Börsentäglich aktuell von der ICF BANK

Morning News & Wochenvorschau

Börsentäglicher Newsletter (Morning News) mit Marktdaten für USA und Japan sowie wichtige News, Termine und Analysteneinschätzungen für Werte aus Deutschland und Europa zum Handelsstart sowie als Wochenvorschau.

Quelle: ICF BANK AG Wertpapierhandelsbank

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Rückschau ICF BANK auf die Handelswoche

Wochenrückblick Anleihehandel

EmittentFälligkeitKuponRendite
Hochtief AG – EUR15.04.20344,000%4,137%
Bayer AG – EUR26.08.20264,000%2,938%
Bundesanleihe – EUR17.09.20262,700%2,192%
Deutsche Post AG – EUR23.12.20303,250%3,222%
Würth Finance – EUR28.08.20313,000%3,168%
Umsatzspitzenreiter Quotrix KW 17 (Renditen p.a. zum 24.04.2026)

Quelle: ICF BANK AG Wertpapierhandelsbank, Frankfurt am Main

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Verlängerung der Unsicherheit

Die Börse zeigt sich selbstbewusst trotz unsicherer Zeiten: Letzte Woche sprang der S&P 500 über die Marke von 7.000 Punkten und markierte am Freitag ein neues Rekordhoch – gleiches gelang dem Nasdaq 100 jenseits der 26.000 Punkte. Auslöser waren Nachrichten, dass der Iran die Straße von Hormus wieder geöffnet hat, was verschiedene Kreuzfahrtschiffe umgehend genutzt haben, die Sackgasse der Golfregion schnellstmöglich zu verlassen.

Die Situation für Öl- und Gastanker sowie Frachtschiffe bleibt aber unübersichtlich. Immerhin hat der US-Präsident letzte Nacht die zweiwöchige Waffenruhe kurz vor Ablauf nochmal verlängert, auch wenn der Terminplan für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen noch unklar ist. Die marktbreiten US-Indizes und der japanische Nikkei 225 haben in ihren Chartbildern damit eine V-förmige Erholung innerhalb von 7 Wochen abgeschlossen.

Für andere asiatische und europäische Aktienindizes ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen. Der DAX liegt rund 5 Prozent unter seinem Rekordstand von Mitte Januar beziehungsweise Ende Februar, auch wenn sich die Notierungen zuletzt über den 24.000 Punkten stabilisierten. Das Problem gestiegener Energiekosten lässt keine schnelle Lösung erwarten und belastet Unternehmen vornehmlich außerhalb des Leitindex: Die Zahl der Insolvenzen im ersten Quartal ist auf dem Höchststand seit 2005. Die Stimmungsindikatoren sind schlecht und das Vertrauen in wirksame Reformen fehlt. Nächste Woche tagen die Notenbanken und müssen wohl zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum abwägen. Auch wenn die Börse wie immer zum Sprung bereit steht – die Unsicherheit bleibt.

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Newsletter vom 22. April 2026

Thomas Strelow, Börse Düsseldorf

Zitat der Woche: Friedrich Merz

„Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter. Sie wird nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern.“

Friedrich Merz
Bundeskanzler
(am 21.04.2026 auf dem Jahresempfang des
Bundesverbands deutscher Banken in Berlin)

ASSET CLASS: ETF-Papst packt aus

Der Podcast von Scalable Capital über Wachstum & Werte

In „Asset Class“, dem Podcast von Scalable Capital, die seit Ende 2024 zusammen mit der Börse Hannover den neuen Handelsplatz European Investor Exchange betreiben, dreht sich alles um die Welt der Investments – von Aktien und ETFs bis zu spannenden Geschäftsmodellen und wirtschaftlichen Trends. Scalable Chief Economist Christian W. Röhl gibt Einblicke hinter die Kulissen der Finanzmärkte und spricht mit inspirierenden Gästen über clevere Strategien für langfristigen Vermögensaufbau.

Kapitalanlagen bergen Risiken. Keine Anlageberatung.

Die aktuelle Folge:

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ASSET CLASS #62 vom 22.04.2026

Sind die Märkte noch sicher? Oder überhaupt effizient? Und was sagt der ETF-Papst Gerd Kommer über Krypto oder Gold im Portfolio?

Christian W. Röhl spricht mit dem Autor des ETF-Standardwerks „Souverän Investieren mit Indexfonds ETFs“ über seine Investment-Anfänge und welche Anlageklassen er als sinnvoll erachtet. Außerdem: Warum Sicherheit eine Illusion ist und warum „Deep Risks“ eine Gefahr für dein Portfolio darstellen.

Weitere Folgen:

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ASSET CLASS #61 vom 14.04.2026

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ASSET CLASS #60 vom 07.04.2026

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Playlist ASSET CLASS (YouTube – Scalable Capital)

Volatile Märkte zwischen Eskalation und Euphorie

Eine besondere Herausforderung in diesen Tagen ist es, das Marktgeschehen in Worte zu fassen und nur eine kurzfristige Prognose zu wagen, denn die hat oft nur eine Halbwertszeit von Stunden. Außer Spesen nichts gewesen – so könnte man das Ergebnis der mit Spannung erwarteten Gespräche zwischen Iran und USA am Wochenende auf den Punkt bringen. Der 10-Punkte Plan der USA schmeckte dem Iran ganz offensichtlich nicht. Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er aus der Not keine Tugend machen würde. In Konkurrenz zum Iran soll jetzt die Straße von Hormus durch die USA blockiert werden, um über gute und böse Schiffe selbst zu entscheiden und ggf. Wegezoll zu kassieren.
Das Scheitern der Gespräche ließ die Ölpreise prompt um rund 8 Prozent auf wieder mehr als 100 Dollar springen, die Aktienmärkte reagierten am Montag anfangs mit Abschlägen, konnten sich dann aber schnell wieder erholen und der Ölpreis pendelt aktuell bei 91 (WTI) bzw. 95 (Brent) Dollar. Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran laufen angeblich weiter und ständig werden Pseudo-Ergebnisse kolportiert, welche die Märkte in die eine oder andere Richtung treiben. Die Waffenpause am Golf scheint stabil zu sein und folglich schöpfen die Märkte mal wieder Hoffnung.
Nach offenem, medialem Schlagabtausch trafen sich am vergangenen Wochenende auch die Koalitionäre der deutschen Bundesregierung, um ihre restlichen Gemeinsamkeiten zu eruieren. Heraus kam ein nettes Maßnahmenpäckchen, bestehend aus einer temporären Energiesteuersenkung von 17 Cent pro Liter für 2 Monate und – wie großzügig – die Möglichkeit einer arbeitgeberfinanzierten steuer- und abgabenfreien Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro. Die Begeisterung von Unternehmen und deren Verbänden hält sich in Grenzen.
Keine Antwort lieferten die Koalitionsspitzen auf die Frage, wie die Unternehmen und Verbraucher dauerhaft entlastet werden könnten und was noch wichtiger wäre: Ist die Versorgung mit Primärenergie in Form von Öl und Gas dauerhaft gesichert? In angrenzenden Ländern wie Tschechien kam es bereits zu Lieferengpässen. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm mahnt zu Reformen, anstatt sich mit fragwürdigen Einzelaktionen von Krise zu Krise zu hangeln.
Ein vorzügliches Statement zur Benzinpreisdebatte liefert auch Dr. Christoph Bruns von der LOYS AG in seiner aktuellen Kolumne.
Der DAX zeigt sich heute etwas freundlicher oberhalb der Marke von 24.000. Fahren Sie bei Ihren Investments weiter auf Sicht bei ausreichender Liquidität.

Ihr Martin Braun, Börse Hannover

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Newsletter vom 15. April 2026

Martin Braun, Börse Hannover

China loading…

Monatlicher Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Zu den tagesaktuellen Entwicklungen im geostrategischen Monopoly können wir in einem monatlichen Standpunkt kaum noch seriös Stellung nehmen. Ebenso wenig zu den erratischen Reaktionen der Kapitalmärkte. Manches davon riecht inzwischen verdächtig nach gezielter politischer und wirtschaftlicher Manipulation, wenn man sich die Meldungen über Transaktionen im Vorfeld entscheidender Verlautbarungen aus dem Weißen Haus ansieht.

Uns interessiert deshalb etwas anderes. Etwas, das sich seit Jahren aufbaut und durch die aktuellen Ereignisse nur noch beschleunigt wird: Chinas wachsendes Gewicht. Der Economist brachte dazu jüngst ein bemerkenswertes Titelbild: ein lächelnder Xi Jinping, daneben ein unscharfer, offenbar schreiender POTUS. Darüber der Satz: „Never interrupt your enemy when he’s making a mistake.“ Der dazugehörige Text trug den Titel: „Donald Trump is the war’s biggest loser“.

Mit dem amerikanischen Fehlerkatalog wollen wir uns hier nicht weiter aufhalten, sondern den Blick Richtung Sonnenaufgang werfen. Nach China.

Es ist übrigens auch für uns das erste Mal, dass wir uns näher mit Fünfjahresplänen beschäftigen. Wir sind keine Asienexperten und sicher auch keine Anhänger chinesischer Governance oder Staatsform. Doch es geht um Strategie.

China steht gerade zwischen zwei Planungsperioden. Der 14. Fünfjahresplan läuft aus, der 15. für die Jahre 2026 bis 2030 wurde im März offiziell verabschiedet. Und ja: Es lohnt sich, da genauer hinzusehen.

Der neue Plan steht für eine Neuausrichtung. Weg vom bloßen Mengenwachstum, hin zu einer „qualitativ hochwertigen Entwicklung“. Das klingt zunächst technokratisch. Ist aber machtpolitisch gemeint.

Technologische Autarkie: China will in Schlüsseltechnologien wie Halbleitern und KI unabhängiger werden und die eigene Innovationskraft ausbauen.
Grüne Transformation: Der Aufbau eines neuen Energiesystems soll sauberer, kohlenstoffärmer und zugleich belastbarer werden.
Wirtschaftliche Sicherheit: Resilienz von Lieferketten und nationale Sicherheit stehen höher im Kurs als kurzfristige Wachstumsraten.
Demografischer Wandel: Die alternde Bevölkerung wird nicht länger verdrängt, sondern mit Reformen beantwortet, etwa über eine schrittweise Anhebung des Rentenalters bis 2030.

(Quelle: International Institute for Strategic Studies, IISS)

Herausgreifen wollen wir den Punkt grüne Transformation, weil hier der eigentliche industrielle Kern liegt. Für China ist das kein Öko-Projekt, kein moralischer Überbau und kein PR-Baustein. Es ist knallharte Industriestrategie. Vier Punkte sind entscheidend:

Der „Doppel-Kohlenstoff“-Pfad (Dual Carbon Goals)
China arbeitet mit zwei festen Daten: Emissionshöhepunkt vor 2030, Klimaneutralität bis 2060. Entscheidend ist aber das Wie. Der Kohleanteil soll sinken, aber nicht um den Preis von Blackouts. Kohlekraft bleibt deshalb Reserve, die hochgefahren wird, wenn Wind und Sonne nicht reichen oder das Netz unter Druck gerät. Die Logik lautet: keine Abschaltung ohne Ersatz. Deshalb baut China weiterhin Kohlekapazitäten aus – über 200 GW sind derzeit im Bau. Nicht schön, aber systemisch gedacht.

Dominanz bei den „New Three“
China will die Marktführerschaft bei Elektrofahrzeugen, Lithium-Ionen-Batterien und Photovoltaik. Und zwar nicht nur im eigenen Markt. Ziel ist Dominanz entlang globaler Lieferketten. Wer dort vorne ist, liefert nicht nur Produkte. Er setzt Standards, diktiert Preise und verschiebt Macht.

Umbau des Energiesystems
China baut Wind- und Solarparks in einem Tempo aus, von dem Europa allenfalls Pressemitteilungen kennt. Vor allem in der Gobi und im Westen des Landes entstehen enorme Kapazitäten. Parallel dazu fließen Milliarden in Speicher, Pumpspeicher und Netze. Das Ziel ist klar: Erneuerbare nicht nur zubauen, sondern systemfähig machen. China installiert inzwischen mehr Wind- und Solarkapazität als der Rest der Welt zusammen. Das ist keine grüne Folklore mehr, das ist industrielle Realität.

Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft
Auch das gehört zur Strategie. „Grün“ heißt in China eben nicht nur weniger CO2, sondern auch weniger Rohstoffabhängigkeit. Batterierecycling, Rückgewinnung von Industriemetallen, Effizienzstandards für Stahl, Zement und Chemie: Das ist Rohstoffpolitik unter grünem Etikett. Oder anders gesagt: Wer die Kreisläufe kontrolliert, kontrolliert morgen die Kosten.

Wer nach Shanghai fährt, sieht schnell, wohin die Reise geht. Dort sind inzwischen rund 75 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch. Natürlich bleibt die chinesische Wirtschaft in weiten Teilen eine Drecksschleuder. Niemand muss sich da Illusionen machen. Aber das Land bewegt sich in eine Richtung, die wirtschaftlich zukunftsfähig ist.

Und dann reicht ein Blick nach Berlin. Schauen Sie sich die Ziele der amtierenden Bundesregierung und dieser Ministerin Reiche an. Merken Sie selbst. Hierzulande steckt man weiter fest in Lobbyismus, Besitzstandswahrung und den Dogmen vergangener Jahrzehnte. „Lang lebe der Verbrenner“ – so klingt das politische Unterbewusstsein.

Besonders deutlich wird der Unterschied beim Netzausbau. China baut Ultra-Hochspannungsleitungen. Strom wird über Tausende Kilometer von den Solar- und Windregionen im Westen zu den Industriezentren an der Ostküste transportiert. Parallel entstehen gigantische Speichersysteme, damit die berüchtigten Dunkelflauten nicht dauerhaft durch Kohle abgefedert werden müssen. Dort denkt man das Energiesystem als Ganzes. Bei uns denkt jeder erst einmal an seinen Zuständigkeitsbereich.

Klar ist auch: China wird von den aktuellen Blockaden rund um die Straße von Hormus nicht unberührt bleiben. Als wichtigster Abnehmer iranischen Öls trifft jede Störung dort auch Peking. Die Chinesen nahmen zuletzt gut 80 Prozent der iranischen Förderung ab. Wenn Washington die Meerenge nun selbst blockieren will, dann trifft das Iran und China zugleich.

Nur: So schnell geht das alles nicht auf. China hat vorgesorgt. Nach Schätzungen des Oxford Institute for Energy Studies liegen die chinesischen Lagerbestände bei etwa 1,1 bis 1,5 Milliarden Barrel. Das dürfte für 110 bis 140 Tage reichen. Europa liegt bei den Reserven in ähnlichen Größenordnungen.

Heißt übersetzt: Diese Blockade braucht Zeit, um überhaupt Wirkung zu entfalten – falls sie das je im gewünschten Maß tut. Bis dahin dürften die Iraner weiter ihre Nachbarn attackieren, während die USA im Nahen Osten immer weniger als Ordnungsmacht wahrgenommen werden. Mikko Huotari von Merics bringt es auf den Punkt: „Trump zieht die Länder am Golf in einen unabgesprochenen Krieg hinein, der ihr eigenes Geschäftsmodell gefährdet.“ Genau daraus entsteht die Machtverschiebung. Wo das amerikanische Schutzversprechen verblasst, wächst Chinas Raum. Und Peking denkt längst weiter. Taiwans Opposition wird bereits mit wirtschaftlichen Angeboten umworben – politisches Wohlverhalten natürlich vorausgesetzt. Auch in Taipeh wird man sich inzwischen fragen, wie belastbar die Schutzversprechen aus Washington wirklich noch sind.

Das Ganze läuft zudem auf einen verschärften Kampf um Rohstoffe hinaus.
https://www.bondguide.de/topnews/mwb-kapitalmarkt-standpunkt-commodities-energy-loading-willkommen-in-der-neuen-weltordnung/
So will China im Mai den Export von Schwefelsäure stoppen. Ein Detail? Keineswegs. Schwefelsäure wird für Dünger, Kupferproduktion, Elektrofahrzeuge, Halbleiter und die Pharmaproduktion gebraucht. Wer an so einer Stelle dreht, bewegt Preise weltweit.

Europa ist in dieser Krise nicht deshalb besonders verwundbar, weil plötzlich physisch nichts mehr aus Hormus käme. Das greift zu kurz. Die eigentliche Schwachstelle liegt bei Preisen, Importabhängigkeiten, LNG-Kosten, Transportketten und Versicherungsprämien. Anders gesagt: Nicht der Tank ist das erste Problem, sondern die Rechnung. Europas Verwundbarkeit ist damit vor allem markt-, wohlstands- und wettbewerbsbezogen.

Deutschland steht dafür exemplarisch. Beim Stromsystem wurde sichtbar aufgeholt; Erneuerbare deckten 2025 bereits gut 55 Prozent des Strombedarfs. Das ist realer Fortschritt, aber eben nur ein Teil der Wahrheit. Stromfortschritt ist noch keine Gesamtenergiesouveränität. Deutschland bleibt bei Öl, Gas, Industrieprozessen und Preisweitergabe verletzlich. Ein globaler Energieschock trifft das Land daher weniger als Versorgungskollaps, sondern als Wachstums-, Wohlstands- und Vertrauensproblem.

Genau deshalb lohnt ein nüchterner Blick auf Habeck. Der strategische Kern seiner Linie war nicht falsch: Mehr heimische erneuerbare Energie senkt geopolitische Abhängigkeit. Nur zeigt 2026 eben auch, wie weit der Weg noch ist. Wer beim Strom vorankommt, ist als Volkswirtschaft noch lange nicht frei.

Und dann kommt Berlin im Jahr 2026. Während China technokratisch puffert und die USA den Schock politisch an der Zapfsäule bezahlen, wirkt Deutschlands Regierung wie eine Fusion aus Kabarett und Trauerspiel. Klingbeil will entlasten und eingreifen, Reiche blockt ab und erklärt zentrale Vorschläge für teuer oder ineffektiv. Herausgekommen ist ein fauler Kompromiss: eine zweimonatige Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter, Volumen etwa 1,6 Milliarden Euro. Gegenfinanziert werden soll das nicht klassisch aus dem Haushalt, sondern über Maßnahmen gegen Ölkonzerne beziehungsweise das Abschöpfen überhöhter Gewinne. Hinzu kommen die Möglichkeit eines steuer- und abgabenfreien Einmalbonus von 1.000 Euro, finanziert über eine höhere Tabaksteuer, sowie die Aussicht auf eine Einkommensteuerreform ab Januar 2027. Das alles ist nicht nichts. Aber stellen Sie sich das Geheule vor, hätte die Ampel das zu verantworten gehabt.

Fast bezeichnender noch ist, was parallel passiert. Statt die Krise als Moment der Verdichtung zu begreifen, verliert sich Berlin im Takt von Boulevard, Empörungsreflex und täglicher Geräuschproduktion. Walgesänge im Boulevard scheinen wichtiger zu sein als die schlichte Frage, wie Deutschland Energie, Industrie und Wachstum wieder belastbar organisiert. So entsteht das Bild einer Regierung, die dauernd sendet, aber nur selten steuert.

Die bittere Pointe: Deutschland hat energiewirtschaftlich Fortschritte gemacht, politisch aber noch keine Antwort gefunden, die dazu passt. Das Land ist nicht mehr so abhängig wie früher, aber noch lange nicht robust. Und die große Koalition wirkt schon vor der eigentlichen Bewährungsprobe genauso gestrandet wie Timmy. Und der tut uns leid.

Zu mwb:

Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart. mwb ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: Wertpapierhandel und Corporates & Markets. Im Wertpapierhandel betreut mwb rund 46.000 Orderbücher für deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds. Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.

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mwb Kapitalmarkt-Standpunkt

vom 15. April 2026
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Kai Jordan – Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank AG

Kontakt und weitere Informationen:
mwb Wertpapierhandelsbank AG         
Kai Jordan                 
Kleine Johannisstraße 4        
20457 Hamburg                     
Tel: +49 40-360995-20                    
E-Mail: kjordan@mwbfairtrade.com

Zitat der Woche: Joel Greenblatt

„Preise schwanken stärker als Werte. Genau darin liegen die Chancen.“

Joel Greenblatt
US-amerikanischer Investor

Es lebe die Vielfalt

Das GoingPublic-Magazin blickt ins Heft 01/2026 auf die Entwicklung der Listings im Jahr 2025 an der Börse Düsseldorf zurück, insbesondere im allgemeinen Freiverkehr und dem Düsseldorfer Qualitätssegment Primärmarkt.

Im Magazin der GoingPublic Media AG berichtet Oliver Vollbrecht in seinem Artikel „Es lebe die Vielfalt“ über die Entwicklung der Listings an der Börse Düsseldorf. Er beschreibt die Aktivitäten in Bezug auf sogenannte Primär- oder auch Neulistings im Jahr 2025 als insgesamt positiv, hebt jedoch zugleich strukturelle Schwächen und einen unsicheren Ausblick für 2026 hervor.

Im vergangenen Jahr konnte die Börse bereits zum dritten Mal in Folge einen Anstieg der Neulistings verzeichnen: Insgesamt 14 Unternehmen wurden neu aufgenommen. Besonders betont wird dabei die große Vielfalt der Geschäftsmodelle, die von Industrie- und Technologieunternehmen bis hin zu Pharma- und Beteiligungsgesellschaften reicht. Diese Diversität steigert die Attraktivität des Börsenplatzes, da Investoren von breiteren Diversifikationsmöglichkeiten profitieren.

Auffällig ist zudem die heterogene Herkunft der Emittenten. Einige Unternehmen wechselten von anderen Börsenplätzen wie Berlin oder Hamburg nach Düsseldorf, während andere gezielt den allgemeinen Freiverkehr oder das Primärmarktsegment nutzten, um im Vergleich zum Regulierten Markt von geringeren regulatorischen Anforderungen zu profitieren. Auch internationale Gesellschaften fanden ihren Weg an den Rhein. Klassische Börsengänge standen dabei nicht immer im Vordergrund; stattdessen wurden vermehrt alternative Wege an den Kapitalmarkt genutzt, etwa Listings ohne öffentliches Angebot.

Ein besonderes Merkmal des Düsseldorfer Marktes ist die vergleichsweise häufige Nutzung von Mantelgesellschaften, also börsennotierten Hüllen ohne operatives Geschäft, die später durch Übernahmen oder Einbringungen „gefüllt“ werden. Diese Konstruktionen ermöglichen einen schnellen Zugang zum Kapitalmarkt, sind jedoch für Investoren mit Unsicherheiten verbunden. Als prägnantes Beispiel für innovative, aber komplexe Strukturen nennt Vollbrecht die SPARTA Invest AG, die über eine Verschmelzung und die Ausschüttung einer Sachdividende den Weg an die Börse fand. Solche Modelle zeigen die Flexibilität des Marktes, erhöhen jedoch zugleich die Komplexität für Anleger.

Charakteristisch für viele der gelisteten Unternehmen ist ihre geringe Größe. Zahlreiche Neuzugänge bewegen sich im Bereich von Micro- oder Nano-Caps, teilweise mit Marktkapitalisierungen von unter einer Million Euro. Dies führt zu einer oft sehr niedrigen Handelsliquidität, sodass ein kontinuierlicher Börsenhandel nicht immer gewährleistet ist. Gleichzeitig ist die Informationslage zu vielen dieser Unternehmen begrenzt, was die Bewertung zusätzlich erschwert und das Risiko für Investoren erhöht.

Insgesamt bewertet der Artikel das Jahr 2025 als erfolgreich hinsichtlich der Anzahl und Vielfalt der Listings, sieht aber klare Einschränkungen in der Marktqualität. Für das Jahr 2026 fällt der Ausblick deutlich verhaltener aus. Wirtschaftliche und politische Unsicherheiten sowie eine kritischere Haltung der Investoren gegenüber Geschäftsmodellen dürften den Markt belasten. Zudem hat bislang kein Unternehmen den Schritt in den regulierten Markt gewagt. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Fortsetzung des Wachstumstrends bei den Neulistings fraglich, sodass für 2026 eher mit einer schwierigeren Entwicklung gerechnet wird.

Zitat der Woche: Joachim Ringelnatz

„Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.“

Joachim Ringelnatz, deutscher Schriftsteller