCOR, AXA und ASR Nederland investiert und haben es nicht bereut.

Newsletter vom 29. April 2026
Dirk Arning – Geschäftsführer
Investmentclub „Actien Club Coeln“
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China loading…
Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Zu den tagesaktuellen Entwicklungen im geostrategischen Monopoly können wir in einem monatlichen Standpunkt kaum noch seriös Stellung nehmen. Ebenso wenig zu den erratischen Reaktionen der Kapitalmärkte. Manches davon riecht inzwischen verdächtig nach gezielter politischer und wirtschaftlicher Manipulation, wenn man sich die Meldungen über Transaktionen im Vorfeld entscheidender Verlautbarungen aus dem Weißen Haus ansieht.
Uns interessiert deshalb etwas anderes. Etwas, das sich seit Jahren aufbaut und durch die aktuellen Ereignisse nur noch beschleunigt wird: Chinas wachsendes Gewicht. Der Economist brachte dazu jüngst ein bemerkenswertes Titelbild: ein lächelnder Xi Jinping, daneben ein unscharfer, offenbar schreiender POTUS. Darüber der Satz: „Never interrupt your enemy when he’s making a mistake.“ Der dazugehörige Text trug den Titel: „Donald Trump is the war’s biggest loser“.
Mit dem amerikanischen Fehlerkatalog wollen wir uns hier nicht weiter aufhalten, sondern den Blick Richtung Sonnenaufgang werfen. Nach China.
Es ist übrigens auch für uns das erste Mal, dass wir uns näher mit Fünfjahresplänen beschäftigen. Wir sind keine Asienexperten und sicher auch keine Anhänger chinesischer Governance oder Staatsform. Doch es geht um Strategie.
China steht gerade zwischen zwei Planungsperioden. Der 14. Fünfjahresplan läuft aus, der 15. für die Jahre 2026 bis 2030 wurde im März offiziell verabschiedet. Und ja: Es lohnt sich, da genauer hinzusehen.
Der neue Plan steht für eine Neuausrichtung. Weg vom bloßen Mengenwachstum, hin zu einer „qualitativ hochwertigen Entwicklung“. Das klingt zunächst technokratisch. Ist aber machtpolitisch gemeint.
• Technologische Autarkie: China will in Schlüsseltechnologien wie Halbleitern und KI unabhängiger werden und die eigene Innovationskraft ausbauen.
• Grüne Transformation: Der Aufbau eines neuen Energiesystems soll sauberer, kohlenstoffärmer und zugleich belastbarer werden.
• Wirtschaftliche Sicherheit: Resilienz von Lieferketten und nationale Sicherheit stehen höher im Kurs als kurzfristige Wachstumsraten.
• Demografischer Wandel: Die alternde Bevölkerung wird nicht länger verdrängt, sondern mit Reformen beantwortet, etwa über eine schrittweise Anhebung des Rentenalters bis 2030.
(Quelle: International Institute for Strategic Studies, IISS)
Herausgreifen wollen wir den Punkt grüne Transformation, weil hier der eigentliche industrielle Kern liegt. Für China ist das kein Öko-Projekt, kein moralischer Überbau und kein PR-Baustein. Es ist knallharte Industriestrategie. Vier Punkte sind entscheidend:
Der „Doppel-Kohlenstoff“-Pfad (Dual Carbon Goals)
China arbeitet mit zwei festen Daten: Emissionshöhepunkt vor 2030, Klimaneutralität bis 2060. Entscheidend ist aber das Wie. Der Kohleanteil soll sinken, aber nicht um den Preis von Blackouts. Kohlekraft bleibt deshalb Reserve, die hochgefahren wird, wenn Wind und Sonne nicht reichen oder das Netz unter Druck gerät. Die Logik lautet: keine Abschaltung ohne Ersatz. Deshalb baut China weiterhin Kohlekapazitäten aus – über 200 GW sind derzeit im Bau. Nicht schön, aber systemisch gedacht.
Dominanz bei den „New Three“
China will die Marktführerschaft bei Elektrofahrzeugen, Lithium-Ionen-Batterien und Photovoltaik. Und zwar nicht nur im eigenen Markt. Ziel ist Dominanz entlang globaler Lieferketten. Wer dort vorne ist, liefert nicht nur Produkte. Er setzt Standards, diktiert Preise und verschiebt Macht.
Umbau des Energiesystems
China baut Wind- und Solarparks in einem Tempo aus, von dem Europa allenfalls Pressemitteilungen kennt. Vor allem in der Gobi und im Westen des Landes entstehen enorme Kapazitäten. Parallel dazu fließen Milliarden in Speicher, Pumpspeicher und Netze. Das Ziel ist klar: Erneuerbare nicht nur zubauen, sondern systemfähig machen. China installiert inzwischen mehr Wind- und Solarkapazität als der Rest der Welt zusammen. Das ist keine grüne Folklore mehr, das ist industrielle Realität.
Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft
Auch das gehört zur Strategie. „Grün“ heißt in China eben nicht nur weniger CO2, sondern auch weniger Rohstoffabhängigkeit. Batterierecycling, Rückgewinnung von Industriemetallen, Effizienzstandards für Stahl, Zement und Chemie: Das ist Rohstoffpolitik unter grünem Etikett. Oder anders gesagt: Wer die Kreisläufe kontrolliert, kontrolliert morgen die Kosten.
Wer nach Shanghai fährt, sieht schnell, wohin die Reise geht. Dort sind inzwischen rund 75 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch. Natürlich bleibt die chinesische Wirtschaft in weiten Teilen eine Drecksschleuder. Niemand muss sich da Illusionen machen. Aber das Land bewegt sich in eine Richtung, die wirtschaftlich zukunftsfähig ist.
Und dann reicht ein Blick nach Berlin. Schauen Sie sich die Ziele der amtierenden Bundesregierung und dieser Ministerin Reiche an. Merken Sie selbst. Hierzulande steckt man weiter fest in Lobbyismus, Besitzstandswahrung und den Dogmen vergangener Jahrzehnte. „Lang lebe der Verbrenner“ – so klingt das politische Unterbewusstsein.
Besonders deutlich wird der Unterschied beim Netzausbau. China baut Ultra-Hochspannungsleitungen. Strom wird über Tausende Kilometer von den Solar- und Windregionen im Westen zu den Industriezentren an der Ostküste transportiert. Parallel entstehen gigantische Speichersysteme, damit die berüchtigten Dunkelflauten nicht dauerhaft durch Kohle abgefedert werden müssen. Dort denkt man das Energiesystem als Ganzes. Bei uns denkt jeder erst einmal an seinen Zuständigkeitsbereich.
Klar ist auch: China wird von den aktuellen Blockaden rund um die Straße von Hormus nicht unberührt bleiben. Als wichtigster Abnehmer iranischen Öls trifft jede Störung dort auch Peking. Die Chinesen nahmen zuletzt gut 80 Prozent der iranischen Förderung ab. Wenn Washington die Meerenge nun selbst blockieren will, dann trifft das Iran und China zugleich.
Nur: So schnell geht das alles nicht auf. China hat vorgesorgt. Nach Schätzungen des Oxford Institute for Energy Studies liegen die chinesischen Lagerbestände bei etwa 1,1 bis 1,5 Milliarden Barrel. Das dürfte für 110 bis 140 Tage reichen. Europa liegt bei den Reserven in ähnlichen Größenordnungen.
Heißt übersetzt: Diese Blockade braucht Zeit, um überhaupt Wirkung zu entfalten – falls sie das je im gewünschten Maß tut. Bis dahin dürften die Iraner weiter ihre Nachbarn attackieren, während die USA im Nahen Osten immer weniger als Ordnungsmacht wahrgenommen werden. Mikko Huotari von Merics bringt es auf den Punkt: „Trump zieht die Länder am Golf in einen unabgesprochenen Krieg hinein, der ihr eigenes Geschäftsmodell gefährdet.“ Genau daraus entsteht die Machtverschiebung. Wo das amerikanische Schutzversprechen verblasst, wächst Chinas Raum. Und Peking denkt längst weiter. Taiwans Opposition wird bereits mit wirtschaftlichen Angeboten umworben – politisches Wohlverhalten natürlich vorausgesetzt. Auch in Taipeh wird man sich inzwischen fragen, wie belastbar die Schutzversprechen aus Washington wirklich noch sind.
Das Ganze läuft zudem auf einen verschärften Kampf um Rohstoffe hinaus.
https://www.bondguide.de/topnews/mwb-kapitalmarkt-standpunkt-commodities-energy-loading-willkommen-in-der-neuen-weltordnung/
So will China im Mai den Export von Schwefelsäure stoppen. Ein Detail? Keineswegs. Schwefelsäure wird für Dünger, Kupferproduktion, Elektrofahrzeuge, Halbleiter und die Pharmaproduktion gebraucht. Wer an so einer Stelle dreht, bewegt Preise weltweit.
Europa ist in dieser Krise nicht deshalb besonders verwundbar, weil plötzlich physisch nichts mehr aus Hormus käme. Das greift zu kurz. Die eigentliche Schwachstelle liegt bei Preisen, Importabhängigkeiten, LNG-Kosten, Transportketten und Versicherungsprämien. Anders gesagt: Nicht der Tank ist das erste Problem, sondern die Rechnung. Europas Verwundbarkeit ist damit vor allem markt-, wohlstands- und wettbewerbsbezogen.
Deutschland steht dafür exemplarisch. Beim Stromsystem wurde sichtbar aufgeholt; Erneuerbare deckten 2025 bereits gut 55 Prozent des Strombedarfs. Das ist realer Fortschritt, aber eben nur ein Teil der Wahrheit. Stromfortschritt ist noch keine Gesamtenergiesouveränität. Deutschland bleibt bei Öl, Gas, Industrieprozessen und Preisweitergabe verletzlich. Ein globaler Energieschock trifft das Land daher weniger als Versorgungskollaps, sondern als Wachstums-, Wohlstands- und Vertrauensproblem.
Genau deshalb lohnt ein nüchterner Blick auf Habeck. Der strategische Kern seiner Linie war nicht falsch: Mehr heimische erneuerbare Energie senkt geopolitische Abhängigkeit. Nur zeigt 2026 eben auch, wie weit der Weg noch ist. Wer beim Strom vorankommt, ist als Volkswirtschaft noch lange nicht frei.
Und dann kommt Berlin im Jahr 2026. Während China technokratisch puffert und die USA den Schock politisch an der Zapfsäule bezahlen, wirkt Deutschlands Regierung wie eine Fusion aus Kabarett und Trauerspiel. Klingbeil will entlasten und eingreifen, Reiche blockt ab und erklärt zentrale Vorschläge für teuer oder ineffektiv. Herausgekommen ist ein fauler Kompromiss: eine zweimonatige Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter, Volumen etwa 1,6 Milliarden Euro. Gegenfinanziert werden soll das nicht klassisch aus dem Haushalt, sondern über Maßnahmen gegen Ölkonzerne beziehungsweise das Abschöpfen überhöhter Gewinne. Hinzu kommen die Möglichkeit eines steuer- und abgabenfreien Einmalbonus von 1.000 Euro, finanziert über eine höhere Tabaksteuer, sowie die Aussicht auf eine Einkommensteuerreform ab Januar 2027. Das alles ist nicht nichts. Aber stellen Sie sich das Geheule vor, hätte die Ampel das zu verantworten gehabt.
Fast bezeichnender noch ist, was parallel passiert. Statt die Krise als Moment der Verdichtung zu begreifen, verliert sich Berlin im Takt von Boulevard, Empörungsreflex und täglicher Geräuschproduktion. Walgesänge im Boulevard scheinen wichtiger zu sein als die schlichte Frage, wie Deutschland Energie, Industrie und Wachstum wieder belastbar organisiert. So entsteht das Bild einer Regierung, die dauernd sendet, aber nur selten steuert.
Die bittere Pointe: Deutschland hat energiewirtschaftlich Fortschritte gemacht, politisch aber noch keine Antwort gefunden, die dazu passt. Das Land ist nicht mehr so abhängig wie früher, aber noch lange nicht robust. Und die große Koalition wirkt schon vor der eigentlichen Bewährungsprobe genauso gestrandet wie Timmy. Und der tut uns leid.
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 15. April 2026
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Der Irankrieg und seine Auswirkungen

Die unmittelbaren Folgen der Eskalation des Irankonflikts seit Anfang März waren steigende Rohöl- und damit Spritpreise, nachgebende Aktienkurse und höhere Renditen von Staatsanleihen. Mittlerweile sind jedoch auch weitergehende Auswirkungen erkennbar. So signalisierte das aktuelle ifo-Geschäftsklima abnehmende künftige Geschäftserwartungen bei vielen Unternehmen angesichts massiv gestiegener Energiekosten und Zinsbelastungen bei gleichzeitig höherer Unsicherheit für private Konsumenten und Investitionen. In Deutschland sind vor allem energieintensive Industrien, die Tourismusbranche sowie Logistik und die Bauwirtschaft betroffen. Die global ermittelten Einkaufsmanagerindizes von S&P Global hingegen ließen kurzfristig einen Anstieg der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erkennen. Dieser dürfte allerdings wesentlich auf vorgezogene Orders aufgrund der Befürchtung anhaltender Lieferkettenunterbrechungen im Zuge der Sperrung der Straße von Hormus zurückzuführen sein. Je länger die Schiffspassage gestört bleibt, umso stärker werden Einschränkungen bei Öl und Gas, aber auch bei anderen Produkten spürbar. So könnten fehlende Düngemittel in den kommenden Monaten zu steigenden Nahrungsmittelpreisen führen.
Die schon heute absehbaren Wachstumseinbußen würden sich bei anhaltenden Lieferkettenproblemen ausweiten, vor allem in energieimportabhängigen Regionen wie Europa und Teilen Asiens. Parallel steigen die Verbraucherpreise stärker an. Spanien vermeldete für März eine Inflation in Höhe von 3,3 Prozent nach 2,3 Prozent im Februar. Auch in Deutschland und der Eurozone legten die März-Teuerungsraten deutlich zu. Ob die bisher zurückhaltenden Notenbanken darauf mit Leitzinsanhebungen reagieren werden, hängt von der Dauer des Angebotsschocks ab. Insbesondere wenn sich Zweitrundeneffekte andeuten, also infolge des energiepreisinduzierten Kostenanstiegs auch höhere Lohnforderungen und stärker steigende Absatzpreise für Endprodukte von Unternehmen verlangt werden, müsste die Geldpolitik restriktiver ausgestaltet werden.
Aber es gibt auch positive Nachrichten: Das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und den südamerikanischen Mercosur-Staaten tritt ab dem 1. Mai vorläufig in Kraft, obwohl die Zustimmung des Europäischen Parlaments noch aussteht. Offensichtlich erhöht der zunehmende geo- und handelspolitische Druck die Handlungsfähigkeit Europas, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr europäischer Eigenständigkeit.

Newsletter vom 01. April 2026
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
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Die lange Tanzkarte
Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
Wer heutzutage Standpunkte wie diesen hier schreibt, sollte nicht zu früh anfangen, denn die Ereignisse überschlagen sich schneller, als man ein Dokument abspeichern kann. Und ja, wir sollten eigentlich zu relevanten Themen im Bereich der KMU-Unternehmen schreiben anstatt zur Geopolitik, aber das hängt doch alles miteinander zusammen: Geostrategisches, Zinsentwicklung etc. Leser hier wissen ohnehin schon länger, was auf „uns“ (Europa) zukommt:
https://www.bondguide.de/topnews/mwb-kapitalmarkt-standpunkt-maga-ist-nicht-mega/
Haben wir uns damals gefragt, ob die Beschreibung des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht zu despektierlich ist, so müssen wir konstatieren: „Es kam schlimmer.“ Dennoch müssen wir uns damit befassen, denn der „Allmächtige“ im Weißen Haus hat ja nun einige Tanzrunden eröffnet, und die Frage stellt sich dem gespannten Beobachter, ob dies gut gehen kann.
Jedenfalls scheinen sich die Staaten der EU zu einer Reaktion nach dem „Anti-Coercion-Instrument“ einigen zu wollen und bitten womöglich zum Tanz. Ob dies nach der Veröffentlichung dieses Standpunktes gelingt, die europäische Super-Bazooka auszupacken, muss man mit höchster Spannung beobachten. Hier gabelt sich der europäische Weg. Obwohl Trump die italienische Rechtsaußen-Nudel mit einem Nudel-Zoll-Deal einfangen wollte, hat sie zu unserer Überraschung dem Mercosur-Abkommen zwischen der EU und Südamerika doch zugestimmt. Über Viktor Orbán machen wir uns keine Gedanken mehr. Aber: Neben Italien steht auch Polen nicht auf Batmans neuester Zolldrohung. Zwischenzeitlich merken auch die selbsternannten Alternativen, dass das Gebuckel vor dem vermeintlichen „Boss der autokratisch regierten Wunschwelt“ vielleicht eher in Richtung Verrat geht, als dass es eine zielführende Strategie sein kann. Wir selbst schreiben und träumen ja seit Langem von mehr Europa, wenngleich doch von einem stark reformierten.
Aber die Europäer haben noch viel mehr „im Köcher“. Die gesamte Industrie für Hochleistungschips baut diese nach unserem Verständnis auf Maschinen des holländischen Herstellers ASML. ASML liefert die Schlüsseltechnologie (EUV-Lithografie) für die Produktion von fortschrittlichen 3-nm- und 5-nm-Chips, die mit speziellen NXE-Systemen wie dem NXE:3600D hergestellt werden.
Wir haben keine Ahnung von den vertraglichen Verpflichtungen – aber diese scheren ja die handelnden Personen jenseits des Atlantiks auch nicht. Mit einem Lieferstopp wäre der ganze Zirkus rund um das Thema Künstliche Intelligenz erst einmal in der Winterpause. Dies hätte massive Auswirkungen auf die Kapitalmärkte, da die stark inflationierten Aktivitäten rund um KI bisher Treiber der Märkte waren.
Voraussichtlich macht die EU sich schadensersatzpflichtig, aber es bleibt die Frage, ob eine Unterwerfung unter Batmans Diktat nicht wesentlich teurer kommt. Ob man das dann wirklich umsetzt, ist noch eine andere Frage, aber die glaubwürdige Drohung dürfte auf der anderen Seite des Atlantiks zu tiefem Durchatmen führen. Ob Europa zu so einem Bluff fähig wäre, haben wir zumindest bis zum Wochenende bezweifelt.
Ob Batman einen weiteren Tanz mit dem Iran eröffnet, kann momentan niemand absehen. Seine Schiffe sind auf dem Weg, und wir würden darauf tippen, dass da etwas kommt, da ein Erfolg seines Tanzes um Grönland fragwürdig ist. Erfahrungsgemäß springt er dann auf ein anderes Parkett. Wir hoffen so oder so auf möglichst geringe zivile Opfer.
Ein noch wichtigerer Tanz steht für Batman innenpolitisch auf der Karte. Ob er das allerdings alles so mitbekommt beim abendlichen Cheeseburger vor dem TV, entzieht sich unserer Kenntnis. Es mag sein, dass die Reporting-Linien im Weißen Haus mittlerweile nahezu ebenso verbogen sind wie bei seinem „Kumpel“ im Kreml.
Jedenfalls haben sich die ersten Größen der Wall Street auf Batmans Tanzkarte eingetragen. Jeremy Barnum (CFO von JP Morgan) erwägt eine Klage der Bank gegen die US-Regierung wegen des verhängten Zinsstopps bei Kreditkarten. Batman hat nicht lange gefackelt und der Bank eine Klage wegen des Debankings seiner Person nach dem Sturm auf das Kapitol angedroht. JP Morgans CEO Jamie Dimon dürfte faktisch eine der mächtigsten Personen in den USA sein, und bisher hat Trump auf ihn gehört, wie im April 2025 bei der Ankündigung der Zölle. Die Regierung hat sicher noch einige Pluspunkte im Feuer. Hier wird es ebenfalls interessant.
Jerome Powell, der unabhängige Chef der US-Notenbank, ist Trumps unbequemster Gegenspieler in der Finanzpolitik. Trump bittet auch hier zum Tanz, indem er ihn öffentlich diffamiert und juristisch unter Druck setzen lässt. Das Ziel ist: ein neuer Notenbankchef, der sich nicht weigert, Wahlkampfpolitik mit Zinssenkungen zu finanzieren. Es bestehen aber berechtigte Zweifel, selbst bei Republikanern, ob dieser Schuss nicht nach hinten losgeht. Immerhin muss der Senat die Nominierung eines neuen Kandidaten bestätigen. Aber nicht nur wegen Powells hoher Reputation: Er gibt zwar den Vorsitz ab, bleibt aber bis 2028 im Gouverneursrat und kann dort weiterhin eine gewichtige Position einnehmen.
Es brodelt reichlich in den USA – wegen der innenpolitischen Situation und der Inflation sowie auch in der MAGA-Bewegung wegen der exterritorialen Aktivitäten, die eigentlich nicht auf der Agenda waren. Sollte der Souverän bei den Midterms im November noch unter „normalen“ Bedingungen zur Urne schreiten können und eher die Demokraten zum Tanz bitten, dürfte sich der Spuk deutlich verringern. Allerdings bestehen Befürchtungen, dass die derzeitige innenpolitische Eskalation eine ordnungsgemäße Wahl verhindern soll. Wird nicht ordentlich gewählt, haben die USA den Schritt von der Autokratie zu einer Diktatur endgültig vollzogen. Da die Bürger wohl zu 70 % unzufrieden sind, dürfte so etwas aber nicht ohne Reaktion bleiben. Ob Batman nun auf zu vielen Hochzeiten tanzt?
Den Europäern droht eben auch weiteres Ungemach, wenn sie nicht bald „aus dem Quark“ kommen. Denn die anhaltenden Spannungen mit den USA haben zu einer Exportoffensive chinesischer Unternehmen in den Rest der Welt geführt, und man hat sich auf zahlreichen Tanzkarten nach oben gearbeitet. Nach Daten des chinesischen Zolls ist der Handelsüberschuss im vergangenen Jahr auf 1,2 Billionen Dollar und damit um 5,5 % gestiegen, nach Deutschland sogar um 10,5 %. Das Ganze bei rückläufigen Importen Chinas. China ist damit von einer Werkbank zu einer Wirtschaftsmacht auf Augenhöhe geworden, die technologisch nicht nur mithalten kann. Die Automobilindustrie war erst der Anfang.
Europa wirft unter dem Druck der angeblichen öffentlichen Meinung bei der Automobilindustrie einen Blick in die Steinzeit (die taz lästerte über UvdL mit der Schlagzeile „Die Auspuffmutter“). Das Handelsblatt berichtet in der Heiligabend-Ausgabe (danke dafür, genau mein Humor) über Shanghai in Teilen als Vorbild für deutsche Städte: „Annähernd 70 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in Shanghai sind elektrisch betrieben.“ Ob die neuerlichen Pläne zur Förderung des Erwerbs von E-Autos in Deutschland zur Aufholjagd werden, bleibt abzuwarten. Es mangelt schlichtweg am Ausbau der Infrastruktur.
Derweil befasst sich die Bundesregierung, wenn sie nicht von außen getrieben wird, vermutlich mit sich selbst. Zwar hat Friedrich Merz Berichte über ein Revirement des Kabinetts erst einmal dementiert, aber das Karussell hat ja bereits Fahrt aufgenommen. So wurde bereits der Büroleiter im Kanzleramt ausgewechselt, gegen den bisherigen Bundesgeschäftsführer der CDU, Birkenmaier. Diesem folgt der bisherige Leiter Politik und Programm aus dem Konrad-Adenauer-Haus nach. Aber vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März wird aufgrund der Parteiräson erst einmal nichts weiter passieren, obwohl das vielleicht sogar hilfreich sein könnte – nach den Eskapaden von „Eurer Exzellenz“ oder dem „Maskenmann“.
Was hat das alles mit den KMU-Investments zu tun? Wir glauben weiterhin an eine Rotation weg von den bisherigen Modebranchen, wo das Chance-Risiko-Verhältnis u. E. nicht mehr angemessen ist, hin zu mittelständischen Unternehmen, die sich nicht nur in Larmoyanz ergehen, sondern in diesem wechselhaften Umfeld gut zurechtfinden. Eine Einigkeit Europas und eine Revision weg von einem Bürokratiemonster wären hier aber förderlich. In Anbetracht der Herausforderungen dürfte der Finanzierungsbedarf dieser Unternehmen weiterhin gegeben sein. Die Branche stellt sich darauf ein. So gab es zuletzt diverse Konsolidierungen von Marktteilnehmern, die sich von der Tanzkarte auf dem Kapitalmarkt für Mittelständler zurückgezogen haben. Aber ebenso sind nun neue Akteure auf den Plan getreten, und auch unser Haus entwickelt seine Aktivitäten zum Mittanzen konsequent, aber mit Augenmaß weiter. „If there is no competition, there is probably no market.“
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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt
vom 21. Januar 2026
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG
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Zitat der Woche: Mathieu Savary

„Ich denke, wir stehen am Beginn einer europäischen Outperformance.“
Mathieu Savary
BCA Research
Ein unkontrollierter Handelskonflikt mit China sollte vermieden werden
Die Wirtschaft in Deutschland kommt nur sehr schwerfällig voran. Sowohl die HCOB-Einkaufsmanagerindizes als auch der ifo-Geschäftsklimaindex hatten für die Industrie, den Handel und die Bauwirtschaft zuletzt erneut Rückschläge zu verzeichnen. Aufgrund des ausgeprägten Auftragsmangels wird mittlerweile Personal abgebaut und die Anzahl der Insolvenzen steigt. Immerhin sinken sowohl die Einkaufs- als auch die Verkaufspreise von Waren, wodurch der Inflationsdruck in der Eurozone weiter nachlassen sollte und der EZB bis zum Jahresende noch bis zu drei weitere Leitzinssenkungen ermöglicht werden.
Ein etwas anderes Bild zeichnet der Dienstleistungs-Sektor. Zwar befindet sich auch hier die Stimmungslage der Unternehmen auf niedrigen Niveaus, allerdings ist zumindest von einer Produktionsausweitung in den kommenden Monaten auszugehen. Beschäftigung und Preise zogen hier weiter an.
Die Konjunktur-Hoffnungen liegen vor allem auf einer erwarteten Belebung des privaten Konsums im Zuge steigender Realeinkommen. Bisher jedoch überwiegt auch bei Verbrauchern die Verunsicherung angesichts schwacher wirtschaftlicher Perspektiven und aufgrund der stark erhöhten Preisniveaus. Viele sparen, anstatt zu konsumieren.
Vor diesem Hintergrund kommt dem drohenden Handelskonflikt zwischen der Europäischen Union (EU) und China eine besondere Bedeutung zu. Zweifellos subventioniert China einzelne Branchen, v.a. grüne Technologien wie die Batterie-, E-Auto- oder Solarzellenproduktion, in deutlich stärkerem Ausmaß als es in Europa der Fall ist. Nach Angaben des Kiel Institut für Weltwirtschaft erhielten im Jahr 2019 rund 99 Prozent der börsennotierten chinesischen Unternehmen Subventionen im Gesamtvolumen von 221 Mrd. Euro. Hinzu kommen Kaufprämien, ein besserer Zugang zu Rohstoffen und die Bevorzugung bei Ausschreibungen. Daher sollte die EU das laufende Anti-Korruptionsverfahren gegen China fortführen und mit den Ergebnissen in Verhandlungen eintreten, wie sie von Wirtschaftsminister Habeck bei seinem Besuch in China kürzlich angeregt wurden. Eine unkontrollierte Protektionismusspirale – China könnte auf EU-Zölle für E-Autos mit Gegenmaßnahmen bei Verbrennern und anderen Produkten, bspw. Schweinefleisch, reagieren – und damit eine übermäßige Verteuerung der grünen Transformation sollte jedoch verhindert werden. Denn gerade Deutschlands exportabhängige Wirtschaft würde darunter überproportional leiden.

Newsletter vom 3. Juli 2024
Carsten Mumm – Chefvolkswirt und
Leiter der Kapitalmarktanalyse
Privatbank Donner & Reuschel
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